Das Sakrament der Beichte hat in den letzten Jahrzehnten in Mitteleuropa mehr und mehr an Bedeutung verloren. Immer wieder gibt es Versuche, dieses Sakrament den Gläubigen aufs Neue ans Herz zu legen oder auch alternative Formen zur althergebrachten Beichtpraxis zu finden. Leider waren und sind diese Bemühungen nicht wirklich erfolgreich. Darum möchten wir in diesem Artikel einen neuen Zugang zur Beichte eröffnen.
Viele Gläubige fragen sich, warum sie überhaupt zur Beichte gehen sollen, da sie sich keiner Schuld bewusst sind, die einer Beichte bedarf. Die Kirche selber verpflichtet die Gläubigen nur zum Sakrament der Beichte, wenn sie eine sogenannte Todsünde begangen haben. Das jedoch ist gar nicht so einfach, denn es müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss es sich um die Übertretung eines der wesentlichen Gebote Gottes handeln. Zweitens muss dies in vollem Wissen geschehen, dass es sich um ein solches Gebot handelt. Drittens muss dieses bewusst und willentlich geschehen.
Leider haben auch in der Vergangenheit immer wieder Menschen schlechte Erfahrungen bei der Beichte gemacht. Es ging häufig um peinliche Befragungen oder moralisierende und richtende Reaktionen der Priester. Die Beichte war oft mit Zwang und Ängsten verbunden. All das hat dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen von diesem Sakrament abgewendet haben.
Was ist überhaupt die Beichte?
Natürlich ist die Beichte eines der sieben Sakramente, die Christus eingesetzt hat und zu der er die Jünger beauftragt hat. Es ist das Sakrament der Sündenvergebung und der Heilung. Vor allem und zuerst ist die Beichte jedoch Begegnung. Begegnung mit Jesus, dem Immanuel. In jedem Sakrament ist Christus wirklich derjenige, der handelt. Im Priester ist Christus „in Persona“ gegenwärtig. Es ist aber nicht der Priester, durch den Erlösung geschieht, sondern immer Christus, der Retter selbst, der den Priester in seinen Dienst nimmt.
Der Barmherzige Vater
Der Name Jesu als Schlüssel
Jesus ist nicht einfach ein Name sondern fleischgewordenes Heilsversprechen Gottes. Im Evangelium hören wir über die Geburt Christi, dass der Engel Josef im Traum den Namen Jesu offenbart: „Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21).
Jesus bedeutet „Gott rettet“ bzw. „Gott heilt“. Genau darum geht es in der Beichte. Jesus, der Gute Hirte, möchte jeden Menschen retten. Darum ist er es, der den Verlorenen nachgeht und auch 99 Schafe zurücklässt, um das eine zu suchen. Er ist gekommen, nicht für die Gerechten sondern für die Sünder.
Viele mögen jetzt meinen, dass es schon wieder nur um Sünde und Schuld geht. Wenn wir das Evangelium betrachten, merken wir, dass wir tatsächlich alle Sünder sind und auch bleiben werden. Das ist nicht als Verurteilung zu verstehen sondern als eine Erkenntnis, die Gott uns schenkt, damit wir uns immer mehr zu dem entwickeln können, was Gott für uns bestimmt hat, nämlich seine geliebten Söhne und Töchter zu sein. Als Menschen sind wir schwach und fallen immer wieder, doch Gott ist es, der uns nicht fallen lässt. Er ist in Jesus Christus als der Retter zu uns gekommen, der in die Armut des menschlichen Daseins herabsteigt, um uns reich zu machen.
Die Beichte ist also nicht der Gang zum Richter sondern zum Retter. Nicht die Begegnung mit dem, der verurteilt sondern dem, der heilt. Wenn wir Menschen zum Arzt gehen, kann uns nur geholfen werden, wenn wir sagen, wo wir ein Leiden bzw. Schmerzen haben. So ist es auch mit dem „Arzt unserer Seelen“, Jesus Christus. Wir dürfen ihm voll Vertrauen alles übergeben, damit er das Zerbrochene in uns heilen kann. Das genau geschieht in der Vergebung der Sünden. Von der Last der Schuld befreit, ist der Mensch wieder fähig, neu zu beginnen. Vor Gott haben weder Angst noch Furcht Platz. Wie ein Kind dürfen wir uns in seine liebenden Arme werfen. Schon bevor wir überhaupt um Vergebung bitten können, ist er es schon, der uns umarmt (vgl. Gleichnis vom verlorenen Sohn und barmherzigen Vater, Lk 15,11-32).
Immanuel, der Gott mit uns
„Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns“ (Mt 1,23). Immanuel ist in diesem Fall weniger ein Name sondern mehr eine theologische Interpretation der Person Jesus Christus. Schon im Alten Bund spricht der Prophet Jesaja von einem Zeichen, das Gott selber den Menschen geben wird, nämlich den Immanuel, den aus der Jungfrau geborenen Erlöser der Menschen. Dass Gott mit uns ist, wird in Jesus Christus ganz konkret. Er ist kein Gott, der auf uns herabschaut, sondern der zu uns herabsteigt, um bei uns und mit uns Menschen zu sein. Seit der Menschwerdung Gottes ist er nicht mehr der, der auf dem Thron sitzt, sondern der mit uns auf dem Weg ist.
Jesus stellt sich bei der Taufe im Jordan in die Reihe der Zöllner und Sünder, um, wie das Evangelium sagt, die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen. Gerechtigkeit bedeutet in der Sprache der Heiligen Schrift Heiligkeit. Gott möchte das Heil aller Menschen. Darum wendet er sich nicht einer auserlesenen Gruppe zu sondern stellt sich an die Seite derer, die auf der Suche nach dem Heil sind.
Immer wieder ist es Jesus, der sich direkt den Sündern zuwendet. Denken wir besonders an die Begegnung mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen, mit Zachäus, dem Zöllner, der Ehebrecherin und der Sünderin, die ihn mit ihren Tränen salbt. Jesus begegnet diesen Menschen nicht, um sie zu verurteilen, sondern um ihnen Gottes liebende und vergebende Zuwendung zu schenken. Allein die Begegnung mit ihm verwandelt diese Menschen.
Als der Immanuel möchte Jesus einem jeden von uns begegnen. Er möchte immer an unserer Seite sein. Seine Gegenwart ist gerade dann wichtig, wenn wir uns in schwierigen Lebenssituationen befinden. Auch wenn uns Menschen verlassen und sich von uns abwenden, weil wir sie enttäuscht, verletzt und gekränkt haben, ist es doch Jesus, der uns immer zur Seite steht.
Viele Menschen haben, wenn sie gesündigt haben, das Gefühl, dass sie nicht mehr würdig sind, in der Nähe Gottes zu sein. Darum entfernen sie sich Schritt für Schritt von ihm. Gott jedoch verlässt uns nie. Die Sünde ist das, was uns von Gott trennt. Jesus jedoch ist der Gott, der den Sünder umarmt und ihm zur Seite steht, der mit uns zum Vater geht.
Die Beichte als Umarmung Gottes
Die Namen „Jesus“ und „Immanuel“ können für uns somit der Schlüssel zu einem neuen Verständnis der Beichte sein. Es geht nicht darum, zu einem Gerichtstermin zu erscheinen, sondern dem zu begegnen, der uns seine bedingungslose Liebe schenken möchte. Für den Beichtenden wie für den Priester ist es entscheidend, sich bewusst zu sein, dass es in erster Linie um eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen geht. Der Beichtende kommt zu Jesus und bekennt ihm seine Sünden und bittet ihn um Vergebung. Der Priester ist derjenige, durch den Gott seine Barmherzigkeit den Menschen schenkt. Die berechtigte Frage, ob er dazu einen Menschen braucht oder nicht, soll ruhig gestellt werden.
Gott kann auch ohne Vermittler seine Barmherzigkeit schenken. Der Mensch jedoch braucht eine Zusage, das geschieht in der Lossprechung. Die Absolution bedeutet: Jesus heilt dich, er, der Immanuel, ist immer mit dir.
Vergebung können wir uns nicht selber schenken aber Vergebung wird uns geschenkt. Ohne Vergebung erdrücken uns die Lasten, die wir uns gegenseitig auferlegen. Christus ist es, der uns in der Beichte von jeder Last befreit und uns die Freiheit der Kinder Gottes wieder schenkt.
Nehmen wir gerade diese Fastenzeit als eine Möglichkeit wahr, uns von Gott umarmen zu lassen und somit als seine Kinder im Haus des Vaters das Fest der Freude zu feiern.
P. Elias van Haaren OFM
von Bischof Egon Kapellari
Das Öl
Charakteristisch für die Vegetation des Mittelmeerraumes und besonders Palästinas ist der Ölbaum, ein zähes Gewächs, das nicht selten Jahrhunderte überdauert. Die nie welkenden Blätter zeigen an der Oberseite ein sanftes Dunkelgrün und sind silbrig an der Unterseite: Das vom österreichischen Dichter Josef Weinheber verwendete Wort „mondsilbergrün“ kommt bei der Betrachtung eines Ölzweiges in Erinnerung. Der kurze, dicke Stamm zerklüftet sich im Alter. Der Baum verjüngt sich durch zahlreiche Wurzelschösslinge und gibt in jedem zweiten Jahr reiche Ernte. Die grünlich-schwarzen Früchte werden vom Baum geschlagen oder geschüttelt und samt den Kernen mit schweren Steinwalzen zerdrückt und dann gepresst.
Augustinus hat die Bedrängnisse des Christenlebens mit einer Ölpresse verglichen: Aus den Leiden des wahren Christen wird gutes Öl gepresst und rinnt zum Kruge des ewigen Lebens.
Vielfältig war von jeher der Gebrauch des Öls. Es linderte Schmerzen, heilte Wunden, stärkte müde Glieder, kühlte die Haut, machte die Athleten geschmeidig für den Wettkampf und diente als „Öl der Freude“ zur Salbung bei Festen und Mählern. Es war auch der Brennstoff für die Lampen: Man erinnere sich an das biblische Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen und an die vielen Öllämpchen, die in den Katakomben gefunden wurden. Heidnische Religionen schrieben dem Öl göttliche Wirkung zu und salbten damit Könige, Priester, neugeborene Kinder und Tote. Kränze aus Zweigen des wilden Ölbaumes waren der Schmuck für die Sieger der olympischen Spiele.
Das biblische Buch Genesis berichtet, Noach habe aus der Arche eine Taube entsandt, die mit einem Ölzweig im Schnabel zurückgekehrt sei. So habe er erfahren, dass die Erde nach der Sintflut wieder bewohnbar sei. In diesem Zusammenhang wird der Ölzweig zum Symbol des Friedens zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Welt.
Zur Zeit des alten Bundes wurden Priester, Könige und Propheten, aber auch Kultgegenstände mit Öl gesalbt. Und der vor Gott gerechte Mensch ebenso wie das ganze Volk wurde einem „üppigen Ölbaum von schöner Gestalt“ verglichen.
Die Christen haben angesichts dieser jüdischen wie heidnischen Tradition die Salbung mit Öl als Zeichen für die Mitteilung des Heiles Gottes schon sehr früh vollzogen. So gab und gibt es Salbungen am Beginn der Katechumenatszeit (Zeit der Vorbereitung auf die Taufe) und bei der Taufspendung, bei Firmung, Priester- und Bischofsweihe und als Krankensalbung. Auch Kirchen, Altäre und anderes heiliges Gerät werden gesalbt. Der in Taufe und Firmung an Stirn oder Scheitel gesalbte Christ erhält Anteil an der königlichen und prophetischen Priesterwürde Christi. Der Duft des Öles ist ein Zeichen dafür, dass der Christ durch sein Leben göttlichen Wohlgeruch in die Welt hinein verströmen soll.
Katechumenenöl, Krankenöl und Chrisam werden vom Bischof während der Karwoche in einem festlichen Gottesdienst unter Teilnahme möglichst aller Priester geweiht. So wird der Brunnen des Öls in der Diözese für ein Jahr gefüllt.
Die Sprache des Ölsymbols versteht in ihrer Tiefe wohl nur, wer eine Stunde lang – vielleicht im Mittagslicht – in einem Olivenhain still verweilt hat. Etwa auf den Hügeln bei Siena oder in Dalmatien oder gar auf dem Ölberg gegenüber der Stadt Jerusalem. Eine solche Stunde wäre auch die Zeit einer Besinnung auf die eigene Taufe und Firmung und einer Erneuerung der Kraft dieser Sakramente.
Bischof Egon Kapellari
entnommen aus:
Heilige Zeichen, Styria
Für Sie persönlich /305
Gerne überreiche ich Ihnen hier die erste Ausgabe unserer Zeitschrift in diesem Jahr.
Es war für uns eine große Freude und Ermutigung, dass die letzte Nummer so gut aufgenommen wurde und wir viele positive Rückmeldungen erhalten haben. Ein Gedanke: Vielleicht können Sie unsere Zeitschrift an jemanden weitergeben, der aufgeschlossen dafür wäre, wir senden Ihnen auf Wunsch gerne Gratisexemplare zu.
Erst vor wenigen Wochen ging die Weihnachtszeit zu Ende und schon sind wir mitten in der Fastenzeit, der Vorbereitung auf das heilige Osterfest.
Wie können wir diese Zeit der Vorbereitung gut nützen? Sehr empfehlenswert wäre, täglich eine Zeit der Stille einzuplanen, vielleicht das Sonntagsevangelium zu lesen und darüber nachzudenken und zu überlegen, wie könnte sich das Wort Gottes in meinem Leben auswirken?
In dieser Nummer finden Sie einige, so hoffe ich, auch hilfreiche Artikel für diese österliche Bußzeit. Auf den Seiten 4/5 der Artikel von P. Elias zum Thema „Beichte“ und auf den Seiten 12/13 schreibt P. Oliver eine eindrucksvolle Meditation zu einem etwas ungewöhnlichen, aber besonderen Gemälde des Letzten Abendmahles.
Ebenso von Bedeutung ist der Beitrag von Prof. Sedlmeier zu den Psalmen auf den Seiten 8-10 und noch vieles andere finden Sie in dieser Ausgabe. Wir sind bemüht, mit diesen Beiträgen Hilfe für das Glaubensleben anzubieten.
Sicher bereitet Ihnen die doch sehr angespannte Weltsituation Sorge. Immer wieder neue Nachrichten von Unruhen, Angriffen, Leid der Bevölkerung, Angst. Papst Leo XIV. sagte in seiner ersten Neujahrsansprache vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern ein sehr ernstes Wort: „Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.“
Es ist verständlich, dass, auch wenn wir noch in einem halbwegs sicheren Land leben dürfen, Angst und Sorge aufkommen, doch dabei sollen wir nicht verweilen. Ein tröstliches Wort des heiligen Antonius Maria Claret will uns Mut schenken: „Herr, es ist aussichtslos, aber du bist allmächtig.“
So wollen wir mit Vertrauen, weiter treu bleiben im Gebet um den Frieden. Und die hier in der Zeitschrift angebotenen Beiträge möchten auch Hoffnung und neuen Mut vermitteln.
Und seien Sie überzeugt, wir sind eine Gebetsgemeinschaft und beten mit- und füreinander. Niemand soll sich alleine in seinen Sorgen und Problemen fühlen, wir beten miteinander.
Mein Wunsch für diese Tage der Fastenzeit, trotz aller Sorgen, die uns bedrücken: Möge es eine gesegnete Zeit, eine gute Vorbereitung auf das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus werden!
In diesem Sinn mit Ihnen verbunden
Traude Gallhofer
für den Vorstand des RSK
Die Printversion können Sie unter zent@rsk-ma.at gerne anfordern.
Die Gebetsgemeinschaft des RSK steht unter der Patronanz des Erzbischofs von Wien und Erzbischof Franz Lackner, Salzburg