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P. Oliver Ruggenthaler OFM

Heiteres und Ernstes aus dem Franziskanerarchiv

für die sommerliche Kurzweile

 

 

Die Sparstrümpfe der Madonna

 

Ein Wallfahrtsheiligtum ist nicht nur spiritueller Kraftort, sondern bekanntlich meist auch von ökonomischer Bedeutung. Manch öde Gegend wurde durch die Belebung einer Wallfahrt zu blühendem Land. So geschehen im burgenländischen Seenwinkel. Fürst Paul Esterhazy übertrug 1661 aus seiner Burg Forchtenstein persönlich in weißen Strümpfen ohne Schuhe eine verehrte Marienstatue nach Frauenkirchen. In der sumpfigen Weite hinter dem Neusiedlersee stiftete er sodann ein Franziskanerkloster und ließ ab 1695 einen mächtigen Kirchenbau errichten. Die ganze Gegend profitierte wirtschaftlich ungemein von den einsetzenden Pilgerströmen aus Österreich, Ungarn und der Slowakei. Die Seidenstrümpfe werden heute noch als Kuriosum gezeigt, der Rubel der Heilsuchenden rollt nun eher in die in Sichtweite gelegene Martinustherme. So ändern sich die Zeiten…

 

Handfeste Ökumene

 

Die Salzburger Franziskanerkirche gehört wohl zu den schönsten der Ordensprovinz. Als spiritueller Ort ist sie weitum geschätzt und gerade als Beichtkirche gesucht. Die Madonna am Hochaltar hat es den Menschen in ihrer innigen Einfachheit besonders angetan. Der Pustertaler Künstler Michael Pacher (+1498) soll dem Letztwerk seines Schaffens die Züge der eigenen Frau verliehen haben. Am Hohen Frauentag, dem 15. August, wird das Patrozinium stets feierlich begangen. Nach dem Krieg, als die Gestapo das Kloster in Beschlag genommen und den Garten planiert hatten, mangelte es am Festtag an Blumen und Grünzeug für die Girlanden. Der damalige Mesner, Br. Jakobon Schönegger (+1995), wusste der Not geistreich abzuhelfen. Wenn die Evangelischen es schon nicht so mit der Gottesmutter haben, sagte sich der einfältige Laienbruder, sollen sie wenigstens auf andere Weise Maria die Ehre erweisen. Gedacht, getan: In der Nacht räumte er den Garten des evangelischen Pfarrhauses in der Schwarzstraße ab und zierte den Hochaltar auf das Schönste. Damals trieb die Marienfrömmigkeit in Salzburg in der Tat protestantische Blüten.

 

Unter Kaisers Krummnase

 

Etwas abgelegen von den Hauptverkehrsrouten liegt der beschauliche Wallfahrtsort Maria Lankowitz. Einst logierte dort in finstrer Burg Kaiser Friedrich III., um in der Waldeinsamkeit jener Gegend nach feinem Wildpret zu jagen. In Begleitung sein Sekretär Eneas Silvio Piccolomini, der später gar als Pius II. den Papstthron erklomm. 1455 übergab der Kaiser dem energischen Franziskaner-Prediger Johannes von Capistrano Burg samt Kapelle. Ein Kloster wurde eingerichtet, ein Gnadenbild der Muttergottes verehrt, die Wallfahrt in Schwung gebracht. Nie verklang fortan das Marienlob der Brüder aus edlen Notenbüchern gemalt auf Pergament. Sogar eine Ordenshochschule wurde eingerichtet, wovon die weitläufigen Gebäude noch heute künden. Vom Ehrenplatz im ehemaligen Burgpalast schaut heute noch der Stifter vom mittelalterlichen Tafelbild – Ehrfurcht einflößend mit gekrümmter Nase, versteht sich, dem Markenzeichen der Habsburger.

 

Zwischen Suppe und Schnitzel

 

Zum Erstaunen geladener Gäste wird an hohen Festtagen und Namenstagsfeiern bei Tisch zwischen erstem und Hauptgang ein Totengesang angestimmt, das „Ultima“, betitelt nach dem lateinischen Textanfang. In den schönsten Momenten des Lebens erinnert dieser Brauch an die Vergänglichkeit und lädt Maria in kindlichem Vertrauen ein, in der Sterbestunde beizuspringen. Mit inbrünstiger Andacht haben sich die Minderbrüder immer schon der Fürsprache der Gottesmutter Maria anvertraut. Der heilige Franziskus selber dichtet ihr zu Ehren ein wunderbares Gebet, der große mittelalterliche Philosoph in brauner Kutte, Johannes Duns Scotus (+1308), bereitet die Lehre von der Immakulata vor und Franziskanerkomponisten widmeten der Himmelskönigin unzählige Hymnen und Lieder. Zum Lebewohl wird einem jedem Bruder das „Ultima“ noch einmal am Grab gesungen, wie einst schon dem Komponisten der innigen Weise P. Uriel Hauser im Jahr 1784 am Schwazer Friedhof.

 

Das Kreuz mit den Klosternamen

 

Früher war es Pflicht, bei der Einkleidung einen neuen Namen anzunehmen, um sozusagen den alten Menschen ganz abzulegen. Heute geschieht dies eher freiwillig. Unter humanen Provinzialen durfte der Kandidat zumindest einen Dreiervorschlag an Namen einreichen, aus denen er bei der Einkleidungsfeier einen zugeteilt bekam. Die Mutter des P. Anaclet Ruedl (+1932) aus Kaltern, Professor an den Ordensgymnasien in Bozen und Hall, litt zeitlebens sehr unter dem ungewöhnlichen Klosternamen ihres Franzl, wie er mit Taufnamen hieß. 1904 machte sie sogar eine flehentliche Eingabe beim P. Provinzial, dass ihr Sohn doch umbenannt werden möge. Mit Erfolg! Von nun an wurde er P. Valentin gerufen. Die spöttischen Mitbrüder hatten sich freilich sehr schnell ihren Reim auf den ungewöhnlichen Vorgang gemacht: „Als er jung war, lieb und nett, hieß er P. Anaclet; als die Schönheit war dahin, hieß er P. Valentin.“

 

Der Robin Hood von Schwaz

 

Wenn es darum ging, bedürftigen Familien eine warme Mahlzeit zu verschaffen, hat es der legendäre Schwazer Krankenpater Chrysolog Bartl (+1934) mit dem 8. Gebot nicht so genau genommen bzw. vertrat er eine eigenwillige Auslegung. So verschwand auf seinen ausgedehnten Versehgängen nicht selten ein Hahn oder eine Henne vom Misthaufen so manches Bauerngutes unter seinem wallenden Lodenmantel. Die Bevölkerung verehrte ihn dennoch innig, begleitete er doch über mehrere Jahrzehnte fast jeden Einwohner in der letzten Stunde. Gar für heiligmäßig hielt man den wackeren Franziskaner. Bei Lebzeiten verbat er sich streng diesen Personenkult und drohte, sich im Grabe umzudrehen, sollte man bei seinem eigenen Begräbnis viel Aufhebens machen. Dennoch gaben ihm über 7000 Leute das letzte Geleit. Beim Einsenken kam nun tatsächlich den „Leichenfladerern“, wie man die Bestatter damals nannte, der schlichte Sarg aus und der gute Mann mit dem Gesicht nach unten im Grab zu liegen.

 

Eine Organspende für den heiligen Antonius

 

Bei Personen höheren Standes war es Tradition, nach dem Tod die sezierten Innereien fein getrennt an besonderen Gnadenorten deponieren zu lassen. Freilich zum Unmut der heiligen Engel, die bei der leiblichen Auferstehung wieder alles zusammen suchen müssen, wie der Franziskanertheologe Johannes Duns Scotus schreibt. Besonders das Haus Habsburg zeigte eine gewisse Freude an diesem makabren Brauch. Nun geschah es, dass der Tiroler Landesfürst Erzherzog Ferdinand Karl nach einem Jagdunfall im Südtiroler Überetsch in den Armen des herbeigerufenen Franziskanerguardians P. Casimir Schick von Kaltern 1662 sein irdisches Dasein aushauchte. Zum Dank für diesen letzten Dienst erhielt das Gnadenbild des heiligen Antonius in der Kalterer Franziskanerkirche die Eingeweide des verblichenen Landesfürsten. Eine kunstvolle lateinische Inschrift samt marmornem Wappenstein beim Altar des Wundertäters erinnert noch heute daran.

 

Im Land der Pharaonen

 

Der unglaubliche Aufbruch der Kirche im 19. Jhdt. führte Missionare in alle Winkel der Erde. Die Weltgegenden wurden damals von Rom aus quasi wie am Reißbrett unter den Ordensgemeinschaften zur Evangelisierung aufgeteilt. Die allgemeine Begeisterung erfasste auch die Franziskaner in Tirol. Etwa 20 junge Brüder meldeten sich für Oberägypten. An einer gediegenen Vorbereitung schien es zu mangeln. Land und Leute, vor allem aber das Klima machten den Älplern größte Schwierigkeiten. Nachdem der Provinzial daheim streng verboten hatte, den Habit aus dickem Tiroler Lodenstoff abzulegen, gingen die Neuankömmlinge der Reihe nach an Hitzschlag oder Tropenkrankheiten zugrunde. Als erster starb der Laienbruder Cosmas Baumgartner aus Trautmannsdorf in der Steiermark. Von Fieber geschwächt, fiel er 1862 in Ohnmacht vom Schiff in den Nil und wurde von Krokodilen gefressen. P. Gerard Keller aus Reutte starb als letzter der Gruppe im Jahr 1884 in Tahta am Oberlauf des Nil. Seine wertvollen Tagebuchaufzeichnungen fanden auf Umwegen in die Heimat und werden heute als wichtige Quelle der Missionsgeschichte im Franziskanerarchiv in Hall in Tirol verwahrt.

 

 

P. Oliver Ruggenthaler OFM

von Pius Schmidt, Pfr. i. R.

Die Welt braucht die „Alten“

Über den Wert des Älter-Werdens

 

 

Draußen in der Natur erleben wir momentan ein üppiges Wachsen und Reifen. Das, was im Frühjahr ausgesät worden ist, hat angefangen zu blühen und zu reifen. Bald werden die Felder reif, an den Sträuchern und Bäumen wachsen Früchte, bis dann die Zeit der Ernte ansetzt. Und dann kommen wieder der Zerfall und das Absterben der Natur. Es ist wie im menschlichen Leben auch. Zum menschlichen Leben gehört das Aufblühen und Wachsen, aber auch der Abbau des Leibes, der Seele und des Geistes. Wir werden älter und gebrechlicher. Leib, Seele und Geist bauen wieder ab.

 

Viele in unserer Umgebung sind der Meinung, dass mit dem Abbau und dem Gebrechlichwerden auch der Wert eines Menschen abnimmt. Wenn die Kräfte abnehmen und die Schönheit von Körper und Seele schwindet, dann ist der Mensch in den Augen der Menschen vielfach nichts mehr wert. So denken viele. Lassen wir uns von dieser oberflächlichen Sicht nicht anstecken! Das menschliche Leben verliert nicht an Wert. Wir sind mit 80 oder 90 oder 100 Jahren nicht weniger wert als in jungen Jahren. Und wenn Ihnen jemand diesen Wert nehmen würde, dann würde er an Ihnen ein Unrecht begehen. Das menschliche Leben behält seinen Wert, auch wenn die Kräfte abnehmen. Diese Ehrfurcht vor den betagten Menschen ist im 4. Gebot (10 Gebote Gottes) ganz tief in das Gewissen der Menschheit eingeschrieben.

 

 

Das Alter verweist auf etwas Wichtiges: Reifung! Der Sinn unseres Lebens erschöpft sich nicht in einem äußeren Tun und Wachsen. Es reift zugleich etwas Inneres heran. „Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird“, schreibt der Apostel Paulus (2 Kor 4,16), „der innere wird Tag für Tag erneuert“. Das Alter ist die „Krone“ des Lebens. Nichts Gutes geht verloren. Keine Tat der Liebe ist vergessen, kein Leid wurde umsonst getragen, keine Träne umsonst geweint. Es ist wie mit den Jahresringen eines Baumes. In ihnen ist das ganze Schicksal der vergangenen Jahre eingewachsen. So ist es auch mit den Jahren unserer Lebensgeschichte.

 

Wenn wir auf unser vergangenes Leben zurückblicken, werden wir wohl für Vieles sehr dankbar sein. Unser bisheriges Leben war nicht bloß eine Reihe von zufälligen Ereignissen, sondern hinter allem ist eine wunderbare Führung am Werk, eine höhere Weisheit, über die man oft nur staunen kann. Ich möchte hinzufügen: für die man nur dankbar sein kann! Es gibt in der Tat keine edlere Regung in unserem Inneren als die Dankbarkeit! Eine besondere Gelegenheit, unsere Dankbarkeit auszudrücken, ist die Eucharistiefeier. Es handelt sich da immer auch um eine Dankfeier. Wir danken Gott für alles Gute, das uns im Leben geschenkt wurde. Wir werden dabei auch jene nicht vergessen, die alte Menschen betreuen.

 

Aber wir schauen nicht bloß auf unser vergangenes Leben zurück. Auch im Alter hat man noch eine Zukunft vor sich und auch ein Heute. Auch im Alter ist das Leben noch ein Geschenk und eine Aufgabe. Viele schöne Dinge begegnen uns darin. Auch das Schwere wird darin seinen Platz haben, sowie unser alltägliches „Kreuz“.

Aber das Alter ist kein unangefochtenes Gut. Es ist begleitet von vielen Versuchungen, von sogenannten Prüfungen. Zu den Versuchungen des Alters gehört auch, dass man an seiner Vergangenheit hängenbleiben kann. Alte Fehler, Versäumnisse, Sünden, die längst bereinigt sind, können wieder hochkommen und die Seele tief beunruhigen.

 

Deshalb möchte ich auf zwei „goldene Früchte“ des Alters verweisen. Die eine Frucht ist der innere Friede. Ihn kann man wohl nicht selber machen. Aber er ist auch die Frucht eines jahrzehntelangen Bemühens um ein versöhntes Leben. Wer versöhnt ist mit sich selbst, mit den Mitmenschen, mit seiner Lebensgeschichte und mit Gott, der wird diesen inneren Frieden finden. Dieser Friede ist mehr wert als alle Schätze der Welt.

 

Die andere goldene Frucht des Alters ist die Hoffnung. Sie ist in unserer derzeitigen Umgebung eine Mangelware. Doch wo sie fehlt, wo das Feuer der Hoffnung nicht mehr in uns brennt, breitet sich sehr leicht die Angst aus. Die tiefste Hoffnung, die wir haben, ist, dass unser Leben nicht im dunklen Abgrund des Todes endet, sondern in einer personalen Begegnung mit Gott. Unsere Hoffnung ist, dass wir für ein ewiges Leben und ein ewiges Glück geschaffen sind. Wir sollen oft an den Himmel denken, raten uns die Heiligen. Dieser Blick nimmt uns zwar die Mühen des Alters nicht ab, aber sie werden erträglicher. Das Gebet hält unsere Hoffnung auf den Himmel lebendig, insbesondere auch das Gebet um einen seligen Heimgang zu Gott.

 

Auch das tägliche Miteinander birgt viele Versuchungen. Ersparen wir uns gegenseitig alles überflüssige Leid, das durch mangelndes Verständnis oder durch fehlende Aufmerksamkeit füreinander verursacht ist. Machen wir uns gegenseitig das Leben nicht schwerer als es sowieso schon ist. Und vergessen wir nicht, dass man im Leben nicht alle Probleme lösen kann. Manche Menschen müssen ertragen werden, manchmal auch wir selbst. Ein Wort aus der Heiligen Schrift gibt uns für solche Situationen den guten Rat: „Ertragt einander in Liebe“ (Eph 4,2).

Mit Gewissheit getraue ich mir zu sagen: Die Welt braucht den Beitrag der Alten! Unsere heutige Generation darf den Alten sehr dankbar sein für das, was sie geleistet haben, vielleicht in einer Zeit, in der wir mit Wohlstand noch nicht so gesegnet waren. Was ihre Angehörigen jetzt besitzen und genießen, ist oft auch ihr Werk. Dafür haben sie ihr Leben verbraucht. Wir alle stehen drin im Fluss der Geschichte. Und was wir heute haben und aufbauen, werden wir einst in jüngere Hände legen, damit es weitergeht.

 

Unsere heutige Welt braucht die Alten. Sie braucht ihren Beitrag; sie braucht vor allem auch ihr Gebet. Vielleicht ist ihr Gebet der wertvollste Beitrag und der größte Reichtum, den sie zu verschenken haben. Das ist meine tiefste Gewissheit.

 

 

 

Pius Schmidt, Pfr. i. R.

von Prof. Dr. Franz Sedlmeier

Psalmen – Gebete auf dem Weg /Teil 12

 „Du sendest deinen Geist aus […] und erneuerst das Angesicht der Erde“ (Psalm 104,30)

 

 

Psalm 104 – und die Hoffnung auf eine erneuerte Schöpfung

 

Die Beterinnen und Beter der Psalmen erfahren die Welt, in der sie leben, mit all den Unwägbarkeiten und Bedrohungen. Sie kennen die vielen Gesichter der Not, die ihr Leben gefährden. Und sie sprechen diese in ihren Klage- und Bittgebeten vor Gott aus. Der biblische Mensch versteht aber auch zu staunen: zu staunen über die Schöpfung, die ihn umgibt. Fasziniert von ihrer Schönheit und von der geheimnisvollen Ordnung, die sie durchwaltet, findet er in ihr die Spuren des Schöpfers. „Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“ (Weish 11,20). Hinter der Schöpfungsordnung nimmt er – tiefer blickend – die Liebe des Schöpfers wahr: „Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast, denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen“ (Weish 11,24). Gottes barmherziger Blick ruht auf all seinen Geschöpfen: „Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens“ (Weish 11,26).

 

Mit den Psalmen die Schöpfung entdecken

 

Wem staunend die Größe und Weite des Weltenalls aufgeht, der erlebt zugleich, wie klein und verletzlich er ist: „Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Ps 8,4–5). Und doch ist dieser Winzling „Mensch“ mit einer von Gott gegebenen Würde ausgestattet: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit“ (V 6). Erleuchtet und geführt von der lichtvollen Gegenwart Gottes („gekrönt“, „Pracht“, „Herrlichkeit“) kann der Mensch seinen Herrschaftsauftrag ausüben und die Schöpfung im Sinne Gottes bewahrend gestalten. 1

 

Psalm 104 als Schöpfungspsalm2

 

Psalm 104 ist einer der großen Schöpfungshymnen der Bibel. Als hymnischer Lobpreis beginnt er mit einer Selbstaufforderung des Beters zum Lob des Schöpfers, die am Ende des Psalms wiederkehrt: „Preise den HERRN, meine Seele!“.3 Das beginnende Loblied wendet sich in V 1b-2a an den göttlichen König: „HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel."4

Das doppelt gerahmte Korpus des Psalms umfasst V 2b–30 und nimmt die gesamte Schöpfung in den Blick, die nach dem dreiteiligen altorientalischen Weltbild geordnet ist: „Himmel“ (V 2b–4), „Erde“ (V 5–24) und „Meer“ (V 25–26). Die sich anschließenden V 27–30 führen über die bloße Betrachtung der Schöpfung hinaus. Sie sprechen von der Verwiesenheit aller Geschöpfe auf Gott. Gott allein ist es, der den Lebenshunger der Geschöpfe zu stillen vermag. Die Verse 31–32 (innerer Rahmen) wenden sich erneut der Schöpfungsherrlichkeit Gottes zu, die abschließende Selbstaufforderung V 33–35 (äußerer Rahmen) lässt den Lobpreis Gottes zur bleibenden Grundhaltung des Beters werden.

 

V 2b–4: Gott – Schöpfer des Himmels

 

Nach dem Lobpreis des göttlichen Königs (1b–2a) besingt der Beter Gott als Schöpfer des Himmels. Er hat seinen himmlischen Thron wie ein Zelt über die Erde gebreitet und nimmt die Kräfte der Natur (Wolken, Sturm, Winde, loderndes Feuer) als Boten in Dienst, Ausdruck seiner göttlichen Souveränität.

 

V 5–24: Gott, der die Erde ins Dasein ruft und am Leben erhält

 

Besonders ausführlich meditiert der Psalmist Gottes Wirken auf Erden. Das Stichwort „Erde“ in V 5 und 24 rahmt den gesamten Abschnitt. Gott hat die Welt nicht nur ins Dasein gerufen (creatio prima: V 5–9), er erhält sie auch am Leben (creatio continua: V 10–23) und lenkt ihr Geschick (gubernatio mundi). Der Akzent liegt nicht auf der Erschaffung der Erde, die Gott in den Urzeiten erschaffen hat (V 5–9), sondern darauf, dass er seine Schöpfung beständig am Leben erhält (V 10–23). Dabei geht der Psalmist zunächst auf die räumliche, dann auf die zeitliche Ordnung ein, die der Welt eingeschrieben sind.

 

Die Ordnung der Lebensräume: V 10–18

 

In einer Bewegung von unten nach oben beginnt der Dichter unten in den Tälern und beschreibt das unbebaute Land der wilden Tiere (V 10–12), die von Gott genährt und am Leben erhalten werden. Auch wenn sie keine Nutztiere des Menschen sind, gilt ihnen die Fürsorge Gottes. Der Wert und die Qualität von Leben hängen somit nicht am Nutzen für den Menschen. So relativiert der Psalmist einen problematischen Anthropozentrismus5, der das menschliche Nützlichkeitsdenken in die Mitte rückt. Das bebaubare Acker- und Kulturland (V 13–15) führt in die Lebenswelt des Menschen. Gott ist es, der Regen und Fruchtbarkeit schenkt.6 Wo Wachstum geschieht, begegnet der Mensch der geheimnisvollen Gegenwart seines Schöpfers. Das Wachstum dient in besonderer Weise auch dem Menschen, damit er Brot herstellen kann, das ihn stärkt, aber auch Wein und Öl. Während Brot für das Lebensnotwendige steht, verweisen Wein und Öl auf Lebensfülle und Lebensfreude. Vom Wein wird gesagt, dass er „das Herz des Menschen erfreut“, vom Öl, dass es „das Angesicht erglänzen lässt“. Der in die Schöpfung eingebundene und in Einklang mit ihr lebende Mensch erhält, was er zum Leben braucht. Darüber hinaus findet er auch all das, was ihn stark macht, was ihn schön und glücklich werden lässt. Schließlich hebt sich der Blick noch weiter nach oben in die hohen Regionen der Erde (V 16–18). Auch diesen, dem Menschen teilweise unzugänglichen Regionen mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt, gilt Gottes Fürsorge.

 

Die Ordnung der Zeit: V 19–23

 

Der Mond (V 19a) dient den Alten als „Maß für die Zeiten“. Nach ihm werden „Jahr“ und „Monat“ eingeteilt, auch die großen Festtage, mit denen wichtige Ereignisse im Laufe des bäuerlichen und liturgischen Jahres begangen werden. Die Sonne (V 19b) dient zur Einteilung von Tag und Nacht, die den Rhythmus des Lebens prägt. Jedem Lebewesen ist nicht nur ein eigener Lebensraum zugewiesen, jedes trägt zudem eine innere Uhr in sich (V 20–22). Auch dem Menschen ist seine Zeit zugewiesen (V 23), damit er sein Tagewerk vollbringen kann. Ein tiefes Einvernehmen prägt das Leben in der Schöpfung. Alle Lebewesen haben die ihnen zugewiesenen Lebensräume. Sie leben nach ihrer inneren Uhr. In dieses Spiel fügt sich auch der Mensch ein, dessen Leben gerade dadurch glückt, dass er die der Schöpfung innewohnende Ordnung respektiert, akzeptiert und aus ihr und mit ihr lebt.

 

Staunen über die Schöpfung: V 24

 

Mit einem Ausruf des Staunens blickt der Beter zurück auf das Leben, das die Erde beherbergt. Es ist eine Fülle, die Bewunderung hervorruft. In den Worten des Psalmisten:

 

„Wie zahlreich sind deine Werke, HERR,

sie alle hast du mit Weisheit gemacht,

die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“

 

Es ist die Weisheit Gottes, der sich in der Lebensfülle und in der Lebensfreude der Geschöpfe als Freund seiner Schöpfung zeigt. Wer aufmerksam hineinhört in die Schöpfung, der wird nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu seinem Schöpfer geführt – dem Grund und Ziel allen Lebens.

 

Gottes Geist … Lebensprinzip der erneuerten Schöpfung: V 27–30

 

„Auf dich warten sie alle (V 27). Nach einem kurzen Hinweis auf das Meer (V 25–26) – auch diese gefährliche, chaosträchtige Welt ist hier zu einem friedlich bewohnbaren Lebensraum geworden – führt der Psalmist seine bisherige Betrachtung fort. Er blickt noch tiefer. Er sieht alle Geschöpfe in ihrer Verwiesenheit auf den Schöpfer, dem sie sich verdanken:

 

„Auf dich warten sie alle,

dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.“

 

Gottes Zuwendung, sein zugewandtes Angesicht, seine geöffnete Hand bedeuten Leben und Fülle. Sein verborgenes Angesicht hingegen ist gleichbedeutend mit Tod. Es ist Gottes lebensspendender Geisthauch, der auch das Tote und leblos Erscheinende (vgl. Ez 37,1–14) zum Leben erwecken kann. Der Schöpfer-Geist ist es, der das Angesicht der Erde erneuert. Dieses neue Leben ist seine Gabe. Man kann sie nicht eigenmächtig an sich reißen oder herrschsüchtig darüber verfügen. Dies führt nur dazu, das Leben in seiner ursprünglichen Art zu verfehlen. Leben im ursprünglichen Sinne meint, sich für die Gabe öffnen, sie erwartungsvoll entgegennehmen und wachsam damit umgehen, im Wissen darum, wem sich das Leben verdankt.

 

Lobpreis als Lebensvollzug: V 33–35

 

Nach einem erneuten Lobpreis des göttlichen Königs (innerer Rahmen: V 31–32) legt der Beter sein persönliches Zeugnis ab. Seine Antwort auf die Gabe und das Geschenk des Lebens soll der fortwährende Lobpreis Gottes sein. Er ist zur Grundmelodie seines Lebens geworden. Zugleich bittet er darum, die Frevler, die die Schöpfung durch Gewalttat korrumpieren, mögen ihren Einfluss verlieren. Am besten dadurch, dass sie von ihrer Gewalttat lassen, sich dem Wirken des Geistes öffnen und in den geistgewirkten Lobpreis Gottes mit einstimmen, der das Angesicht der Erde erneuert.

 

Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Universität Augsburg

Nächste Nummer:

 „Dann tragen die Berge Frieden für das Volk“ (Ps 72,3).

Der messianische König und das von Gott kommende Heil

 

 

 

Ps 104,24.27-30

24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. […] 27 Auf dich warten sie alle, dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit. 28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. 29 Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. 30 Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.

 

Römer 8,18–28: Die Sehnsucht der Schöpfung auf Vollendung hin

18 Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. 19 Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. 20 Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin: 21 Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. 23 Aber nicht nur das, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. 24 Denn auf Hoffnung hin sind wir gerettet. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Denn wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? 25 Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld. 26 So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. 27 Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Denn er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein. 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.

 

 


[1]     Ps 8,7–9: „Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße: Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.“

[2]     Aufgrund seiner Länge kann Psalm 104 hier nicht abgedruckt werden. Es sei deshalb empfohlen, den Text in der Bibel begleitend zu lesen und zu meditieren.

[3]     Diese Selbstaufforderung im Aufgesang (V 1a) beschließt auch den Abgesang V 33–35 (in V 35b). V 1a und V 33–35 bilden einen äußeren Rahmen um den Psalm.

[4]     Den Versen 1b–2a entsprechen am Ende des Psalms die Verse 31–32: „Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke. 32 Er blickt herab auf die Erde und sie erbebt, er rührt die Berge an und sie rauchen.“ Sie bilden somit einen inneren Rahmen um den Hauptteil des Psalms (V. 2b–30).

[5]     Anthropozentrismus = Von Anthropozentrismus spricht man, wenn der Mensch so sehr in die Mitte gestellt wird, dass alles ausschließlich auf ihn, sein Wohl und seinen Vorteil bezogen ist. Doch der Herrschaftsauftrag überträgt dem Menschen die Verantwortung um die Schöpfung, die es nicht auszuplündern, sondern zu bewahren und erhalten gilt.

[6]     In der Umwelt Israels galten Regen und Fruchtbarkeit als Wirkbereich Baals. Demgegenüber betont der Psalmist: Wachstum und Leben sind letztlich eine Gabe von Gott her.

von P. Elias van Haaren OFM

„Sterben, um zu leben“

Der Tod als Heimgang, nicht als Ende

 

 

In diesem Jahr feiern wir, und ich sage bewusst feiern, den Tod bzw. besser gesagt den Heimgang des heiligen Franziskus vor 800 Jahren. Dieses Jubiläum war Anlass für Papst Leo XIV., ein außerordentliches Heiliges Jahr auszurufen. Der Tod ist in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft mehr und mehr ein sehr ambivalentes Thema. Daher wollen wir das Thema „Tod und Sterben“ aus christlicher Perspektive und ganz besonders im Hinblick auf das Leben und die Spiritualität des heiligen Franziskus von Assisi betrachten.

 

Das Thema „Tod“ bzw. „Sterben“ ist in unserer heutigen Zeit für viele Menschen ein Tabuthema. Man will sich nicht mehr mit dem Tod und der Vergänglichkeit auseinandersetzen. Die Endlichkeit des menschlichen Daseins wird verdrängt und alles, was auf sie hindeutet, versucht man wegzuwischen. Schönheitsoperationen geben den Anschein ewiger Jugend. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörten das Altern und die dazu gehörenden Zeichen, wie zum Beispiel Falten, graue Haare und andere Alterserscheinungen, zum Leben. Heute können wir durch chirurgische Eingriffe und kosmetische Tricks viele dieser äußeren Zeichen verschwinden lassen. Ältere Menschen sehen immer jünger aus und dass das so sein muss, suggeriert auch die Werbung. In der Werbung sehen wir, wie Mittel gegen Vergesslichkeit, gegen andere Altersbeschwerden und Falten angeboten werden. Die Personen, die für diese Mittel Werbung machen, sehen aber nicht im Geringsten alt aus sondern im Gegenteil sie sind oft junge Menschen. Auch bei all der Werbung für sämtliche Medikamente sehen wir keine wirklich kranken Menschen sondern gesunde und jung aussehende Menschen, die Kranken und Alten zeigen wollen, was für sie gut sein soll. Tod und Endlichkeit haben keinen Platz in der Werbung und auf den Bühnen der Welt. Man möchte junge, gesunde, sportliche, schöne und erfolgreiche Menschen sehen. Doch all das verhindert nicht, dass wir weiterhin sterblich und vergänglich bleiben. Diese Tatsache der Verdrängung des Todes birgt eine große Gefahr in sich. Einerseits läuft der Mensch in Gefahr, alles Mögliche in die ferne Zukunft hinauszuschieben, denn man glaubt ja, ewig Zeit zu haben. Der große Schock kommt dann aber, wenn man merkt, dass die Zeit abläuft und vieles aufgrund des Älterwerdens plötzlich nicht mehr möglich ist. Dann wird den vielen verpassten Gelegenheiten nachgetrauert. Das andere Extrem ist, dass Menschen ständig neuen Erfahrungen und neuen Erlebnissen hinterherlaufen, aus lauter Angst, sie könnten etwas verpassen. Das führt wiederum dazu, dass nichts wirklich genossen werden kann.

 

Das Motto „Carpe diem“, auf deutsch „Nutze den Tag“ ist in Vergessenheit geraten. Auch wenn es kein biblisches Zitat ist, ist es doch mit dem biblischen Verständnis kompatibel, denn es geht darum, im Hier und Jetzt zu leben. Das Gestern können wir nicht zurückholen. Wir können nur vom Guten, was wir getan haben, profitieren und aus möglichen Fehlern lernen. Ob das Morgen eine Realität wird, ist nie sicher, denn niemand weiß, ob uns der morgige Tag noch geschenkt wird. Darum ist es wichtig, im Heute zu leben. Gerade der Evangelist Lukas betont in seinem Evangelium immer wieder das Wort „heute“. Denken wir an die Weihnachtsgeschichte: Heute wurde euch der Heiland geboren. Oder an den Besuch Jesu bei Zachäus: Heute muss ich bei dir zu Gast sein. Und vor allem an die große Verheißung Jesu vom Kreuz herab an den guten Schächer: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.

 

Im Gegensatz zu denen, die den Tod verdrängen, gibt es jene, die den Tod immer mehr verherrlichen. Filme, Theaterstücke usw. sind immer mehr von Gewalt geprägt und in den Nachrichten ist man geradezu besessen davon, über Gewalt und Tod zu berichten. Das Negative zieht die Menschen auf geheimnisvolle Art und Weise an. Viele befinden sich geradezu in einer Endzeitstimmung. Die Heilige Schrift jedoch zeigt uns einen ganz anderen Weg. Der Tod gehört zum Leben des Menschen dazu. Soweit, dass Gott in seiner Menschwerdung in Jesus Christus dieses Schicksal der Menschen mit aller Konsequenz teilt. Auch Krankheit und Leiden werden in der Bibel nicht geleugnet sondern sind Teil der menschlichen Existenz. Es wird schon bei den Propheten des Alten Bundes, aber vor allem bei Jesus immer wieder betont, dass eine Krankheit oder der Tod nicht die Folge einer persönlichen Schuld oder eine Strafe Gottes sind. Sie gehören zum menschlichen Dasein dazu und erhalten ihren Sinn darin, dass Jesus alles, auch Schmerz und Leiden, Sterben und Tod, mit uns geteilt hat. Der Tod ist durch ihn nicht mehr die Endstation sondern der Übergang in das ewige Leben, das Heimgehen in das Haus des Vaters.

 

Sterben des heiligen Franziskus auch nicht vom Tod sondern vom „Transitus“, das bedeutet „Heimgang“. Der Heimgang des heiligen Franziskus wird auch in der franziskanischen Liturgie wie ein Ostern gefeiert. Franziskus selber vollzieht nach dem Vorbild Jesu bestimmte Riten wie zum Beispiel das Brechen des Brotes, das uns an den Abendmahlssaal erinnert. Ebenso segnet er alle Anwesenden, Abwesenden und alle Brüder, die noch kommen werden. Und er vergibt, soweit es ihm möglich ist, den Brüdern ihre Schuld. All das sind die österlichen Früchte der Auferstehung Jesu. Jesus, der zum Vater heimgegangen ist, bleibt doch in der Eucharistie, in der Vergebung und in seinem Segen unter uns. Wir wissen durch die Verheißung Jesu, dass auch unsere Verstorbenen weiterhin mit uns verbunden bleiben, dass sie nicht im Nichts verschwinden sondern heimgehen. Wenn ich heimgehe, braucht das ein Ziel. Dieses Ziel ist das Haus des Vaters, in dem Jesus für einen jeden von uns eine Wohnung bereitet hat. Wenn wir den Transitus des heiligen Franziskus feiern, verherrlichen wir nicht den Tod sondern danken Gott dafür, dass das Leben nicht einfach endet sondern weitergeht. Der heilige Franziskus selber bezeichnet den Tod im Sonnengesang als seinen „Bruder“. Den Sonnengesang, der so erfüllt ist von Lobpreis und Freude, hat der heilige Franziskus nicht geschrieben, als es ihm gut ging, wie viele meinen, sondern erblindet und unter großen Schmerzen auf seinem Krankenlager. Für ihn war es gerade in diesem Lebensabschnitt wichtig, Gott für all das Schöne, was er geschaffen hat, zu danken und in allem das Gute zu sehen. So wurde auch der Tod nicht zum Feind, der das Leben beendet, sondern zum Bruder, der ihn aus der Vergänglichkeit in die Ewigkeit führt.

 

Wir als Christen sollen den Tod daher nicht fürchten sondern auf den österlichen Sieg Jesu vertrauen. Das Beispiel des Sterbens der Heiligen gibt uns dabei Kraft und Mut. Auf keinen Fall dürfen wir den Tod verherrlichen oder den Tod künstlich herbeiführen. Jedes Leben, auch eines Alten, Kranken, Behinderten oder Ungeborenen, ist kostbar und von Gott geschenkt. Ihm allein steht die Macht zu, Bruder Tod zu senden, um uns heimzuholen. Nehmen wir daher dankbar jeden Tag als ein Geschenk Gottes an. Verdrängen wir unsere Endlichkeit nicht, sondern denken wir bewusst daran, nicht aus Angst vor dem Tod sondern aus Dankbarkeit gegenüber dem Leben, das uns so viele Möglichkeiten zum Guten schenkt und von dem Jesus sagt, dass er will, dass wir es in Fülle haben. Im Vertrauen auf den Herrn und auf die Fürsprache des heiligen Franziskus wollen wir unser Leben leben und den Tod als den Weg zum Ziel im Herzen Gottes erwarten, den Platz, den Jesus uns bereitet hat, und an dem er und die Heiligen und alle, die uns vorausgegangen sind, uns erwarten.

 

 

P. Elias van Haaren OFM

Für Sie persönlich /307

 

 

„Zunächst möchte ich mich ganz herzlich für die jahrelange Übersendung der Zeitschrift Betendes Gottes Volk bedanken. Sie haben damit mein spirituelles Leben bereichert und mich begleitet in meinem Alltag. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Zeitschrift weiter erhalten könnte. Ich wurde nach 40 Jahren Missionsarbeit in Zimbabwe nach Pretoria versetzt.“ Sr. Angela

„Ich vermisse meine verstorbene Schwester und Familie so sehr und fühle mich oft allein, einsam. Aber dann denke ich auch wieder, du bist nicht allein, die Gebetsgemeinschaft des RSK ist geistig bei mir und hilft. Das gibt Kraft!“ Frau Ursel V.

Nachrichten, wie die von Sr. Angela aus Pretoria und Frau Ursel aus den Niederlanden, sind nur einige von vielen, die uns in Briefen oder telefonisch mitgeteilt werden. Sie bereiten mir viel Freude und zeigen, dass wir eine Gebetsgemeinschaft sind, wir beten nicht nur den Rosenkranz, sondern nehmen auch Anteil an den Freuden und Sorgen unserer Mitglieder.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch einen aufrichtigen Dank sagen den vielen treuen Mitgliedern, die uns mit Spenden unterstützen, so dass wir unsere Arbeit und die Herausgabe unserer Zeitschrift bisher gut leisten konnten.

 

 

Wie der nebenstehende Brief zum Ausdruck bringt, sind wir nun leider in einer schwierigen Situation. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass es P. Elias und mir nicht leichtgefallen ist, diesen Brief zu verfassen. Aber die Not ist wirklich groß. Durch die allgemeine Teuerung, die ja viele Menschen betrifft, ist der Spendeneingang zurückgegangen, treue Spender und Spenderinnen sind verstorben, viele leben in einem Heim, das große Kosten verursacht.

Nach Beratung mit unserem Vorstand mussten wir uns zu diesem Brief entscheiden und ich bitte Sie, diesen nebenstehenden Aufruf zu lesen und zu beherzigen.

In großem Vertrauen auf die Hilfe der Gottesmutter Maria und dem Verständnis unserer Mitglieder hoffe ich, dass wir auch weiterhin unsere Zeitschrift herausgeben und Ihnen zusenden können, um auch auf diese Weise miteinander verbunden zu bleiben.

 

Nach wie vor ist der Friede in Gefahr, viele Menschen in den Krisen- und Kriegsgebieten der Erde leiden. Papst Leo XIV. ruft immer wieder eindringlich zum Gebet um den Frieden auf. Er betont regelmäßig, dass Gott „Friedensstifter“ sucht und das kindliche, vertrauensvolle Gebet die Welt verändern sowie den Krieg besiegen kann.

Leo XIV. mahnt, dass das Rosenkranzgebet nicht bei der reinen Frömmigkeit stehenbleiben darf. Es verpflichtet die Gläubigen dazu, jeden Menschen mütterlich und großherzig zu lieben und sich tatkräftig für Bedürftige – wie Arme, Kranke und Hungernde – einzusetzen. „Keine irdische Macht wird die Welt retten, sondern nur die göttliche Kraft der Liebe, die Jesus, der Herr, uns offenbart und geschenkt hat.“ Beachten Sie dazu den Artikel auf den Seiten 4/5 und beten wir bitte auch weiterhin treu den Rosenkranz, bitten wir die Gottesmutter Maria, die Königin des Friedens, um ihre Hilfe.

 

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine hoffentlich auch etwas erholsame Zeit und bleibe mit Ihnen im Gebet verbunden

 

Traude Gallhofer

für den Vorstand des RSK

 

Die Printversion können Sie unter zent@rsk-ma.at gerne anfordern.

 

Die Gebetsgemeinschaft des RSK steht unter der Patronanz des Erzbischofs von Wien, Josef Grünwidl, und Erzbischof Franz Lackner, Salzburg

Freunde, ein Leben lang

 

mehr: Freunde, ein Leben lang Mein...

Worte von P. Petrus und Gebetserhörungen

Gebetserhörung

 

 

"Wer wenig Vertrauen hat, erhält wenig, wer viel Vertrauen hat, erhält viel, wer grenzenloses Vertrauen hat, wird von Gott grenzenlos beschenkt." (P. Petrus)

 

Die Fürsprache von P. Petrus bei Gott durfte erfahren:

 

Ich möchte mich bedanken, was ich fast für ein kleines Wunder ansehe: Meiner Tochter Jeannette wurde prognostiziert, dass sie Brustkrebs hat.

Später ging sie in ein anderes Spital und diese haben festgestellt, dass es nichts Gefährliches ist. Ich habe zu P. Petrus gebetet und ich glaube fest daran, er hat uns erhört. Herzlichen Dank an P. Petrus.

Gertrud C., Schweiz

 

 

In Übereinstimmung mit den Dekreten Urban VII. wird hiermit erklärt, dass den geschilderten Vorgängen kein übernatürlicher Charakter beizumessen ist, solange die oberste kirchliche Behörde kein Urteil abgegeben hat.

 

P. Petrus Pavlicek OFM hat aufgrund einer besonderen Eingebung am 2. Februar 1947 den Rosenkranz-Sühnekreuzzug, die heute weltweite Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt, gegründet. Der Diözesanprozess für seine Seligsprechung ist abgeschlossen und wird in Rom weiter bearbeitet.

 

 

Worte von P. Petrus

 

"Ach, wenn es nur alle glauben wollten: Gebet überwindet alle Krisen und alle Gefahren! Freilich muss es ein geeintes Gebet sein. Das Gebet ist eine Macht, welche den Ablauf unserer Geschichte tiefer und wirksamer beeinflusst und steuert als alle anderen Aktionen."

 

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