"Wer wenig Vertrauen hat, erhält wenig, wer viel Vertrauen hat, erhält viel, wer grenzenloses Vertrauen hat, wird von Gott grenzenlos beschenkt." (P. Petrus)
Die Fürsprache von P. Petrus bei Gott durfte erfahren:
Ich möchte mich bedanken, was ich fast für ein kleines Wunder ansehe: Meiner Tochter Jeannette wurde prognostiziert, dass sie Brustkrebs hat.
Später ging sie in ein anderes Spital und diese haben festgestellt, dass es nichts Gefährliches ist. Ich habe zu P. Petrus gebetet und ich glaube fest daran, er hat uns erhört. Herzlichen Dank an P. Petrus.
Gertrud C., Schweiz
In Übereinstimmung mit den Dekreten Urban VII. wird hiermit erklärt, dass den geschilderten Vorgängen kein übernatürlicher Charakter beizumessen ist, solange die oberste kirchliche Behörde kein Urteil abgegeben hat.
P. Petrus Pavlicek OFM hat aufgrund einer besonderen Eingebung am 2. Februar 1947 den Rosenkranz-Sühnekreuzzug, die heute weltweite Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt, gegründet. Der Diözesanprozess für seine Seligsprechung ist abgeschlossen und wird in Rom weiter bearbeitet.
Worte von P. Petrus
"Ach, wenn es nur alle glauben wollten: Gebet überwindet alle Krisen und alle Gefahren! Freilich muss es ein geeintes Gebet sein. Das Gebet ist eine Macht, welche den Ablauf unserer Geschichte tiefer und wirksamer beeinflusst und steuert als alle anderen Aktionen."
Bittgänge – Für wen? – Wozu?
Warum geht man in Prozessionen um die Fluren, Äcker und Felder? Um den gütigen Gott zu bitten, er wolle mit seiner milden väterlichen Hand die Fluren segnen, die Früchte der Erde erhalten, alle Lebewesen mit Segen erfüllen, und ihnen Speise geben zur rechten Zeit, also auch uns Menschen.
Während früher der Großteil der Bevölkerung direkt in der Landwirtschaft tätig und von Wind und Wetter und den Erträgen abhängig war, sind die meisten Menschen heute in verschiedenen Dienstleistungssektoren und Produktionsbetrieben beschäftigt und scheinbar losgelöst von der Natur. Doch nur scheinbar, denn letztendlich zum Essen brauchen wir alle etwas. Ist damit der Sinn der Bittgänge verloren gegangen? Nein! Solange wir leben, solange wir nach Einkommen trachten und eine sinnerfüllte Arbeit suchen, solange wir nach Gesundheit und langem Leben streben, solange wir gut und gesund essen wollen, solange dürfen wir auf das Bitten nicht vergessen und solange sind auch die Bittgänge nicht Spaziergänge der Bauern, sondern für jeden Einzelnen ein intensives, gemeinschaftliches Bitten. Ein Aufruf an jeden, bei einem der Bittgänge mitzugehen und für die persönlichen Anliegen zu beten und bitten.
Gott, du Schöpfer aller Dinge, du hast uns Menschen die Welt anvertraut und willst,
dass wir ihre Kräfte nützen.
Aus dem Reichtum deiner Liebe schenkst du uns die Früchte der Erde:
den Ertrag aus Garten und Acker, Weinberg und Wald,
damit wir mit frohem und dankbarem Herzen dir dienen.
Erhöre unser Gebet:
Halte Ungewitter und Hagel, Überschwemmung und Dürre,
Frost und alles, was uns schaden mag, von uns fern.
Schenke uns alles, was wir zum Leben brauchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes + des Heiligen Geistes,
komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit.
Amen.
von Prof. Dr. Franz Sedlmeier
Psalmen – Gebete auf dem Weg /Teil 11
„Er setzt den Kriegen ein Ende!“ (Ps 46,10)
Psalm 46 als Friedenslyrik
„Friede“ scheint in unserer von Gewalt und Konflikten zerrissenen Welt zu einem Fremdwort geworden zu sein. Friede lebt als Sehnsucht in den Herzen der Menschen, als Hoffnung, die an der harten Wirklichkeit zu stranden droht. „Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein“, wusste schon der Prophet Jesaja im 8. Jahrhundert v. Christus.1 „Friede“ und „Gerechtigkeit“ sind miteinander verschwistert. Sie gehören zusammen. „Recht und Gerechtigkeit“ bilden nach biblischer Überzeugung die Fundamente einer Friedensordnung.2 Die Staatenwelt von heute scheint sich beschleunigt von dieser Grundordnung des Zusammenlebens zu entfernen. Statt der „Stärke des Rechts“, das die Würde eines jeden Menschen und die Gleichheit aller im Blick hat, mit einer besonderen Aufmerksamkeit für die vulnerablen Personengruppen in der Gesellschaft, korrumpiert das „Recht des Stärkeren“ rücksichtslos und gewalttätig das Zusammenleben unter den Völkern. Verlierer sind auch heute die Schwächsten und die auf solidarische Hilfe angewiesenen Menschen weltweit. Der Friede unter den Völkern, zwischen Religionen und Kulturen ist zu einer Überlebensfrage der Menschheit wie der Menschlichkeit geworden. Was sagen die heiligen Schriften dazu?
Die Bibel – ein nüchterner und hoffnungsvoller Blick auf den Menschen
Die Botschaft des Friedens, die Sehnsucht und die Suche nach ihm ist fest in den heiligen Schriften der Bibel verankert. Das gilt auch für das Alte Testament, das wegen seiner gewaltbesetzten Texte häufig abgewertet wird. Dieser erste Teil der christlichen Bibel weiß um die Anfälligkeit des menschlichen Herzens und menschlicher Gemeinschaften für Gewalttätigkeit und bringt diese auch deutlich und unmissverständlich zur Sprache. Alttestamentliche Erzählungen konfrontieren Leserinnen und Leser schonungslos mit der Anfälligkeit des Menschen für Gewalt, mit menschlicher Grausamkeit und den davon abhängigen gewaltbesetzten Gottesbildern. Mit ihrer Beschreibung roher Gewalt verhindert die Bibel Verdrängungsmechanismen und ruft in die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Gewaltbereitschaft. Diese Auseinandersetzung geschieht bereits innerhalb der alttestamentlichen Schriften selbst. In immer neuen Anläufen entwickelt die Bibel Strategien zur Gewalteindämmung und -überwindung. Letztlich will sie die Botschaft vermitteln, dass JHWH vor allem dieses eine will: das Ende der Kriege und den Frieden in Gerechtigkeit unter den Menschen.3
Friedenslyrik in Psalm 46
Sprechendes Zeugnis hierfür ist Psalm 46. Dieses Lied kreist um Jerusalem und den Zionsberg, dem Ort der göttlichen Gegenwart. Nach der Überschrift, die den Psalm der Gruppe der Korachiter zuweist,4 lässt sich der Psalm in die beiden Abschnitte V 2–8 und V 9–12 gliedern. Seine Grundbotschaft lautet: Gottes Zuwendung und seine helfende Gegenwart verleihen Schutz in allen Bedrängnissen. Diese Zusage wird durch Wortwiederholungen in den Versen 2 („ein Gott ist für uns“), 8 („für uns ist der Gott Jakobs“) und 12 („für uns ist der Gott Jakobs“) markiert, die dem Psalm zugleich strukturieren.
V 2–8: Gott als Mitte der Stadt
Gottes Gegenwart in seiner Stadt, verdichtet durch den Verweis auf den Berg Zion und den dortigen Tempel, verleiht der Stadt Jerusalem Schutz in allen Bedrängnissen, wie der erste Teil des Psalms in seiner bildreichen Sprache beschreibt:
2 Gott ist uns Zuflucht und Stärke,
als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten.
3 Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt,
seine Stimme erscholl, da muss die Erde schmelzen.
8 Mit uns ist der HERR der Heerscharen,
der Gott Jakobs ist unsre Burg. [Sela]
In den kosmischen Bildern des Erdbebens und der Sintflut, die die Grundfesten der Erde erschüttern (V 3–4), und im Geschichtsbild einer feindlichen Invasion (V 7) inszeniert der Psalmist eine umfassende Bedrohung. Das Bild der feindlichen Invasion blickt auf einen überstandenen Völkeransturm gegen Jerusalem zurück (V 7). Die im Präsens formulierten kosmischen Erschütterungen (V 3–4) halten hingegen fest, dass die Erde ein vom Chaos umspültes Lebenshaus ist, das chaotischen Kräften ständig ausgesetzt bleibt. Gerade aufgrund dieser existentiellen Bedrohung des Daseins weiß sich das Gottesvolk auf die helfende Gegenwart Gottes verwiesen. In allen diesen Bedrängnissen gibt es nur einen verlässlichen Halt: Gott inmitten seines Volkes (V 2.5–6.8). Mehr noch: Den zerstörerischen Fluten (V 3) stehen in V 5 die fruchtbaren und Leben spendenden Wasser entgegen, eine Gabe Gottes, die die Bewohner der Gottesstadt erfreuen und die Erinnerung an das Paradies lebendig halten.6 Selbst inmitten aller Gefährdungen vermag das Gottesvolk im Vertrauen auf die göttliche Gegenwart seinen Weg zu gehen. Doch dies allein wäre noch zu wenig …
V 9-12: Frieden auf Erden
Der Psalmist begnügt sich nicht damit, lediglich für das Gottesvolk einen Raum des Heiles gegenüber dem vorherrschenden Chaos auszugrenzen. JHWH, der Gott Israels, schaut nicht nur auf sein Volk. Er will mehr. Er hat die gesamte Völkerwelt im Blick. Und Israel hat seit Abraham die Berufung, den Segen Gottes allen Völkern der Erde weiterzugeben. Dazu gehört auch die Gabe des Friedens. Gott will den Frieden auf Erden. Gottes eigentlicher Feind ist deshalb der Krieg selbst. JHWHs Handeln zielt darauf, dem Krieg ein Ende zu bereiten. So wendet sich die betende „Wir-Gruppe“ aus V 2–8 nun an die Völkerwelt. Sie, die Israel einst feindselig gegenübertrat und im Ansturm die Gottesstadt zu vernichten drohte (V 7), wird zum Ende des Gebetes aufgefordert, das Friedensprojekt JHWHs, des Gottes Israels, wahrzunehmen und es anzunehmen:
9 Kommt und schaut die Taten des HERRN,
der Schauder erregt auf der Erde.
10 Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde.
Den Bogen zerbricht er, die Lanze zerschlägt er;
Streitwagen verbrennt er im Feuer.
11 Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin,
erhaben über die Völker, erhaben auf Erden!
12 Mit uns ist der HERR der Heerscharen,
der Gott Jakobs ist unsre Burg. [Sela]
Es ist Gottes Wille, dass Friede wird – „bis an die Grenzen der Erde“. Er will, dass die Kriegsgeräte vernichtet werden oder – wie es an anderer Stelle heißt – die Völker ihre Waffen „umschmieden zu Pflugscharen, zu landwirtschaftlichen Geräten, die den Menschen dienen (vgl. Jes 2,2–5; Mi 4,1–5). Als Gott des Friedens will er erkannt und anerkannt sein durch Menschen, die den Frieden auf Erden zu ihrem eigenen Anliegen machen. So endet der zweite Abschnitt des Psalms in V 11–12 mit einer theologischen Spitzenaussage. Gott selbst wendet sich an die Völker. Er umwirbt sie mit seinem Friedenswillen und ruft sie auf, seine souveräne Friedensherrschaft anzuerkennen (V 11). Damit erhält der Schlussvers gegenüber dem gleichlautenden V 8 eine völlig neue Bedeutung. Es sind nun die Völker, die ihrerseits in die betende Gemeinschaft eintreten und sich – Schulter an Schulter mit Israel – zur Friedensherrschaft des Gottes Jakobs bekennen (V 12).
Ein feste Burg …
Psalm 46 hat einst Martin Luther zu seinem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ inspiriert und Johann Sebastian Bach zur gleichnamigen Kantate. Beide, Luther wie Bach, wollten nicht nur an Vergangenes erinnern. Sie ermutigen uns heute, hier und jetzt dazu, dem Gott des Friedens, von dem die Bibel spricht, Raum zu geben und unseren je eigenen Beitrag zu leisten, dass seine Pläne Wirklichkeit werden – Frieden auf Erden. Mit Gottes Hilfe, durch intensives Gebet und tatkräftiges Handeln sollte dies möglich sein!
Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Universität Augsburg
Nächste Nummer:
„Du sendest deinen Geist aus […] und erneuerst das Angesicht der Erde“ (Ps 104,30).
Ps 104 – und die Hoffnung auf eine erneuerte Schöpfung
Die Völkerwallfahrt zum Zion (Micha 4,1–5)
1 Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen Völker. 2 Viele Nationen gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion zieht Weisung aus und das Wort des HERRN von Jerusalem. 3 Er wird Recht schaffen zwischen vielen Völkern und mächtige Nationen zurechtweisen bis in die Ferne. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht mehr das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. 4 Und ein jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf. Ja, der Mund des HERRN der Heerscharen hat gesprochen. 5 Auch wenn alle Völker ihren Weg gehen, ein jedes im Namen seines Gottes, so gehen wir schon jetzt im Namen des HERRN, unseres Gottes, für immer und ewig.
Die Friedensbotschaft des Auferstandenen (Joh 20,19–23)
Der Friede des Auferstandenen ist eng verbunden mit der Gabe des Heiligen Geistes und der Sündenvergebung.
19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
[1] Vgl. Jes 32,17.
[2] „Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen seines Thrones“ betet der Psalmist und sieht darin die Stabilität der Schöpfung und der Völker begründet. Vgl. auch Ps 97,2 und Jes 9,5–6.
[3] Es ist sachlich problematisch, wenn gewaltbesetzte Texte des Alten Testaments der Friedensbotschaft des Neuen Testaments gegenübergestellt werden. Eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt und Friedensvisionen finden sich bereits in den Büchern des Alten Testaments.
[4] Korach und die nach ihm benannten Korachiter gehören neben Asaf und den Asafitern zu den Sängergilden am zweiten Tempel in der nachexilischen Zeit. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Rotte Korachs, die nach Numeri 16 in der Wüste gegen Mose aufbegehrt und dafür empfindlich bestraft wird.
[5] Ein weiteres Gliederungselement ist die in den Text eingefügte Randnotiz „Sela“, die nicht mit Sicherheit zu deuten ist. Martin Buber übersetzt mit „Empor!“. Die griechische Bibelausgabe gibt das Wort mit „Zwischenspiel“ wieder. Sela könnte also auf eine Zäsur in der musikalischen oder sprecherischen Darbietung verweisen.
[6] Vermutlich nimmt der Psalmist Bezug auf den bekannten Text von der Tempelquelle, die nach Ez 47,1-12 im Heiligtum entspringt und heilende Kraft entfaltet, wohin immer die Wasser des Stromes gelangen. Zudem dürfte eine Anspielung an die Paradiesströme gegeben sein (vgl. Gen 2,10-14).
Das Kreuzzeichen
Wenn ich Volksschulen besuche, um mich über den dortigen Religionsunterricht zu informieren, dann frage ich oft, was denn das Kreuzzeichen bedeutet. Es gibt dann meist verlegenes Schweigen. Ich nehme schließlich das Religionsheft irgendeines Schülers von der Bank und zeige der Klasse den Umschlag: Was steht da aufgeschrieben? Der Name, rufen alle. Warum der Name? Damit jeder weiß, wem dieses Heft gehört. Nun ist es Zeit, mit der Katechese über das Kreuzzeichen zu beginnen. Der Christ schreibt sich ein Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust. Das bedeutet, er will Gott gehören – Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Am Ende dieser Überlegungen frage ich die Kinder, ob sie von nun an wohl immer an das denken werden, was wir jetzt miteinander bedacht haben. Sie bejahen es aus tiefer Überzeugung, aber wir wissen, wie viele geheime und offenkundige Miterzieher die religiösen Inhalte im Alltag wieder verdrängen.
Auf dem Weg durch die römische Altstadt habe ich vor Jahren eine afrikanische Christin gesehen, die sich mit einer Art von Schminke ein Kreuz auf die Stirn geschrieben hatte. Ich fragte den mich begleitenden Priester, ob er wisse, was das bedeute. Er sagte, die Frau sei einer der vielen in Rom lebenden Flüchtlinge aus Äthiopien. Diese Leute hätten alles verloren außer ihren Glauben.
Bei der Taufe und bei der Firmung wird dem Tauf- und Firmkandidaten ein Kreuz auf die Stirn geschrieben. Er gehört Christus, bedeutet das, und er soll die Stirn haben, sich auch öffentlich zu Christus zu bekennen. Bei vielen Getauften und Gefirmten scheint dieses mit heiligem Öl geschriebene Kreuz nicht nur aus-, sondern auch inwendig bald wieder zu vertrocknen. Bei anderen wird es zum Symbol eines Glaubens, der nach und nach immer radikaler vom Menschen Besitz ergreift. Viele junge Menschen tragen auch heute ein Kreuz an Band oder Kette auf der Brust. Manchmal ist das nur Ausdruck einer Mode. Oft aber ist es ein Bekenntnis, dieses von der Mutter, von Freunden geschenkte oder von einer Fahrt nach Rom, Assisi oder Taizé mitgebrachte Kreuz offen zu tragen: Ich bin ein Christ, ich versuche, den Glauben ernst zu nehmen.
„Was werden wir mitnehmen auf die Flucht?“ fragte kurz vor der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges der deutsche Schriftsteller Theodor Haecker. Und er gab sich selbst zur Antwort: „Wir werden das Kreuz mitnehmen, das wir immer noch schlagen können, bevor es uns erschlägt.“ Aus solchem Wissen haben die Christen seit altersher ihren Kindern bei der Taufe ein geweihtes Kreuz geschenkt, damit es an der Brust getragen werde auf allen Wegen und Irrwegen des Lebens. Und sie haben sich im Alter für die bevorstehende Todesstunde ein Sterbekreuz vorbereitet: Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt hing.
Beim Hauptgottesdienst des letzten österreichischen Katholikentages wurden Hunderttausende kleine Kreuze aus Metall an die Teilnehmer verschenkt. Einige weitere Hunderttausend wurden nachträglich bestellt. Seither hängen diese Kreuze in vielen Wohnungen Österreichs als Zeichen des Glaubens. Solange diese Zeichen aus dem öffentlichen und privaten Lebensraum der Menschen unseres Landes nicht verdrängt werden, so lange ist auch der Glaube eine prägende Kraft.
Bischof Egon Kapellari
entnommen aus:
Heilige Zeichen, Styria
Franziskus von Assisi, ein eucharistischer Heiliger
„Wir beten dich an, allerheiligster Herr Jesus Christus“
Franziskus von Assisi, ein eucharistischer Heiliger
Das Bild des heiligen Franziskus von Assisi (1181-1226) ist heute oft stark romantisiert. Er gilt als der unbeschwerte Vogelprediger, der Aussteiger aus dem reichen Elternhaus, der Freund des Wolfes von Gubbio, der erste radikale Ökologe und der oft so verkannte Reformator der Kirche. Auch wenn in allen diesen verschiedenen Aspekten der Charakter des heiligen Franziskus zur Geltung kommt, bleiben sie doch oft oberflächlich, denn die eigentliche Kraftquelle seines Lebens kommt in diesen Begriffen nicht zur wahren Geltung. Der historische Franziskus war im tiefsten Inneren ein eucharistischer Mystiker. Seine Liebe zur Schöpfung, zur Armut und zu den Menschen, ganz besonders den Aussätzigen, war letztlich das sichtbare Erscheinen seiner im Herzen brennenden Leidenschaft für den eucharistischen Christus.
Auch wenn wir heute meinen, dass früher alles besser gewesen sei, müssen wir feststellen, dass es gerade zur Zeit des heiligen Franziskus viele Missstände im Umgang mit der Eucharistie und viele Missverständnisse in der eucharistischen Frömmigkeit gegeben hat. Viele Priester waren leider theologisch ungebildet. Die heiligen Messen wurden oft um der Messstipendien willen in großer Anzahl privat gefeiert. Die Anwesenheit der Gläubigen war kein zentrales Thema. Viele Gläubige haben die Eucharistie nur sehr selten oder gar nicht empfangen. Die Anwesenheit bei der Wandlung reichte den Gläubigen oft aus, und die Anbetung der Eucharistie ersetzte die aktive Teilnahme an der Feier. Wichtig war, so oft wie möglich der Wandlung beizuwohnen. Das führte in vielen Fällen zu einem magischen Denken. Auch an der würdigen Aufbewahrung sowie der Sauberkeit der liturgischen Geräte ließ es oft zu wünschen übrig. Im Jahre 1215 rief deswegen Papst Innozenz III. das Vierte Laterankonzil zusammen. Dieses sollte zu einer tiefgreifenden Erneuerung des eucharistischen Verständnisses in der Kirche führen. Ein zentrales Thema war der Begriff der „Transsubstantiation“ (die Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi). Ebenso wurde der würdige Umgang mit den eucharistischen Gaben und den liturgischen Gegenständen eingefordert. Der heilige Franziskus, der zwar kein Priester aber Diakon war, nahm die Impulse dieses Konzils im Herzen auf und verkündete sie auf prophetische Weise. Franziskus lebte das, was das Konzil als Lehrsatz formulierte, leidenschaftlich in seiner Lebenspraxis.
Für den heiligen Franziskus gab es drei Momente, in denen sich die hingebende Liebe Gottes am deutlichsten offenbarte: die Krippe, das Kreuz und die Eucharistie. Alle diese Momente sind Orte der radikalen Selbstentäußerung Gottes in Jesus Christus.
Die Krippe
Der große unsichtbare Gott steigt sichtbar in der Gestalt des Kindes von Betlehem herab auf diese Erde. Die Eucharistie war für den heiligen Franziskus die tägliche Fortsetzung der Menschwerdung Gottes, denn in der Hostie macht Gott sich kleiner, ärmer und demütiger als jeder Mensch. So schreibt Franziskus in seinen Brief an den gesamten Orden: „Der ganze Mensch erbebe, die ganze Welt erzittere und der Himmel juble, wenn Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, auf dem Altar in den Händen des Priesters ist. O wunderbare Hoheit und erstaunenswerte Herablassung! O erhabene Demut, o demütige Erhabenheit, dass der Herr des Weltalls, der Sohn Gottes, sich so erniedrigt, dass er zu unserem Heil in die bescheidene Gestalt des Brotes hinabsteigt.“ Der heilige Franziskus setzt also die Eucharistie in direktem Bezug zur Menschwerdung. So wie Christus in den Schoß der Jungfrau Maria herabgestiegen ist, so steigt er nun in den eucharistischen Gestalten in die Hände des Priesters herab. Darum ruft Franziskus die Gläubigen auf, als Frucht der heiligen Kommunion „Christus durch gute Werke zu gebären“.
Das Kreuz
Der heilige Franziskus bezeugt, dass ihm von Gott selber die Gnade geschenkt wurde, folgendes Gebet aus ganzem Herzen zu sprechen: „Wir beten dich an, allerheiligster Herr Jesus Christus, hier und in allen deinen Kirchen, die auf der ganzen Welt sind, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ Die Entäußerung Jesu am Kreuz war für Franziskus ein zentraler Punkt seiner Berufung. In dem armen und nackten Christus erkannte Franziskus die Brüder und Schwestern, die seiner Liebe bedurften. Vor dem Kreuzbild von San Damiano nahm Franziskus den Ruf wahr, Christus aus ganzem Herzen zu folgen und am Wiederaufbau seiner Kirche mitzuwirken. Das, was er zu Beginn auf ganz praktische Weise umzusetzen versuchte, indem er nämlich baufällige Kirchen restaurierte, wurde mehr und mehr zu einer Sendung der inneren Erneuerung der Kirche. Durch den Blick auf den gekreuzigten Christus wurde er selbst zu einem Bild der gekreuzigten Liebe. Christus, der durch seine Hingabe am Kreuz den Tod zum Leben und die Sünde zum Heil wandelt, will auch uns durch die Gegenwärtigsetzung seiner Hingabe am Kreuz auf dem Altar immer neu wandeln. Die Kirche wurde für Franziskus ein Ort der Wandlung und Neuschaffung seiner selbst und der ganzen Menschheit. Aus diesem Grunde empfahl Franziskus allen Brüdern, das oben zitierte Gebet regelmäßig zu beten. Es wird bis heute in der Tradition des Ordens nicht nur zur Verehrung des Kreuzes sondern ganz besonders auch zur Anbetung der Eucharistie verwendet.
Der Leib des Herrn, die Eucharistie
Der heilige Franziskus bekannte, dass wir auf Erden nichts anderes von Christus haben als seine heiligsten Worte und seinen heiligsten Leib und sein kostbares Blut. Deshalb war er erfüllt von so großer Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift. Die Ordensregel des Heiligen beginnt mit den Worten: „Leben und Regel der Minderen Brüder ist das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.“ Das Wort Gottes ist für den heiligen Franziskus zu jeder Zeit genau so aktuell, wie es war, als Christus es zu Lebzeiten gesprochen hat. Darum bekennt Franziskus, dass wir den Aposteln um nichts nachstehen. Denn so wie sie zu Lebzeiten Jesus reden hörten und glauben mussten, dass seine Worte wirklich Gottes Worte sind, und wenn sie ihn sahen, bekennen mussten, dass er wirklich der Sohn Gottes sei, so ist es auch mit uns. Wenn wir die Frohbotschaft hören, spricht er wirklich zu uns. Wenn wir ihn in der Gestalt des Brotes sehen, ist es derselbe Christus, der einst unter den Menschen wandelte und Gottes Heil wirkte.
Quelle des Lebens der franziskanischen Freude
Die Liebe des heiligen Franziskus zur ganzen Schöpfung, den Geschöpfen, ja seine Umarmung und der Kuss, den er dem Aussätzigen gab, sind eucharistische Handlungen. Das Wort „Eucharistie“ bedeutet „Danksagung“. Voll Dankbarkeit betrachtet Franziskus die ganze Schöpfung. So wie er will, dass das Wort Gottes und der heilige Leib Christi voll Ehrfurcht und Liebe gehört, berührt und empfangen werden, so schenkt er liebend sein Ohr, seine Umarmung und sein Herz. Der heilige Franziskus betet Christus still und voll Ehrfurcht im Tabernakel an und er umarmt denselben Christus voll Liebe im Nächsten. Wer den heiligen Franziskus in seiner ganzen Tiefe erfassen möchte, kann ihn nicht, wie am Anfang beschrieben, auf einige Eigenschaften reduzieren. Bruder Franziskus, der „Poverello“, der Arme von Assisi, erkannte in Christus „all seinen Reichtum zur Genüge“. Darum konnte er das, was ihm an Überfülle der göttlichen Liebe in der Eucharistie geschenkt wurde, ohne Maß an Gottes Geschöpfe und die ganze Schöpfung weitergeben. Der heilige Franziskus ist im wahrsten Sinne des Wortes ein eucharistischer Mystiker, denn für ihn war die Eucharistie nicht etwas Entrücktes und Weltfremdes, sondern der sich verschenkende Christus, der uns in der Welt durch seine Gegenwart nahe ist und uns wandeln will. Das, was am heiligen Franziskus in der Stigmatisation (vgl. Bild aus dem Oratorium des Klosters Salzburg) geschehen ist, soll durch die Eucharistie auch an uns wirksam werden. Denn auch wir sollen gewandelt werden zum Abbild des liebenden und sich verschenkenden Christus.
P. Elias van Haaren OFM
von P. Oliver Ruggenthaler OFM
Die Kirche im Herzen - Maria und Franziskus
In diesem Jahr begehen wir den Heimgang des heiligen Franz von Assisi vor genau 800 Jahren. Berufung, Wesen und Intention des kleinen Armen war die Ausbreitung des Reiches Gottes in den Herzen der Menschen. Maria wurde von Gott zur Kirche gemacht, Franziskus sollte sie erneuern.
Portiunkula - Maria Urbild der Kirche
Die heimelige Kapelle „Maria von den Engel zu Portiunkula“ in der Ebene vor der Bergstadt von Assisi gelegen gilt als spirituelle Heimat von Franziskus und seiner jungen Gemeinschaft. Das Tafelbild in der Apsis mit der Verkündigung Gabriels an Maria war mehr noch als das Kreuzbild von San Damiano das prägende tägliche Betrachtungsbild der Brüder und somit ikonografisches Urbild des entstehenden Ordens. Dieser Überlegung mag der eigentümliche Gruß des Franziskus an die Gottesmutter entspringen:
Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin,
heilige Gottesmutter Maria,
du bist Jungfrau, zur Kirche gemacht
und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel,
die er geweiht hat mit seinem heiligsten
geliebten Sohn und dem Heiligen Geiste,
dem Tröster; in der war und ist alle Fülle
der Gnade und jegliches Gute.
Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Gezelt.
Sei gegrüßt, du seine Wohnung.
Sei gegrüßt, du sein Gewand.
Sei gegrüßt, du seine Magd.
Sei gegrüßt, du seine Mutter.
Dieses Gebet entwickelt einen sehr schönen Gedanken, dass nämlich Maria durch ihr Fiat! zur Kirche wurde, zu Raum und Wohnstatt des Gottessohnes, der Fleisch werden wollte aus ihrem Fleisch. Von daher ist Kirche ganz und gar mit Maria verwoben, beide sind wesenhaft Ort, Art und Weise der Begegnung mit Jesus Christus durch das fortwährende Wirken des Geistes Gottes. Für unsere gegenwärtige Situation scheint mir diese geistliche Sichtweise notwendig und heilsam. Denn zu viele verbinden (oft leider zu Recht) Kirche heute als steuereintreibenden Verein, als zu viel Papier produzierende Tintenburg oder ent-geistlichte und damit ent-menschlichte Institution von geringer Relevanz.
San Damiano – Franziskus Restaurator der Kirche
Bereits im 13. Jhdt. litten viele an der Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität von Kirche. Macht, Pracht und Geld hatten die Kirche als Braut Christi verzerrt und entstellt. Viele litten darunter, manche griffen zu Waffen oder spalteten sich von der römischen Kirche ab aus Sehnsucht nach einer anderen Kirche, einer Kirche nach dem Evangelium Christi. Franziskus wählte einen anderen Weg. Er wollte nicht ein- und niederreißen, sondern aufbauen und mit neuem Geist erfüllen. Der Gekreuzigte von San Damiano, der zweiten wichtigen Kapelle der franziskanischen Anfangszeit, gab ihm die eigentliche Berufung mit auf den Weg: Franziskus geh und baue meine Kirche wieder auf! Zunächst verstand er es wörtlich und begann, zerfallende Kapellen rund um Assisi mit Steinen und Maurerkelle zu renovieren. Dieses äußere Tun ließ in ihm allmählich das innere Verstehen erwachsen, die Kirche im Sinne der Gottesmutter zu erneuern als spirituellen Raum und Rahmen gelingender Gottesbegegnung.
Bildtext: Marien-Antiphon zum Fest des heiligen Franziskus, Mitte 18. Jhdt., Archiv des Wiener Franziskanerklosters:
O glorreiche Herrin und meine Hoffnung; So wie die Welt durch deine Hände ihren Erlöser empfangen hat, so hoffe ich durch deine Hände zu schauen meinen Herrn Jesus Christus.
Greccio – Kirche konkret
Eine weitere Urzelle franziskanischer Geistigkeit finden wir in der Bergeinsamkeit von Greccio im Rietital, etwa 90 km südlich von Assisi. Hier wollte der Heilige zu Weihnachten 1223 mit kindlichem Herzen das staunenswerte Wunder der Geburt des Erlösers bibliodramatisch nachspielen und so das Christuskind in den erkalteten Herzen der Gläubigen wieder neu geboren werden lassen. Wie Maria wird die kleine Feiergemeinde von Greccio zu neuer Kirche, die Jesus aufnimmt, Raum schenkt und selber als eigentlich beschenkte und erneuerte Zelle lebendiger Kirche wieder in die Ebene hinabsteigt. In der Beschreibung von Thomas von Celano, dem ersten Biografen des Franziskus, wird ausdrücklich auf ein aussagekräftiges Moment hingewiesen, nämlich dass Franziskus im Blick auf die Menschwerdung Gottes nicht auf die Armut und die Not der gebärenden Mutter Maria im Stall von Betlehem vergaß. Üblicherweise wurde von den Theologen die Leichtigkeit dieser Geburt betont und suggeriert, um ja die Göttlichkeit des Kindes nicht in Frage zu stellen. Franziskus hatte stets auch einen Blick für das Kleine und Menschliche, heruntergebrochen in die Lebenswelt seiner Zeitgenossen.
La Verna – Kirche in der Vollendung
Gegen Ende seiner Jahre lernte Franziskus den Höhenzug von La Verna in der Toskana mit seiner mystischen Fels- und Höhlenlandschaft lieben, etwa 120 km nordwestlich von Assisi gelegen. Das Leben hatte ihn physisch wie psychisch bereits sehr gezeichnet, er sehnte sich nach Ruhe in Zurückgezogenheit. Maria hatte ihm zu erkennen gegeben, wo er sich auf dieser Erhebung ein zweites Portiunkula bauen sollte. Das erhalten gebliebene Kirchlein trägt denselben Weihetitel: „Maria von den Engeln“. Auf La Verna durchlebte und durchlitt der Heilige schwere Stunden der Depression, Momente der Gottverloren- und -verlassenheit. Der Versucher wollte ihn gar dazu veranlassen, sich den Felsen hinab zu stürzen. Dennoch sollte genau dieser Ort und diese bedrohliche Situation zum Schlüsselmoment für Franziskus werden. Maria führte ihn mütterlich hin zu einer neuen, unüberbietbaren Form der Gemeinschaft mit Christus, nämlich als dem Gekreuzigten, zu einer Art Kirche in höchster Vollendung, zur Verschmelzung mit dem geliebten Herrn Jesus Christus, den er zeitlebens mit Sehnsucht suchen und lieben wollte. Oft betete er dort die von ihm selber gedichtete Marien-Antiphon:
Heilige Jungfrau Maria, unter den Frauen der Welt ist keine dir ähnlich geboren,
Tochter und Magd des erhabensten, höchsten Königs, des himmlischen Vaters,
Mutter unseres heiligsten Herrn Jesus Christus, Braut des Heiligen Geistes:
Bitte für uns mit dem heiligen Erzengel Michael und allen Mächten der Himmel und allen Heiligen bei deinem heiligsten, geliebten Sohn, Herrn und Meister.
Portiunkula 2.0 – Heimkehr zum Anfang
Im Herbst 1224 hatte Franziskus auf La Verna die Wundmale empfangen, nicht als religiöse Auszeichnung, sondern zum Trost und als Erweis der Annahme seines Ringens und opferbereiten Leidens für Gott und die Kirche. Jetzt geht es zurück in seine geographische wie spirituelle Heimat nach Assisi bzw. nach Portiunkula. Franziskus hat die Leitung der Gemeinschaft an Elias von Cortona übergeben, seine Wanderzirkel werden kleiner, die Lebensflamme erlischt zusehends. Im nachmittäglichen Schatten seines geliebten Marienheiligtums ließ er sich eine einfache Hütte als Zelle errichten, in der er ganz bewusst dem letzten Schatten im Leben eines jeden Menschen entgegen fühlte, dem leiblichen Tod. Am Abend des 3. Oktober 1226 sollte seine Sterbezelle bei „Maria von den Engeln zu Portiunkula“ eine Pforte zum bleibenden Leben mit Christus und allen Vorausgegangenen, zur Kirche des verheißenen himmlischen Jerusalems werden. Gelassen und gelöst konnte er seinem Sonnengesang eine letzte Strophe hinzufügen: