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Grünwidl: Zusammenleben braucht Versöhnung, nicht Empörung

Ohne einen solchen Blick auf Gott werde es keinen Frieden geben, so Wiens Erzbischof.

Schuld und Versagen werden in der heutigen öffentlichen Debatte "geradezu zelebriert"; nicht Versöhnung, sondern Empörung, Polemik und gegenseitige Schuldzuweisungen prägten die Gesellschaft. Die problematischen gesellschaftlichen Folgen dieses Phänomens beschrieb der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Sonntagnachmittag bei der Maria Namen-Feier, zu der die Gebetsgemeinschaft des "Rosenkranz Sühnekreuzzug" (RSK) in den Stephansdom geladen hatte. Viele fragten sich heute: "Warum soll ich überhaupt vergeben? Ist Vergebung nicht ein Zeichen von Schwäche, eine Bagatellisierung von Versagen?" Empathie, Barmherzigkeit und Wohlwollen blieben dabei auf der Strecke, bedauerte Grünwidl. Gewaltbereitschaft und Extremismus würden dagegen anwachsen.

 

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Kritik übte der Erzbischof an den digitalen Medien, die hier "wie Brandbeschleuniger" wirkten und "nicht selten zu einer Art gesellschaftlicher Exkommunikation führen". Wer tatsächlich oder auch nur vermeintlich schuldig geworden sei, wird laut Grünwidl "an den Pranger gestellt, fertiggemacht und abgeschrieben".

Der Erzbischof bekannte sich dazu, dass Schuld benannt und Fehlverhalten geahndet werden müsse. Dabei dürfe aber nicht aus dem Blick geraten, dass es nicht immer nur die anderen seien, die Fehler machen. Kein Mensch sei fehlerlos. Wenn diese Einsicht fehle und Menschen auf ihr Versagen und ihre Schwächen reduziert würden, "dann wird Gemeinschaft zerstört" und der soziale Grundwasserspiegel sinke, warnte Grünwidl.

Absage an "Wie du mir, so ich dir"

Der Erzbischof ging in seiner Predigt über Versöhnung und Friedensstiften auf das Tagesevangelium ein, in dem Jesus die unbegrenzte Bereitschaft zum Vergeben als christliches Leitbild darstellt. Die Richtschnur "Wie du mir, so ich dir", die nur auf das Verhalten des Gegenübers reagiert, solle durch den Maßstab der Geduld und Barmherzigkeit Gottes ersetzt werden, empfahl Grünwidl: "Wie Gott mir, so ich dir." Ohne einen solchen Blick auf Gott werde es keinen Frieden geben.

Die Forderung des Evangeliums, immer versöhnungsbereit zu sein, sei freilich oft eine Überforderung, räumte Grünwidl ein. Grünwidl nahm abschließend Bezug auf den heiligen Franz von Assisi, einen Friedensstifter, dem es allerdings nicht gelungen sei, den Bruch mit seinem reichen Vater zu kitten. Aus Enttäuschung über die Absage des Franziskus an ein Leben nach den Wünschen seines Elternhauses habe der Vater den Bettelmönch immer wieder mit Flüchen und Verwünschungen bedacht. Die "Notlösung" des Sohnes sei es gewesen, auf jeden Fluch des Vaters mit der Segenbitte an einen seiner Mitbrüder zu reagieren. Grünwidl dazu: Manchmal bleibt etwas im Leben unversöhnt, aber auch dann sei es sinnvoll, füreinander zu beten und den Segen Gottes zu erbitten. Der "Rosenkranz Sühnekreuzzug" sei eine Gebetsgemeinschaft, die wisse, dass das Gebet als geistig-geistliche Kraft vieles bewirken könne, sagte der Schirmherr des RSK abschließend im Stephansdom.

Die Maria-Namen-Feier wecke in ihm Kindheitserinnerungen, sagte Grünwidl eingangs. Schon als Kind habe er an den Feiern, damals noch in der Wiener Stadthalle mit bis zu 80.000 Gläubigen, teilgenommen. Heute sei die Gebetsgemeinschaft deutlich kleiner geworden, aber das Gebet, gerade jenes um Frieden, werde deswegen nicht weniger wichtig.

 

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Sandale und Lupe als Insignien von Franziskus

Am Beginn der Maria-Namen-Feier wies der Guardian des Wiener Franziskanerklosters, P. Oliver Ruggenthaler, in einem geistlichen Impuls zu "800 Jahre heiliger Franz von Assisi" wie tags zuvor erneut auf die Weltzugewandtheit des Ordensstifters hin. Anhand zweier mitgebrachter Dinge - Sandale und Lupe - veranschaulichte der Franziskaner dessen Anliegen, den Spuren Christi in der Welt zu folgen und dabei das Evangelium nicht zu dozieren, sondern zu "beobachten". Gottes gute Schöpfung sei für Franziskus keine feindliche Welt "da draußen" gewesen, ja, die Welt sei das Kloster des Ordens, der sich als Be-weg-ung verstehe, erklärte der Guardian.

Dem geistlichen Impuls Ruggenthalers folgte ein gemeinsames Rosenkranzgebet und die von Erzbischof Grünwidl geleitete Eucharistiefeier. Musikalisch gestaltet wurde die Maria Namen-Feier erneut vom Musikerkollegium Ars Musica unter der Leitung von Thomas Dolezal; der Wiener Dommusiker ist dem RSK seit 25 Jahren verbunden. Im Anschluss gab es eine Prozession mit der Fatimastatue im Dom. Die Veranstaltung ist hier online abrufbar.

Quelle: www.kathpress.at

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