ROSENKRANZ-SÜHNEKREUZZUG UM DEN FRIEDEN DER WELT
RSK - Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt
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  Lesejahr C

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.

Gedanken zum 23. Sonntag im Jahreskreis
05.09.2010; Phlm 9b-10.12-14

Eine neue Art von Autorität

"Herrschaftsfreie Kirche!" - Dieses Schlagwort wiederholen seit Jahren manche Christen, die der kirchlichen Autorität kritisch gegenüberstehen und diese unter Berufung auf Jesus (vgl. Mt 23,8-12, Mk 10,42-45) oft ganz in Frage stellen. Bedingt ist eine solche Forderung meist durch schlechte Erfahrungen mit kirchlichen Stellen, deren "Regierungsstil" mitunter mehr weltlichen Systemen als der Kirche Jesu entspricht.

Wie christliche Autoriät ganz im Geiste Jesu ausgeübt werden kann, lehrt der kleine Brief, den Paulus an den reichen Christen Philemon und seine Hausgemeinde geschrieben hat.

Der Apostel war sich durchaus der ihm zustehenden Autorität bewusst (z.B. 1 Kor 4,21; 2 Kor 13,10) und schreibt auch in diesem Brief, dass er dem Philemon befehlen könne (Phlm 8; vgl. Phlm 21). Er macht dies aber nicht geltend, sondern wendet sich bittend an Philemon unter Hinweis auf die Liebe, die beide verbindet (Phlm 9), auf sein Alter (über 50 Jahre) und auf seine augenblickliche Gefangenschaft im Dienste Christi. Auffallend ist, mit welcher Herzlichkeit sich der Apostel an den wendet, dem er gebieten könnte.

Während seiner Gefangenschaft (vermutlich in Ephesus) konnte Paulus nämlich den Sklaven Onesimus, der aus dem Dienst bei Philemon (in Kolossä) weggelaufen war, für Christus gewinnen. Nach geltendem Recht gehörte dieser noch Philemon, und Paulus war verpflichtet, ihn zurückzuschicken (das Zurückhalten geflohener Sklaven war strafbar).

Durch seine Bekehrung aber ist Onesimus jetzt engstens mit Paulus verbunden, so dass dieser ihn sein "Kind" und "sein Herz" nennen kann. Der Apostel möchte ihn sogar gerne zurückbehalten, damit er ihm und anderen Gefangenen diene (Besorgung von Nahrung, Botengänge), sozusagen an Stelle des dem Paulus verpflichteten Philemon. Er will aber Philemon nicht dazu zwingen, sondern wirbt darum, dass dieser als Christ von sich aus auf seine alten Rechte gegenüber dem Sklaven verzichtet.

Der in herzlichem Ton abgefasste Brief an Philemon kann als Modell dafür gelten, wie in der Gesamtheit der Kirche, in den einzelnen Gemeinden und in den Familien, von notwendigen Ausnahmen abgesehen (vgl. 1 Kor 5,3-5), Autorität ausgeübt werden soll. Um die Kirche in diesem Sinn zu reformieren, muss jeder zunächst bei sich selbst anfangen.                            

aus: Jacob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 22. Sonntag im Jahreskreis
29.08.2010; Hebr 12,18-19.22-24a

Hoheit des Neuen Bundes

Beschämt muss die Christenheit eingestehen, dass sie in der Vergangenheit dem jüdischen Volk gegenüber schwere Schuld auf sich geladen hat. Nicht selten drängen darum Christen heute dazu, auf jeden Vorrang des Neuen Bundes vor dem Alten zu verzichten. Damit aber geben sie letztlich einen Kern des christlichen Glaubens preis.

Um die Sonderstellung des Neuen Bundes seinen Lesern verständlich zu machen, skizziert der Verfasser dieser Lesung mit wenigen Strichen die Versammlung Israels am Berg Sinai, wie sie in jüdischen Schriften (über das AT hinaus) oft ausgemalt wurde: Dieses für den Alten Bund grundlegende Ereignis war durch sichtbare und hörbare Zeichen geprägt, die den Anwesenden Angst und Schrecken vor der Nähe des unsichtbaren Gottes einflößten (Hebr 12,20f; vgl. spätere Schilderungen des Weltgerichts).

In Kontrast dazu zeichnet der Schreiber des Briefes die Versammlung der Getauften: nicht am Sinai, sondern auf dem neuen Sion (vgl. Offb 14,1), in der Stadt des lebendigen Gottes, die als Erfüllung der alten Verheißungen "himmlisches Jerusalem" genannt wird (vgl. Gal 4,26). In diesem Himmel und Erde umfassenden Bereich nehmen die Getauften schon teil am Lobpreis der Engel (vgl. das "Heilig, heilig, heilig" der Liturgie). 

Sie stehen damit in der "Kirche" (wörtlich) als Menschen, die alle den Ehrentitel "die Erstgeborenen" tragen dürfen (im AT gilt Israel als "erstgeborener Sohn" [z.B. Ex 4,22f]) sie sind zum ewigen Leben bestimmt, wie ihre im Himmel aufgezeichneten Namen anzeigen (vgl. Dan 12,1; Lk 10,20; Offb 3,5).

Die Zugehörigkeit zum himmlischen Jerusalem bedeutet zugleich eine einzigartige Nähe zum Richter, den alle Menschen fürchten. Diese Vertrautheit mit Gott befreit die Christen von Furcht, verpflichtet sie aber, ihre Sonderstellung nicht durch Untreue zu verscherzen. Dazu spornt auch die enge Verbindung mit denen an, die schon das Ziel ihres Lebens erreicht haben (die Heiligen). Im Unterschied zu Israel erhält die Versammlung der Christen ihre besondere Note durch die Anwesenheit Jesu, der durch seinen Tod Mittler und Stifter des Neuen Bundes wurde.

Die mit alttestamentlich-jüdischen Bildern beschriebene Auszeichnung des Neuen Bundes macht uns Christen auf die Herkunft der Kirche vom Alten Bund aufmerksam. Ohne den Absolutheitsanspruch Jesu Christi aufzugeben - dies wäre eine Aufhebung des Neuen Bundes -, müssen alle Christen die Juden als ihre Verwandten besonders lieben und das gemeinsame Hinzutreten zum himmlischen Jerusalem und zu Jesus Christus erflehen.

aus: Jakob Kremer; Gottes Wort in der Sprache von Menschen                                      

 Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 21. Sonntag im Jahreskreis
22.08.2010; Hebr 12,5-7

"Wen er liebt, den züchtigt er"

"... Und Wen er (Gott) liebt, den schlägt er", sagt der Metzger Oskar zu der leidgeprüften Marianne in Ö. v. Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald". Der Dichter äußert damit seinen Unmut über eine in frommen Kreisen verbreitete Deutung des Leidens. Die kritisierte Interpretation menschlicher Schicksalsschläge aus dem Buch der Sprichwörter (3,11f) ist sehr alt (vgl. Dtn 8,5); sie wird aber falsch verstanden, wenn man sie ohne Berücksichtigung ihrer Herkunft einfach buchstäblich nimmt.

Der Verfasser des Hebräerbriefes zitiert sie in seiner Mahnung an Christen, die noch nicht "bis aufs Blut" (bis zum Martyrium) Widerstand leisten mussten (Hebr 12,4a), aber offensichtlich mit ihrer Leidenssituation nicht zurechtkommen. Deshalb gibt er ihnen den Text, den ein Weisheitslehrer aus seiner Erfahrung formulierte, als eine von Gott selbst (vgl. Hebr 4,12) an sie gerichtete Ermahnung bzw. Ermutigung zu bedenken.

Die Anrede "mein Sohn" deutet aus der Sicht des Briefschreibers auf das besondere Verhältnis der Leser zu Gott hin: Sie sind Kinder Gottes. Aus dieser Sicht sollen sie das verstehen, was ihnen zustößt. Das ihnen von Menschen zugefügte Leid braucht sie darum nicht irrezumachen. Was sie gemäß der damaligen Gewohnheit, alles direkt auf Gott zurückzuführen, als "Schläge Gottes" empfinden (wir sprechen heute von Zulassungen Gottes"), dürfen sie sogar als Beweis dafür werten, dass sie wirklich Kinder Gottes sind: denn in der Erziehung galt damals ja der Grundsatz: "Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn" (Spr 13,24). Aus solcher Auffassung von Erziehung durch Züchtigung kann der Verfasser sogar schreiben, dass der ewige Sohn "durch Leiden den Gehorsam gelernt" habe (Hebr 5,8).
Wir urteilen heute anders über Erziehung und bedenken auch anders als früher, dass Gott nicht alles selbst tut, sondern vieles nur zulässt. Wenn wir das übersehen und den biblischen Spruch einfach nachsprechen, wecken wir damit leicht die fragwürdige Vorstellung von einem Gott, der wie ein zorniger Vater seine Kinder schlägt.

Allerdings muss der zeitbedingt formulierte Text uns auch heute noch nachdenklich stimmen: Mahnen uns nicht die bitteren Folgen menschlicher Sünde (etwa des Hochmuts kurzsichtiger Wissenschafter und Verächter christlicher Moral) zur Umkehr? Dürfen wir nicht sogar in dem, was Gott zulässt, den Wink eines Vaters erkennen, der uns vor Schlechterem bewahren möchte?

  aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen
               

Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir
den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 20. Sonntag im Jahreskreis
15.08.2010; Hebr 12,1-4

Ansporn im Wettkampf des Lebens

Wie heute spielte auch in der Antike der Sport eine große Rolle. Dies belegen außer den Ruinen der alten "Stadien" viele Texte, die "Wettkämpfe" und "Siegeskränze" als Vergleich benützen (z.B. 1 Kor 9,24-27). In einzigartiger Weise greift auch der Verfasser dieser Lesung darauf zurück.

Die vorher aufgezählten Beispiele des Glaubens (Hebr 11,2-40) vergleicht er mit einer "Wolke", einer Menge von Zuschauern, die den Läufern beim Wettkampf zusehen und sie unter Hinweis auf den eigenen Lauf (als "Zeugen" des Galubens) anspornen. Ihrem Beispiel folgend, solen die Leser alles ablegen, was sie an der Erlangung des Siegens hindert, vor allem die Sünde.

In dem ihnen auferlegten "Wettkampf" christlicher Existenz brauchen die Adressaten vor allem Geduld und Ausdauer (vgl. Hebr 10,36), da ihre anfängliche Begeisterung für Christus in den täglichen Auseinandersetzungen zu erlahmen droht. Wie Wettläufer durch den winkenden Siegespreis und durch anfeuernde Zurufe neuen Mut schöpfen, so sollen die Leser durch den Blick auf Jesus neuen Schwung erhalten.

Dieser wird hier mit einer tiefsinnigen liturgischen Formel "Urheber und Vollender des Glaubens" genannt. Er ist nämlich einerseits Begründer und Anführer des Glaubensweges (beides besagt griechisch archegos), da er zum Glauben befähigt und als Glaubender selbst den Weg vorangegangen ist; er hat andererseits das Ziel schon erreicht und seinen Lauf vollendet.

Mit wenigen Worten schildert der Verfasser den Glaubensweg Jesu: In Erwartung der für ihn als Siegespreis bereitliegenden Freude bei Gott, der Herrlichkeit beim Vater (vgl. Joh 17,5), hat er sich durch die Schmach des Kreuzes nicht abhalten lassen, das zugewiesene Leidenslos anzunehmen; so gelangte er zur Vollendung, zur Teilhabe an Gottes Macht und Herrlichkeit, wie sie dem Sohn zur Rechten des Königs gebührt. (Der Urtext lässt auch die schwer deutbare Übersetzung zu: "Der obwohl er Freude [irdische oder himmlische?] hätte haben können, das Kreuz erduldete" [Lutherbibel].)

Als Krönung der "Wolke der Zeugen" wird hier also Jesus jedem Christen als Vor- und Urbild aller Glaubenden vor Augen gestellt. Kann uns nicht gerade in einer Welt, wo vieles fraglich und unsicher geworden ist, der Glaube Jesu, sein im Leiden gelernter und bewährter Glaubensgehorsam (vgl. Hebr 5,7), den Weg weisen und uns anspornen, im Wettkampf des Lebens durchzuhalten?                             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 19. Sonntag im Jahreskreis
08.08.2010; Hebr 11,1-2.8-10

Glauben - ein "Feststehen"

Wir sagen oft "ich glaube", meinen damit aber nicht immer dasselbe. So ist das Bekenntnis "ich glaube an Gott" als Ausdruck vertrauensvoller Hingabe verschieden von der Aussage "ich glaube, dass Gott der Schöpfer der Welt ist". Häufig gilt Glauben als eine Art zweitrangiges Wissen: es betreffe Wahrheiten, die man nicht einsehen, verstehen und beweisen, sondern "nur glauben" könne. Dabei wird übersehen, wies ehr zentrale Gegebenheiten unseres Lebens zwar "nur im Glauben" zu erkennen sind (z.B. dass mich jemand liebt), aber deshalb nicht weniger überzeugen als wissenschaftliche Ergebnisse. Außerdem reicht die Wirklichkeit unseres Lebens wesentlich weiter als die messbare Welt der Naturwissenschaften.

Im Rahmen seiner Ermahnung zum Standhalten in Verfolgungen bietet der Verfasser des Hebräerbriefes vor der Aufzählung von Glaubensbeispielen eine Art Definition. Diese stellt allerdings nur zwei Aspekte des Glaubens heraus, die für die folgenden Darlegungen wichtig sind (es fehlt z.B. das für Paulus so wesentliche Moment des Galubens an Jesus Christus).

Glauben ist zuerst ein "Feststehen": die feste Überzeugung, ja Garantie hinsichtlich der erhofften Heilsgüter. Grund dieser Festigkeit ist nicht etwa menschliche Berechnung oder Sehnsucht (Wunschdenken), sondern die Zusage Gottes (vgl. Ps 119,49). Durch diese Verankerung in Gottes Wort unterscheidet sich biblischer Glaube wesentlich von bloßen Vermutungen und Annahmen. Charakteristisch für den hier erörterten Glauben ist zweitens, dass er Wirklichkeiten betrifft, die mit den Augen nicht wahrzunehmen sind. Wie die im folgenden aufgezählten Beispiele zeigen, rechnet der Glaubende nicht bloß mit dem, was seine Augen sehen und sein Verstand erkennen können. Im Glauben weiß er vielmehrvon der Existenz der ihm verheißenen himmlischen Welt.

Eine solche ganz auf die unsichtbare Zukunft ausgerichtete, aber in Gottes Zusage verankerte Glaubenshaltung bezeugen viele Angehörige des Alten Bundes ("die Alten"), angefangen von Abel (Hebr 11,4), Henoch (Hebr 11,5) und Noach (Hebr 11,7). Als markantes Zeugnis wertet der Verfasser das Verhalten Abrahams: Auf Gottes Ruf hin verließ er die sichere Heimat und begab sich in eine unbekannte Ferne, einzig gestützt auf die göttliche Zusage. Durch diese und andere Glaubenserweise (vgl. Hebr 11,17-19) wurde er Vater der Glaubenden.

Diese Darlegung vermag auch uns heute noch im Glauben zu stärken. Wie Abraham sind wir alle - menschlich betrachtet - unterwegs in eine ungewisse Zukunft. Gottes Verheißung aber gibt uns die feste, unerschütterliche Hoffnung, dass unsere Zukunft nicht Tod, sondern Leben in Fülle heißt.                               

Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen,denn du hast uns an Kindes Statt angenommenund uns den Geist deines Sohnes gesandt.Gib, daß wir in diesem Geist wachsenund einst das verheißene Erbe empfangen.

Barmherziger Gott, was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,das hast du denen bereitet, die dich lieben. Gib uns ein Herz,das dich in allem und über alles liebt,damit wirden Reichtum deiner Verheißungen erlangen, der alles übersteigt, was wir ersehnen.Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen,denn du hast uns an Kindes Statt angenommenund uns den Geist deines Sohnes gesandt.Gib, daß wir in diesem Geist wachsenund einst das verheißene Erbe empfangen.

Barmherziger Gott, was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,das hast du denen bereitet, die dich lieben. Gib uns ein Herz,das dich in allem und über alles liebt,damit wirden Reichtum deiner Verheißungen erlangen, der alles übersteigt, was wir ersehnen.Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen,denn du hast uns an Kindes Statt angenommenund uns den Geist deines Sohnes gesandt.Gib, daß wir in diesem Geist wachsenund einst das verheißene Erbe empfangen.
Gott, unser Herr,du verbindest alle, die an dich glauben,zum gemeinsamen Streben.Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,und ersehnen, was du uns verheißen hast,damit in der Unbeständigkeit dieses Lebensunsere Herzen dort verankert seien,wo die wahren Freuden sind.

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
daß wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 18. Sonntag im Jahreskreis
01.08.2010; Kol 3,1 - 4

Sucht, wo Christus ist!

"Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" (Mt 6,21). Dieser Spruch Jesu knüpft an eine alte Menschheitserfahrung an: Trachten und Sinnen des Herzens kreisen um das, was man schätzt.

Die Lesung fordert uns auf: "Sucht das, was oben ist, wo Christus ist sitzend zur Rechten Gottes" (wörtlich). Wir sind nämlich "mit Christus" verbunden und mit ihm durch die Taufe der Macht des Todes entrissen. Während wir aber noch auf Erden weilen, hat er schon bei Gott (im Himmel) die Vollendung erreicht und Anteil an der Macht Gottes (dies besagt das Bild vom Sitzen zur Rechten). Als Getaufte und Auferstandene müssen wir darum alles daran setzen, den Abstand zwischen uns hier auf Erden und Christus im Himmel zu überwinden, um ganz bei dem zu sein, mit dem wir seit der Taufe verbunden sind. Konkret heißt das, auf das zu sinnen, was "oben" ist, über dieser dem Tod preisgegebenen Erde. Das ist keine Abwertung des Irdischen und keine Aufforderung zur Weltverneinung, wohl aber fordert es von uns, das Irdische und Vergängliche nicht zum Maßstab des Denkens zu machen (Paulus nennt es "das Trachten des Fleisches", vgl. Röm 8,5f); denn das Ziel des Lebens ist nicht der Tod, sondern die Auferstehung mit Christus.

 Das erhellt aus der gläubigen Sicht der Taufe: Durch sie sind wir im Grund für diese Welt des Todes schon gestorbenund besitzen mit Christus schon das neue, bleibende Leben. Allerdings ist dieses noch nicht sichtbar, sondern nur im Glauben zu erfahren. Wie für die Apokalyptiker die zukünftige Welt schon im Himmel verborgen bereitliegt und von dirther am Ende sichtbar wird (vgl. Offb 21,2-3), so liegt für den Verfasser das uns in der Taufe hier auf Erden schon geschenkte neue Leben zugleich noch im Himmel bei Gott verborgen: Erst am Ende, wenn Christus selbst als Spender unseres wahren Lebens allgemein sichtbar wird, werden auch wir erkennbar als solche, die mit Christus leben in herrlichem Glanz.

An die Stelle des traditionellen Bildes vom Weltgericht tritt hier das Bild der Enthüllung. Die Bibel spricht also in unterschiedlichen Bildern von der Spannung zwischen dem in der Taufe schon geschenkten Auferstehungsleben mit Christus und dessen noch ausstehender Vollendung am Ende der Zeiten.

Im christlichen Leben kommt es darauf an, immer mehr das zu werden, was wir durch die Taufe schon sind: Mit Christus auferweckt und mit ihm zu einem Leben in Herrlichkeit bei Gott bestimmt. Die alttestamentliche und jüdische Aufforderung "sucht Gott" bzw. "sucht das Reich Gottes" heißt also für die Getauften: Sucht, wo Christus ist! 

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

                         

Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
daß wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 17. Sonntag im Jahreskreis
25.07.2010; Kol 2,12 - 13

Schon ein neuer Mensch

"Jetzt bin ich ein neuer Mensch!" - So sagen viele an heißen Sommertagen, wenn sie nach harter Arbeit oder ermüdender Wanderung ein erfrischendes Bad genommen haben. Diese allgemeinmenschliche Erfahrung legte es schon in jüdischen Kreisen nahe, ein kultisches Bad (etwa die Proselytentaufe) als "Wiederbelebung zu bezeichnen. Die Christen haben nach Jesu Auferstehung schon bald die von Johannes übernommene Taufpraxis als ein Zeichen der Erneuerung des Lebens gedeutet. Paulus setzt Röm 6,3f voraus, dass die Leser um die Beziehung zwischen Taufe und Jesu Tod wissen:"Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod. "Durch die christliche Taufe wird der Täufling also hineingenommen in das Schicksal des Gekreuzigten, so dass er als mit Christus Gestorbener und Begrabener gelten kann.

Der Verfasser des Kolosserbriefes kann in Fortführung dieser Gedanken erklären, dass der Getaufte als mit Christus Gestorbener nicht bloß zu einem neuen Leben verpflichtet ist und auf die eigene noch ausstehende Auferstehung hoffen darf (so Röm 6,4f); er ist vielmehr jetzt schon ein Auferstandener, ein neuer Mensch. Was Paulus gewöhnlich erst für die Zukunft erwartet, ereignet sich nach den Worten seines Schülers bereits in der Gegenwart; am Ende der Zeit erfolgt darum aus seiner Sicht nicht mehr eine Auferstehung, sondern wird nur das in der Taufe verliehene neue Leben allen "offenbar" (Kol 3,3).

Diese gegenüber traditionellen Anschauungen neue Sicht der Taufe wird durch eine zusätzliche Erklärung verdeutlicht: Infolge ihrer Sünden waren die Leser "tot" (die fehlende Beschneidung kennzeichnete sie als Heiden und Sünder); in der Taufe hingegen wurden sie von all ihrer Sünde befreit und so mit Christus "lebendig gemacht". Sie brauchen demnach nicht erst auf ein künftiges Weltgericht zu warten, das sie freispricht.

Wie die Ermahnungen des ganzen Briefes zeigen, folgt daraus aber nicht, dass den Getauften dieses neue Leben schon vollständig und endgültig gegeben ist und keiner Bewährung mehr bedarf. Gegen ein solches Missverständnis der Gegenwartsaussagen mussten sich später Gemeindelieter wehren (vgl. 2 Tim 2,18), und deshalb wuden die Worte über die schon in der Taufe erfolgende Auferstehung in der Folge kaum beachtet. Ist aber die Freude der Christen indieser Welt und bei ihren Gottesdiensten letztlich nicht darin begründet, dass wir jetzt schon der Macht des Todes entrissen sind und an der Herrlichkeit des Auferstandenen teilhaben? Aus dieser Sicht hat das Leben der Christen in dieser Welt zeichenhaften Charakter und die christliche Mission einen ganz hohen Stellenwert.                                                    

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Gott ist mein Helfer, der Herr beschützt mein Leben. Freudig bringe ich dir mein Opfer dar und lobe deinen Namen, Herr,
denn du bist gütig.

Gedanken zum 16. Sonntag im Jahreskreis
18.07.2010; Kol 1,24 - 26

Vom Wert des Leidens

Gesundheit ersehnen wir alle und wünschen sie auch anderen. Was aber tun Menschen, denen durch Erkrankung, Unfall oder Alter die Gesundheit fehlt? In den Augen vieler hat ihr zu Untätigkeit und Leiden verurteiltes Leben keinen Wert. Unsere Lesung urteilt anders. 

Ihr Verfasser verdeutlicht hier im Blick auf seine Leser die Aussagen des Paulus über seine "Schwäche" (1 Kor 12,9; 2 Kor 13,9) und seine enge Verbindung mit dem Gekreuzigten (Gal 2,20; Phil 3,10; 2 Kor 4,10): Die dem Apostel in der Gefangenschaft auferlegten Leiden sind ihm regelrecht Anlass zur Freude. Diese resultiert aber nicht (wie bei Masochisten) aus dem empfundenen Schmerz, sondern aus dem Wissen um die Nützlichkeit seiner Bedrängnisse des Christus" (wörtlich) aufweisen. Das heißt nicht, dass Jesus etwa ein ihm vom Vetr auferlegtes Leidensmaß nicht erfüllt habe und daher seine Sühne unvollständig sei. Gemeint ist vielmehr: Das messianische Werk des Christus ist noch nicht vollendet (vgl. 1 Kor 15,24-26) und mit Bedrängnissen verbunden. Paulus darf deshalb sein Leiden im Dienst der Verkündigung als Anteil an diesen "Bedrängnissen des Christus" bewerten, um allen Menschen das Wort Gottes in seiner Fülle zu verkünden. Was der Apostel in seinem irdischen Leben ("in meinem Fleisch", wörtlich) erduldet, kommt dank seiner Verbundenheit mit dem Gekreuzigten dem "Leib des Christus", der Gemeinschaft aller Getauften, zugute. Wie die Kirche ihre Existenz wesentlich Jesu gehorsamer Annahme des Kreuzes verdankt, so wird ihr Aufbau entscheidend durch die gehorsame Übernahme von Bedrängnissen im Dienst des Evangeliums gefördert. 

Das gilt natürlich zunächst für Paulus, dem ein einzigartiges Dienstamt anvertraut wurde: Die Verkündigung des Evangeliums bei den Heiden, die alle nach einem bis dahin verborgenen Heilsplan Gottes zur Teilhabe an der Herrlichkeit Christi berufen sind. Mit Recht leitet aber die Christenheit davon ab, dass jedes im Glauben an Christus angenommene Leiden dank der Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten (vgl. 1 Petr 2,21) zur Vollendung des Heilswerkes Christi beiträgt, mögen die Betroffenen auch diesen Wert ihrer Ohnmacht, Bedrängnis und Krankheit nicht berrechnen können.                                   

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen


Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft,
zu meiden, was diesem Namen widerspricht,
und zu tun, was unserem Glauben entspricht. 
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 15. Sonntag im Jahreskreis
11.07.2010; Kol 1,15-20

Christen und das All

Auf Urlaubsreisen begegnen manche erstmalig hautnah anderen Weltreligionen. Unwillkürlich stellt sich dann die Frage: Ist Jesus Christus wirklich der Erlöser aller, auch der Buddhisten und Hinduisten? Ist der Absolutheitsanspruch des Christentums angesichts der älteren Religionen des Fernen Ostens nicht eine Anmaßung kleiner Geister?

Diesbezüglich sind die späten, wohl von Schülern des Apostels stammenden Paulusbriefe (Epheserbrief, Kolosserbrief) aufschlussreich. Gegenüber Bestrebungen, das Evangelium zeitgenössischen Philosophien anzugleichen, verteidigt der Verfasser des Kolosserbriefes den Vorrang Jesu, indem er u.a. ein Lied zitiert, das die Hoheit Christi in mehreren Titeln feiert.

Als "Bild" Gottes lässt uns Christus in seinem Leben, Sterben und Auferstehen das Wesen des unseren Sinnen nicht zugänglichen Schöpfers erkennen: Dieser ist für uns da und will uns an seiner Herrlichkeit Anteil geben. Nach der orientalischen Auffassung von "Bild" ist nämlich der Abgebildete in seinem Ebenbild regelrecht präsent.

"Erstgeborener" meint hier eine rangmäßige Priorität: Christus ist nicht etwa das erste aller Geschöpfe, sondern derjenige, in dem, durch den und auf den hin "alles" erschaffen wurde. Die Urkirche übertrug dabei alte Ehrentitel der Weisheit (durch die Auferstehung von den Toten); diese bedeutete eine Erneuerung der schon im Blick auf den ewigen Sohn und durch diesen geschehenen ersten Schöpfung. Alles hat demnach im Sohn, der mit dem Vater eins ist, seinen Halt und zerfällt ohne ihn ins Nichts (vgl. Hebr 1,3).

"Haupt des Leibes" (ein damals verbreiteter Ausdruck für die lebensspendende Macht über die Welt) wird Christus besonders im Blick auf die Kirche genannt. Die kleine Schar der Christen rühmt sich demnach, dass der Herr des Alls ihr eigenes "Haupt" ist und sie mit seinem Geist erfüllt.

"Ursprung" und "Erstgeborener aus den Toten" deuten an, dass der von Anfang an bestehende Vorrang Christi durch seine Auferweckung von den Toten und die damit eingeleitete Auferstehung aller Toten seine volle Erfüllung findet.

Wie die ersten Leser erinnert dieser alte Christushymnus auch uns daran, dass der gekreuzigte und auferstandene Herr der Kirche allen Menschen zeigt, wer Gott ist. Mögen viele heute auch fern von Christus leben, so sind sie doch berufen, durch ihn das ersehnte echte und bleibende Leben zu erlangen. 

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis
04.07.2010; Gal 6, 14-16

Was zählt wirklich?

Wie war dein Zeugnis? Was verdienst du? Wohin fährst du in den Ferien? Viele erwarten, dass die Gefragten darauf eine stolze Antwort geben und sich ihrer Leistung rühmen (sonst wäre das Fragen danach unhöflich). Wer ein wenig über das menschliche Leben nachdenkt, erkennt, wie wenig solche "Leistungen" zählen. Das gilt nach Paulus auch für andere Ruhmestitel, wenn er auch im Kontext dieser Lesung zunächst auf das "Angeben" seiner Gegner anspielt, durch ihren Eifer möglichst viele Christen zum Einhalten des jüdischen Gesetzes geführt zu haben.

Für Paulus zählt seit seiner Bekehrung und Berufung vor Damaskus nur mehr eins: das Kreuz Christi. Der Apostel meint damit nicht bloß das ärgerniserregende Marterholz, sondern das damit symbolhaft angedeutete Sterben Jesu, das das eigene Leben des Apostels mitbestimmt (vgl. Phil 3,8.10). Durch Jesu Kreuzestod ist für ihn die Welt "gekreuzigt"; denn für ihn ist der gewohnte Lebensbereich mit seinen Gesetzen, Begierden (vgl. Gal 5,24), Zwängen und Zukunftsaussichten im Grunde tot und führt seither nur mehr eine Scheinexistenz (vgl. "das Alte ist vergangen", 2 Kor 5,17).

Paulus kann sogar schreiben, dass er selbst als ein mit Christus (in der Taufe) Gekreuzigter (vgl. Gal 2,19) für die Welt tot ist. Ihre Wertmaßstäbe und Vorschriften gelten darum für ihn nicht mehr. Das betrifft nicht bloß die zur Debatte stehende Beschneidung, auf die er früher so stolz war (vgl. Phil 3,5), sondern auch die anderen Gesetze, für die er einst geeifert hatte (Gal 1,14). Jetzt zählt einzig die "neue Schöpfung". Diesen im Judentum geläufigen Ausdruck für die zukünftige Erschaffung einer neuen Welt verwendet Paulus, um die ihm jetzt schon durch Christi Kreuz zuteil gewordene Existenz zu bezeichnen, die nicht mehr dem Gesetz des Todes unterworfen ist. Das ist für Paulus der höchste Wert.

Wer nach diesem "Maßstab" (wörtlich) sein Leben ausrichtet, dem gelten jetzt schon die verheißenen Heilszusagen (vgl. Ps 16,5; 69,14): "Frieden" (im Sinn von Heil und Glück) und "Erbarmen" (sündentilgende Huld und belebende Freundschaft Gottes). Der Christ gehört nämlich zum "Israel Gottes" (im Unterschied zu einem Israel, das auf die Gesetzesbeobachtung pochte). Angesichts des verbreiteten Rühmens mit Erfolg und Leistung verweist uns Paulus noch heute auf das, was allein zählt und bleibt.                                                           

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Halleluja. Halleluja.
Rede, Herr, dein Diener hört.
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Halleluja.


 

 

Gedanken zum 13. Sonntag im Jahreskreis
27.06.2010; Gal 5,1.13-18

Befreiung zur Liebe

Ferien - Urlaub: Freisein von den täglichen Berufspflichten! Das lässt viele das Leben anders sehen. Ihre Freude ist verwandt mit dem Jubel, den die Beter im Alten Bund empfanden, wenn sie Ereignisse ihres Lebens als Rettung durch Gott feierten und als Vorzeichen einer noch größeren Befreiung priesen (vgl. Ps 106; Lk 1,68-75). Als endgültige Erlösung aus der Macht des Todes haben die Apostel Christi Auferstehung gepredigt und so in einem Zeitalter der Angst viele Menschen mit großer Hoffnung erfüllt.

Paulus kann den Getauften sogar schreiben, dass sie "zur Freiheit berufen" sind. Dabei denkt er zunächst an die Befreiung von den vielen Vorschriften des alttestamentlichen Gesetzes. Doch versteht er darunter letztlich die Befreiung von allem, was echte Lebensverwirklichung hindert und zur Versklavung an ein sinnloses Dasein führt, das nicht mehr den Namen Leben verdient.

Unter der Parole "Freiheit" lief freilich schon damals nicht selten brutalster Egoismus: "Hauptsache, du kommst auf deine Kosten!" Die Folge davon ist ein wahrhaft bestialisches Verhalten: "beißen", "verschlingen", "umbringen" (homo homini lupus). Man erstrebt Freiheit und gerät dabei in schreckliche, geradezu tödliche Knechtschaft, im politischen wie im privaten Bereich. 

Paulus warnt davor in paradoxer Formulierung: Echte Freiheit besteht darin, anderen "als Sklave zu dienen" (wörtlich) und sie so zu lieben. Um diese dienende Liebe geht es der ganzen Tora. Wer wirklich liebt, erfüllt somit den Sinn aller Gesetzesvorschriften des Alten Bundes. Augustinus konnte deshalb schreiben: "Liebe und was du willst tu!"

Zu solcher Liebe ist aber der Mensch von sich aus unfähig. Infolge der Faszination des Vordergründigen, Sichtbaren, Greifbaren und Vergänglichen - die Bibel nennt dies alles "das Fleisch" - kreist der einzelne meist um sich selbst und sucht selbst in der "Liebe" oft nur das eigene Ich. Aus dieser tödlichen Versklavung ("Narzismus") befreit nach Paulus "der (Heilige) Geist", die Teilnahme am innersten Leben Gottes. Wer sich davon ergreifen und führen lässt, der wird in Wahrheit frei.

Was uns Christus durch seine dienende Liebe auf Golgota erworben hat, ist diese durch den Geist erfolgende Befreiung zur Freiheit und damit zur wahren Liebe. Das Freisein von Schul- und Berufspflichten in Ferien und Urlaub bietet manche Chancen, aus dieser Freiheit heraus dienend zu lieben und so echtes Glück zu finden.                                                

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Heiliger Gott,
gib, daß wir deinen Namen
allzeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zum 12. Sonntag im Jahreskreis
20.06.2010; Gal 3,26-28

Magna Charta der Gleichberechtigung

"Apartheid" bestimmte lange das gesellschaftliche Leben in Südafrika. Aber selbst Kritiker dieser Politik erachteten keineswegs alle Menschen ihres eigenen Landes als gleichberechtigt. Für Christen widerspricht jedoch jede Art von Apartheid dem Glauben, wie diese Lesung zeigt.

Paulus stellt dem Leben unter dem Gesetz des Mose die mit Christi Auferstehung angebrochene neue Epoche der Menschheitsgeschichte gegenüber. Im Blick auf das künftige Heil aller Völker verstand sich Israel als auserwähltes Volk, dem Gott eine besondere Berufung mit dem Ehrentitel "Sohn" (vgl. Hos 11,1) zuerkannt und ein eigenes Gesetz gegeben hatte. Dies bedingte eine scharfe Trennung zwischen Juden und Heiden. Die Kirche als neues Volk Gottes aus Juden und Heiden erwies diese Bundesordnung Israels aber als vorläufig. Charakteristisch für die neue Zeit ist, dass nun alle "Söhne Gottes" werden können, nicht durch Abstammung und Gesetzestreue, sondern dank der Hingabe an Gott ("Glauben") und der Gemeinschaft mit Christus. 

Dieses Einswerden mit Christus in der Taufe beschreibt Paulus als eine Art "Bekleidung" mit dem "Gewand" des Gekreuzigten und Auferstandenen. Wie Jesus in einzigartiger Weise Sohn Gottes ist, so erhalten alle, die mit ihm einswerden, ein besonderes Nahverhältnis zu Gott. Allerdings ist die Taufe nur der Anfang und fordert den Nachvollzug im Leben (vgl. Röm 13,14).

Durch das "Anziehen" Christi in der Taufe wird der einzelne aber auch mit den übrigen Getauften eins; denn alle werden sozusagen "einer" (vgl. 1 Kor 12,13). Darum sollte es bei Christen überhaupt keine trennende Unterschiede mehr geben (vgl. 1 Kor 12,13; Kol 3,11). Solche Aussagen galten damals als revolutionär, denn das gesellschaftliche Leben war bis dahin durch viele Rassen-, Standes- und Klassendiferenzen geprägt. Wie schwer es fiel, diese Grundsatzerklärung mit den bestehenden Lebensformen in Einklang zu bringen, zeigen etwa die Mahnungen zum Verhalten von Frauen im Gottesdienst 1 Kor 11,2-16 (trotz 1 Kor 11,11f). Das Christentum hat grundsätzlich immer die Gleichwertigkeit aller Menschen betont, sich in der Praxis aber oft bestehenden Sitten angepasst. Die heute geforderte Gleichberechtigung aller (nicht bloß der Frauen) ist zu begrüßen, bedeutet aber keineswegs die Aufhebung sämtlicher Unterschiede, etwa an Begabung, Gesundheit und Berufung. Wie die unterschiedlichen Glieder in einem Leib können die Getauften je auf ihre Weise beitragen zur Vollendung des Werkes Christi.                                                  

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

 

 

 

Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen, sei mir gnädig und erhöre mich.
Du bist meine Hilfe: Verstoß mich nicht,
verlaß mich nicht, du Gott meines Heils!

 

 

Gedanken zum 11. Sonntag im Jahreskreis
13.06.2010; Gal 2,19-21

Die entscheidende Wende

Brachte die Katastrophe von Tschernobyl eine Wende im Umgang mit Atomenergie? Wie die Gegenwart lehrt: nein. - Für den Apostel Paulus aber gab es eine Wende, die sein Leben wirklich änderte. Eine ähnliche, Tag für Tag nachzuvollziehende Wende muss auch das Leben jedes Christen bestimmen.

Jenen gegenüber, die von allen Christen das Einhalten aller Einzelvorschriften des jüdischen Gesetzes verlangten, erklärt Paulus sich nicht mehr daran gebunden: Er ist für dieses Gesetz seit seiner Taufe wie ein Toter und ihm daher nicht mehr unterstellt. Letztlich ist das eine Auswirkung des Gesetzes selbst; denn der unter Berufung auf das Gesetz verhängte Tod Christi betrifft auch alle, die in der Taufe mit dem gekreuzigten Christus eins ("mitgekreuzigt") wurden. Dank dieser Todes- und Lebensgemeinschaft mit dem Gekreuzigten (vgl. Röm 6,3f) unterliegen die Christen nicht mehr der Gesetzesordnung des Alten Bundes. 

Aus der Wende in der Taufe folgt für Paulus, dass sein Leben - menschlich gesprochen - gar nicht mehr ihm selbst gehört, er es also gar nicht mehr selbst lebt. Sein eigentliches Leben ist Christus (vgl. Phil 1,21); dieser lebt regelrecht in ihm. Der Apostel meint damit nicht eine außergewöhnliche mystische Erfahrung, analog zum spürbaren Einswerden mit der Gottheit, wie es heidnische Mysterien verhießen. Paulus beschreibt vielmehr seine personale Verbundenheit mit Christus; diese ist freilich nur im Glauben erkennbar (vgl. 2 Kor 5,7), der sein ganzes Leben "im Fleisch" (wörtlich) prägt.

Wesentlicher Gehalt dieses Glaubens ist der "Sohn Gottes", dessen Liebe Paulus ergriffen hat und "drängt" (2 Kor 5,14a). Diese Liebe Christi zu ihm, dem ehemaligen Verfolger, erkennt der Apostel daran, dass Jesus sich für ihn auf Golgota geopfert hat, um ihn aus der Verstrickung der Sünde und der verderblichen Macht einer "verseuchten" Welt zu erretten (vgl. Gal 1,4). Mit Paulus dürfen wir aus der Hingabe Jesu für alle Menschen folgern, dass Christus jeden von uns liebt.

Die seit dem Unglück von Tschernobyl offenkundige Gefährdung unserer Existenz in dieser Welt kann uns den Blick schärfen für die noch viel tiefere Bedrohung unseres Lebens durch die Macht der Sünde. Als Christen dürfen wir aber gewiss sein: Wir sind dieser Gefahr nicht wehrlos ausgeliefert; denn Gottes Sohn liebt jeden Menschen und hat die Macht, jeden von uns durch seine Liebestat zu retten. Wer dies bedenkt, findet den Mut, täglich die in der Taufe entschiedene Wende seines Lebens nachzuvollziehen: Mit Christus den Weg der Hingabe zu gehen, um für immer mit ihm zu leben.

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen                                            

Halleluja. Halleluja.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Ehre sei dem einen Gott, der war und der ist und der kommen wird.
Halleluja.

 

 

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag
30.05.2010; Röm 5,1-5

Urgrund und Ziel von allem

Flugzeugabstürze, Erdbeben, Überschwemmungen zeigen uns fast wöchentlich hautnah die Grenzen unserer Technik. Viele fragen dann erschüttert nach der Zukunft der Welt und unseres Lebens. Während manche Denker nur die Worte "Chaos", "Nichts" o.ä. bereithalten, spricht die Bibel von "Herrlichkeit". Gemeint ist damit das Große, Lichtvolle und Schöpferische der Macht Gottes, von der alles Schöne und Prächtige in der Welt nur ein schwacher Abglanz ist. Diese Herrlichkeit hat Gott nach den Aussagen der Heiligen Schrift schon im Alten Bund kundgetan, besonders unter Mose am Sinai. Im Neuen Bund hat er - nach dem Zeugnis der Apostel - diese Herrlichkeit durch die Auferweckung des Gekreuzigten unter Beweis und sie allen Menschen in Aussicht gestellt, die sich zum Auferstandenen bekennen.

Paulus zieht in unserem Text die Konsequenz aus den vorausgehenden Worten (Röm 3,21-5,1): Dank Jesu Selbsthingabe am Kreuz dürfen wir fest auf die zukünftige Herrlichkeit hoffen, ja uns dieser Hoffnung (nicht aber eigener Leistung) sogar rühmen.

Dabei verkennt Paulus nicht, dass seine augenblickliche Situation alles andere als herrlich ist: Er wird angefeindet und ist vielen Bedrängnissen (Ängsten, Mühen, Leiden) ausgesetzt. Vor dem sicheren Wissen um das Ziel des Lebens verlieren aber, diese nicht bloß an Gewicht, sondern sind geradezu Zeichen, welche die Hoffnung noch stärken.

Dies erläutert der Apostel in Form eines Kettenschlusses: Für Christus sind Bedrängnisse eine Chance, im Ausharren die Geduld zu lernen, sich durch die Geduld als Glaubende zu bewähren und dank dieser Bewährung noch fester zu hoffen. Auch die Ängste und Nöte vieler Menschen unserer Zeit sind deshalb nicht bloß als Unglück zu beklagen; denn sie lassen in uns die Hoffnung auf das wahre Ziel des Lebens wachsen.

Die Hoffnung auf Teilhabe an Gottes Herrlichkeit ist aber kein leerer, gefährlicher Wahn (wie etwa die kurzsichtige Annahme, dass keine Katastrophe eintritt); sie "beschämt nicht" (wörtlich), und zwar deshalb, weil uns schon durch das Geschenk des göttlichen Lebensodems in der Taufe Gottes Liebe ins Herz gesenkt wurde.

Dank der Erlösungstat des Sohnes durchpulst uns - anders als eine unsichtbare, gefährliche Strahlung - die liebende Wärme und Energie des Vaters Jesu, die Urgrund und Ziel von allem ist. Christen haben die Aufgabe, diese Liebe des dreieinigen Gottes einer verängstigten Welt als festen Grund der Hoffnung auf Herrlichkeit zu bezeugen.                             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Halleluja. Halleluja.
Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
Halleluja.

 

 

Gedanken zum Vorabend von Pfingsten
22.05.2010; Röm 8,22-26
(zur Lesung vom Pfingstsonntag vgl. 2.So im Jahreskreis)

Pfingstliche Entgiftung der Welt

"Jetzt tickt also auch in mir eine Bombe!" so deutete jemand unlängst das vorläufige Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung. Seit der Katastrophe von "Tschernobyl" und den daraufhin beschlossenen Vorsichtsmaßnahmen wissen wir es alle ganz gewiss: In unserer Welt tickt irgendwo eine Bombe, die eines Tages wohl eine erdweite Katastrophe auslösen wird (mit oder ohne Atom). Nur Toren und Träumer ("falsche Propheten", vgl. Jer 23,16f u.ä.) versuchen sich und andere darüber hinwegzutäuschen.

Früher wurde Seuche, Pest, Krieg u.ä. oft als Vorzeichen des drohenden Weltendes angesehen. Paulus deutet solche Nöte mit vielen Juden seiner Zeit ("wir wissen") als "Geburtswehen", unter denen die ganze Schöpfung seufzt. Sie sind also hingeordnet auf das Gebären einer neuen Welt. In dieser wird es dann keine Angst, kein Leid und kein Sterben mehr geben; ihre Herrlichkeit steht sogar in keinem Vergleich zu den Bedrängnissen dieser Zeit (Röm 8,18). 

Von diesen "Wehen" werden selbst die Getauften betroffen; sie sind also nicht den Sorgen und Ängsten des Lebens enthoben. Allerdings besitzen sie schon jetzt dank des göttlichen Lebensodems Anteil an dem neuen Leben. Wie die erste Gabe von Naturerträgen bei den alten Opfern als Dank für die ganze Ernte dargebracht wurde, so ist das Geschenk des Heiligen Geistes als "Erstlingsgabe" das "Unterpfand" (2 Kor 1,22; 5,5) für die zukünftige volle Teilhabe am göttlichen Leben.

Der Besitz des Heiligen Geistes gibt den Getauften darum mehr als ärztliche Diagnose oder alle Prognosen von Physikern die Gewähr, dass die drohende Gefahr letztlich gar nicht so schlimm ist; denn weder Krankheit noch Tod können das wahre Leben vernichten. Gottes schöpferischer Atem ist letztlich sogar die einzige bleibende Hilfe gegen eine todbringende Vergiftung der Welt. ("Ohne dein lebendig Wehen kann ... nichts heil sein noch gesund.") Gottes Lebensatem nimmt sich jetzt schon unser an und befähigt uns zum Beten und Hoffen.

Die Kirche feiert zu Pfingsten die österliche Sendung des Heiligen Geistes als den Anfang der schöpferischen Erneuerung unserer Welt, die durch die menschliche Sünde tödlich - nicht bloß atomar - vergiftet ist (vgl. Joh 20,22). Diese pfingstliche Entgiftung äußert sich jetzt schon, wo Menschen Hass durch Liebe überwinden, selbst Fremdgewordene einander verstehen und sich zusammenfinden (in Kirchen, Familien und Politik). Diese anfanghafte Befreiung aus knechtendem Egoismus und tödlichem Machttrieb mit deren verheerenden Folgen findet ihre Vollendung in der Zukunft. Dann werden wir in unserer ganzen Existenz (das meint hier "Leib") von Gottes Geist umgewandelt (vgl. 2 Kor 3,18), als freie "Söhne Gottes" einander begegnen und lieben. Pfingsten "das liebliche Fest", ist darum gerade für alle Getauften ein frohmachendes und ermutigendes Fest der Hoffnung.                                                             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger Gott,
wir bekennen, daß unser Erlöser
bei dir in deiner Herrlichkeit ist
.
Erhöre unser Rufen
und laß uns erfahren,
daß er alle Tage bis zum Ende der Welt
bei uns bleibt, wie er uns verheißen hat.
Er, der in der Einheit
des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

 

Gedanken zum siebten Sonntag der Osterzeit
16.05.2010; Offb 22,12-14.16-17.20

"Bald!"

Wo bleibt die Gerechtigkeit? So klagen viele, denen Unrecht widerfährt und die den Triumph des Bösen in der Welt miterleben. Das letzte Buch der Bibel versucht in vielen Bildern die durch Verfolgung bedrohten Christen (Ende des 1. Jahrhunderts) zu trösten, indem es die Symbolsprache jüdischer Apokalyptik aufgreift. Am Schluss des Buches bekräftigt der Verfasser noch einmal seine Botschaft durch Worte Christi.

Dieser versichert, dass er "bald" als gerechter Richter kommen wird, dem göttliche Autorität gebührt; denn in seiner Hand liegen Anfang und Ende der Geschichte; er selbst ist ja "das A und das O" (erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabets). Viele meinen dazu, dieses "Bald" könne nicht stimmen, weil das Endgericht immer noch nicht eingetroffen sei.

Es geht der Bibel aber hier wie so oft nicht um Information über einen bestimmten Zeitpunkt, sondern um die ("zeitlich" formulierte) Versicherung, dass die Angesprochenen mit einer baldigen Wende rechnen dürfen. Diese beginnt für jeden schon mit der Todesstunde.

Die anschließende Seligsprechung erinnert an die Worte über die Märtyrer, "die ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben" (Offb 7,14); sie gilt hier aber allen Getauften, die durch ihre "Reinigung" Zutritt zum Paradies (vgl. Offb 22,1f) und zum neuen Jerusalem (Offb 21,10-26) haben. Ihr Leben und Dulden war nicht umsonst. Zu bedauern sind hingegen jene, die auf Erden oft als die ersten gelten (Offb 22,15). Der Auferstandene spornt mit diesen Worten auch uns heute an, nicht zu resignieren, sondern mutig und mit dem Ziel des Lebens vor Augen als Christen zu leben.

Auf die Zusage des Herrn "ich komme bald" (Offb 22,12; vgl. Offb 22,20a) antwortet der sich in urkirchlichen Versammlungen durch prophetisch begabte Christen äußernde Geist zusammen mit der ganzen Gemeinde: "Komm!" Der Verfasser gibt hier wohl den alten Gebetsruf "Maranatha" wieder (vgl. 1 Kor 16,22, "Unser Herr, komm"; bzw. "Amen. Komm, Herr Jesus", Offb 22,20a). In diesen soll der Leser miteinstimmen als Ausdruck seiner Sehnsucht nach einer Gerechtigkeit, die wir Menschen auf Erden niemals schaffen können.

Die abschließende Einladung (vgl. Jes 55,1) deutet aber an, dass der Glaubende jetzt schon an der Gerechtigkeit und dem verheißenden Leben Anteil erhält; denn als "Wasser des Lebens" schenkt uns der Auferstandene seinen österlichen pfingstlichen Lebensodem, der uns schon auf Erden von der Sünde reinwäscht, zu neuen Menschen und einem neuen Volk macht (vgl. Ez 36,25f). Die Kirche betet daher von frühester Zeit an nicht bloß "Komm, Herr Jesus!", sondern auch "Komm, Heiliger Geist!".                                          

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger Gott,
laß uns die österliche Zeit
in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis,
das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zum sechsten Sonntag der Osterzeit
09.05.2010; Offb 21,10-14

Mehr als eine Utopie

Von Kaiser Barbarossa verfügt, schmückt den Aachener Dom ein kunstvoller goldener Leuchter. Dieser stellt bildnerisch das vom Himmel herabschwebende neue Jerusalem dar, wie es der Seher auf Patmos in einer Vision schauen durfte. Die mit einer geschmückten Braut vergleichbare "Frau des Lammes" (Offb 21,9) - ein Gegenbild zur "Frau auf einem scharlachroten Tier", der Hure Babylon (Offb 17,1-6) - versinnbildet das Ziel der Geschichte, nicht in Form einer von Menschen ausgeklügelten Utopie, sondern als eine vom Herrn der Geschichte geschenkte symbolhafte Offenbarung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während heute viele die Stadt nach Möglichkeit fliehen, war sie für die Menschen der Antike und des Orients die Stätte, wo sie, den Unbilden der Natur entzogen und sicher vor Angriffen, ihr Leben entfalten konnten.

In Anlehnung an Beschreibungen des neuen Jerusalem durch die Propheten (vgl. Ez 40) und in jüdischen Apokalypsen schildert der Verfasser dieses Trostbuches die von Gott für die Seinen bereitete ideale Stadt als deren künftige Heimstätte: Sie ist erfüllt von Gottes leuchtender Gegenwart, von einem kristallenen Glanz (vgl. Offb 4,3; im Unterschied zum "Schmuck" der Hure Babylon 17,4ff). Ihre hohen Mauern und Türme sowie die himmlischen Wächter deuten die bleibende Sicherheit ihrer Bewohner an. Die zwölf Namen auf den Toren zeigen an, dass hier alle Stämme des auserwählten Volkes Platz finden. Allerdings geben die Namen der "zwölf Apostel des Lammes" zu verstehen, dass hier ein neues Israel wohnt, das seine Existenz nicht leiblicher Abstammung von Abraham, sondern dem Gekreuzigten und Auferstandenen verdankt.

Unsere Vorfahren haben in Anlehnung an dieses Bild ihre Kirchen gebaut. Inmitten einer durch Krieg, Hunger und Pest verunsicherten Umwelt waren sie ihnen Zeichen, die sie auf die letzte Bestimmung aller Menschen verwiesen und ihnen Mut gaben, sich für die anfanghafte Verwirklichung der "Stadt Gottes" auf Erden einzusetzen.

Das Verständnis dieser Zeichensprache ist vielen von uns verlorengegangen, die wir alte Kirchen oft nur unter touristischen und kunsthistorischen Aspekten betrachten. Kann nicht das erschrecken über Terror, Unmenschlichkeit und Lüge vieler Mächte, die sich wie eine "Hure" oder ein gieriger Drache gebärden (vgl. Offb 12; 17), uns wieder empfänglich machen für die Zukunftsvision der Bibel und für die Symbolik der alten Dome?                                         

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle,
die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zum fünften Sonntag der Osterzeit
02.05.2010; Offb 21,1-5a

Was wird aus unserer Erde?

Mit Recht sorgen sich viele um de Zukunft unserer Welt und wenden sich gegen Umweltverschmutzung, willkürliche Zerstörung der Natur und Energievergeudung. Allerdings können alle diese Bemühungen auf Dauer nicht verhindern, dass - nach Aussage der Naturwissenschaft - eines Tages diese Erde wie jedes Leben zu bestehen aufhört. Wenn die Bibel vom Untergang der Welt spricht, tut sie dies aus anderen Überlegungen.

Für sie steht der Gedanke im Vordergrund: Diese Welt ist in die Sünde der Menschen verstrickt (wir sagen "verunstaltet", vgl. Gen 3,17ff; Röm 8,20); sie ist zum Ort dämonischer Kräfte geworden (vgl. das "Tier aus dem Meer" Offb 13,1) und ist beherrscht durch die in der Antike als Sitz überirdischer Kräfte geltenden Himmelskörper. "Entmythologisiert" sind die biblischen Schilderungen des "Weltuntergangs" darum letztlich Bilder von Gottes Gericht über alles Böse (vgl. Offb 20,11-15).

Schon im Alten Bund kündeten die Propheten als Zeichen des Sieges Gottes die Schaffung einer neuen Welt an (Jes 65,17; 66,22). Die Christen griffen diese Verheißung auf und sprechen seit der österlichen Schöpfungstat an Jesus Christus von "neuer Schöpfung" (2 Kor 5,17): Wie Gott den Gekreuzigten leibhaftig auferweckte, so wird er auch die ganze Welt nach der Überwindung des Bösen (Offb 20,11-15) durch seinen Lebensodem erneuern. Wie die "neue Erde" und der "neue Himmel" aussehen werden, bleibt uns verborgen. Wesentlich ist aber die Zusage Gottes, dass er seine erste Schöpfung nicht preisgibt, sondern mit den Menschen zusammen erlösen und erneuern wird (vgl. Röm 8,19ff).

Mit der Vision einer neuen Welt verbindet der Verfasser die Schaffung eines neuen Jerusalems. Er greift dabei die apokalyptische Vorstellung auf, dass die neue Stadt jetzt schon bei Gott existiert und zu gegebener Zeit vom Himmel herabsteigt: Sie ist nicht Werk der Menschen, sondern Gottes. Ihre Schönheit gleicht einer Braut am Hochzeitstag. An die Stelle der durch die Sünde verschmutzten Stadt und ihre Bewohner tritt eine neue, über die jeder sich so freut wie der Bräutigam über die Braut.

Als Grund dieser Schönheit nennt der Seher mit einem ihm geschenkten Wort Gottes ("vom Throne her"): Das neue Jerusalem ist - als Erfüllung alter Sehnsucht Israels - die einzigartige Wohnstätte Gottes, die seine bleibende Verbindung mit seinem Bundesvolk garantiert (Ez 37,27).

Dieses Bild veranschaulicht die Verwirklichung der angekündigten Herrschaft Gottes und damit das Ende allen Bösen: "Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal" (Offb 21,4). Das österliche Wissen darum schenkt nicht bloß Hoffnung, sondern nimmt auch die heute verbreitete Angst, das Ziel des Lebens zu verfehlen, sowie die daraus entstandene Hektik.                                                       

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

 

 

Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der gute Hirt.
Geleite auch die Herde,
für die er sein Leben dahingab,
aus aller Not zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

Gedanken zum vierten Sonntag der Osterzeit
25.04.2010; Offb 7,9.14b-17

Kein falscher Trost

Angesichts eigener Probleme übersehen wir oft die Nöte des größten Teils der Menschen (Unterdrückung, Hunger, Krankheit u.a.). Die allermeisten können zeit ihres Lebens kaum mit Abhilfe rechnen. Wozu wurden sie geboren? Eine Antwort daruaf gibt die Vision, die der Verfasser der Offenbarung den bedrängten Christen seiner Zeit vor Augen stellt: Nicht nur einzelne Auserwählte erhalten das echte Leben, sondern eine unzählbare Menge aus allen Völkern; denn sie alle gehören zum Hofstaat Gottes, wie ihre Beschreibung anzeigt (weiße Gewänder, Palmzweige in den Händen). Ein Himmelsbewohner erklärt ganz im Stil apokalyptischer Literatur (wie ein Deute-Engel) diese Vision (Offb 7,13-14a): Die geschaute Schar kommt aus großer Trübsal und Not, wie sie die angeschriebenen Christen (letztlich aber alle leidenden Menschen) erfahren.

Ihre festliche Kleidung verdanken sie dem für sie als Osterlamm geschlachteten Christus; denn durch ihr Leiden, die Teilhabe an seiner Passion wurden sie (gleichsam im Nachvollzug der Taufe) von aller Verstrickung in Sünde und Tod gereinigt und geschmückt für die Teilhabe am himmlischen Leben, das als festlicher Gottesdienst im Tempel vorgestellt ist (Offb 7,15).

Über das Leben dieser Seligen erfahren wir weiter (vgl. Jes 49,10): Sie leiden fortan keine Not mehr; denn jetzt führt ihr Hirt sie zu Quellen lebenspendenden Wassers (vgl. Ps 23,2). Was Jahwe im Alten Bund (Ps 23,2; Jes 49,10), das tut jetzt "das Lamm": Als "guter Hirt" leitet Christus die Seinigen, damit sie Leben in Fülle haben (Joh 10,10). Er bürgt mehr als jeder menschliche Anführer für ein Leben, das diesen Namen wirklich verdient.

Ihr Los wird abschließend mit einem alten Wort (Jes 25,8) beschrieben, das der Seher später (Offb 21,4) nochmals aufgreift: Gott selbst kümmert sich wie eine Mutter oder ein Vater um die Seinen. Er steht also dem Leid der Menschen wie dem Tod seines Sohnes nicht teilnahmslos gegenüber; er hat aber die Macht, die Leidenden für immer zu trösten, so wie er seinen Sohn von den Toten auferweckte und zum "Anführer des Lebens" machte (Apg 3,15).

Uns allen ist diese Osterbotschaft anvertraut, um sie den Bedrängten und Verzweifelten der Welt als Evangelium weiterzugeben. Damit sie von diesen nicht als "billige Vertröstung" empfunden wird, müssen wir ihnen jetzt schon zu lebenswerter Existenz verhelfen, damit sie in Wahrheit mit uns auf die Erfüllung dieser Verheißung hoffen können.                                     

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger Gott,
laß die österliche Freude in uns fortdauern,
denn du hast deiner Kirche
neue Lebenskraft geschenkt
und die Würde unserer Gotteskindschaft
in neuem Glanz erstrahlen lassen.
Gib, daß wir den Tag der Auferstehung
voll Zuversicht erwarten
als einen Tag des Jubels und des Dankes.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum dritten Sonntag der Osterzeit
18.04.2010; Offb 5,11-14

Anbetung des "Lammes"

Fromme Juden verabscheuten vehement die Verehrung von Menschen- oder Tierbildern, die sie in ihrer Umwelt sahen (vgl. Apg 17,16); sie deuteten diese als Folge menschlicher Verwirrung (vgl. Röm 1,23.25). Tierbilder dienten damals auch als Symbole politischer Größen, die sich göttliche Rechte anmaßten (vgl. Offb 13,1ff und die Tierbilder in späteren Länderwappen).

Vor diesem Hintergrund ist die Szene, die der Verfasser der Offenbarung malt, letztlich sehr gewagt. (Ob er bloß liturgische Vorstellungen seiner Zeit im Stil einer Apokalypse darbietet oder eine regelrechte Vision in den Farben frühkirchlicher Liturgie wiedergibt, ist weniger wichtig.)

"Das Lamm" ist altes Symbol für den gekreuzigten Herrn, denn seinen Tod deuteten die Christen als Erfüllung dessen, was die Juden alljährlich zu Ostern feierten: Die Schlachtung des Paschalammes in Errinerung an die Errettung aus Ägypten und als Verheißung endzeitlicher Rettung (vgl. 1 Kor 5,7; Joh 1,29 und 19,36). 

Dass Jesus als das wahre Pascha auch den Tod überwand, deutet der Seher kurz vorher in einem surrealistischen Bild an: Das "geschlachtete" Lamm "stand" (Offb 5,6), "trat heran" und "empfing" das versiegelte Buch (Offb 5,7) als Zeichen seiner Macht über die Geschichte.

Der Lobpreis unzähliger Engel (vgl. Dan 7,10), der vier Lebewesen (Löwe, Stier, Mensch, Adler [Offb 4,7]; vgl. Ez 1,10) und der 24 Ältesten (Offb 4,4) - so stellte sich der Seher bildhaft den Himmel vor - spricht die Würde des Gekreuzigten und Auferstandenen aus: Als das ohnmächtig hingeschlachtete Lamm (vgl. Jes 53,7), das jetzt lebt, verdient er dieselbe Anbetung, wie sie Gott gezollt wird. In liturgischen Worten, die vielen aus dem Schlusschor von Händels "Messias" vertraut sind ("Würdig ist das Lamm ..."), wird hier gesagt, was schon ein alter Hymnus feiert:"Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle ... ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu" (Phil 2,9f). Dank seiner Auferweckung aus dem Tod hat der ewige Sohn in besonderer Weise Anteil an Gottes ewiger Herrlichkeit, ist er der inthronisierte "Sohn Gottes in Macht" (Röm 1,4).

Dies drückt auch das abschließende Loblied aller Geschöpfe aus: Dem Lamm (Sohn) gebührt die gleiche Ehre wie dem Herrn (Vater) auf dem Thron. Die Anbetung Christi bedeutet also keine Minderung der Anbetung Gottes. Für alle Menschen, nicht bloß für die Christen, provoziert dieses apokalyptische, die Hintergründe der Weltgeschichte ent-hüllende Bild von der Anbetung des Lammes aber die Frage: Wen bete ich als meinen Herrn an? Ist es "das Lamm" oder ein "Tier" (Macht, Ehre, Reichtum, Partei, Staat, Gesundheit)?                                

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Laß uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum zweiten Sonntag der Osterzeit
11.04.2010; Offb 1,9-11a.12-13.17-19a

Ein "Bild" des Auferstandenen

Wie sieht eigentlich der von den Toten auferstandene Christus aus? Nach den Evangelien gab Jesus sich mehrfach als vom Tod erstandener zu erkennen. Wie er aussah, wird jedoch nirgends beschrieben. Die einzelnen Angaben lassen keinen Rückschluss auf seine Gestalt zu; denn sie geben nur aus der Sicht der Evangelisten den Eindruck auf die Betroffenen wieder, die ihn für einen "Gärtner" (Joh 20,15), "Reisegefährten" (Lk 24,13ff) oder einen leiblosen "Geist" (Lk 24,39) hielten bzw. seine Wundmale sahen (Joh 20,20.27).

In den Aussagen des Paulus über seine Begegnung mit dem Auferstandenen (z.B. Gal 1,16; 1 Kor 9,1; 15,8) schreibt dieser nichts über dessen Aussehen. Das ist nicht zufällig. Der als Person von den Toten Auferstandene besitzt nämlich nicht mehr den "Leib der Niedrigkeit" (irdischer Existenz), sondern den der "Herrlichkeit" (Phil 3,21; vgl. 1 Kor 15,53). Wenn er sich Menschen zu erkennen gab, so tat er das in einer Weise, die ihren Vorstellungen von ihm auf Grund früherer Begegnungen oder Nachrichten über ihn entsprach. (Ähnliches gilt für die oft diskutierten Marienerscheinungen.)

Das lehrt u.a. die Schilderung am Anfang der von einem Johannes um 90 in einer Zeit der Christenverfolgung niedergeschriebenen "Offenbarung Jesu Christi" (Offb 1,1). Der Seher schaut in der Eingangsvision Christus als den eigentlichen Autor seines Buches inmitten von sieben Leuchtern, die die Adressaten symbolisieren (1,20). Der Herr weilt also mitten unter den bedrängten Christen; er kennt ihre Sorgen und ist ihnen nahe. 

Johannes beschreibt den ihm Erschienenen mit Worten und Bildern, die ihm aus der Bibel vertraut sind: Er sieht aus "wie ein Menschensohn" (wörtlich), also wie die Dan 7,13 geschaute Richtergestalt, deren Name nach den Evangelien Jesus selbst als Erfüllung der Vision Daniels zusteht. Die Kleidung kennzeichnet ihn als hohepriesterliche und fürstliche Person ( vgl. Ex 28,4.4ff; Dan 10,5). Seine Autorität deuten weitere biblisch inspirierte Angaben an: das "weiße Haar" (vgl. Dan 7,9), seine "Augen wie Feuerflammen" (vgl. Dan 10,6), "das Schwert, das aus seinem Munde hervorgeht" (Jes 49,2).

Der Geschaute stellt sich schließlich dem erschrockenen Seher selbst vor, und zwar mit Worten, die ihn charakterisieren als gottgleichen "Erster und Letzter" (vgl. Offb 1,8: "A und Omega" [Omega, letzter Buchstabe]), als "der Lebendige" (Jes 44,6) und den, der tot war und jetzt für immer lebt, ja der Schlüsselgewalt über Tod und Totenreich hat (vgl. Offb 3,7). Das vom Seher der Apokalypse gemalte Bild des auferstandenen Christus deutet uns nicht photographisch sondern symbolhaft seine Nähe, aber auch seine überirdische Macht an, kraft derer er auch uns an seinem Leben und seiner Herrlichkeit Anteil geben kann.                                         

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erlöst.
Hilf uns, den Verlockungen der Sünde
durch die Kraft des Geistes zu widerstehen,
damit wir zu den ewigen Freuden gelangen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Gedanken zum Ostersonntag
04.04.2010; Röm 6,9-11

Das "Wissen" um die Auferstehung Christi

 

"Wenn man erst mal tot ist, ist man tot" (J. Joyce). Nach diesem Urteil des gesunden Menschenverstandes ist für viele die biblische Verkündigung der Auferstehung von den Toten ein Unsinn oder eine gefährliche Illusion. Nicht selten beruhen solche Urteile auf Verwechslung der Osterbotschaft mit volkstümlichen Anschauungen über die Wiederbelebung eines Leichnams, der sozusagen "Schritt für Schritt" aus dem Grab heraustritt.

Paulus bezeugt hingegen bei seiner Ausführung über die Taufe als Grundwissen des christlichen Glaubens: Der gekreuzigte Christus kehrte nicht als wiederbelebter Leichnam in diese Welt zurück, um erneut zu sterben; er wurde vielmehr durch Gottes schöpferische Kraft ein für allemal dem Bereich des Todes entrissen, so dass er nicht mehr den Gesetzen dieser Welt unterliegt. Wie das geschah, schreibt die Bibel nicht. Sie wahrt wie die ältesten rein symbolischen Darstellungen das Mysterium. Erst seit dem Mittelalter gibt es die oft zu Missverständnissen verleitenden Gemälde von einem Heraustreten Christi aus dem Grab.

Wer das bedenkt, vertseht, warum sich dieses unsere Einsicht überbietende Geschehen nicht wie innerweltliche "Tatsachen" quasi naturwissenschaftlich beschreiben und "beweisen" lässt. Dass der Gekreuzigte wirklich lebt, weiß die Christenheit auf Grund der Aussagen glaubwürdiger "Zeugen", vornehmlich der Apostel und einzelner Frauen, denen gegenüber er sich als lebendig auswies (vgl. 1 Kor 15,5-8).

Zeugen sind auch viele andere, die in einzigartiger Weise die begeisternde Kraft des Auferstandenen erfahren durften. (Übrigens wird unser Leben auch von dem "Wissen" anderer Wahrheiten bestimmt, die sich nicht "beweisen", wohl aber gut "bezeugen" lassen, wie z.B. echte Liebe.)

Die Tiefendimension der Osterbotschaft zeigt sich auch darin, dass Jesu Sterben nicht als medizinisches Phänomen gewertet wird; es geschah vielmehr "für die Sünde", diente also der Überwindung jener Macht, die das menschliche Leben von Gott, dem Quell allen Lebens, trennt. Unser menschliches "Wissen" vom Tod erreicht nur dessen Außenseite. Indem der Sohn Gottes den als Folge der Sünde geltenden "Tod" auf sich nahm, hat er ihn entmachtet. Deshalb sind alle durch die Taufe mit Jesu Sterben und Auferstehung verbundenen Menschen für diese tödliche Sündenmacht tot; durch ihre Gemeinschaft mit Christus haben sie jetzt schon Anteil am neuen Leben des Auferstandenen (seinem Heiligen Geist). Mit ihm steht ihr Leben nicht mehr unter dem Gesetz der Sünde und ihrer Todesmacht, sondern unter dem Gesetz des ewigen Lebens für Gott.

Was uns zu Ostern als Antwort auf die wichtigsten Lebensfragen neu gesagt wird, übersteigt die Kompetenz aller historischen und naturwissenschaftlichen Beweisverfahren; es erschließt sich aber dem, der die Grenzen unseres Erkennens eingesteht, als die Wahrheit, die allein unserem Verlangen nach Leben in Fülle und ohne Ende gerecht wird.                                                 

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger Gott,
am heutigen Tag
huldigen wir Christus in seinem Sieg
und tragen ihm zu Ehren
grüne Zweige in den Händen.
Mehre unseren Glauben und unsere Hoffnung,
erhöre gnädig unsere Bitten
und lass uns in Christus
die Frucht guter Werke bringen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Gedanken zum Palmsonntag
28.03.2010; Phil 2,5-11

Jesu Gesinnung als Beispiel

 

Erschüttert und betroffen verfolgen viele die ständigen Enthüllungen über neue Skandale. Die von den Aufklärern erträumte Veredelung des Menschengeschlechts erweist sich dabei als trügerisches Phantombild. Geht es uns heute anders als dem Menschenpaar der Bibel, das der Versuchung "ihr werdet wie Gott" (Gen 3,5) nachgab, um selbst Herr der Welt zu werden und dann so tief stürzte? Griechische Denker haben stets solch verderbliche Hybris entlarvt und um Erkennen menschlicher Grenzen aufgerufen ("erkenne dich selbst", d.h. dass du Mensch und nicht Gott bist!).

Die Kirche stellt uns alljährlich zu Beginn der Karwoche in einem alten, von Paulus schon vorgefundenen hymnenartigen Text die entgegengesetzte Gesinnung Christi als Beispiel vor Augen (Die Einleitung V 5 wird richtiger übersetzt: Hegt eine solche Gesinnung in euch, "wie (in) Christus Jesus"): Er war "in der Gestalt Gottes" (wörtlich), d.h., im Status Gottes und ihm gleich als der zu ihm gehörende Sohn. Doch pochte er nicht auf sein Recht, Gott gleich zu sein, sondern "entäußerte" sich; er gab seine göttliche Stellung auf und nahm die eines unfreien Sklaven an, der nicht über sich selbst verfügt. Nach menschlichem Ermessen ist ein solches Verhalten einfach "verrückt".

Aber Jesus ging sogar noch einen Schritt weiter: Anstatt auf menschlicher Würde und Freiheit zu bestehen, "erniedrigte" er sich und ordnete sich dem Willen des Vaters unter, den er als Mensch viellecht selbst nicht ganz verstand. Im Gehorsam nahm er den Tod auf sich, durch den sich Menschen von Gott unterscheiden; sein Gehorsam ging so weit, dass er selbst jene Todesart akzeptierte, die damals als "Fluch" (Gal 3,13) und Manifestation der "Sünde" (2 Kor 5,21), also der Gottesferne , galt. Sein Tod am Kreuz enthüllte damit die innerste Gesinnung des Sohnes.

Auf diese Selbsterniedrigung Christi antwortete Gott, wie Ostern enthüllt, indem er ihn "erhöhte": Er gab und gibt ihm durch die Auferweckung erneut und noch inniger Anteil an seiner ganzen göttlichen Existenz, die ihm von Ewigkeit her schon zuteil war und ist. Das meint die Verleihung des Namens, "der größer ist als alle Namen", nämlich "Herr" (Kyrios). Deshalb müssen alle, ohne Asunahme, den gekreuzigten und erhöhten Christus wie Gott als ihren "Herrn" anerkennen.

In einer Welt, wo viele aus Egoismus sich selbst und anderen größten Schaden zufügen, zeigen uns Jesu Selbstentäußerung und Selbsterniedrigung den Weg zur wahren Freiheit und einem durch den Sohn Gottes ermöglichten Leben in Fülle (vgl. Joh 10,10).                                    

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

   Herr, unser Gott,
   dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt
   dem Tod überliefert.
   Laß uns in seiner Liebe bleiben
   und mit deiner Gnade aus ihr leben.
   Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 5. Fastensonntag
21.03.2010; Phil 3,8-11

Gewinn statt Verlust

 

"Nicht Verluste, sondern Gewinne!" Dies wird heute von Managern verlangt. Was aber ist letztlich im Leben echter Gewinn, bleibender Wert? Darunter verstehen gewiss nicht alle dasselbe: etwa Reichtum, Eheglück, Karriere, Gesundheit, Frieden? In der Paulus durch seine Gegner abgenötigten Rechenschaft erklärt der Apostel: Was er früher als hohe Werte betrachtete (etwa jüdische Abstammung, tadellose Beobachtung der Tora), all dies erachtet er jetzt - in der Sprache des Geschäftslebens - nicht mehr als "Gewinn", sondern als "Verlust" (Schaden) im Vergleich mit dem, was ihm - seit dem Erlebnis von Damaskus - zuteil wurde und wird: Er "kennt" Jesus als persönlichen Herrn. Gemeint ist nicht bloß ein theoretisches Wissen, sondern ein Ergriffenwerden von Jesus Christus, das zu einem Einswerden mit dem Herrn führt, der seinerseits den Apostel "erkennt" (vgl. 1 Kor 13,12) und "liebt" (Gal 2,20; 2 Kor 5,14). 

Diese"Erkenntnis Christi Jesu" übertrifft alles andere, da nur in Gemeinschaft mit ihm die menschliche Sehnsucht nach einem wahrhaft glücklichen Leben gestillt wird. Was Paulus vorher stolz machte, das hat er deshalb preisgegeben und erachtet er sogar für "Dreck" (wörtlich).

Eigene Leistungen - selbst buchstabengetreue Gesetzesbeobachtung - vermag ja die Menschen nicht aus ihrer Todesverfallenheit zu retten, sondern verstrickt sie nur noch tiefer (Phil 3,9; Christus wäre sonst vergeblich gestorben [Gal 2,21]). Worauf es aber ankommt, ist - wiederum in der Sprache des Geschäftslebens - der "Gewinn" Christi.

Was diese "Erkenntnis Christi" konkret meint, gibt Paulus dann näher an: 1. "Die Macht seiner Auferstehung", d.h. die Macht Gottes, durch die Jesus auferweckt wurde und die auch den Sünder Paulus von seiner todbringenden Krankheit (gefährlicher als Krebs und AIDS) heilt; 2. "Die Teilhabe an seinen Leiden" (wörtlich), d.h. den Nachvollzug des Sterbens mit Christus in der Taufe (vgl. Röm 6,4) im Ertragen der Bedrängnisse, wie Christus sie erlitt und wie sie auch die Christen treffen.

Der christliche Glaube ist also keine Garantie für ein leidloses Leben, wie wir es heute oft (töricht und egoistisch) als Wichtigstes erstreben.
Schließlich ist die "Erkenntnis Christi" in diesem Vollsinn für Paulus der höchste "Gewinn", weil ihm dadurch ebenso wie am Tod, so auch an der Auferstehung Jesu Anteil gegeben wird (vgl. Phil 3,21). Wer an Jesus Christus glauben, ihn wirklich "erkennen" und mit ihm einswerden darf, der kann zuversichtlich auf die Erfüllung seines irdischen Lebens in der Gemeinschaft "mit ihm" hoffen (vgl. 1 Thess 4,17; Phil 1,23). Diesen "Gewinn" vermag uns nichts zu rauben (vgl. Mt 6,19). 
    

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

                      

Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Ich will zu meinem Vater gehen
und ihm sagen:
Vater, ich habe mich versündigt
gegen den Himmel und gegen dich.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! 

 

 

Gedanken zum 4. Fastensonntag
14.03.2010; 2 Kor 5,17-21

Sühne und Versöhnung

 

Schon Origenes (+ 254) klagte, dass manche Christen infolge einer buchstäblichen Auslegung der Bibel zu grausamen Vorstellungen von Gott nach Art eines blutrünstigen, zornigen Tyrannen gelangen. In der Tat legen einige Aussagen über "Sühne" und "Versöhnung" durch Jesu Tod ein solches Missverständnis ("Gottesvergiftung", T. Moser) nahe, wie z.B. manche Lieder und Gebete zeigen. Dabei wird aber die Eigenart der biblischen Sprache übersehen, die sich der Bilder aus dem menschlichen Lebensbereich bedient, um über das zu sprechen, was menschliches Verhalten übersteigt.

Paulus betont in unserer Lesung in urkirchlicher Redeweise: Gott hat durch Jesu Lebenshingabe ("in Christus") die Menschheit aus dem Zustand der Gottesferne, die als eine Art Feindschaft zu Gott betrachtet werden kann, in seine Nähe gerufen. Der Tod Jesu diente dabei nicht dazu, Gott erst gnädig zu stimmen (wie heidnische Opfer den Zorn der Götter besänftigen wollen).
Die freiwillige Annahme des Kreuzes ermöglichte es vielmehr Gott, die durch die Sünde entstellte Menschheit zu reinigen (zu entsühnen), d.h. zu verändern (Grundbedeutung des griechischen Wortes allasso für "versöhnen"). Aus Liebe zu den Sündern - und nicht etwa aus Zorn! - hat Gott diesen Weg gewählt.
Denn nur so war es möglich, die Menschen von innen her zu heilen, damit sie vereint (versöhnt) mit ihm als seine Söhne und Töchter (als "neue Schöpfung", 2 Kor 5,17) leben. Das versteht aber nur, wer über das Ausmaß menschlicher Sünde erschrickt und sich nicht in einem modernen "Unschuldswahn" wiegt. Zum Versöhnungswerk Gottes gehört auch das "Wort der Versöhnung", die Verkündigung dieser Liebestat Gottes. Gott zwingt dem Menschen seine Liebe nicht auf; er wirbt aber durch den "Dienst der Versöhnung" (2 Kor 5,19), den er den Aposteln und der Kirche anvertraut hat, um die gläubige Annahme seiner Versöhnung. Er selbst ist es, der in der Kirche bis heute alle dazu ermahnt und ermutigt.
Den Inhalt dieses "Wortes der Versöhnung" gibt der Apostel hier in rhetorisch eigenwilliger, zum Nachdenken anregender Diktion wieder: Gott hat Jesus, der ohne Sünde war, sozusagen an seinem Leib die Folgen menschlicher Sünde erfahren lassen (vgl. Jes 53,4-5.12; 1 Petr 2,24-25), so dass sein Tod am Kreuz zur Manifestation der Sünde wurde (ähnlich kann der Gekreuzigte auch als "Fluch" betrachtet werden: Gal 3,13). Ziel dieser Preisgabe des Sohnes (vgl. Röm 8,32) war unsere Teilhabe an der "Gerechtigkeit Gottes", d.h. an Gottes Treue und Liebe (das meint in der Bibel "Gerechtigkeit").
Dieser "heilige Tausch", die Hingabe des Sohnes für uns, ist Gottes den Menschen geschenkte "Sühne" (vgl. Röm 3,25); sie wird uns in diesen Wochen immer neu vor Augen gestellt, damit auch wir uns mit Gott versöhnen lassen.
                                 

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an.
Sieh auf unsere Not und laß uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zum 3. Fastensonntag
07.03.2010; 1 Kor 10,1-6

Ein christlicher Midrasch

 

In neueren Erklärungen der Bibel fällt oft das Wort "Midrasch" (jüdische Bezeichnung einer Predigt, die Aussagen der Bibel mitunter in Form phantastischer Erzählungen veranschaulicht). Viele Christen nehmen Anstoß daran, wenn etwa die Flucht nach Ägypten oder das Erdbeben und die Auferstehung Toter bei der Kreuzigung Jesu als "Midrasch" bezeichnet werden. Die Lesung bietet aber den deutlichen Beweis, dass diese jüdische Auslegungsweise auch Paulus vertraut war.
Der Apostel warnt die Korinther davor, sich unter Berufung darauf, dass ihre Taufe sie vor Schaden bewahre, an heidnischen Opfermahlzeiten zu beteiligen. Er erinnert sie an die Geschichte des Auszugs, wie sie ihm aus der Bibel und aus jüdischen Predigten vertraut war. Die Angehörigen der Wüstengeneration nennt er "unsere Väter", weil die Christen Erben Israels sind.
Der schon im Alten Bund vielfältig ausgemalte Durchzug durch das Schilfmeer wird hier u.a. als ein Gehen "unter der Wolke" (Zeichen der Gegenwart Jahwes) aufgefasst (nach Ex 13,21-22 zog diese hingegen nur dem Volke voran oder folgte ihm). Dies deutet Paulus in freier Weise als eine Art Taufe "auf Mose" analog zur Taufe "auf Christus" (vgl. Röm 6,3): Wie die Christen in der Taufe durch Christus aus der Sündenmacht errettet und Gottes Eigentum werden, so wurden die Israeliten durch Mose aus der Knechtschaft Ägyptens gerettet und zu Gottes Eigentumsvolk.
Ähnlich deutet Paulus das Mannawunder und die wunderbare Tränkung aus dem Felsen analog zu den Gaben christlicher Eucharistie: Alle Juden aßen und tranken damals "geistliches" (wörtlich), ihnen von Gott geschenktes und zum wahren Leben dienendes Brot und Getränk.
Die Freiheit in der Auslegung des AT zeigt hier vor allem die Weiterführung eines schon im Judentum bekannten Midrasch: Danach gab es auf der Wüstenwanderung nicht nur zu Beginn (Ex 17,1-7) und zum Schluss (Num 20,1-11) ein Wasserwunder, sondern begleitete ein wasserspendender Fels die Israeliten auf ihrer ganzen Wanderung. Paulus sieht in diesem mitwandernden Fels einen Hinweis auf Christus, der damals schon Israel begleitete und speiste.
Die Vorzüge der Wüstengeneration zählt Paulus hier auf, um seinen Lesern ein warnendes Beispiel zu liefern: Die aus Ägypten wunderbar Erretteten und von Gott Gespeisten lebten nicht nach Gotes Willen, so dass ihr Tod in der Wüste als Strafe Gottes gedeutet werden konnte; ihre "Taufe" und "Eucharistie" nutzten also nichts.
Ebenso sind auch christliche Taufe und Eucharistie keine magischen Mittel, die das Heil garantieren und von einem Leben nach Gottes Gebot dispensieren. Mag die Sprache dieses Midrasch (wie auch vieler midraschartiger Geschichten in der Bibel) uns heute zunächst fremd sein, was Paulus und durch ihn Gott damit sagt, gibt uns allen zu denken.
                                   

 

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre unsmit deinem Wort
und reinige die Augen unsereres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 2. Fastensonntag
28.02.2010; Phil 3,17 - 4,1

Hölle oder Himmel ?

 

"Das hat uns noch gefehlt!" - so klagt wohl mancher Christ, wenn in den Medien neben den Skandalen in der Politik auch solche im kirchlichen Bereich breitgetreten werden. Wer die Kirchengeschichte kennt, darf sich eigentlich nicht darüber wundern. Schon Paulus musste im Brief an seine Lieblingsgemeinde "unter Tränen" zum Verhalten von Christen Stellung nehmen, deren Leben in Widerspruch zu ihrer Berufung stand. Er nennt sie "Feinde des Kreuzes Christi", da sie durch ihr Verhalten die christliche Predigt unglaubwürdig machen und darum bewusst oder unbewusst Gegner des Evangeliums vom Kreuz Christi sind. In der Sprache traditioneller Ketzerpolemik und Lasterkataloge (vgl. Röm 1,29-31) charakterisiert der Apostel sie drastisch als Menschen, deren "Gott" letztlich "der Bauch" ist - eine anschauliche Verkörperung der Genussucht, die wie ein Götze die Lebensweise diktiert. Das Ende eines solchen Menschen ist "das Verderben" (vgl. Spr 15,10f). Damit ist in der Bibel nicht ein Erlöschen der menschlichen Existenz gemeint (wie in der Neuzeit oft kurzsichtig gelehrt und erstrebt), sondern ein Dasein "in Schande" für alle, die einzig auf irdisches Glück aus sind.

Diese Warnung vor der "Hölle" gilt heute noch, wenn auch die zeitbedingten biblischen Bilder einer Interpretation bedürfen. Hängen nicht manche Skandale in und außerhalb der Kirche damit zusammen, dass das in Predigt und Erziehung vergangener Jahrhunderte oft missbrauchte Thema "Hölle" ersatzlos gestrichen wurde?

Der für Christen beschämenden Lebensweise stellt der Apostel seine eigene gegenüber. Wer ihn nachahmt (Phil 3,17), dessen bergende "Heimat" ist nicht eine Partei, Nation oder sonstige irdische Stätte, sondern vielmehr Gott ("im Himmel") und dessen Sohn, der mit den Seinen eine Gemeinschaft bildet, die unsere vergängliche Welt übersteigt. Auf diesen Bereich Gottes ist das Sinnen des wahren Christen ausgerichtet; denn von "dort" her erhofft er ohne Angst die Vollendung seines irdischen Lebens durch den "Retter" Jesus Christus (vgl. 1 Thess 1,10). Dieser wird unseren "Leib der Niedrigkeit" (unser dem Tod preisgegebenes Ich) am Ende unseres Lebens "umgestalten", damit er "gleichförmig" wird "dem Leib seiner Herrlichkeit" (dem verklärten Sein des Auferstandenen). Christus kann dies, weil er, der sich selbst "erniedrigte", von Gott über alles "erhöht" wurde (Phil 2,8f). 

Die Ausrichtung des christlichen Lebens auf den Himmel ist damit keine billige "Vertröstung", die von einem echten Einsatz für diese Welt dispensiert; sie ist vielmehr die uns durch Christus selbst gewiesene Richtung, die unserem Engagement in dieser Welt erst den vollen Sinn gibt: nicht für das "Verderben", sondern für den "Himmel".                                 

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!

Gedanken zum 1. Fastensonntag
21.02.2010; Röm 10,8 - 13

Keine ausweglose Situation

 

In dem umstrittenen Theaterstück "Der Park" (Botho Strauß) klagt Titania angesichts des Mangels an Liebesfähigkeit - ein Symptom für die Unfähigkeit zu jeglicher Kommunikation - resigniert: "Nur ein Gott kann uns retten!" Ob der Dichter die religiöse Sprache ernst nimmt oder bloß als Ausdrucksmittel verwendet, sei dahingestellt; jedenfalls spricht er eindringlich aus, dass menschliche Kräfte trotz moderner Perfektion nicht ausreichen, das Verlangen nach Glück und Frieden zu stillen.

Uns Christen erinnert er damit an die alte, heute oft totgeschwiegene Wahrheit von der ausweglosen Situation, der wir als Sklaven des "Ich" infolge der "Sünde der Welt" (Ursünde) preisgegeben sind, wenn uns niemand rettet.

Gegenüber jüdisch-pharisäischen Anschauungen betont Paulus in freier Auslegung von Dtn 30,11-14: Nicht Eigenleistung in Form exakter Beobachtung aller Gesetzesvorschriften rettet uns aus der todbringenden Egozentrik, sondern einzig der Glaube an den Retter Jesus Christus.

Für den Apostel verweist die alttestamentliche Aussage über das "Wort" der Tora auf das "Wort" des Evangeliums, das der Glaubende sich zu eigen macht und ihm darum einzigartig "nahe" ist. Dieses ist nämlich "im Munde" dessen, der "mit dem Munde" im kirchlichen Credo den gekreuzigten Jesus als Kyrios (Herr) anruft, um Rettung zu erlangen; es ist "im Herzen" derer, die "mit dem Herzen" glauben, dass Gott ihn nicht bei den Toten ließ, sondern zum vollen Leben erweckte, damit er sie aus ihrer Todesverfallenheit rette und ihnen Anteil an seinem Leben in Fülle gebe.

Der Apostel deutet hier das Alte Testament, indem er frühe Formeln der Taufliturgie aufgreift. Diese sagen uns heute noch: Zum Christsein gehört wesentlich das gemeinsame Bekenntnis ("mit dem Munde") zum Kyrios Jesus, in dem Jahwe sich uns als Retter zuwendet.

Zum Christsein gehört damit zugleich der Glaube an die Auferweckung des Gekreuzigten, durch die Jesus zum inthronisierten Kyrios wurde (vgl. Phil 2,9f); dies kann zwar niemals mit dem Verstand ( wie etwa mathematische Lehrsätze), wohl aber "mit dem Herzen" als Wahrheit angenommen werden. ("Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt" [Pascal]). Die in Gottes Kraft erfolgte Auferstehung weist Jesus als den aus, der mit Gott eins ist. (Später wird sie ausdrücklich sogar als Jesu eigene Tat verkündet; vgl. Joh 2,19.22).

Seit frühester Zeit bezieht daher das Christentum die alten Aussagen über Jahwe als den einzigen Retter auf Jesus Christus: Wer sich ihm (mit "Mund" und "Herz") als dem Herrn des Lebens anvertraut und der Versuchung widersteht, sich selbst zu erlösen und selbst zu verwirklichen, dessen Leben ist trotz des drohenden Todes nicht zum Scheitern verurteilt und aussichtslos.                                             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Gott, du liebst deine Geschöpfe,
und es ist deine Freude,
bei den Menschen zu wohnen.
Gib uns ein neues und reines Herz,
das bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 6.Sonntag im Jahreskreis
14.02.2010; 1 Kor 15,12.16-20

"Fundament christlichen Glaubens"

 

Mehrere Rundfragen in den letzten Jahren zeigten: Nicht wenige Christen leugnen eine leibliche Auferstehung der Toten, weil sie meinen, eine solche lasse sich mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft und Medizin nicht vereinbaren. Ähnlich leugneten in Korinth einzelne die Auferstehung der Toten, weil diese in Widerspruch stehe zu ihrer Anschauung von einer rein geistigen und darum unsterblichen Seele.

Ohne näher auf die Gegenargumente einzugehen, stellt Paulus kategorisch fest: Leugnung einer Auferstehung der Toten ist unvereinbar mit der Verkündigung der Auferstehung Jesu. Als Grund führt er an: Wenn keine Auferstehung der Toten, dann auch keine Auferstehung Christi. Damit meint Paulus nicht bloß, dass die Auferstehung Jesu ein Einzelfall der allgemeinen Auferstehung sei. Er geht vielmehr davon aus, dass Jesus nicht für sich allein auferstanden ist, sondern als "der Erste der Entschlafenen" und der lebensspendende "Adam" (1 Kor 15,22).

Als ein doppeltes verbundenes Gegenargument fügt Paulus noch an: 1. Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist der christliche Glaube "leer" (wörtlich), da wir unbeschadet eines Bekenntnisses zu Jesus immer noch vor Gott als Sünder dastünden. 2. Wenn Christus nicht auferstanden ist, sind auch die verstorbenen Christen noch verloren und einem ewigen Verderben preisgegeben.

Die im Blick auf die Leugner einer Auferstehung der Toten in Korinth formulierten Worte des Apostels müssen heute alle bedenken, die in der christlichen Botschaft einzig eine Ethik der Nächstenliebe sehen, aber ihr Fundament - Jesu Tod und Auferstehung zu unserer Rettung - verschweigen oder bestreiten.                          

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung
allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedanken zum 5.Sonntag im Jahreskreis
07.02.2010; 1 Kor 15,1 - 11

"Kernaussagen des Christentums"

"Gibt es wirklich eine Auferstehung der Toten?" So fragen heute selbst Christen, die durch neuere Erkenntnisse verunsichert sind. Diese Frage, die schon die Korinther bewegte, beantwortet Paulus eindeutig positiv (1 Kor 15). Als Grund dafür zitiert er eine alte Zusammenstellung von Kernaussagen ("vor allem") der apostolischen Predigt:

1. Christus starb; dies geschah nicht wegen eigener Schuld, sondern - wie Ostern lehrte - infolge unserer Sünden. Darum spricht Jesu schmachvoller Tod nicht gegen seine Messianität; er liegt vielmerh auf der Linie der Schrift (vgl. Jes 53; Weish 2,12ff).

2. Christus wurde begraben und teilte das Los aller Toten in der Unterwelt. Nach damaligem jüdischem Glauben erlischt zwar im Sterben nicht ihre leibseelische Existenz; ihr Schattendasein im Reich der Toten aber fern von Jahwe verdient nicht mehr den Namen "Leben".

3. Christus wurde auferweckt. So (oder mit "auferstanden") bezeichneten die Apostel seine endgültige, unsere Welt übersteigende Befreiung aus dem Bereich des Todes in der Sprache, die ihnen von der Erwartung einer Überwindung des Todes in der Endzeit bekannt war (vgl. Dan 12,2f). Von alten Mythen unterscheidet sich die Auferstehung Christi durch ihre Bindung an die Geschichte: "am dritten Tag" (Anspielung auf die Erscheinung oder die Entdeckung des leeren Grabes). Gegen eine Leugnung dieser Botschaft konnten die Apostel wiederum auf Andeutungen im Alten Testament verweisen (Jes 53,10; vgl. Lk 24,46).

4. Christus erschien. Dadurch wies er sich gegenüber Kephas und dem Kreis der "Zwölf" als lebendig aus und befähigte sie, seine Zeugen zu sein. Wenn noch weitere namhafte bzw. viele befragbare Zeugen aufgezählt werden, dient dies der Abwehr des alten Vorwurfs, die Jünger seien Illusionen zum Opfer gefallen. Ohne näher auf die Eigenart dieser Erscheinungen einzugehen - die Evangelien malen sie später aus -, reiht sich der ehemalige Verfolger ("Missgeburt") selbst in die Schar der Osterzeugen ein. Aus seiner Hand besitzen wir noch mehrere Aussagen über seine Begegnung mit dem Auferstandenen, die sein Leben fortan bestimmte (z.B. Gal 1,16; 1 Kor 9,1; vgl. die jüngeren anschaulichen Schilderungen in Apg 9; 22; 26).

Das Gewicht dieser vier Kernaussagen für den Glauben an die Auferstehung zeigt sich für Paulus schließlich darin, dass alle Apostel sie predigen und auch die Korinther sie bei ihrer Taufe angenommen haben (1 Kor 15,11): Jeder Christ ist - besonders in den Wochen vor Ostern - gefragt, ob er bereit ist, diese Kernaussagen als Fundament der Hoffnung auf seine persönliche Auferstehung anzunehmen und durch sein Leben zu bezeugen.                    

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen 

 

Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten und die Menschen lieben,wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 4.Sonntag im Jahreskreis
31.01.2010; 1 Kor 13,4 - 8a

"Von wegen Liebe"

"Marylin Monroe" überschreibt P. Härtling ein Gedicht, in dem er die Vermarktung dieser Frau als Sexidol geißelt, die schließlich Selbstmord beging: "von wegen Liebe". Wie viele suchen Liebe und werden nur als Lustobjekt missbraucht ? Echte Liebe hingegen feiert Paulus 1 Kor 13 in einem Lobpreis. Der Apostel spricht dort über die Nächstenliebe als Basis christlichen Gemeindelebens. Das "Hohelied der Liebe" gilt ebenso für jede Familie und alle Liebenden, ob alt oder jung.

Nach der Empfehlung der Liebe als der höchsten Geistesgabe (1 Kor 13,1-3) beschreibt Paulus in 1 Kor 13,4-7, was echte Liebe ist und was nicht.Dabei fällt auf, dass die am Anfang und Ende genannten positiven Eigenschaften alle das geduldige Annehmen des anderen betreffen.

Wer liebt, kreist eben nicht narzisstisch um sich selbst; er ist vielmehr auf das Wohl des anderen bedacht. Aus dieser Haltung erwächst das große Vertrauen zum anderen (die Wiederholung von "alles"). Dabei weiß Paulus aus eigener Erfahrung, dass Vertrauen mitunter missbraucht wird und oft Wachsamkeit angebracht ist. Sein Lobpreis ist kein Katalog konkreter Handlungsanweisungen, wohl aber - wie die Bergpredigt - ein Ansporn, unser eigenes Verhalten immer neu zu überprüfen.

Dieser Selbstprüfung dient auch die Aufzählung negativer Haltungen, z.B. durch Angst bedingter Eifer, naive Angeberei, krampfhafte Geltungssucht. In Widerspruch zur Liebe stehen auch das Verletzen der guten Sitte, der Scham (nicht bloß im sexuellen Bereich) sowie auch das unbeherrschte, zornige Reagieren auf Böses und das kleinliche, rechnerische Nachtragen von erlittenem Unrecht.

Ohne Zucht, Selbstbeherrschung und Bereitschaft zum Vergeben zerbricht auf die Dauer jede Gemeinschaft oder wird das Zusammenleben zur "Hölle". Schließlich stellt Paulus noch der hämischen Freude an dem Schaden anderer die echte Freude an dem Guten gegenüber, das der wahren Anlage der Schöpfung und dem Ziel allen Lebens entspricht. - "Die Liebe hört niemals auf." 

Diese Ermutigung zur Liebe entspricht ganz der Predigt Jesu und dem alttestamentarischen Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Sie hat ihren tiefsten Grund in Gott selbst, dessen Lebensodem "Liebe" ist und der uns diese in Jesus leibhaftig vorgelebt hat. Darum sind alle Christen dazu berufen, sich für diese Liebebegeistern zu lassen und sie jedem Zerrbild "von wegen Liebe" entgegenzuhalten.

   aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen  
                    

Allmächtiger, ewiger Gott,
lenke unser Tun nach deinem Willen
und gib, daß wir im Namen deines
geliebten Sohnes
reich werden an guten Werken.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Gedanken zum 3.Sonntag im Jahreskreis
24.01.2010; 1 Kor 12,12 - 14.27

"Die Kirche - nein danke"?

"Jesus ja, Kirche nein!" - hinter diesem Slogan steht meist die Auffassung, "die Kirche" besteht einzig aus der Hierarchie ("Amtskirche"), die Kirchenbeiträge einhebt, Kirchenbauten errichtet, Kirchengebote erlässt und in der Öffentlichkeit oft unbequem mahnt - ganz im Unterschied zu Jesus, dem Freund der Armen und Sünder. Wie falsch ein solches Kirchenverständnis ist, lehrt u.a. diese Lesung. Paulus wendet sich an die Kirche in Korinth, in der es noch gar keine "Hierarchie" gab, wo aber die vielfältigen Begabungen der Christen die Einheit gefährdeten. In Anlehnung an einen damals bekannten Vergleich Roms mit einem menschlichen "Leib" erklärt er, dass zur Kirche ganz unterschiedliche Glieder gehören und diese zusammen einen einzigen Leib bilden.


Der Apostel begnügt sich aber nicht mit einem bloßen Vergleich; denn für ihn ist die Kirche regelrecht "ein Leib in Christus" (Röm 12,5), den er sogar einfach "Christus" (1 Kor 12,12) nennt.  Dies gilt für eine Einzelgemeinde wie Korinth ebenso wie für die Gesamtkirche, die sich jeweils in den einzelnen Gemeinden konkretisiert. "Die Kirche" lässt sich also gar nicht von Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, trennen.

Grund dieser Ineinssetzung ist für Paulus zunächst die Taufe: durch sie werden alle mit dem göttlichen Lebensodem Christi erfüllt und so zu einem Leib, ob früher Jude oder Heide, Knecht oder Herr ("Mann oder Frau", Gal 3,28). Das "Tränken mit dem Geist" deutet einen weiteren Grund an: Die gemeinsame Speisung in der Eucharistie, wo der Empfang des Leibes Christi die Einheit anschaulich macht das und ein verstehen der Kirche als "Leib Christi" nahe legt. Die Kirche unterscheidet sich deshalb von jedem Staatsgebilde, Verein und von anderen Religionsgemeinschaften dadurch, dass sie nicht bloß in Geburt, Erziehung oder Gesinnung gründet. Sie ist die Gemeinschaft derer, die durch Teilhabe am Lebensodem ihres Stifters mit diesem regelrecht einen "Leib" bilden.
 
Der Apostel entfaltet dann in 1 Kor 12,12-27 seine Darlegung, indem er die Vielfalt und Zusammengehörigkeit der einzelnen Glieder rhetorisch ausmalt. Er tut dies, um die Korinther zur gegenseitigen Rücksichtnahme und Wahrung der Einheit aufzufordern. Dazu ist die heutige Christenheit angesichts der Wunden und Spaltungen des einen Leibes besonders aufgerufen; denn nur als "die eine, heilige, katholische (allgemeine) und apostolische Kirche" (Credo) vermag sie der Welt ihre Lebensgemeinschaft mit Christus zu bezeugen und Jesus zu ver- "körpern".

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen  

                        

Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 2.Sonntag im Jahreskreis
17.01.2010; 1 Kor 12,4 - 11

Begabt?

Das deutsche Wort "begabt" war im Mittelhochdeutschen eingegrenzt auf die Bedeutung "mit Geistesgaben ausgestattet". (Im 18. Jahrhundert wurde es auf die Begabung mit "Talenten" ausgedehnt.) Die Urkirche führte die Befähigung einzelner zu außergewöhnlichem Tun auf den Lebensodem Gottes zurück und bezeichnete sie als "Geistesgaben" oder "Charismen" (Geschenke). Heute betrachten wir Begabungen meist als bloß natürliche Anlagen und sind blind für das Wirken Gottes.

Jede außergewöhnliche Begabung gibt oft Anlass zu Meinungsverschiedenheiten. So bildeten sich in Korinth um einzelne Geistbegabte Gruppen und stiftete ihr unterschiedliches Verhalten sogar Zwietracht. In unserem Text geht Paulus darum auf die Geistesgaben ein, deren Bewertung die Gemeinde spaltete. Durch die rhetorische Diktion betont er, dass alle diese Charismen - so verschieden sie auch sind - Gaben des einen Heiligen Geistes sind und daher der Erbauung der einen Gemeinde dienen.

Das gilt ebenso für die "Weisheitsrede" wie die "Erkenntnisrede" (so wörtlich): Gottes Geist befähigt einzelne Getaufte dazu, andern "Weisheit" und "Erkenntnis" mitzuteilen, d.h. dank der ihnen geschenkten Einsicht in Gottes Willen andere im Glauben an den Gekreuzigten - für gebildete Griechen eigentlich eine "Torheit" (1 Kor 1,23) - zu stärken. Offensichtlich wurden dabei mitunter die Grenzen jeder Einsicht übersehen und die Einheit der Glaubenden bedroht.
Dasselbe gilt fürd den außergewöhnlichen, (bildhaft gesprochen) Berge versetzenden
Glauben, (wie ihn Heilige hatten und auch heute nicht wenige besitzen), für die Charismen der Krankenheilungen ( aus damaliger Sicht oft alsWunder betrachtet) und "die Kräfte" (wohl zur Befreiung der "Besessenen", d.h. der heillos ihren Trieben und Fixierungen verfallenen  Menschen): Weiters erwähnt Paulus die Gaben "prophetischen Redens" (wie sie manchen Predigern zu eigen sind) und der Unterscheidung der Geister (die Beurteilung der inneren Regungen und Anmutungen; einen "Blick" dafür haben einfache Menschen oft ebenso wie erfahrene Seelsorger). Ganz zuletzt nennt Paulus die Befähigung zum "Zungenreden" (Glossolalie), jenem eigentümlichen Beten in unverständlichen Wörtern, das für den Apostel die unwichtigste Geistesgabe ist ( im Unterschied zu ihrer häufigen Überschätzung).

Weil Paulus hier zu der falschen Beurteilung der Geistesgaben Stellung nimmt, erwähnt er andere nicht, wie z.B. die Charismen der Ämter (Apostel, Propheten und Lehrer) sowie des Helfens und Leitens (vgl. 1 Kor 12,28). Letztlich kommt gerade den unauffälligen Geistesgaben ein besonderer Wert zu. Die heutige Frage nach "Begabten" ist für jeden Christen ein Anruf, seine ganz persönliche Geistbegabung zu erkennen und diese als ihm für andere verliehenes "Talent" nicht zu vergraben.                  

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle des Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Gedanken zur Taufe des Herrn
10.01.2010; Tit 3,4 - 7

Taufe als Weg zur Rettung

Für viele junge Menschen ist die Taufe nur eine Zeremonie, die man den Verwandten oder einer Familienfeier zuliebe spenden lässt. Grund für diese Einschätzung ist oft ein Missverständnis dieses Sakraments als magischer Ritus. Auf seine wahre Bedeutung verweist uns die Zusammenfassung zentraler Glaubenswahrheiten im Titusbrief, eine Begründung christlichen Lebenswandels (3,1ff).

In der Sprache seiner Zeit, wo das Auftreten eines Herrschers als "Epiphanie" (Erscheinen) göttlicher Macht bezeichnet wurde, nennt der Paulusschüler das Leben, Sterben und Auferstehen Christi ein "Erscheinen" des Schöpfers der Welt. Denn die Geschichte des gekreuzigten und auferstandenen Sohnes zeigt, dass Gott - anders, als Leidgeprüfte oft mutmaßen - in der Tat uns Menschen freundlich gesinnt und auf unsere Rettung bedacht ist.

Gegenüber menschlichen Bestrebungen, sich selbt zu einem gesunden, glücklichen Leben zu befreien, betont der Verfasser, dass dies nicht der Weg Gottes ist. Die moderne Bedrohung des Lebens durch Umweltverschmutzung und Atomkrieg lehrt uns, wie wenig wir vermögen. Dabei sind diese Gefahren nur Symptom einer viel tieferen Gefährdung sinnvoller menschlicher Existenz über den Tod hinaus.

In dieser Situation at Gott ein Herz für uns, ist er "barmherzig" und überlässt uns nicht unserem selbstzerstörerischen Streben nach Glück, das uns letztlich ganz von der Quelle echter Lebensqualität abschneidet.

Der Rettungsweg Gottes ist die Taufe. Sie wird hier "Bad der Wiedergeburt" genannt. Durch sie wird uns die Wirkung der Taufe Jesu, die schon symbolhaft sein ganzes Leben, Sterben und Auferstehen vorwegnahm, zugeeignet: Wir werden reingewaschen vom Schmutz der Sünde und wieder mit neuem Lebensodem erfüllt, den wir Christus verdanken. So sind wir, befreit von der Last unserer Schuld, rechtmäßige Anwärter eines Lebens, das wirklich diesen Namen verdient.

Unsere Taufe erfolgt - aus der Gesamtsicht der Bibel - nicht allein beim Taufritus. Vom ersten Augenblick an steht jeder Mensch irgendwie im Lichtkreis der rettenden Liebe Gottes, die den Täufling aber auf eine ganz besondere, zeichenhaft-wirkliche Weise erneuert. Wie Jesu Taufe erst in der "Taufe" des Todes und seiner Auferweckung ihre Vollendung fand, ist auch die uns meist als Kindern geschenkte Taufe hingeordnet auf den Nachvollzug im Leben und Sterben. 

Wer diese dynamische Sicht der Taufe als Sakrament (heiliges Symbol) beachtet, kann sie nicht mit einem magischen Ritus verwechseln. Er muss vielmehr immer wieder dankbar staunen über diesen Weg unserer Rettung durch Gott dank der "Taufe" Christi.                        

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Barmherziger Gott,
durch die Geburt deines Sohnes
aus der Jungfrau Maria
hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt.
Laß uns auch im neuen Jahr immer und überall
die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren,
die uns den Urheber des Lebens geboren hat,
Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Gedanken zum Hochfest der Gottesmutter Maria
01.01.2010; Gal 4,4-7

Neujahr

Der Text dieser Lesung ist dem Galaterbrief des hl. Paulus entnommen. Paulus hat mehrfach in Kleinasien (heutige Türkei) missioniert. Bei dieser Tätigkeit ist es auch in Galatien (etwa Zentral-Kleinasien) zur Gründung einiger christlicher Gemeinden gekommen. Einige Zeit daruaf sind in diesen Gemeinden Menschen aufgetreten (wir wissen nicht genau, ob es JudenchristInnen, Jüdinnen oder Juden oder MissionarInnen einer anderen religiösen Gruppe waren), die u.a. verlangt haben, daß sich die galatischen Christen so wie die Juden beschneiden lassen müssen. Paulus hat sich im Galaterbrief entschieden gegen ein solches Verlangen gewendet. Der Hauptgrund dafür ist der: Wenn es nicht genügt, an Christus zu glauben; dieser Glaube wäre nur eine Bedingung unter anderen. Das aber erkennt Paulus als Abfall von Christus und von Gott, der uns durch Christus die Versöhnung gegeben hat. Der Text des heutigen Festes umschreibt das Wesen christlichen Lebens: Durch Christus zu Kindern Gottes geworden, haben wir Gottes Geist in uns und können Gott vertrauensvoll und in herzlicher, liebender Zuneigung anrufen. In Vers 4 sagt Paulus - entgegen einer weitverbreiteten Meinung - nichts über die jungfräuliche Geburt Jesu. "Geboren von einer Frau" meint lediglich: ein Mensch wie du und ich. Daß Jesus dem Gesetz unterstellt ist, bedeutet, daß er ganz und gar Jude ist. Der griechische Ausdruck "Kindschaft" in Vers 5 meint eigentlich die Adoption. Die Gottesanrede "Abba" hat Jesus am Ölberg im Gebet verwendet (Mk 14,36). Es ist möglich, daß Jesus überhaupt diese Anrede an Gott ganz allgemein gerichtet hat. "Abba" ist ein aramäisches Wort, das eigentlich aus der Kleinkindersprache kommt und etwas von unserem "Papa" an sich hat. Im Regelfall hat man sich im Judentum nicht getraut, Gott so anzureden. Vielleicht war dieses Wort unter ChristInnen (vgl. dazu Röm 8,15) bei der Taufe in Gebrauch.

In Vers 7 werden Rechtlosigkeit (Sklave/in) und Erbrecht (Sohn/Tochter) gegenübergestellt, wobei der Vergleich hinkt: was wir als Erbe erwarten, erlangen wir nicht durch den Tod Gottes/Jesu, sondern in unserem eigenen Tod.

Jesus ist wahrer Mensch geworden, und zwar als Jude, damit in uns die Verheißung Abrahams in Erfüllung gehe. Durch Jesus (im Glauben an ihn) sind wir Kinder Gottes geworden und können mit aller Zuversicht Gott als unseren lieben Vater anrufen. Wir sind ja wirklich und wahrhaftig seine Kinder und haben seine Zusagen. Diese werden zuversichtlich in Erfüllung gehen.                       

aus: Wolfgang Beilner, LektorInnenbibel

 

Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie
hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle
zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum Fest der Heiligen Familie
27.12.2009; 1 Joh 3,1-2

Zukuntsperspektiven im Licht von Weihnachten

Am Jahresende schauen wir auch voraus in die Zukunft. Die Situation in Politik und Wirtschaft gestattet vielen keine rosige Aussicht und Begeisterung. Ob es der Kirche gelingen wird, mehr Menschen als bisher von der hoffnungsvollen Botschaft des Evangeliums zu überzeugen, hängt nicht zuletzt von der echten Begeisterung aller Christen ab. Die Lesung dieses Weihnachtssonntags hilft eine solche zu wecken und über die Feiertage hinaus zu wahren.

Der Verfasser des 1. Johannesbriefes lenkt die Aufmerksamkeit seiner durch Ablehnung und Irrlehrer verunsicherten Leser zunächst auf die Größe der ihnen von Gott erwiesenen Liebe. Inmitten dieser Welt mögen sie sich oft wie verlassen vorkommen. Dem steht aber die durch Gottes Sohn geschenkte Einsicht gegenüber, das Gott ihnen wie ein Vater seinen "Kindern" liebevoll zugetan ist und sich um sie sorgt.

Die väterliche Liebe Gottes geht so weit, die Menschen nicht bloß seine Kinder zu "heißen", sondern sie durch die Verleihung seines Lebensodems tatsächlich zu echten, ihm innerlich verwandten Kindern zu machen. Wer getauft ist, hat Anteil am Leben Gottes und ist daher für Gott kein Fremder. Er darf wie Jesus, Gottes Sohn, voll und ganz mit der väterlichen Liebe rechnen, die stärker ist als der Tod.

Wenn "die Welt" (die Gott sich verschließende Menschheit) die Christen verkennt und sogar verfolgt, hängt dies mit ihrer Unkenntnis Gottes zusammen. Das durch Christus geoffenbarte Geheimnis seiner Liebe bleibt ihr verborgen. Was die Christen "jetzt" sind, wird noch überboten durch ihre Zukunft. Diese ist zunächst noch verborgen (mehr als das kommende Jahr). Der Glaubende weiß aber, dass er beim Offenbarwerden Gottes (im Tod und am Ende der Zeit) diesem in einzigartiger Weise "ähnlich" sein, d.h. mehr noch als in der Taufe Anteil am Leben Gottes, an seiner den Tod überwindenden und alles überstrahlenden Liebe erhalten wird.

Als Grund nennt der Verfasser: Wir werden dann fähig sein, den Urheber des Alls und Vater Jesu als den zu erkennen, der er in Wirklichkeit ist: Quell des Lebens und der Liebe.

Wer den Jahreswechsel im Licht von Weihnachten und der uns durch die "Fleischwerdung" des ewigen Sohnes verkündeten Liebe Gottes betrachtet, darf getrost dem neuen Jahr und der Zukunft der Welt entgegenblicken. Sind wir doch alle jetzt schon von Gottes Liebe umfangen und unterwegs zu einer noch herrlicheren Teilhabe seiner Liebe.                        

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Halleluja. Halleluja.
Maria sagte:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.
Halleluja.

Gedanken zum 4. Adventsonntag
20.12.2009; Hebr 10,5-10

Kein niedliches Weihnachtsidyll

"Pseudo-Weihnacht" sind viele "Weihnachtsfeiern", "Christkindlmärkte" und "Weihnachtsansprachen". Das eigentliche Thema des Festes gilt sehr vielen in unserem Land nur noch als fromme Legende, allenfalls für Kinder und Großmütter geeignet. Dabei wird Volkstümliches ("holder Knabe im lockigen Haar") meist nicht von Wesentlichem unterschieden.

Die Lesung aus dem Hebräerbrief hingegen macht uns in ungewohnter Weise auf das zentrale Festgeheimnis aufmerksam. In seiner Darlegung über das Ende der Tempelopfer stellt der Verfasser dem alten Kult die Hingabe Christi gegenüber. Diese findet er gemäß damaliger Bibelauslegung schon in Ps 40,7-9 ausgesprochen. Ja, er sieht in den (nach der griechischen Übersetzung) zitierten Versen regelrecht ein Wort Christi, der "von draußen" in diese Welt hereinkommt. Nach ältester Überzeugung beginnt das Leben Christi in der Tat nicht erst mit seiner wunderbaren Empfängnis im Schoß Mariens, sondern schon vorher, im zeitlosen Hervorgehen aus dem Vater. Diese "Prä-Existenz" des Sohnes vor Erschaffung der Welt und vor seiner Menschwerdung vermögen wir mit unserem Verstand niemals zu begreifen.

Wer sie aber deshalb bestreitet, nimmt dem Christentum das Fundament. Denn ein Mensch - sei er auch der edelste von allen - ist nicht fähig, die ganze Welt aus ihrer Todesverfallenheit, die schlimmer ist als eine atomare Bedrohung, zu retten. Das vermag einzig der, welcher mit Gott wesenhaft eins ist.

Mit dem Psalmwort erklärt Christus: Gott hat von ihm nicht solche Opfer verlangt, wie sie im Tempel zu Jerusalem dargebracht werden. Diese entsprechen nicht einmal dem vollen Willen Gottes (vgl. Ps 51,18f). Vielmerh hat Gott ihm einen "Leib bereitet" (so die alte Übersetzung des hebräischen Urtextes: "Das Gehör hast du mir eingepflanzt"). 

Darin erkennt der Verfasser in einer Zusammenschau von Menschwerdung und Passion den von Maria geborenen und von Christus am Kreuz hingegebenen "Leib", auf den die Abendmahlworte "das ist mein Leib" verweisen. Der Gehorsam des Sohnes betrifft also nicht bloß einzelne Handlungen, sondern sein ganzes Leben.

Zu diesem Lebensopfer hat sich (gemäß der christlichen Deutung dieser "Schriftrolle") der ewige Sohn von Anfang an bereit erklärt; denn von ihm heißt es dort: "Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun." Diese Auslegung von Ps 40 mag uns heute fremd anmuten; sie lässt aber deutlich erkennen, wie die ersten Christen das Kommen des Gottessohnes in diese Welt auffassten: Er nahm die Knechtsgestalt menschlicher Todesexistenz an (Phil 2,5f) und wurde "Fleisch" (sterblicher Mensch, Joh 1,14), um uns alle vom ersten Augenblick seines Lebens an aus unserer Unheilssituation zu erlösen. Die Christenheit feiert also zu Weihnachten mehr als ein Idyll von Betlehem; sie beugt sich dankbar und anbetend vor dem Sohn Gottes, der sich "selbst entäußerte" und "gehorsam" wurde "bis zum Tod am Kreuz" (Phil 2,7f).                                       

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen
das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit
für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle
ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 3. Adventsonntag
13.12.2009; Phil 4,4-7

Ermutigung zu Freude und Güte

"Ich freue mich auf Weihnachten", so hören es Eltern dieser Tage oft von ihren Kindern. Ob sie auch selbst sich freuen? Viele bedrücken die Sorgen um die persönliche, familiäre und staatliche Zukunft so sehr, dass sie sich kaum noch richtig freuen können.

Aus dem Gefängnis fordert Paulus seine Lieblingsgemeinde zu ständiger Freude auf. Die Wiederholung ("noch einmal") zeigt, wie sehr Paulus daran liegt. Offensichtlich empfand er selbst die Schwierigkeit, angesichts von Bedrängnis und Sorge froh zu sein.

Die Bemerkung über die Güte, die allen Menschen bekannt werden soll, unterstreicht ebenfalls seinen Appell zur Freude. Wer frohen Mutes ist, erträgt andere leichter und ist eher bereit, sie verständnisvoll anzunehmen, ohne Griesgram oder Aggression. Solche Milde ist konkrete Nächstenliebe, die werbendes Kennzeichen aller Christen sein soll.

Um die Leser dazu anzuspornen, erinnert Paulus sie an ihr Wissen: "Der Herr ist nahe." Das meist als baldiges Herabsteigen vom Himmel erwartete Kommen des Herrn (Phil 3,20f) kennt Paulus auch als die erhoffte Gemeinschaft mit Christus im Tod (Phil 1,23). Wesentlich ist, dass diese Nähe des Auferstandenen uns unser Leben und die Welt in einem neuen Licht sehen lässt: Am Ende steht nicht die Katastrophe, sondern die Erfüllung all unserer Sehnsucht nach Leben in Fülle. Wir sind für die Freude geschaffen, und diese wird uns durch Christus geschenkt.

Und die Sorgen? Paulus selbst hatte viele Sorgen um seine Gemeinde
(vgl. 2 Kor 11,28), und er schrieb nicht zuletzt aus Sorge diesen Brief
(vgl. Phil 2,12-17; 4,18). Aber wie er sollen auch wir unsere Anliegen im Gebet und mit Dank vor Gott tragen. Wir sehen sie dann im rechten Licht und dürfen - trotz vorübergehender Enttäuschungen - der Hilfe Gottes gewiss sein. Dieses Gebet dispensiert nicht vom eigenen Einsatz, nimmt ihm aber das Freudlos-Verdrießliche, weil wir uns von Gott mitgetragen erfahren.

Wer sich im Blick auf die Nähe des Herrn - er ist sogar schon mitten unter uns! - freut, dem gilt der Segenswunsch des Apostels: Der all unsere Vorstellungen übersteigende Friedens- und Heilswille (salom) Gottes wird unsere von Angst bedrohten Herzen und Sinneskräfte regelrecht "bewachen" (wörtlich), damit wir nicht verzagen, sondern uns freuen "wie´s Kind zur Weihnachtsgabe" (Claudius).                                      

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger und barmherziger Gott,
deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg.
Laß nicht zu,
daß irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern,
deinem Sohn entgegenzugehen.
Führe uns durch dein Wort und deine Gnade
zur Gemeinschaft mit ihm,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Gedanken zum 2. Adventsonntag
06.12.2009; Phil 1,6.9 - 11

Bereit für den "Tag X"

Angst vor dem "Tag X" etwa als militärischer Intervention, Naturkatastrophe oder dem persönlichem Ende lässt viele Menschen jeden Gedanken daran verdrängen. Andere wünschen eher, von einem solchen plötzlich überrascht zu werden.

Die ersten Christen nannten diesen "Tag X" den "Tag Christi" oder "Tag des Herrn", in Anlehnung an den alttestamentlichen "Tag Jahwes", den Tag der Befreiung aus der Macht der Feinde durch Gottes mächtige Hand (vgl. Jes 13,6.9) bzw. den Gerichtstag, an dem Gott auch sein abtrünniges Volk zur Rechenschaft ziehen wird (Am 5,18-20). Für die Urkirche ist der erhöhte Herr Retter der Seinigen und Richter aller Menschen. Seine "Ankunft" (Parusie - Advent) wird darum das bringen, was im Alten Bund vom Tag Jahwes erhofft bzw. befürchtet wurde.

Voll Sehnsucht erwarteten die ersten Christen den "Tag Christi" für die allernächste Zukunft (vgl. den alten Ruf ("Maranatha" - "unser Herr, komm!"
1 Kor 16,22; Offb 22,20) und malten ihn in den Farben jüdischer Apokalyptik aus: Zerstörung des Weltalls und aller dämonischen Mächte, Kommen des Menschensohns auf den Wolken, Sammlung der Auserwählten, Gericht über alle, Herabkunft des himmlischen Jerusalems, Hochzeit des Lammes (vgl. Offb 20-22).

Das Ausbleiben dieses so vorgestellten Tages ("Parusieverzögerung") zwang zu einem Umdenken (vgl. etwa Petr 3,9) und führte u. a. zu der von vielen Theologen heute vertretenen Ansicht, dass die für das Ende der Zeit erhoffte Gemeinschaft mit dem Herrn dem einzelnen schon bei seinem Sterben zuteil wird (vgl. Phil 1,23; Lk 23,43).

Paulus spricht in unserer Lesung die Zuversicht aus, dass Gott am "Tag Christi" das schöpferische Werk vollenden wird, das er mit der Berufung zum Glauben und der Errettung aus der Sünde begonnen hat. Diese Vollendung geschah für die Philipper nicht im Erleben des Weltendes oder eines Paradieses auf Erden; wohl aber durften sie mit Paulus hoffen, durch Gott bereits an ihrem Sterbetag vollen Anteil an der ewigen Gemeinschaft mit Christus zu erhalten.

Im Blick daruaf bittet Paulus für sie, dass ihre Liebe zunehme, meint damit aber keine blinde, unkontrollierte Liebe. Als Gnadengeschenk (Röm 5,5) soll sie vielmehr die Leser befähigen, mit erneuertem Sinnen stets zu prüfen, was der Wille Gottes ist (vgl. Röm 12,2), um am "Tag Christi" bestehen zu können und großen Lohn für ihre in Christi Kraft gewirkten Taten zu erlangen (vgl.
2 Kor 5,10; Eph 2,10).

Zum Warten auf den "Tag Christi" gehört also auch das Wissen um die Mitverantwortung für die Welt. Wer den "Tag Christi" im dargelegten Sinn versteht, darf ihm getrost entgegenschauen, ja sogar um sein Kommen bitten: Komm, Herr Jesus!                         

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Herr, unser Gott
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Gedanken zum 1. Adventsonntag
29.11.2009; 1 Thess 3,12-13

Leben vor dem Advent

Viele sind undglücklich über die Kommerzialisierung von Advent und Weihnachten. Besser als darüber zu klagen und der früheren Adventstimmung nachzutrauern, ist die Besinnung auf den wesentlichen Inhalt der Adventbotschaft. Diese freilich wird heute oft nicht mehr verstanden.
Wie ist nämlich die "Ankunft" (adventus) des Herrn "auf einer Wolke" (Evangelium) überhaupt möglich, wenn die Erde infolge einer Katastrophe überhaupt nicht mehr besteht? Wie ist das vorzustellen, dass "Jesus ... mit allen seinen Heiligen kommt", vom Himmel herabsteigend (vgl. 1 Thess 4,16), und wie können alle Menschen diese Ankunft sehen?
Menschen früherer Generationen vermochten sich das leichter bei ihrer damaligen Vorstellung der Erde und dem Himmelsgewölbe auszumalen. Gemälde, wie etwa Michelangelos Jüngstes Gericht, haben sich unseren Vorfahren tief eingeprägt. Dabei wurde und wird jedoch übersehen, dass es sich um Bilder handelt und nicht um Fotografien. Das nebeneinander verschiedenartigster biblischer Aussagen über "Ankunft" und endgültige Offenbarung des Herrn beweist dies deutlich.

Außerdem lehrt die Kenntnis jüdischer Apokryphen, dass Paulus und Jesus in ihren Worten über die Zukunft damals verbreitete Vorstellungen aufgriffen. Sie wollten nicht über Zeitpunkt und äußeren Ablauf informieren, sondern zu einem Handeln im Blick auf das (schon im Tod anbrechende) Kommen des Herrn aufrufen.

Damit die Thessalonicher (und auch wir) dafür bereit sind, bittet Paulus, dass Gott sie in der Liebe zueinander wachsen lasse. Jesu Gebot der Nächstenliebe gilt zuerst - im Sinn echt christlicher Brüder- und Schwesterngemeinschaft - im Blick auf "die Nächsten" in der eigenen Gemeinde. Darüber hinaus ist den Christen die Liebe zu allen aufgetragen ( 1 Thess 5,15), auch zu persönlichen Feinden und Gegnern der Christenheit (vgl. Röm 12,14; Lk 6,27). Unsere Unreife und Armut diesbezüglich sollten wir uns im Advent dringend in Erinnerung rufen.

Paulus verweist auf das Beispiel seiner Liebe zu den Lesern; Er setzt sich ganz für sie ein, statt seinen Lebensstandard und seine irdische Zukunft zu sichern. Ziel seines Bemühens ist das Festigen des Herzens. Dieses ist ständig in Gefahr zu versagen, etwa durch Kreisen um das Ich und Verhärtung ( Herzenssklerose ) gegenüber anderen und Gott.  

In solcher Unheiligkeit können die Menschen vor Gott und vor Christus bei seinem Tod schon anhebenden Advent nicht bestehen. Wie kurzsichtig und eng ist doch, verglichen mit der Liebe des Apostels, unser Sorgen in dieser kommerzialisierten Adventzeit!                                

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 Lesejahr B

 

Almächtiger, ewiger Gott,
du hast deinen geliebten Sohn
alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden
und ihn zum Haupt der neuen Schöpfung gemacht.
Befreie alle Geschöpfe von der Macht des Bösen,
damit sie allein dir dienen
und dich in Ewigkeit rühmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum Christkönigssonntag
22.11.2009; Offb 1,5b - 8

Der mächtigste von allen

Jedes Treffen der Regierungschefs von Großmächten bietet zu dem, was die Lesung am Christkönigssonntag und Ende des Kirchenjahres über den wahrhaft Mächtigsten der Erde aussagt, ein gutes Kontrastbild. Sie ist dem mit einer kurzen Themenangabe (Offb 1,7) verbundenen Segensgruß (Offb 1,4-6) zu Beginn der Apokalypse entnommen. Diese wurde zwischen 90 und 100 in Briefform geschrieben und lehnt sich an ähnliche jüdische Apokalypsen an.

Jesus Christus, neben Gott eigentlicher Autor dieser "Offenbarung" (wörtlich Enthüllung), wird im Blick auf sein Leben und Sterben als "Märtyrer" (Zeuge) bezeichnet. Er ist der "treue" (zuverlässige) im Unterschied zu den falschen Zeugen und Lügenpropheten, vor die in diesem Buch gewarnt wird (Offb 2,20; 13,11-13; 16,13; 19,20). 

Seine Sonderstellung ist auch daran ersichtlich, dass er nicht wie andere Große dieser Welt durch den Tod zum Schweigen verurteilt wurde; als "Erstgeborener der Toten" wurde er aus seinem Tod zu neuem Leben geboren und mehr als die Erstgeborenen irdischer Könige mit göttlicher Vollmacht ausgestattet. Darum ist er "Herrscher über die Könige der Erde" (vgl. Ps 89,28; Phil 2,9), d.h. auch über alle, die die Christen verfolgen.

Dieser Mächtigste aller Herren der Welt ist es, der die bedrängten Christen "liebt". Ihre gegenwärtige Ohnmacht steht dem nicht entgegen. Er erweist seine Liebe darin, dass er die Getauften durch seinen Tod von den Sünden erlöst. Das ist wichtiger als die Befreiung aus äußerer Not. Als Erlöste gehören sie aber jetzt schon ganz nahe zu Gott: Sie alle sind die wahren "Könige" und "Priester" vor Gott. Was nach Ex 19,6 Ehrentitel der Israeliten sind, gilt für die bedrängten, schwachen Christen.

Nach dem dankenden Bekenntnis zu Christus und seinem Vater kündet der Verfasser mit Worten des Alten Testaments und ganz im Stil apokalyptischer Zukunftsbilder die bevorstehende Offenbarung Christi an: Alle werden ihn einst als Herrn und Richter anerkennen, auch diejenigen, die ihn kreuzigten, auch die Völker, welche die Christen verfolgt haben. Das gilt ach für die Mächtigen von heute.

Als Trost und Ermutigung für alle bekräftigt der Ruf "Ja amen" (griechisch nai und hebräisch amen) den Wert dieser Worte. Wer hier auf Erden darunter leidet, nur ein Spielball in den Händen der Großen dieser Welt zu sein, wird auf den wahrhaft Mächtigen, den Herrn und König aller, aufmerksam gemacht. Unterstrichen wird diese Zusage noch durch die Selbstvorstellung Gottes mit den ersten (A) und letzten (Omega) Buchstaben des griechischen Alphabets, d.h. er ist "der Erste und der Letzte" (vgl. Jes 44,6), alles ist in seiner Hand: Gegenwart ("der ist"), Vergangenheit ("der war") und Zukunft ("der kommt").  

 

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

                       

Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Laß uns begreifen, daß wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und daß wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 33.Sonntag im Jahreskreis
15.11.2009; Hebr 10,11-14.18

Nur ein einziges Opfer

Zu den Streitpunkten zwischen den Konfessionen gehört die Lehre vom Opfer Christi. Viele evangelische Christen lehnen das katholische "Messopfer" energisch ab, weil sie darin eine Beeinträchtigung des Kreuzesopfers sehen. Die Katholiken hingegen feiern die Eucharistie als "Opfer" - unter Verwendung der üblichen, aber immer analogen Bedeutung des Wortes - im Sinn von Vergegenwärtigung der Hingabe Jesu auf Golgota. Leider geben manche ihrer Gebete und Äußerungen Anlass zu Missverständnissen.

Die Gegenüberstellung des einen "Opfers" Christi und der vielen Opfer im Alten Bund - ein zentrales Thema des Hebräerbriefes - verdient darum besondere Beachtung. Für die Priester des Alten Bundes bedeutet es eine Ehre, im Tempel vor Gott "stehen" und "Tag für Tag" Opfer darbringen zu dürfen. Der Verfasser des Hebräerbriefes aber sieht in diesen Wiederholungen den geringeren Wert dieses priesterlichen Opferdienstes gegenüber dem einen "Opfer" Christi angedeutet. Jesus hat nämlich nur einmal sein Leben wie ein "Opfer" dargebracht (seine Lebenshingabe auf Golgota), und seither gilt für ihn das Wort: "setze dich mir zur Rechten" (Ps 110,1). Anstatt "Tag für Tag" im Tempel zu "stehen", wartet er im Himmel "sitzend" auf die Vollendung seines Werkes; diese wird in Fortführung von Ps 110,1 als Unterwerfung der Feinde gewertet, als Überwindung aller widergöttlichen Mächte und des Todes bei der endgültigen Verwirklichung der Gotesherrschaft (vgl. 1 Kor 15,25-28). Auf die eine Hingabe am Kreuz, die als "Opfer" bezeichnet werden kann, folgen also nicht neue Opfer, wohl aber noch Jahre des Wartens auf die Vollendung.

Aus christlicher Sicht kann der Verfasser sogar schreiben, dass die priesterlichen Opfer des Alten Bundes die Sünden nicht tilgen konnten, denn eine solche Kraft kommt einzig dem Tod Christi zu. Dieser bewirkt das, was alle alten Opfer erstrebten: bleibende Befreiung von der Schuld. Im Vergleich mit dem einmaligen Opfertod Christi sind darum die Opfer im Tempel nur schattenhafte Vorzeichen. (Als solche hatten sie aber, aus der Gesamtschau der Bibel betrachtet, sogar eine gewisse sündentilgende Wirkung.)

Es gibt also im neuen Bund nur ein einziges "Opfer", das Christi. Dem widerspricht nicht die katholische Lehre vom "Messopfer"; denn dieses ist kein neues Opfer, sondern einzig das gläubige Ja der Kirche zu dem einen und einzigen "Opfer", und zwar durch dessen Verkündigung bis zum Ende der Zeiten und zur Vollendung des Werkes Christi (vgl. 1 Kor 11,26).

Die Worte des Hebräerbriefes regen alle Katholiken an, die Eucharistie als die Vergegenwärtigung (nicht Wiederholung oder Ergänzung) des einen Kreuzesopfers Christi ehrfurchtsvoll mitzufeiern. Das Vermeiden missverständlicher Gebete oder Erklärungen ist ein echter Beitrag zur Einheit der Christen.                             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger und barmherziger Gott,
wir sind dein Eigentum,
du hast uns in deine Hand geschrieben.
Halte von uns fern, was uns gefährdet,
und nimm weg, was uns an Seele und Leib bedrückt,
damit wir freien Herzens deinen Willen tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. 

 

Gedanken zum 32.Sonntag im Jahreskreis
08.11.2009; Hebr 9, 24-28

Läuterung durch Christus, nicht durch Seelenwanderung

"Seelenwanderung" ist ein beliebtes Diskussionsthema. Lässt sich diese in östlichen Religionen und bei Anthroposophen verbreitete Vorstellung mit christlichem Glauben vereinbaren? Gemeinsam ist die Auffassung, dass wir Menschen meist in einem unheiligen Zustand sterben. Während die Vertreter der Seelenwanderung aber meinen, die Seele des Verstorbenen werde durch Reinkarnation (Annahme eines neuen Leibes) geläutert (analog zur Lehre vom Fegefeuer), schließt die Bibel - auch unsere Lesung - eine solche aus.

Der Verfasser des Hebräerbriefes greift auf eine vertraute Überzeugung zurück, um die Einmaligkeit des Opfertodes Christi zu betonen: Wir Menschen sterben nur ein einziges Mal, und damit fällt die endgültige Entscheidung über Heil oder Unheil, und zwar nach dem Gerichtsurteil Gottes (so Röm 14,10-12) bzw. Christi (so 2 Kor 5,10; Mt 25,31ff).

Als Zeitpunkt des Gerichtes gilt unserem Text der Tod des einzelnen; mehrfach steht dafür aber das Ende der Welt (z.B. Offb 20,11ff). Nach einzelnen Worten Jesu erfolgt das Gericht bereits vor dem Tod durch die Sammlung der Geretteten (Mt 24,37-41), nach dem Johannesevangelium sogar schon in der Stellungnahme zu Christus während des irdischen Lebens (Joh 3,18f). Diese unterschiedlichen Angaben sind von damaligen Vorstellungen abhängig, zeigen aber deutlich, worum es letztlich geht: Jeder ist Gott für sein einmaliges Leben Rechenschaft schuldig, und seine ewige Zukunft hängt vom göttlichen Urteil über eben dieses Leben ab.

Unser Text gibt als Zweck des einmaligen Sterbens Jesu die Tilgung unserer Sünden an. Daruas folgt als Haupteinwand gegen "Seelenwanderung": Die Befreiung von unserer Schuld geschieht einzig durch Jesu Opfertod, Anteil daran erhalten wir in der Taufe, die im christlichen Leben und Sterben ihre Vollendung findet. Wer als Christ lebt, braucht darum nicht ängstlich das bevorstehende Gericht zu fürchten; er darf hingegen auf eine gnädige Aufnahme durch den hoffen, mit dem er seit der Taufe verbunden ist. Der Tod bedeutet für den Christen das end-gültige Gericht und zugleich die bleibende Errettung. Wenn die Bibel mehrfach ein allgemeines Gericht am Ende der Zeit schildert, spricht sie damit aus, dass das ewige Heil des einzelnen engstens mit dem aller Menschen verbunden ist. Die verbreitete Vorstellung von einem doppelten Gericht (im Tod und am Weltende) hat in der Bibel selbst keinen Anhalt.

Im "Fegefeuer" werden nach alter kirchlicher Lehre (vgl. 2 Makk 12,45; 1 Kor 3,15) die Gerichteten bzw. Geretteten (einer bildhaften Vorstellung gemäß durch "Feuer") von all dem "gereinigt", was sie noch hindert, die Gemeinschaft mit Gott als volles Glück zu erfahren. Im Blick auf diese im Tod (für die Betroffenen ist dieser das "Ende der Zeit") geschehende Vollendung wird in den Kirchen für die Verstorbenen gebetet.                

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Gedanken zu Allerheiligen
01.11.2009; 1 Joh 3,1-3

Allerheiligen

Die als Lesung aus dem 1.Johannesbrief ausgewählten Verse 1-3 nehmen im Briefganzen eine wichtige Stellung ein. Es geht dabei um den Aufweis der Gotteskindschaft: was wir sind, was wir sein werden, und die sich daraus ergebenden Folgerungen bestimmen den Aufbau dieser kleinen Einheit.

Mit dem gezielten Hinweis "seht!" betont Johannes eindringlich, daß die Gotteskindschaft ein Ausdruck der Liebe Gottes zu uns ist, einer "so großen Liebe", d.h. einer unüberbietbaren Liebe. Nochmals unterstreicht er diesen Gedanken, damit ja kein Zweifel aufkommen kann: "Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es". Die "Welt" ist im johanneischen Sinn die Summe all derer, die nur sich selbst zum Maßstab nehmen und so gegen Gott gleichgültig oder ablehnend dastehen. Diese "Welt" kann die Kinder Gottes nicht positiv annehmen.

In Vers 2 lenkt Johannes den Blick vom beglückenden Zustand der Heilsgegenwart hin auf die Zukunft. Was jetzt "noch nicht offenbar geworden" ist, wird bei der Wiederkunft am Jüngsten Tag, "wenn er offenbar wird", sichtbar werden: Wir werden der Herrlichkeit des Auferstandenen teilhaftig, "ihm ähnlich sein". Erinnert diese Formulierung nicht an das Versprechen im Paradies: Wenn ihr die Frucht vom verbotenen Baum essen werdet, so heißt es, "werdet ihr sein wie Gott"!

Redet Johannes hier auch so? Dem Wortlaut nach könnte man es fast annehmen. Doch die ersten Menschen wollen zu KonkurrentInnen Gottes werden, sich an seine Stelle setzen. Und auch wir führen uns ja oft genug auf, als wären wir es! Und dementsprechend gehen wir mit der Natur, mit unserer Welt, mit der Zukunft unserer Kinder um, wie Götter und Herren über Leben und Tod. Johannes aber geht von einer anderen Vorstellung aus. Für ihn ist Gott nicht ein Konkurrent des Menschen und der Mensch kein Konkurrent Gottes. Konkurrenz heißt Machtkampf, Wettbewerb. Für Johannes ist Gott aber nicht Macht, sondern Liebe. Liebe aber will teilen, will Gemeinschaft, will den anderen zu seiner Selbstständigkeit kommen lassen. Deshalb sind wir Kinder Gottes und nicht Konkurrenten und Konkurrentinnen.

Dieser Besitz der Herrlichkeit, die hier verheißen ist, wird eine direkte Beziehung zu Gott ermöglichen: "Wir werden ihn sehen, wie er ist". Im Alten Testament herrscht die Überzeugung vor, daß der Mensch Gott nicht sehen kann, weil dieser Anblick ihn auf der Stelle vernichten würde. Der Mensch sei zu schwach, um Gottes "Unmittelbarkeit" standzuhalten. Deshalb müssen wir ihm ja auch zuerst "ähnlich" werden, bevor wir ihn schauen können.

Das Warten darauf verlangt einen entsprechenden Wandel hier auf Erden (Vers 3; vgl. das Festgeheimnis!): Der Christ/ die Christin muß sich bemühen, im Leben und mit der ganzen Existenz sich dieser Gotteskindschaft, d.h. der Liebe Gottes, würdig zu erweisen; er/sie muß ganz auf der Seite Gottes stehen; "sich heiligen", wie Johannes hier schreibt.                              

 aus: Michael Ernst, LektorInnenbibel Bibelreferat ED Salzburg 

Unser Retter Jesus Christus
hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des Lebens gebracht
durch das Evangelium.
Halleluja.

Gedanken zum 30.Sonntag im Jahreskreis
25.10.2009; Hebr 5,1-6

Der kompetente Mittler

Wer kann hier vermitteln?- so fragen wir, wenn es zwischen Menschen im privaten oder politischen Leben keine Verständigung mehr gibt. Nach einem Mittler haben seit frühester Zeit viele auch im Blick auf das durch menschliche Untaten zerbrochene Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf Ausschau gehalten.

In Israel war es die Aufgabe des Hohenpriesters, sozusagen als "Brückenbauer" (pontifex) die Menschen von ihrer Schuld zu reinigen und den gebrochenen Bund mit Gott zu erneuern. Der wie Aaron (vgl. Ex 28,1; Num 3,10) dazu bestellte Hohepriester konnte das nicht aus eigener Kraft.

Der Verfasser unserer Lesung knüpfte daran an, um Jesus als kompetenten Mittler zwischen Gott und Mensch zu erweisen; denn er ist dies nicht auf Grund eigener Ermächtigung, wie es in der Geschichte Israels einige selbsternannte Hohepriester gab oder auch heute mitunter einzelne sich eigenmächtig priesterliche Vollmacht anmaßen. Als Beleg dafür zitiert der Autor, gemäß der Exegese seiner Zeit, zwei Gottessprüche.

Nach Ps 2,7 konnte sich der König in Israel am Tag seiner Inthronisation  ("heute") als (Adoptiv-) "Sohn" Gottes betrachten ("gezeugt" meint hier: zum königlichen "Sohn" eingesetzt). Die ersten Christen sahen in diesem Psalmvers ein Wort Gottes an Christus; denn sie deuteten seine Auferstehung als Inthronisation zum machtvollen Messias (vgl. Hebr 1,4f; Apg 13,33). Was Christus schon von Ewigkeit her war, wurde er durch diese österliche Anrede als der "Sohn Gottes in Macht" (Röm 1,4) in einer besonderen Weise für alle Menschen.

Nach Ps 110,4 wurde dem König aus dem Geschlecht Davids eine priesterliche Würde nach der Art Melchisedeks, des alten Stadtkönigs von Jerusalem, zugesichert. Auch dieses Wort ist nach Auffassung der Urkirche eine göttliche Anrede des Auferstandenen (Hebr 5,10) und damit Erweis seines rechtmäßigen einzigartigen Priesteramtes, das Grund und Urbild jeden neutestamentlichen Priesterdienstes ist.

Vielen von uns ist die Notwendigkeit einer kompetenten Vermittlung zwischen Gott und Mensch fremd geworden, da wir echte Schuld oft verdrängen. Die Worte über das Hohepriestertum Christi ermutigen jeden, sich vertrauensvoll an den einzig legitimen Mittler zwischen Gott und Mensch zu wenden, der menschliche Schuld nicht bloß analysieren, sondern tilgen kann. Sie lenken außerdem unsere Aufmerksamkeit auf das priesterliche Amt in der Kirche, das niemand ohne Berufung für sich in Anspruch nehmen kann.                          

  aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 29.Sonntag im Jahreskreis
18.10.2009; Hebr 4,14-16

Warum an Christus festhalten?

Viele unserer Mitbürger wurden christlich erzogen, haben aber dann ihren Glauben an Christus preisgegeben. Warum? Schon die Adressaten des Hebräerbriefes waren der Versuchung ausgesetzt, von Christus zu lassen. Was sie von ihm gehört hatten, widersprach scheinbar der täglichen Erfahrung.

Der Verfasser will sie deshalb in ihrem Glauben festigen, indem er ihnen unter Rückgriff auf das vertraute Bild eines Hohenpriesters die wahre Bedeutung Christi vor Augen stellt (z.B. Hebr 2,17; 5,1-5). Thesenhaft fasst dies unsere Lesung zusammen. Dem Hohenpriester fiel im Tempel die Rolle zu, das sündige Volk wieder, immer wieder mit Gott zu versöhnen. Im Vergleich damit ist der gekreuzigte Jesus von Nazaret ein "großer" (wörtlich), d.h. mächtiger Hoherpriester: Was im Alten Bund nur vorläufig und sozusagen schattenhaft vermittelt wurde, das vermag Christus im vollen Sinn zu geben.

Sein Leben endete nämlich nicht mit dem Tod; er wurde vielmehr als "Sohn" zur Rechten Gottes erhöht ( hier ausgedrückt mit dem Bild vom Durchschreiten der Himmel); er hat damit Anteil an Gottes Macht und kann so auf einzigartige Weise priesterlich wirken. Wer sich treu zu ihm bekennt, darf darum mit bleibender Tilgung seiner Schuld rechnen.

Damals wurde auch mehrfach behauptet, der Sohn Gottes habe, weit über jeden Menschen erhaben, nur in einem Scheinleib unter uns gelebt und sei nicht gekreuzigt, sondern nur erhöht worden. Demgegenüber betont der Verfasser, dass er wie wir vielen Versuchungen ausgesetzt war (vgl. Lk 22,28), diesen allerdings nicht nachgab. Wer unter seinen eigenen Fehlern und Schwächen leidet, ja davon mitunter psychisch krank wird, darf sich voll Vertrauen an ihn wenden; er wird bei dem Menschen Jesus - unbeschadet seiner Gottheit - immer "Sympathie" (Mit-leiden, Mit-fühlen) finden.

Dank des mächtigen Hohenpriesters Jesus Christus dürfen sich alle Christen ohne Angst dem "Thron der Gnade", d.h. Gott als gnädigem Richter zuwenden. Sie brauchen sich vor ihm nicht zu ängstigen, sondern dürfen auf sein entgegenkommendes Verständnis (Erbarmen) und auf seine freundliche Huld (Gnade) setzen.

Lehnen viele Christus nicht deshalb ab, weil sie ihn nie als erbarmenden Mittler zwischen Gott und Mensch kennenlernten? Schauen nicht viele von uns so angsterfüllt in die Zukunft, weil ihnen der feste Glaube an den fehlt, der unsere Nöte aus eigener Erfahrung kennt und als der bei Gott weilende Sohn uns retten kann, sowohl aus unserer täglichen Schuldverstrickung als auch in der Stunde unseres Todes?            

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen 

 

Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herz bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedanken zum 28.Sonntag im Jahreskreis
11.10.2009; Hebr 4,12-13

Gedicht auf das wichtigste Buch

Es wird viel über die Worte von Dichtern und Politikern geschrieben. Von ihren Büchern und Äußerungen hebt sich das Wort der Bibel beträchtlich ab. Dies lehrt ein altes, doppelgliedriges Gedicht in dieser Lesung: es zeigt zunächst die Eigenschaften des Wortes Gottes und dann die Situation der Menschen diesem gegenüber auf.   

Im Unterschied zu manchen kurzlebigen, oft bloß verletzenden Menschenworten ist das durch die Bibel ergehende Wort Gottes "lebendig": zeitüberdauernd und lebenschaffend (vgl. 1 Petr 1,23). Wie die Welt durch das Wort des Schöpfers ins Dasein gerufen wurde (Gen 1,3ff; Joh 1,3), so wird die Menschheit durch das "Wort" Jesus Christus (Joh 1,14) aus ihrem Tod (infolge der Sünde) zu neuem Leben auferweckt (vgl. Hebr 1,3; 1 Petr 1,23). Gerade dadurch erweist sich dieses Wort als "kraftvoll": Wer es liest, wird nicht bloß gut oder schlecht unterhalten, sondern gewinnt das wahre Leben.

Schon menschliche Worte können wie ein Messer wirken: verwunden, Schädliches bloßlegen, vernichten. Mehr noch kommt dem Wort Gottes - in der Sprache eines alten Bildes - die Macht eines zweischneidigen Schwertes zu: denn dieses trifft den Menschen in seinem Innersten und bewirkt dort Leben oder Tod.

Wer nämlich aufmerksam darauf hört, erkennt sich selbst: Er ist nicht sein eigener Schöpfer, sondern Geschöpf und Sünder; er erkennt auch den, der allein wahres Leben verleihen kann. Wer sich hingegen dem Anspruch dieses Wortes entzieht, sich taub stellt und eigenmächtig das Leben meistern will, verschließt sich selbst den Zugang zum wahren, bleibenden Glück; Gottes Wort wird ihm zu einem Gericht.

Dem Wort Gottes und damit Gott selbst kann letztlich kein Geschöpf ausweichen. (Subjekt der zweiten Strophe ist sowohl das Wort Gottes als auch Gott selbst.) Menschen können vor Gott allenfalls, wie es vom Vogel Strauß heißt, den Kopf in den Sand stecken, um nicht gesehen zu werden.

Vor dem Schwert des Gotteswortes liegt sozusagen wie bei der Schlachtung eines Opfers jeder Hals "nackt". Gott und seinem Wort kann niemand wie etwa Jona entfliehen. Denn richterlichen Spruch Gottes, seinem Wort, muss sich vielmehr am Ende jeder von uns stellen. Dass wir dieses Wort in unserem Leben hören und lesen, ist darum wichtiger als die Kenntnis der vielen guten oder schlechten Bücher, die auf dem Markt angepriesen werden.

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen            

Halleluja. Haleluja.
Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns,
und seine Liebe ist in uns vollendet.
Halleluja.

Gedanken zum 27.Sonntag im Jahreskreis
04.10.2009; Hebr 2,9-11

Durch Leiden vollendet

Unter den Schriften des Neuen Testaments nimmt der "Brief an die Hebräer" eine Sonderstellung ein. Bis heute ist nicht geklärt, wer diese Ermahnung geschrieben hat, um Christen in einer Glaubenskrise zu stärken. Bedingt war diese wohl u.a. durch die Unanschaulichkeit des Heils (es hat sich doch nichts geändert ! ), die Erfahrung eigener sittlicher Schwäche und die feindselige Einstellung der Umwelt. Gerade die fremdanmutende Sprache regt dabei zum Nachdenken an.

In unserem Abschnitt zeigt der Verfasser, dass wir zwar jetzt noch nicht erkennen können, dass Jesus der Herr jeder menschenfeindlichen Gewalt ist (dies wird erst am Ende der Zeit allen sichtbar). Erkennbar ist aber für den Hörer des Evangeliums, dass der ewige Sohn Gottes jetzt schon der erhöhte Herr ist. Während seines Erdenlebens und besonders in der Passion war er zwar kurze Zeit geringer als die himmlischen Heerscharen (eine freie Auslegung von Ps 8,7). Aber gerade durch diese Erniedrigung wurde Jesus die Herrlichkeit zuteil, die ihn über alle Geister erhebt (vgl. Phil 2,9-11). Das ewige zeitlose Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater erhält durch dieses neue "Sohnwerden" (vgl. Hebr 1,5) im Hervorgehen aus dem Tod eine ganz besondere Note: Durch sein Sterben wurde er zum verherrlichten Herrn, der anderen an seiner Herrlichkeit Anteil geben kann. Für die ersten Christen war die Ohnmacht Jesu in seinem Leiden ein Ärgernis (ähnlich wie heute vielen die Ohnmacht der Kirche). Rückblickend kann der Verfasser aber schreiben, dass das Sterben Jesu letztlich dem Heilswillen Gottes entsprach. Ein Nachdenken über Jesu Tod und Erhöhung führt nämlich zu der Einsicht: Gott hat nicht bloß alles erschaffen, so dass alles für ihn existiert. Er wollte und will darüber hinaus, dass "viele" (letztlich alle) Menschen seine "Söhne" werden, d.h. wie sein ewiger Sohn an seiner eigenen Herrlichkeit Anteil erhalten. Um dies in einer Welt der Sünde zu ermöglichen, ließ er seinen Sohn den Weg des Todes, der Trennung vom Quell des Lebens, gehen, um ihn auf diese Weise zum "Anführer des Heils" (wörtlich) zu machen, d.h. zu dem, der aus der Welt des Todes, der Gottesferne, in die Herrlichkeit, die Gottesnähe, hineinführt.

Wenn Gott das Leiden seines Sohnes und das Leiden der Menschen zulässt, so gescheiht dies aus der Sicht der Bibel also im Hinblick auf die Errettung der Menschen aus ihrer Todesverfallenheit und die Hinführung zu einem Leben, das in Wahrheit "herrlich" genannt werden kann.                      

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Alles, was du uns getan hast, o Herr,
das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan,
denn wir haben gesündigt, wir haben dein Gesetz übertreten.
Verherrliche deinen Namen und rette uns
nach der Fülle deines Erbarmens.

Gedanken zum 26.Sonntag im Jahreskreis
27.09.2009; Jak 5,1 - 6

Wider die Reichen

"Den Reichen geschieht nichts!" - so klagen viele, wenn sie sehen, wie Reiche in kritischen Situationen (z.B. Konkurs) oft "ihr Schäfchen ins Trockene bringen". Der Verfasser des Jakobusbriefes greift in dieser Lesung die alte Form prophetischer Gerichtsrede auf und wendet sie gegen die Reichen. Vermutlich sind damit nicht direkt Christen angesprochen, sondern die Vermögenden der damaligen Welt (z.B. Großgrundbesitzer, Steuerpächter). Indirekt geht diese Warnung aber jeden an, der über Güter verfügt.

Angesichts des drohenden Gerichts müssen alle, deren Gott der Mammon ist, im Grunde jetzt schon in lautes Klagen ausbrechen. Was nützt ihnen ihr Besitz? Er fällt über kurz oder lang dem Verderben anheim. Der Rost zerstört nicht bloß die wertvollen Schätze (durch seinen "Fraß"), sondern wird sogar zum Ankläger im Gericht; denn er zeugte davon, dass die Besitzer ihre Güter einfach gehortet haben, statt sie zur Unterstützung der Armen zu verwenden. So wird er - bildhaft gesprochen - wie ein Gerichtsfeuer ihre Leiber auffressen. Statt Freude und Glück bringt der angehäufte Reichtum auf die Dauer höllische Qualen.

Der Prediger wendet sich hier nicht gegen alle Besitzenden, sondern nur gegen jene, die sich auf Kosten der Armen gewissenlos bereichern. Dies zeigen die folgenden Anklagepunkte: Noch "in den letzten Tagen" haben sie nur an sich gedacht und den Arbeitern ihren Lohn vorenthalten (ein "himmelschreiendes" Unrecht): selbst am "Schlachttag" (ein altes Bild für den Gerichtstag) haben sie nur ihr eigenes Herz verfettet und in reichem Prassen dahingelebt.

Wohin solche Habgier führt, enthüllt der Gerichtsprediger mit dem Hinweis auf die Verurteilung und den Mord des Gerechten, der keinen Widerstand leistete. Wird hier nicht der Gedanke an die Kreuzigung Jesu durch die reichen Sadduzäer aufgegriffen? Jedenfalls zeigt diese Konsequenz des Mammondienstes, wohin Reichtum führen kann.

Wer die Bestechungsaffären unserer Zeit nur ein wenig verfolgt, ist immer wieder erschrocken darüber, wie anfällig gerade "Reiche" für Betrug sind. Die Gerichtsdrohung dieser Lesung ist also höchst aktuell, sowohl für die großen wie auch die kleinen Reichen.                    

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

Das Heil des Volkes bin ich - so spricht der Herr.
In jeder Not, aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören.
Ich will ihr Herr sein für alle Zeit.

Gedanken zum 25.Sonntag im Jahreskreis
20.09.2009; Jak 3,16 - 4,3

Die Wurzel der Skandale

Die Skandale im politischen, wirtschaftlichen und privaten Bereich nehmen nicht ab. Wie kann man ihnen Einhalt gebieten? Rein administrative Maßnahmen erweisen sich meist nur als Schönheitsoperationen, die ein Übel mehr verdecken als heilen. Auf die tiefere Wurzel verweist unsere Lesung. Der Verfasser des Jakobusbriefes schreibt zunächst im Blick auf Skandale in der jungen Christengemeinde; er legt damit aber zugleich den Finger auf die wunden Stellen unserer heutigen Gesellschaft.

"Eifersucht und Ehrgeiz" führen oft im Unterschied zur "Weisheit von oben" zu Auseinandersetzungen, die mitunter die Form von "Kriegen" annehmen, d.h. von "tödlichen" Konfrontationen, nicht so sehr mit dem Schwert als mit Verdächtigung, Ehrabschneidung und Verleumdung (vgl. Mt 5,22). Ursprung dieser Feindschaft sind letztlich "die Leidenschaften" (wörtlich: die Lüste, die in den Gliedern kämpfen), sofern diese Begierden sich nicht bloß gegen das Gewissen durchsetzen, sondern auch einander übertrumpfen wollen (Ehrgeiz, Prahlerei, Geldgier, Völlerei, u.ä.). Auch bei heutigen Skandalen entdeckt man leicht die "Triebe", deren Macht schon in der Antike bekannt war.

Wer ein anwachsen der Skandale verhindern will, muss daher wesentlich auf eine Änderung der Menschen bedacht sein. Mit Recht wird in letzter Zeit wieder an das Wort "Tugend" erinnert, das die christliche Kirche von den alten Menschheitslehrern übernommen hat, um zur Beherrschung der menschlichen Triebe anzuleiten.

Wie wenig es einträgt, den "Lüsten" uneingeschränkt nachzugeben, erläutert der Autor, indem er seinen Lesern das Sinnlose ihres Verhaltens vor Augen hält. All ihr Begehren bleibt letztlich ohne echten Erfolg: Auch der größte Reichtum zerfällt, der schönste und gesündeste Leib wird eines Tages zu Staub und Asche, höchster Ruhm nützt dem Begrabenen nichts. Und wozu führen Ehrgeiz, Geldgier und Genusssucht in Familie, Gesellschaft und kirchlicher Gemeinde?

Schließlich bleibt jedes Bemühen vergeblich, wenn es nicht vom Gebet getragen ist. Gemeint ist damit das rechte Beten als Grundhaltung des Menschen, der um seine Abhängigkeit von Gott weiß. Aber selbst das Gebet von Christen ist gefährdet: Wer nur bittet, damit seine Begierden erfüllt werden, betet schlecht und braucht sich über eine fehlende Erhörung nicht zu wundern.          

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Halleluja. Halleluja.
Ich will mich allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus rühmen,
durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Halleluja. 

Gedanken zum 24.Sonntag im Jahreskreis
13.09.2009; Jak 2,14-18

Keine "stroherne Epistel"

Martin Luther bezeichnete den Jakobusbrief als "eine recht stroherne Epistel", da er in Widerspruch zur paulinischen Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben allein (sole fide) die Notwendigkeit der Werke betone. Die meisten Forscher (auch die evangelischen) sehen heute zwischen Paulus und Jakobus keinen solchen Widerspruch und deuten das harte Urteil des Reformators aus seiner berechtigten Polemik gegen die spätmittelalterliche Werkfrömmigkeit.

Der Verfasser des Jakobusbriefes hingegen wendet sich gegen eine falsche Berufung auf den Apostel Paulus; denn dieser schrieb ja, dass wir im Gericht Gottes nicht aufgrund eigener Leistung (buchstabengetreuer Erfüllung aller Gesetzesvorschriften) bestehen können, sondern einzig durch den Glauben an den gekreuzigten Herrn (vgl. Röm 3,28). Daraus folgerten offensichtlich einzelne, es komme überhaupt nicht auf Taten an, sondern nur auf das Glaubensbekenntnis. Sie übersahen dabei, dass auch nach Paulus der Glaube kein bloßes Lippenbekenntnis sein darf, sondern sich gerade in den Taten der Liebe auswirken müsse (vgl. Gal 5,6).

Ganz im Geist der urkirchlichen Ermahnung und besonders der Bergpredigt (vgl. Mt 7,21ff) betont der Autor unseres Briefes gegenüber dieser Fehlinterpretation des Völkerapostels: Ein Glaube, dem nicht auch Taten folgen, ist nutzlos; er vermag den einzelnen im Endgericht nicht zu retten.

Der Verfasser erläutert dies durch einen Vergleich aus dem christlichen Gemeindeleben: Wer einem Armen, dem das Notwendigste zum Leben fehlt, bloß ein frommes Wort sagt (etwa den kirchlichen Gruß "gehe in Frieden"), nicht aber etwas zum Essen, Anziehen und Heizen gibt, erweist diesem keinen Dienst. Von bloßen Worten, und seien sie noch so fromm, vermag kein Armer zu leben! Die Schlussfolgerung, dass der Glaube ohne Werke "tot" sei, kann auf den ersten Blick als jüdische Gesetzesfrömmigkeit aufgefasst werden, die Paulus bekämpfte. In unserem Brief handelt es sich aber letztlich um eine schlichte Aufforderung - an die Erstleser wie an uns alle -, den Glauben als echt zu erweisen. (Über die innere Zuordnung von Glauben und Werk reflektierte der Briefschreiber nicht näher.) Nur ein solcher lebendiger Glaube ist es, der uns Sünder rettet. Darin stimmen Paulus und Jakobus, auch Lutheraner und Katholiken überein.             

aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja. 

Gedanken zum 23.Sonntag im Jahreskreis
06.09.2009; Jak 2,1-5

Gegen diskriminierende Benachteiligung

"Kleider machen Leute". Das gilt auch in dem Sinn, dass reich Gekleidete vornehm wirken und sich ihnen nicht selten Türen öffnen, die den Armen verschlossen bleiben. Wer sich im Alltag umschaut und sich selbst beobachtet, macht oft ähnliche Erfahrungen. Gutaussehenden, Gesunden, adrett Gekleideten und durch Titel Ausgezeichneten ist man eher bereit, freundlich und geduldig zuzuhören als Kranken, ärmlich Angezogenen und weniger Gebildeten.

Das gab und gibt es auch in christlichen Gemeinden und Gemeinschaften. Die Lesung spielt auf einen wirklichen oder fiktiven Fall in frühkirchlichen Versammlungen an. Einem reich Gekleideten wird der erste Platz angeboten, den Armen lässt man stehen oder verweist ihn auf den Fußschemel. Solches Beurteilen von Menschen nach dem äußeren Status entspricht nicht dem Willen Jesu. Vor ihm, dem Herrn der Herrlichkeit und Richter aller, gibt es kein Ansehen der Person. Wer an ihn glaubt, darf darum andere nicht aufgrund vordergründiger, schlechter Beurteilung in verschiedene Klassen einteilen. Wie oft aber tun wir das!

Zur Unterstreichung seiner Warnung vor Personenkult und einer diskriminierenden Beurteilung der Armen erinnert der biblische Schriftsteller an das Verhalten Gottes. Wie es uns schon im Alten Testament und vor allem von Jesus bezeugt wird, ist Gott der Anwalt der Armen und Kleinen (Am 4,1;8,4;Lk6,20). Gerade die Armen sind es, die für Gottes Erwählung aufgeschlossen sind (vgl. 1 Kor 1,26) und denen Gott sich selbst (seine Herrschaft) als den wahren Reichtum zugesagt hat (vgl. Lk 6,20).

Aus dieser "Option für die Armen" folgt allerdings nicht, dass Reiche, wie etwa der Oberzöllner Zachäus (Lk 19,9), vom Erbarmen Gottes ausgeschlossen sind. Doch dieses Eintreten Gottes für die Armen muss alle Reichen (nicht bloß im materiellen Sinne) nachdenklich stimmen. Die Mahnung des Jakobusbriefes liegt ganz auf der Linie der Warnungen Jesu: "Wehe euch ihr Reichen..." (Lk 6,24) und "eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr..." (Mk 10,25). Jeder Christ in unserer westlichen Welt muss sich deshalb fragen, ob in seinem Lebenskreis, besonders in der Gemeinde und ihren Gremien, den Armen und Kleinen der gebührende Platz zukommt.    

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Gedanken zum 22.Sonntag im Jahreskreis
30.08.2009; Jak 1,17-18.21b-22.27

Welche Vorstellung von Gott?

Der Psychologe C.G. Jung (+ 1961) erklärte einmal, er habe keinen Patienten über 35 Jahren geheilt entlassen können, ohne dass dieser nicht wieder ein rechtes Verhältnis zu Gott gefunden habe. Ohne Gott kann seines Erachtens ein Mensch auf Dauer nicht seelisch gesund bleiben. Leider fehlt selbst vielen Getauften die rechte Beziehung zu Gott, nicht zuletzt wegen falscher Vorstellungen. Wer ist Gott?

Die Lesungen aus dem Jakobusbrief, der wohl unter Berufung auf die Autorität des Herrenbruders (vgl. Gal 1,19; 2,9) geschrieben wurde, verteidigt Gott gegen den Verdacht, er sei Urheber des Bösen und ihm sei deshalb nicht zu trauen. Gegen derartige Vermutungen, die sich angesichts von Leid und Versuchungen (vgl. Jak 1,13-15) leicht aufdrängen, betont der Verfasser: Alles, was gut ist und vollkommen, das stammt "von oben", d.h. von Gott; von diesem kann daher nicht auch das Schlechte kommen, wie vor allem die Anspielung auf den Schöpfungsbericht "Vater der Lichter" zeigt (Gen 1,14-18). Die Formulierung lässt (neben den Gestirnen) auch daran denken, dass von Gott das Helle und Lichte herkommt, das er wie ein Vater schenkt.

In ihm ist daher kein Platz für die Finsternis (vgl. 1 Joh 1,5). Diese Heiligkeit Gottes wird noch unterstrichen durch die Bemerkung, dass es bei Gott keine Veränderung und keine "Verfinsterung" gibt wie bei den Gestirnen. Die Betonung der Unwandelbarkeit dient dazu, Gottes Zuverlässigkeit zu bezeugen; aus ihr kann nicht abgeleitet werden, dass es bei Gott überhaupt kein Werden und Empfinden gäbe.

Allerdings löst diese Versicherung nicht das Problem, wie es überhaupt Böses und Dunkles geben kann, wenn Gott nur gut ist. Es sollte uns aber das Wissen genügen, dass Gott selbst gut ist und nur das Gute will.

Um jeden Verdacht abzuwehren, Gott könne Urheber des Bösen sein, versichert der Verfasser, dass der "Vater der Lichter" uns aus freiem Willen durch das Evangelium (das "Wort der Wahrheit") hervorgebracht hat; denn in der Annahme des Evangeliums wurden wir neu geschaffen. Als Getaufte sind wir dadurch "die Erstlingsgabe" der Schöpfung.

Wie die Erstlingsfrucht Gott als Zeichen des Dankes für die ganze Ernte geweiht wurde, so sind wir als Getaufte Anfang der neuen Ernte und Schöpfung. Was uns geschenkt wurde und wird, ist uns gegeben im Hinblick auf die ganze Schöpfung. Gott will eben alle beschenken und an seiner Güte teilnehmen lassen. Dieses "Wort" ist uns Christen regelrecht "eingepflanzt", um danach zu handeln.

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

 

Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr,
hilf deinem Knecht, der dir vertraut,
sei mir gnädig, o Herr.
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

 

Gedanken zum 21.Sonntag im Jahreskreis
23.08.2009; Eph 5,21-32

Überholtes Ehemodell?

"Bitte nicht diese!" So ersuchten mich oft Bruatpaare im blick auf diese Lesung, die früher für jede Brautmesse vorgesehen war. Leider verstellen sich viele durch ein vordergründiges Verständnis dieses Abschnitts (Diskriminierung der Frau) den Blick für "das große Geheimnis", von dem aus der Verfasser das Zusammenleben in der Ehe betrachtet.

Am Beginn des Textes ermahnt der Verfasser alle (auch die Männer!), sich in ehrfürchtigem Wissen um den einen Herrn Christus einander unterzuordnen und für den anderen dazusein (Eph 5,21). Erst dann fordert er die Frauen auf, sich der damaligen gesellschaftlichen Ordnung entsprechend in ihren Familien als Christi untergebene zu bewähren. Dabei berücksichtigt er die damals vorgegebene Sitte des Zusammenlebens, aus der vermutlich einzelne Christinnen unter Berufung auf ihre Freiheit auszubrechen versuchten: Die hier verlangte Unterordnung ist eine Konkretisierung der Unterordnung unter "das Haupt" Christi und deshalb nicht grundsätzlich verwerflich. Den ersten Christen ging es wie auch Jesus um die Änderung gesellschaftlicher Strukturen von innen her. Den Männern, die sich oft selbstherrlich über ihre Gatinnen hinwegsetzen, schärft der Verfasser hingegen ein, ihre Frauen wie ihr eigenes Ich (ihren "Leib"), also als gleichwertige Partnerinnen, zu lieben. Er motiviert auch diese Mahnung durch den Hinweis auf Christus als Vorbild echter Liebe: Er hat sich die Kirche zur Braut erwählt und umhegt sie als seine Gattin (in Taufe und Eucharistie sowie mit vielfältigen geistlichen Gaben).

Abschließend unterstreicht der Verfasser noch das den Partnern gezeichnete Modell ehelicher Liebe. Den aus dem Schöpfungsbericht (Gen 2,24) zitierten Satz bezieht er dabei in geistlicher Auslegung auf das Verhältnis Christus - Kirche: Als der "Mann" hat Christus sich in seine "Frau", die Kirche, verliebt und ist er mit ihr eins geworden. (Die heute oft gemachte Unterscheidung zwischen Christus und Kirche ist dem biblischen Autor fremd.)

Dieses tiefsinnige Geheimnis der leibenden Einheit zwischen Christus und seiner Kirche ist das bleibende Vorbild jeder echten Ehe; als ein heiliges Zeichen (Sakrament) darf sie diese Liebe und Treue Christi in einer Welt widerspiegeln, der eine solche gegenseitige Hingabe oft fremd geworden ist. Mögen sie auch die äußeren Formen gesellschaftlichen Lebens ändern, die Forderung gegenseitiger Unterordnung und Liebe bleibt.

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen

 

Beim Herrn ist die Huld,
bei ihm ist Erlösung in Fülle.

 

Gedanken zum 20.Sonntag im Jahreskreis
16.08.2009; Eph 5,15-20

Anweisungen für den Alltag

Wer eine Kur mitmacht, erhält gegen Ende gewöhnlich Anweisungen für die nächsten Monate, damit die wiedererlangten Kräfte im alltäglichen Leben lange anhalten. Solchen Regeln gleichen auch die Weisungen am Ende des Epheserbriefes. Sie knüpfen an Mahnungen an, die den Täuflingen bei ihrer Aufnahme in die Gemeinde mit auf den Lebensweg gegeben wurden.

Erstens kommt es daruaf an, nicht in den tag hineinzuleben. Die Versuchung dazu ist immer groß; denn es ist bequemer, sich einfach treiben zu lassen. Deshalb ist größte Aufmrksamkeit geboten, um nicht "töricht" zu leben, sondern "klug" (wörtlich: " wie Weise") und die Zeit "nutzen" (wörtlich: "auskaufen"), weil die Weltzeit mit Bösem angefüllt ist (vgl. Eph 5,3-12) und die Tage sozusagen "böse" sind. Eine Durchsicht des Terminkalenders unter diesem Aspekt erweist sich immer als sehr heilsam.

Christen sollen deshalb Menschen sein, die nicht bloß auf vordergründigen Nutzen oder Genuss achten, sondern in echter Klugheit weiterblicken und zu verstehen versuchen, was der Wille des Herrn ist. Nach alter Tradition ist dies das Anliegen jeder Gewissenserforschung (sein Leben im Blick auf Gott betrachten). Nach Ignatius von Loyola ist sie eine der wichtigsten Gebetsformen und sollte immer mit einem dankenden Zurückschauen beginnen.

Schließlich gehört es sich nicht für Christen, sich mit Wein zu betrinken; denn das lähmt die Willenskraft sowie Selbstbeherrschung und behindert die Ausführung aufgetragener Aufgaben. Statt dessen soll der Christ sich vom Heiligen Geist erfüllen lassen. Der Trunkenheit durch Alkohol wird hier (nach alter jüdischer Überlieferung) "die Trunkenheit" als Erfülltsein mit Heiligem Geist gegenüber gestellt (vgl. auch Apg 2,15ff).

Christliche Weisheit und Klugheit hat nämlich ihren wahren Grund in der Teilnahme am Lebensodem Gottes. Nur wer sich davon "begeistern" lässt, nutzt seine Zeit und trägt zum Leben der ganzen Gemeinde bei. Diese "nüchterne Trunkenheit" (sobria ebrietas) befähigt nicht zuletzt dazu, aus vollem herzen jubelnd Gott für all das zu danken, was einem jeden geschenkt wird (Eph 5,19-20).

 aus: Jakob Kremer, Gottes Wort in der Sprache von Menschen


GLORREICHER  ROSENKRANZ

 

 

 

 

 

 

Wenn wir den Rosenkranz in einem besonderen Anliegen beten, werden wir dieses im Vaterunser dem Herrn vortragen; das Beten der Gegrüßet seist du Maria soll jedoch mit der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses verbunden werden.

1. Jesus, der von den Toten auferstanden ist
Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen... (Phil 3,10)

Christus erkennen bedeutet persönliche Gemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus haben.
Die Macht der Auferstehung erfährt der Christ in der Vergebung der Sünden, in der Befreiung aus Ängsten, Nöten und Sorgen.
Die Gemeinschaft mit seinen Leiden erlebt der Christ in den vielfältigen Formen des Lebenskreuzes: Mißerfolg, Enttäuschung, Sorgen, Krankheit...

2. Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist
Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,3)

Himmel  - das ist die intensivste Gemeinschaft mit Gott mit Jesus Christus und allen Engeln und Heiligen.
Himmel beginnt aber schon hier: in der Gebetsbegegnung mit Gott, Jesus Christus, den Heiligen und Engeln. Auch die Gemeinschaft mit Menschen gehört zu diesem Beginn...

3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat
Wißt ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?" (1 Kor 6,19)
Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. (Gal 2,20)

Durch die Taufe wohnt der Heilige Geist in uns. Nicht als stummer Gast. Er sucht das Gespräch mit uns. Er spricht uns an durch das Wort der Heiligen Schrift. Durch die Bibel spricht aber zugleich der verherrlichte Christus zu uns. Wir sollen IHM antworten im Gebet. Christus möchte aber auch mit uns arbeiten, den Menschen begegnen, Freude erleben, leiden.

4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat
In den Himmel aufgenommen ... fährt Maria fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken." (2. Vatikan.Konzil, Kirche)

Gabe des Heils: das ist vor allem eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Wir dürfen die Mutter Jesu darüber hinaus auch in jeder Not anrufen.

5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat
Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe. (Offb 3,21)

Maria darf mit Christus herrschen - durch ihre Fürbitte So will sie uns durch das Rosenkranzgebet erziehen, formen. Wirkt sich das Rosenkranzgebet in meinem Leben aus? Werde ich dadurch vertrauender, freundlicher,nächstenliebender, demütiger...?  

 SCHMERZHAFTER ROSENKRANZ

Wenn wir den Rosenkranz in einem besonderen Anliegen beten, werden wir dieses im Vaterunser dem Herrn vortragen; das Beten der Gegrüßet seist du Maria soll jedoch mit der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses verbunden werden

1. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat
Jesus sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen). Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet." (Mk 14,36-38)

Jesus hat die Angst vor dem Sterben wie jeder andere Mensch voll empfunden, dazu kamen noch die seelischen Qualen, deren Tiefe wir nur erahnen können; trotzdem spricht er Gott mit dem vertrauensvollen 'abba' an. Im Gebet findet er die Kraft, sich in den Willen des Vaters zu fügen. Der Christ soll lernen, dass er aus der Gnade lebt. Er öffnet sich der Gnade im beständigen Gebet. Als Betender bleibt er wach und aufgeschlossen für die Anforderungen der Stunde.

* Bitte an Maria, sie möge uns helfen, auch in schwierigen Situationen im Gebet mit Gott verbunden zu bleiben.

2. Jesus, der für uns gegeißelt worden ist
Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barrabas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißen und zu kreuzigen. (Mk 15,15)

Die Geißelung war eine furchtbare Tortur. Durch das Ertragen seiner Qualen gibt Jesus ein Beispiel der Geduld. Seine Schmerzen mögen uns aber auch stärken, auf das Böse zu verzichten, das aus unserem Herzen kommt (vgl. Mk 7,21).

* Bitte an Maria, sie möge uns Geduld und Kraft zum Ringen um das "reine Herz" erbitten.

3. Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist
Sie zogen Jesus aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. (Mt 27,28-30)

Die Verspottung des Judenkönigs soll Jesus in seinem hohen Anspruch (als Messias) der Lächerlichkeit preisgeben. Auch in der Gegenwart wird Jesus in seiner Kirche, im Evangelium, in der Eucharistie und im bekennenden Christen verkannt.

* Bitten wir Maria, dass wir im erniedrigten Jesus den Herrn der Herrlichkeit erkennen. Auch heute, wenn er uns in seiner Kirche, im Evangelium, in der Eucharistie und im armen und behinderten Mitmenschen begegnet.

4. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat
Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe.
(Mt 27,31b-33)

Jesus konnte sein Kreuz nicht mehr tragen: Simon mußte ihm helfen. 'Kreuzträger heute': Schwerkranke, psychisch Leidende, Süchtige, Eltern mit großen Sorgen um ihre Kinder, Menschen, die im Krieg oder Bürgerkrieg leben müssen, Hungernde, Arbeitslose. Stehen wir ihnen durch Fürbitte und womöglich auch Tat bei.

* Heilige Maria, hilf uns, 'Kreuzträgern' beizustehen.

5. Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist
Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: Laß doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. (Mt 27,46-50)

Die Kreuzigung war die grausamste und schändlichste Hinrichtungsart, die das Altertum kannte. Um den Preis schrecklicher Zerreißungen versuchte der Gekreuzigte, sich auf den Füßen aufzurichten, um atmen zu können. Dazu kam - bedingt durch den großen Blutverlust und die Hitze - ein entsetzlicher Durst. Allmählich ließ die Spannkraft nach, der Körper sank zusammen und färbte sich bläulich. Immer schwerer wurde das Atmen bis endlich der Erstickungstod eintrat.
Wir werden zunächst den furchtbaren Kreuzestod Jesu betrachten, "der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat" (Gal 2,20). Wir könnten dann aber auch an jene denken, die bald sterben werden (Sterbebegleitung!).
Und schließlich sollten wir uns auch mit unserem eigenen Tod vertraut machen; freilich nicht ohne die Hoffnung auf die Auferweckung! Gott erwartet uns!

* Bitten wir Maria, dass wir uns immer wieder dankbar des Sterbens Jesu für uns erinnern (Freitagsopfer und -gedenken).
* Bitten wir Maria, dass sie uns in der Stunde des Todes besonders
beisteht.

 


FREUDENREICHER ROSENKRANZ


Wenn wir den Rosenkranz in einem besonderen Anliegen beten, werden wir dieses im Vaterunser dem Herrn vortragen; das Beten der Gegrüßet seist du Maria soll jedoch mit der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses verbunden werden

1. Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
(Lk 1,26-29)

Maria gerät in Verwirrung bei der ehrenden und verheißungsvollen Anrede; kommt ihr hier doch aus Engelsmund, also von Gott her, die denkbar höchste Ehrenbezeigung. Die Verwirrung weicht jedoch bei Maria dem stillen Nachsinnen über Gottes Botschaft. Dieses Nachdenken über das, was sie von Gott hörte, hat die Begnadete sicher schon vor ihrer großen Stunde immer wieder geübt.

* Lernen wir von Maria das stille Nachsinnen über Gottes Wort; so kann der Geist Gottes auch an uns Großes wirken.


2. Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1,39-40. 41b-43.45)

Gehorsam wie einst Abraham macht sich Maria auf den Weg, und wie Abraham vertraut sie der Verheißung Gottes; deshalb preist Elisabeth auch ihre junge Verwandte Maria: Selig ist die, die geglaubt hat.

* Wie Maria wollen wir den Verheißungen Gottes vertrauen, die Seine Schöpfermacht verwirklichen wird.

3. Jesus, den du, o Jungfrau, zu Betlehem geboren hast
Der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr. (Lk 2,10-11)

Die ersten, die die Freude an der Geburt Jesu erfahren durften, waren Maria, Josef, die Hirten... "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Unmündigen offenbart hast."
Wird dieses "Heute ist euch der Retter geboren" für uns nicht in jeder Eucharistiefeier Gegenwart?

* Bitten wir Maria demütig um Freude über das Kommen Jesu - auch - in der Eucharistiefeier. Bitten wir, Jesus erfahren zu dürfen als Retter aus Sorge,Sünde, Tod.

4. Jesus, den du, o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast
Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben." (Lk 2,22b-24)

Maria und Josef weihen Gott ihr Liebstes, ihr Kind - Jesus. Sollten wir nicht darüber nachdenken, wie wir der Aufforderung der Hl.Schrift nachkommen: "Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen..." (Röm 12,1)

* Das Schöne und Schwere unseres Alltags sollten wir Gott darbringen - Zeichen unserer Liebe.

5. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast
Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen:Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen." (Lk 2,48-50.51b)

Maria hat so manches im Leben ihres Sohnes nicht verstanden. Sie hat es nicht einfach verdrängt, sondern darüber nachgedacht. Sie konnte warten, bis Gott das Dunkel erhellte. Manches wurde ihr erst im Licht der Auferstehung klar.

* Auch uns ist manches auf unserem Glaubensweg dunkel. Wir sollen es nicht ignorieren oder gegen Gott protestieren. Lernen wir von Maria geduldig um Licht zu bitten.

  Kerze

 

 

 LICHTREICHER ROSENKRANZ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

Wenn wir den Rosenkranz in einem besonderen Anliegen beten, werden wir dieses im Vaterunser dem Herrn vortragen; das Beten der Gegrüßet seist du Maria soll jedoch mit der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses verbunden werden

1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist
In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen . Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
(Mk 9-11)

Jesus, der Sohn Gottes, hat es ermöglicht, dass der himmlische Vater in der Taufe auch zu mir sagte: Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn.

* Heilige Maria, hilf uns, Gott immer wieder vertrauensvoll als "Vater" anzureden.

2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.
(Joh 2,11)

Im Zeichen der Wandlung des Wassers zu köstlichstem Wein offenbart sich die Herrlichkeit Jesu. An dieser Offenbarung hat aber Maria durch ihre Fürbitte mitgewirkt und uns hingewiesen, auf Jesu Wort zu hören.

*Heilige Maria, hilf uns, Jesus tiefer zu erkennen.

3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.
Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe.
(Mt 4,17 / Mk 1,15)

Mit Jesus ist die Herrschaft Gottes schon angebrochen. Wo Menschen nach dem Wort Jesu leben, kann Herrschaft Gottes schon jetzt erfahren werden. Die vollendete Erfahrung des Reiches Gottes erwarten wir allerdings erst jenseits der Todesgrenze.

* Heilige Maria, hilf uns, an das Reich Gottes zu glauben und aus diesem Glauben das Leben zu gestalten.

4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgend jemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
(Mk 9,2-4. 7-9)

In der Verklärung Jesu leuchtet bereits seine Auferstehung aus seinem bitteren Leiden auf. Auch die Jünger dürfen hoffen, im Leiden Erfahrung von Auferstehung zu machen.

* Heilige Maria, hilf uns, auch im Leid den Blick auf unsere Vollendung bei Gott nicht zu verlieren.

5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.
Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
(1 Kor 11,23-25)

Wir begegnen im Herrenmahl dem Herrn selbst, der unter den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig wird. In der heiligen Eucharistie will Jesus unser Leben prägen und uns Heil schenken. Die gläubig den Leib und das Blut Christi Empfangenden sind dadurch mit ihm und untereinander zur Gemeinschaft der Kirche verbunden.

* Bitten wir die heilige Maria um einen lebendigen Glauben an die Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie, die uns stärken, trösten, aber auch umgestalten möchte.

  

Ostern 2009

 

 

 

 

 

 

 

 Besinnungsangebote

Zum Thema : "Wer ist Jesus von Nazareth? Betrachtungen zum Weltbestseller Papst Benedikt XVI.
Anhand des Papstbuches soll usn Jesus als einziger Retter der Menschen vor Augen gestellt werden.
Referent: P. Benno Mikocki OFM, Geistl. Leiter des RSK 
Pater Benno

                                            Besinnung

Die nächsten Exerzitienkurse sind

 in Deutschland:

Diözese Regensburg
Exerzitienhaus Johannisthal
Johannisthal 1
92670 Windischeschenbach
Tel: (096 81) 40 01 50
vom 18. bis 22. Oktober 2010

Diözese Fulda
St.-Bonifatius-Haus
36041 Fulda
Neuenberger Str. 3-5
Tel: (06 61) 83 980
vom 8. bis 12. November 2010

Erzdiözese Bamberg
Diözesanhaus Vierzehnheiligen
96231 Staffelstein
Tel: (09571) 92 60
vom 6. bis 10. Dezember 2010

Einkehrwochenende

Diözese Dresden-Meissen
Bischof-Benno-Haus
Schmochtitz Nr. 1
02627 Schmochtitz
Tel: (035935) 220
vom 24. bis 26. September 2010
Anmeldung: RSK
Franziskanerplatz 4, Postfach 695
A-1011 Wien
Tel: 0043-1/512 69 36;
Fax: 0043-1/513 01 86;
e-mail: zent@rsk-ma.at

Diözese Augsburg
Diözesanexerzitienhaus St. Paulus
86391 Stadtbergen-Leitershofen
Krippackerstr. 6
Tel: (08 21) 9075 411
vom 15. bis 17. Oktober 2010

Einkehrtage

in Deutschland:

Erzdiözese München
Exerzitienhaus Schloss Fürstenried
Forst-Kasten-Allee 103
81475 München
am 30. Oktober 2010
von 9 bis ca.17 Uhr
Anmeldung: RSK
Franziskanerplatz 4, Postfach 695
A-1011 Wien
Tel: 0043-1/512 69 36;
Fax: 0043-1/513 01 86;
e-mail: zent@rsk-ma.at

Diözese Passau
Exerzitienhaus Maria Hilf
94032 Passau
Schärdinger Str. 6
Tel: (0851) 93 144 0
von Österreich: 0049-851 93 144 0
Am 6. und 7. November 2010
findet jeweils ein Einkehrtag
von 9 bis ca. 16:30 statt

in Österreich:

Bildungshaus Stift Zwettl
3910 Stift Zwettl
Tel: (0 28 22) 20202-25
Am 27. und 28. November 2010
findet jeweils ein Einkehrtag
von 9 bis ca. 16 Uhr statt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Leiter aller Kurse und Einkehrtage, wenn nicht anders angegeben:
P. Benno Mikocki ofm
   

Anmeldung bitte, wenn nicht anders angegeben, an die jeweilige Direktion des Exerzitienhauses richten.
Wenn Sie sich zu einem Kurs angemeldet haben und an der Teilnahme verhindert sind, bitte sich unbedingt abzumelden.

Die Exerzitien beginnen, wenn nicht anders angegeben, am Abend des erstgenannten Tages und enden am Morgen des letztgenannten Tages.