Die erste Darstellung Jesu, die wir bei den frühen Christen finden, ist die des guten Hirten. Schon die Malereien der Katakomben zeigen den Hirten, der ein Schaf auf seinen Schultern trägt. In dieser Gestalt finden die Christen ausgedrückt, was sie Jesus verdanken. Sie waren verloren; er hat sich ihrer angenommen und hat sie gerettet.
Ein Schaf, das die Verbindung zu seiner Herde und zu seinem Hirten verloren hat und umherirrt, wird immer kraftloser und ist ständig seinen Feinden preisgegeben. Der Hirt, der es auf seine Schultern nimmt, wird für es sorgen und es vor allen Gefahren schützen.
Das Schaf symbolisiert jeden einzelnen Menschen und alle Menschen zusammen. Sie haben die Verbindung mit Gott verloren, irren mit viel Mühe und Not durch ihr Leben und gehen auf das Ende dieses Lebens im Tode zu. Ihre Rettung kommt durch Jesus, den Gott, der Vater, zu ihnen sendet. Jesus hat ein Herz für jeden einzelnen von ihnen und für sie alle. Er will allen den Weg zum Leben zeigen. Alle zusammen und jedem einzelnen will er vor den vielen falschen Wegen, die in die Irre und ins Verderben führen, bewahren und sie zum Ziel ihres Lebens geleiten. Wer sich Jesus anvertraut und sich fest an ihn bindet, gleicht dem Schaf, das vom Hirten getragen wird und auf seinen Schultern das Ziel erreicht. Ohne diesen Hirten und uns selber überlassen, versuchen wir viele Wege und sind wie Schafe, die viel umherrennen, müde und mutlos werden und nicht zum Ziel kommen.
Der sicherste Weg zum Ziel ist die feste Bindung an Jesus, wie sie sich in dem Bild vom Schaf, das von seinem Hirten getragen wird, ausdrückt. Das Bild zeigt die unbedingte und tatkräftige Zuwendung Jesu zu uns, wie er sich mit allen Kräften für uns einsetzt. Es zeigt aber auch, wie wir Menschen uns Jesus ganz anvertrauen und bei ihm sind. Diese Sicht der Beziehung zwischen Jesus und uns Menschen, wie sie sich im Bild vom guten Hirten ausdrückt, können wir uns, nach dem Beispiel der frühen Christen, nicht genug zu Herzen nehmen und zu leben versuchen.
P. Dr. Klemens Stock SJ
em. Prof. für Neues Testament am päpstlichen Bibelinstitut