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    Hallo Kinder!

    Wie ich plötzlich beten gelernt habe

     

    mehr: Hallo Kinder!

    Worte von P. Petrus und Gebetserhörungen

    Gebetserhörung

     

     

    "Wer wenig Vertrauen hat, erhält wenig, wer viel Vertrauen hat, erhält viel, wer grenzenloses Vertrauen hat, wird von Gott grenzenlos beschenkt." (P. Petrus)

     

    Die Fürsprache von P. Petrus bei Gott durfte erfahren:

     

    Ich möchte gerne mitteilen, dass ich auf die Fürsprache des P. Petrus wundersame Hilfe erfahren durfte. Nach einer schweren Nierenkolik war zu befürchten, dass eine Operation unumgänglich ist. Nach einem innigen Gebet zu P. Petrus löste sich der Stein offenbar auf und ich konnte ohne weiteren medizinischen Eingriff die Klinik gesund verlassen. Herzlichen Dannk!

    R. V., Bayern

     

     

    In Übereinstimmung mit den Dekreten Urban VII. wird hiermit erklärt, dass den geschilderten Vorgängen kein übernatürlicher Charakter beizumessen ist, solange die oberste kirchliche Behörde kein Urteil abgegeben hat.

     

    P. Petrus Pavlicek OFM hat aufgrund einer besonderen Eingebung am 2. Februar 1947 den Rosenkranz-Sühnekreuzzug, die heute weltweite Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt, gegründet. Der Diözesanprozess für seine Seligsprechung ist abgeschlossen und wird in Rom weiter bearbeitet.

     

     

    Worte von P. Petrus

     

    "Fangen wir doch wieder an, Jesus im Tabernakel zu besuchen! ... täglich - wenigstens eine Minute"

     

     

    "Christus kommt in der heiligen Kommunion, um uns gegen den Bösen und gegen das Böse in uns abzuschirmen, um uns mit göttlicher Kraft behilflich zu sein, Gewohnheitssünden und Laster abzulegen und göttliches Leben in uns zu entfalten. Kurz gesagt, um uns zu heiligen."

     

    "Jede heilige Messe ist eine große Gnade und ein Geschenk Gottes an uns.

    Wir sollen durch Christus zum Vater gelangen."

     

     

     

    P. Oliver Ruggenthaler OFM

    Getaucht in die Herrlichkeit des Herrn

     

    Seit vergangenem Jahr haben wir im neuen Refektorium (Speiseraum) des Wiener Franziskanerklosters ein zeitgenössisches Bild vom Letzten Abendmahl hängen. Es stammt von unserem Mitbruder P. Sandesh Manuel, der nicht nur einer breiteren Öffentlichkeit als Sänger und christlicher Influencer bekannt ist, sondern der sich immer wieder auch als bildnerischer Künstler versucht. Religiöse Gegenwartskunst kann zwar immer wieder einmal polarisieren und wird gerade von Insidern nicht selten mit Recht hinterfragt bzw. kritisch oder gar religiös verletzend gesehen. In diesem Falle ist dem nicht so. Die Darstellung und Gestaltung des Bildes von P. Sandesh findet interessanterweise gerade bei älteren Semestern Anerkennung und Akzeptanz.

     

     

    Thema

     

    Im großen historischen Refektorium des Franziskanerklosters in Wien hängen neben vielen Ordensheiligen an zentraler Stelle zwei Spitzbogenlünetten des Malers Franz Xaver Wagenschön (um 1760), welche die eucharistischen Themen Fußwaschung im Abendmahlssaal und Brotbrechen zu Emmaus aufgreifen, erstaunlicherweise jedoch nicht das in Klöstern gängige Standardprogramm des Letzten Abendmahls selber.

    Sozusagen in Ergänzung haben wir P. Sandesh gebeten, ein solches für das neue Refektorium zu malen.

     

     

    Komposition

     

    Leonardo da Vinci hat mit seinem Letzten Abendmahl für das Refektorium des Mailänder Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie den bis heute gängigen Urtypus der thematischen Verarbeitung und Komposition geschaffen. P. Sandesh greift diesen auf und entwickelt ihn seinerseits weiter. Das zentrale Geschehen jener Nacht vor der Passion des Herrn wird gleichsam in den Raum der Schöpfung gestellt und ihm so eine universale Bedeutung zugesprochen. Das familiäre Paschamahl des Freundeskreises in der Enge des Obergemachs bricht vorausdeutend hin auf den weiten Erdkreis. Der Tafel-Altar steht quasi in den perspektivischen Fluchtlinien allen Seins und wird dadurch zu jenem Mittelpunkt, von dem her und auf den hin alles in Beziehung gesetzt wird. Im Vordergrund sehen wir verschiedene Dimensionen der Schöpfung angedeutet, die durch die Tafel zusammengehalten und vom Geschehen des neuen Paschaereignisses von Christus berührt und durchdrungen werden. Die Komposition lässt spirituell einen franziskanischen Hintergrund erkennen, der Gott, Mensch und Schöpfung in einer Breitenschau verbindet.

     

     

     

    Gestalten

     

    In stark reduzierter Formensprache erkennen wir schemenhaft Gestalten um den Tisch versammelt. Entgegen den biblisch angedeuteten Gepflogenheiten ist ihre Körperhaltung weder sitzend noch liegend, sondernd P. Sandesh lässt sie beinahe ausdruckslos dastehen, ohne Gestik und Mimik. Arme oder Hände sind nicht auszumachen, keine Eigeninitiative ist von den Aposteln her zu erkennen. Sie dienen lediglich als zurücktretende Kulisse für das Wesentliche, die aus innen heraus strahlende Mitte. Wie von einer Monstranz goldfließender Dynamik exponiert, können wir den zur Eucharistie gewordenen Herrn erahnen. Von ihm als gleichbleibendem Ruhepol stäuben die Strahlen des goldenen Lichts des Ostermorgens zentrifugal in alle Richtungen auseinander und lassen die Figuren aus dem eigenen Schatten treten. Von ihm her bekommen die Elf zusehends Plastizität und werden von dunkler Masse zu anbrechender Neuschöpfung. Nur der Zwölfte links außen lässt sich offensichtlich nicht durchdringen von der ausrinnenden Strahlkraft der Mitte; er bleibt mit seiner eigenen Geschichte scheinbar beschäftigt, in sich gekehrt und dem unseligen Geldbeutel sich zuwendend, dessen silberner Inhalt gegen göttlich goldenen Lebenskleckser immun bleiben muss. In uns allen schlummert dieses tragische Moment dessen, der im Verrat ausliefernd die eigene Berufung verratend sich selbst der bleibenden Finsternis ausgeliefert hat; es(er) war aber und blieb aber Nacht …

     

     

    Universum

     

    Wenn wir nun den Blick nach unten gleiten lassen, so treten wir ein in die imaginäre Welt von Puzzleteilen, die in ihrer Gesamtheit das Chaos im Urmeer des Seins andeuten mögen, das noch im Spannungsfeld von Erst- und Neuschöpfung schwimmt. Das ordnende und am Paschaaltar des Abendmahlsaals wieder Fleisch gewordene „Es werde“ ist erst im Anbruch, die scharf abtrennende Horizontallinie zum Ort des belebenden Geschehens hin muss erst durch den quasi eucharistischen Urknall durchdrungen und beseelt werden. Die Goldsträhnen und -patzen göttlicher Herrlichkeit (Kabod) sind erst dabei, sich schaffend, ordnend und Durchlässigkeit ermöglichend herein zu ergießen. Bleibende Neukreation ist im Anbruch, ausgehend vom Herrenleib beginnen die Abgrenzungen aufzuweichen und von den Rändern her bereits zu zerfließen, hineingelöst in die mehr und mehr Raum erfüllende Gegenwart des eucharistischen Erlösers.

     

     

    Gemeinschaft

     

    Das Abendmahlsbild von P. Sandesh hängt über Brüdern und Gästen, die sich zum Mahl oder geselligem Beisammensein (Rekreation) versammeln. Insofern ist es weit mehr als bloß fromme Deko in moderner Formensprache. Es ist Ermutigung und Anspruch zugleich. Gerade eine klösterliche Gemeinschaft mit einer gewissen Offenheit nach außen hin, darf das Dargestellte beständig als Meditationsbild in Augenschein nehmen. Es zeigt die alles konstituierende Mitte des gemeinsamen Weges, den eucharistischen Herrn in Passion und Auferstehung, der all jene verbindet, die das Dunkel des eigenen Unvermögens in den Lichtkegel Gottes stellen. Geistliche Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander, das gilt natürlich auch für den größeren Kreis der Kirche, ja der ganzen Schöpfung, ist Geschenk Gottes, das es täglich neu dankbar anzunehmen und zu pflegen gilt. Das ist ja zugleich das Wesen der Eucharistie, pure Danksagung für die Gegenwart Gottes, dessen bleibendes Mit-Sein (Immanuel-Sein) Leben ermöglicht, gemeinsames Leben in Fülle.

     

    P. Oliver Ruggenthaler OFM

    Psalmen – Gebete auf dem Weg /Teil 10

    Psalmen – Gebete auf dem Weg /Teil 10

    "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Psalm 22,2)

    Jesu Christi Leidenspsalm1

     

     

    Dass Jesus von Nazaret mit den Psalmen vertraut war und sie gebetet hat, geht aus den neutestamentlichen Schriften hervor. Der Psalter war um die Zeitenwende ein beliebtes Gebets- und Meditationsbuch. Er ist das alttestamentliche Buch, das am häufigsten in den Schriften des Neuen Testaments zitiert wird. Mehrfach nehmen die neutestamentlichen Autoren auf Psalmen Bezug, um den Weg Jesu als Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen zu deuten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Psalmen, die nach dem Zeugnis der Evangelien Jesus selbst gebetet oder zitiert hat. Dabei verdient Psalm 22 besondere Beachtung, überliefern doch die Evangelisten Matthäus und Markus diesen Psalm als Sterbegebet Jesu (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34): „Mein Gott, mein Gott, warum / wozu hast du mich verlassen?"2 Auch die dramatische Erfahrung der Gottferne und die damit verbundene Not der Sinnleere sind dem Gott-Menschen Jesus nicht fremd.

     

     

    Psalm 22 - Klagegebet mit großem Lobpreis

     

    Psalm 22 ist ein Klagegebet, in dem ein Beter seine Not vor Gott ausbreitet. Wie bei Psalm 13 ausführlich dargelegt3, zeigt die Klage eine klare Struktur. Sie beginnt (1) mit der Anrede Gottes, selbst wenn dieser als abwesend erfahren wird. Sodann nennt der Beter (2) die Not beim Namen, die in ihren verschiedenen Dimensionen beschrieben wird.4 Auf die Notschilderung folgt meist (3) eine Vertrauensäußerung. Um aus der Not herauszufinden, gilt es auch die Kräfte des Vertrauens zu bündeln. Die (4) Bitte um Veränderung der notvollen Lage durch das Handeln Gottes schließt die Bereitschaft des Beters mit ein, am Veränderungsprozess mitzuwirken. Ein (5) Lobgelübde oder ein Dankgebet beschließt die Klage. Dieser Gebetsweg von der Not, über das Vertrauen und die Bitte bis hin zu Lobpreis und Dank ist zugleich ein therapeutischer Weg der Heilung. Die soeben erwähnten Elemente finden sich auch in Psalm 22, doch sind sie variiert. Um die Abgründigkeit des Leids aufzuzeigen, wird der Klageweg in mehreren Anläufen begangen und in drei Phasen beschrieben (V 2–22). Aber auch der sich anschließende Lobpreis (V 23–32) entfaltet sich in einer dreifachen Bewegung.

     

     

     

    V2-6: Von der Klage zum Vertrauen (erste Phase)

     

         V 2–3: Von Gott verlassen: Mit dem doppelten Anruf Gottes „mein Gott, mein Gott“ beginnt der Beter seine Klage, erlebt er doch Tag und Nacht, also allezeit, die Abwesenheit Gottes. Gott, dessen Nähe er sucht, ist ferne. Er antwortet nicht auf des Beters flehendes Gebet, das er in ruhelosen Nächten zu Gott schickt.

         V 4–6: Vom Gottvertrauen der Väter: Auf die eröffnende Klage folgt eine erste Vertrauensäußerung. Doch spricht der Beter nicht von seinem eigenen Vertrauen, sondern von dem der Väter. Der Rückblick in die große Glaubensgeschichte des Gottesvolkes zeigt ihm: Das Vertrauen der Väter hat sich bewährt. Sie vertrauten auf Gott und wurden gerettet. Im Lobpreis des heiligen Gottes durften sie an das göttliche Geheimnis rühren (V 4). Die Erfahrung, mit den Vätern und Müttern im Glauben an Gott verbunden zu sein, wird klagenden Betern häufig zur Antwort auf ihre Not. Vom lebendigen Glauben des Gottesvolkes getragen, überwinden sie ihre Einsamkeit. Ganz anders in Psalm 22.

     

     

    V 7-12: Von der Klage über das Vertrauen zur Bitte (zweite Phase)

     

         V 7–9: Verlorene Menschenwürde: Die Erinnerung an den bewährten Glauben früherer Generationen führt den Beter von Psalm 22 jedoch in eine noch tiefere Not und Einsamkeit. Er erfährt das Gegenteil: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch …“. Spott und Verachtung der Menschen rauben ihm jegliches Selbstvertrauen. Wird der Hohn der Menschen und ihr zynisches Verhalten ihn zugrunde richten?

         V 10–11: Du – mein Schöpfer: Während Menschenverachtung ihn zugrunde zu richten droht, wird der Beter auf den Lebensgrund zurückgeführt, auf die Wurzel seiner Existenz. Er geht in einem anderen Sinn „zu-Grunde“. Vom Mutterschoß an – so sein grundstürzendes Gottvertrauen – bin ich geworfen auf dich. Vom ersten Atemzug an bist du mein Helfer. Mit diesem in der Not geborenen Vertrauen auf den Gott seines Lebens, aus diesem Urvertrauen öffnet sich der Gebetsweg erstmals hin zur Bitte.

         V 12: Sei nicht fern! Aus der Kraft des Vertrauens heraus wagt der Beter eine erste Bitte, in der der Notschrei von V 2 aufgegriffen wird: „Du bist fern“ (V 2) – „Sei mir nicht fern!“ (V 12). Nicht Gott ist nahe, sondern die Not. Nur Gottes Nähe kann ihn retten. Er ist der einzige wirkliche Helfer, dessen ist er sich gewiss.

     

     

    V 13-22: Von der Klage über die Bitte zum Vertrauen (dritte Phase)

     

         V 13–19: Vom Tod umfangen: Nach der Bitte von V 12 bricht der Gebetsweg erneut ab und wird zur verzweifelten Klage. Zerstörerische chaotische Kräfte umgeben den Beter und bedrängen ihn außen wie innen, so dass ihm nicht nur der Lebensraum, sondern auch der Lebensatem genommen wird. Wilde Tiere wie Stiere, Büffel und Löwen (V 13–14) gelten in der Ikonographie des Alten Orients als Symbole für das zerstörerische Chaos. Hinter den Tiermetaphern verbirgt sich abgründig die Bosheit von Menschen (V 17: „Hunde“ – „eine Rotte von Bösen“), die den Beter an Leib und Leben gehen. Und wenn sie sich seiner Kleider bemächtigen, dann gilt er ihnen bereits als lebendig Toter. Zugleich erfährt der Beter, wie er innerlich zerbricht, die Lebenskräfte schwinden, seine Identität löst sich auf („mein Herz ist geworden wie Wachs“), die Kommunikation mit der Außenwelt bricht ab („die Zunge klebt mir am Gaumen“). Und das Schrecklichste dabei – Gott selbst scheint in all dem am Werk zu sein: „Du legst mich in den Staub des Todes“ (V 16). Dieser Tiefpunkt der Klage markiert aber zugleich auch die Wende. In seinem abgründigen Leid sucht der Beter Gott nicht länger außerhalb, sondern mitten im Leid. Auch wenn diese Wahrnehmung zunächst unerträglich ist, so wird die befremdend erlebte Nähe Gottes zum Ort der Wandlung.

         V 20–22b: Bitte um Gottesnähe und Rettung: Im Rückgriff und in Anspielung auf die Bitte von V 12 und auf die Klage von V 2 wendet sich der Beter in einer vierfachen Bitte an seinen Gott: „Halte dich nicht fern!“ – „Eile mir zu Hilfe!“ – „Entreiße mein Leben …!“ – „Rette mich!“ Dieser eindringlichen Bitte um das rettende Eingreifen Gottes liegt zugleich das Vertrauen zugrunde, dass der mitten in seiner Not gegenwärtige Gott nicht nur die Stärke und Macht besitzt, die chaotischen, lebenszerstörenden Kräfte zu überwinden und zu besiegen, sondern aus der Sphäre des Todes neues Leben zu wecken.

         V 22c: Vertrauensbekenntnis: „Du hast mir Antwort gegeben.“ Mit dieser knappen Aussage endet der erste Teil des Psalms. Da die Vergangenheitsform des hebräischen Perfekts auch eine mit Gewissheit erwartete künftige Rettung ausdrücken kann5, lässt sich V 22c als festes Vertrauensbekenntnis deuten, obwohl die Rettung noch aussteht.6

     

     

    Ein dreifacher, die Grenzen sprengender Lobpreis

     

    Zum Klagegebet gehört als letztes Strukturelement ein Dank oder / und ein Lobpreis. In Ps 22 umfasst dieser Lobpreis, der sich ebenfalls in drei Phasen vollzieht, nicht nur den Beter, sondern weitet sich auf die gesamte Welt aus, ebenso auf Vergangenheit und Zukunft. Das zuvor beschriebene Leiden des Gerechten löst somit aufgrund seiner Rettung ein universales Gotteslob aus.

         V 23–25: Lobpreis des Beters und Israels: Mit einer Selbstaufforderung zum Lobpreis wendet sich der Beter an seine Brüder, das ganze Gottesvolk. Alle Kinder Israels sollen in diesen Lobpreis einstimmen. Begründet ist der Lobpreis mit der fürsorgenden Liebe Gottes für die Elenden und Armen.

         V 26–29: Lobpreis der gesamten Völkerwelt: Beim Vollzug seines Lobgelübdes weitet sich der Horizont des Beters auf alle Völker hin: „Alle Enden der Erde sollen […] sich zum HERRN bekehren.“ Gebührt doch Gott und nur ihm das Königtum. Er, und nur er ist der wahre Herrscher der Nationen, keiner sonst.

         V 30–32: Lobpreis als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Nicht nur überall, sondern zu allen Zeiten geschieht der Lobpreis. Der Beter bezieht die bereits Verstorbenen („die in den Staub gesunken sind“) mit ein, aber auch kommende Generationen: das künftige Geschlecht, künftige Generationen, die noch nicht geboren sind. Und dies alles ist das Werk Gottes, der durch das Schicksal des abgründig leidenden Gerechten handelt.

     

     

    Psalm 22 als Gebet Jesu

     

    Was ist die Botschaft von Psalm 22? Ein von den Menschen Verachteter und Geschmähter verlässt sich ganz auf JHWH. Er durchmisst die Erfahrung der Gottferne, lässt aber nicht los von seinem Gott. Er sucht seinen Gott vielmehr dort, wo er nach gängiger Überzeugung nicht mehr ist und nicht mehr wirkt: im Staub des Todes. Dieser Verachtete, der um sein Gottvertrauen ringt und kämpft, wird von eben diesem Gott gerettet. Er verkündet diese Rettungserfahrung. Sein Zeugnis hat eine Leben verändernde und die Welt bewegende Bedeutung.

    Wer ist dieser Mensch? Er ist ein exemplarisch Gerechter. Er ist der Typos eines Menschen, der zu JHWH gehört, der Gerechte schlechthin. Er hängt ganz und gar an seinem Gott. Zugleich ist seine Existenz hingeordnet auf Israel, auf das gesamte JHWH-Volk als ideale Größe. Ja weiter: Das Leben und die Erfahrung dieses Menschen ist bedeutsam für die gesamte Menschheit in Raum und Zeit, also überall und jederzeit.

    Den Evangelisten Markus und Matthäus diente dieser Psalm als Vorlage für ihre Passionserzählung. Leben und Sterben Jesu zeigen ein grundstürzendes Gottvertrauen. Seine Rettung, seine Auferweckung aus dem Tod durch den Vater hat eine welt- und geschichtsverändernde Bedeutung: Rettung für alle Welt und alle Zeit. Durch und durch österlich!

     

     

    Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Universität Augsburg

     

    Nächste Nummer:

    „Er setzt den Kriegen ein Ende“ (Ps 46,10)

    Psalm 46 als Friedenslyrik

     


     

     

    Wie ernst das Sterben für den, der an den Vater glaubt, bleibt, ja wird – wer hat uns dies deutlicher gezeigt als Jesus, als der Sohn selbst, im Schrei seiner Gottverlassenheit? Wir können nie mehr auf einem andern Weg in den Tod und durch den Tod gelangen als in ihm, der für uns, an unserer Stelle gestorben, unseren Tod gestorben ist. Und so begegnen wir ihm in unserem Sterben zweimal: Er geht mit an unserer Seite durch den Tod – er erwartet uns zugleich bereits hinter der Pforte. Wir sterben mit ihm und sterben in ihn hinein. Es ist uns nicht verheißen, dass wir dies in jener Stunde als lindernden Trost empfinden werden, aber es ist uns geschenkt, es jetzt glaubend zu ergreifen: Du wirst mitgehen, es wird keine Wegstrecke geben, die nicht in deinem Weg für uns und mit uns drinnen ist.

     

    Bischof Klaus Hemmerle, Gerufen und verschenkt, 54

     

     

    Osteraugen

    Ich wünsche uns Osteraugen,

    die im Tod bis zum Leben,

    in der Schuld bis zur Vergebung,

    in der Trennung bis zur Einheit,

    in den Wunden bis zur Herrlichkeit,

    im Menschen bis zu Gott,

    in Gott bis zum Menschen,

    im Ich bis zum Du

    zu sehen vermögen.

    Und dazu alle österliche Kraft!

     

    Bischof Klaus Hemmerle, Ostern 1993

     

     

    [1] Da Psalm 22 sehr umfangreich ist, kann nicht der ganze Text abgedruckt werden. Es sei deshalb angeraten, die folgenden Erläuterungen im Text der Bibel mitzuverfolgen.

    [2] Das hebräische Fragewort lāmāh bedeutet wörtlich „auf was hin, wozu?“ (lā = zu māh was), stellt primär die Frage nach dem verborgenen Sinn. Insofern ließe sich statt „warum?“ (aus welchem Grund?) besser mit „wozu?“ übersetzen: „Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?“

    [3] Siehe die Überlegungen zu Psalm 13, in: Betendes Gottes Volk Nr. 301 (2025/1), S 12–14.

    [4] Die Grund-Not besteht meist in der leidvollen Erfahrung der Abwesenheit Gottes. Häufig klagt der Beter auch über das Auftreten von Feinden und Verleumdern oder er bringt seine eigene innere Bedrängnis und Zerrissenheit zum Ausdruck. Damit werden die Grunddimensionen menschlicher Existenz ergründet: Gottes- und Nächstenliebe wie eine gesunde Selbstliebe und Selbstannahme.

    [5] Die Hebraisten sprechen vom perfectum confidentiae („Perfekt des Vertrauens“) oder vom perfectum profeticum („prophetisches Perfekt“). Das bedeutet: Ein zukünftiges Geschehen wird im Perfekt formuliert, um die Gewissheit auszudrücken, dass die heilvolle Zukunft bereits Wirklichkeit ist und gewiss kommt.

    [6] Andere verstehen die Perfektform des hebräischen Verbums so, dass zwischen vorhergehender Bitte 20–22b und der Vertrauensäußerung ein gewisser Zeitraum anzunehmen sei, eine eher unwahrscheinliche Deutung. Eine dritte Variante: Da das hebräische Perfekt in einigen Fällen auch einen vorausgehenden Imperativ fortführen kann, übersetzen sie V 22c als Bitte. So etwa die Einheitsübersetzung von 1980.

    Jesus spricht: ich bin... | Teil 4

    von P. Dr. Klemens Stock SJ

    Jesus spricht: Ich bin/Teil 4

    Ich bin der gute Hirt (Joh 10,1-21)

     

     

    Die erste Darstellung Jesu, die wir bei den frühen Christen finden, ist die des guten Hirten. Schon die Malereien der Katakomben zeigen den Hirten, der ein Schaf auf seinen Schultern trägt. In dieser Gestalt finden die Christen ausgedrückt, was sie Jesus verdanken. Sie waren verloren; er hat sich ihrer angenommen und hat sie gerettet.

    Ein Schaf, das die Verbindung zu seiner Herde und zu seinem Hirten verloren hat und umherirrt, wird immer kraftloser und ist ständig seinen Feinden preisgegeben. Der Hirt, der es auf seine Schultern nimmt, wird für es sorgen und es vor allen Gefahren schützen.

     

     

    Das Schaf symbolisiert jeden einzelnen Menschen und alle Menschen zusammen. Sie haben die Verbindung mit Gott verloren, irren mit viel Mühe und Not durch ihr Leben und gehen auf das Ende dieses Lebens im Tode zu. Ihre Rettung kommt durch Jesus, den Gott, der Vater, zu ihnen sendet. Jesus hat ein Herz für jeden einzelnen von ihnen und für sie alle. Er will allen den Weg zum Leben zeigen. Alle zusammen und jedem einzelnen will er vor den vielen falschen Wegen, die in die Irre und ins Verderben führen, bewahren und sie zum Ziel ihres Lebens geleiten. Wer sich Jesus anvertraut und sich fest an ihn bindet, gleicht dem Schaf, das vom Hirten getragen wird und auf seinen Schultern das Ziel erreicht. Ohne diesen Hirten und uns selber überlassen, versuchen wir viele Wege und sind wie Schafe, die viel umherrennen, müde und mutlos werden und nicht zum Ziel kommen.

    Der sicherste Weg zum Ziel ist die feste Bindung an Jesus, wie sie sich in dem Bild vom Schaf, das von seinem Hirten getragen wird, ausdrückt. Das Bild zeigt die unbedingte und tatkräftige Zuwendung Jesu zu uns, wie er sich mit allen Kräften für uns einsetzt. Es zeigt aber auch, wie wir Menschen uns Jesus ganz anvertrauen und bei ihm sind. Diese Sicht der Beziehung zwischen Jesus und uns Menschen, wie sie sich im Bild vom guten Hirten ausdrückt, können wir uns, nach dem Beispiel der frühen Christen, nicht genug zu Herzen nehmen und zu leben versuchen.

     

     

    P. Dr. Klemens Stock SJ

    em. Prof. für Neues Testament am päpstlichen Bibelinstitut

    von P. Elias van Haaren OFM

    Beichte – braucht es das noch?

     

     

    Das Sakrament der Beichte hat in den letzten Jahrzehnten in Mitteleuropa mehr und mehr an Bedeutung verloren. Immer wieder gibt es Versuche, dieses Sakrament den Gläubigen aufs Neue ans Herz zu legen oder auch alternative Formen zur althergebrachten Beichtpraxis zu finden. Leider waren und sind diese Bemühungen nicht wirklich erfolgreich. Darum möchten wir in diesem Artikel einen neuen Zugang zur Beichte eröffnen.

    Viele Gläubige fragen sich, warum sie überhaupt zur Beichte gehen sollen, da sie sich keiner Schuld bewusst sind, die einer Beichte bedarf. Die Kirche selber verpflichtet die Gläubigen nur zum Sakrament der Beichte, wenn sie eine sogenannte Todsünde begangen haben. Das jedoch ist gar nicht so einfach, denn es müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss es sich um die Übertretung eines der wesentlichen Gebote Gottes handeln. Zweitens muss dies in vollem Wissen geschehen, dass es sich um ein solches Gebot handelt. Drittens muss dieses bewusst und willentlich geschehen.

    Leider haben auch in der Vergangenheit immer wieder Menschen schlechte Erfahrungen bei der Beichte gemacht. Es ging häufig um peinliche Befragungen oder moralisierende und richtende Reaktionen der Priester. Die Beichte war oft mit Zwang und Ängsten verbunden. All das hat dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen von diesem Sakrament abgewendet haben.

     

     

    Was ist überhaupt die Beichte?

     

    Natürlich ist die Beichte eines der sieben Sakramente, die Christus eingesetzt hat und zu der er die Jünger beauftragt hat. Es ist das Sakrament der Sündenvergebung und der Heilung. Vor allem und zuerst ist die Beichte jedoch Begegnung. Begegnung mit Jesus, dem Immanuel. In jedem Sakrament ist Christus wirklich derjenige, der handelt. Im Priester ist Christus „in Persona“ gegenwärtig. Es ist aber nicht der Priester, durch den Erlösung geschieht, sondern immer Christus, der Retter selbst, der den Priester in seinen Dienst nimmt.

     

    Der Barmherzige Vater

     

     

    Der Name Jesu als Schlüssel

     

    Jesus ist nicht einfach ein Name sondern fleischgewordenes Heilsversprechen Gottes. Im Evangelium hören wir über die Geburt Christi, dass der Engel Josef im Traum den Namen Jesu offenbart: „Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21).

    Jesus bedeutet „Gott rettet“ bzw. „Gott heilt“. Genau darum geht es in der Beichte. Jesus, der Gute Hirte, möchte jeden Menschen retten. Darum ist er es, der den Verlorenen nachgeht und auch 99 Schafe zurücklässt, um das eine zu suchen. Er ist gekommen, nicht für die Gerechten sondern für die Sünder.

    Viele mögen jetzt meinen, dass es schon wieder nur um Sünde und Schuld geht. Wenn wir das Evangelium betrachten, merken wir, dass wir tatsächlich alle Sünder sind und auch bleiben werden. Das ist nicht als Verurteilung zu verstehen sondern als eine Erkenntnis, die Gott uns schenkt, damit wir uns immer mehr zu dem entwickeln können, was Gott für uns bestimmt hat, nämlich seine geliebten Söhne und Töchter zu sein. Als Menschen sind wir schwach und fallen immer wieder, doch Gott ist es, der uns nicht fallen lässt. Er ist in Jesus Christus als der Retter zu uns gekommen, der in die Armut des menschlichen Daseins herabsteigt, um uns reich zu machen.

    Die Beichte ist also nicht der Gang zum Richter sondern zum Retter. Nicht die Begegnung mit dem, der verurteilt sondern dem, der heilt. Wenn wir Menschen zum Arzt gehen, kann uns nur geholfen werden, wenn wir sagen, wo wir ein Leiden bzw. Schmerzen haben. So ist es auch mit dem „Arzt unserer Seelen“, Jesus Christus. Wir dürfen ihm voll Vertrauen alles übergeben, damit er das Zerbrochene in uns heilen kann. Das genau geschieht in der Vergebung der Sünden. Von der Last der Schuld befreit, ist der Mensch wieder fähig, neu zu beginnen. Vor Gott haben weder Angst noch Furcht Platz. Wie ein Kind dürfen wir uns in seine liebenden Arme werfen. Schon bevor wir überhaupt um Vergebung bitten können, ist er es schon, der uns umarmt (vgl. Gleichnis vom verlorenen Sohn und barmherzigen Vater, Lk 15,11-32).

     

     

    Immanuel, der Gott mit uns

     

    „Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns“ (Mt 1,23). Immanuel ist in diesem Fall weniger ein Name sondern mehr eine theologische Interpretation der Person Jesus Christus. Schon im Alten Bund spricht der Prophet Jesaja von einem Zeichen, das Gott selber den Menschen geben wird, nämlich den Immanuel, den aus der Jungfrau geborenen Erlöser der Menschen. Dass Gott mit uns ist, wird in Jesus Christus ganz konkret. Er ist kein Gott, der auf uns herabschaut, sondern der zu uns herabsteigt, um bei uns und mit uns Menschen zu sein. Seit der Menschwerdung Gottes ist er nicht mehr der, der auf dem Thron sitzt, sondern der mit uns auf dem Weg ist.

    Jesus stellt sich bei der Taufe im Jordan in die Reihe der Zöllner und Sünder, um, wie das Evangelium sagt, die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen. Gerechtigkeit bedeutet in der Sprache der Heiligen Schrift Heiligkeit. Gott möchte das Heil aller Menschen. Darum wendet er sich nicht einer auserlesenen Gruppe zu sondern stellt sich an die Seite derer, die auf der Suche nach dem Heil sind.

    Immer wieder ist es Jesus, der sich direkt den Sündern zuwendet. Denken wir besonders an die Begegnung mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen, mit Zachäus, dem Zöllner, der Ehebrecherin und der Sünderin, die ihn mit ihren Tränen salbt. Jesus begegnet diesen Menschen nicht, um sie zu verurteilen, sondern um ihnen Gottes liebende und vergebende Zuwendung zu schenken. Allein die Begegnung mit ihm verwandelt diese Menschen.

    Als der Immanuel möchte Jesus einem jeden von uns begegnen. Er möchte immer an unserer Seite sein. Seine Gegenwart ist gerade dann wichtig, wenn wir uns in schwierigen Lebenssituationen befinden. Auch wenn uns Menschen verlassen und sich von uns abwenden, weil wir sie enttäuscht, verletzt und gekränkt haben, ist es doch Jesus, der uns immer zur Seite steht.

    Viele Menschen haben, wenn sie gesündigt haben, das Gefühl, dass sie nicht mehr würdig sind, in der Nähe Gottes zu sein. Darum entfernen sie sich Schritt für Schritt von ihm. Gott jedoch verlässt uns nie. Die Sünde ist das, was uns von Gott trennt. Jesus jedoch ist der Gott, der den Sünder umarmt und ihm zur Seite steht, der mit uns zum Vater geht.

     

     

    Die Beichte als Umarmung Gottes

     

    Die Namen „Jesus“ und „Immanuel“ können für uns somit der Schlüssel zu einem neuen Verständnis der Beichte sein. Es geht nicht darum, zu einem Gerichtstermin zu erscheinen, sondern dem zu begegnen, der uns seine bedingungslose Liebe schenken möchte. Für den Beichtenden wie für den Priester ist es entscheidend, sich bewusst zu sein, dass es in erster Linie um eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen geht. Der Beichtende kommt zu Jesus und bekennt ihm seine Sünden und bittet ihn um Vergebung. Der Priester ist derjenige, durch den Gott seine Barmherzigkeit den Menschen schenkt. Die berechtigte Frage, ob er dazu einen Menschen braucht oder nicht, soll ruhig gestellt werden.

    Gott kann auch ohne Vermittler seine Barmherzigkeit schenken. Der Mensch jedoch braucht eine Zusage, das geschieht in der Lossprechung. Die Absolution bedeutet: Jesus heilt dich, er, der Immanuel, ist immer mit dir.

    Vergebung können wir uns nicht selber schenken aber Vergebung wird uns geschenkt. Ohne Vergebung erdrücken uns die Lasten, die wir uns gegenseitig auferlegen. Christus ist es, der uns in der Beichte von jeder Last befreit und uns die Freiheit der Kinder Gottes wieder schenkt.

    Nehmen wir gerade diese Fastenzeit als eine Möglichkeit wahr, uns von Gott umarmen zu lassen und somit als seine Kinder im Haus des Vaters das Fest der Freude zu feiern.

     

     

    P. Elias van Haaren OFM

    von Bischof Egon Kapellari

    Das Öl

     

     

    Charakteristisch für die Vegetation des Mittelmeerraumes und besonders Palästinas ist der Ölbaum, ein zähes Gewächs, das nicht selten Jahrhunderte überdauert. Die nie welkenden Blätter zeigen an der Oberseite ein sanftes Dunkelgrün und sind silbrig an der Unterseite: Das vom österreichischen Dichter Josef Weinheber verwendete Wort „mondsilbergrün“ kommt bei der Betrachtung eines Ölzweiges in Erinnerung. Der kurze, dicke Stamm zerklüftet sich im Alter. Der Baum verjüngt sich durch zahlreiche Wurzelschösslinge und gibt in jedem zweiten Jahr reiche Ernte. Die grünlich-schwarzen Früchte werden vom Baum geschlagen oder geschüttelt und samt den Kernen mit schweren Steinwalzen zerdrückt und dann gepresst.

    Augustinus hat die Bedrängnisse des Christenlebens mit einer Ölpresse verglichen: Aus den Leiden des wahren Christen wird gutes Öl gepresst und rinnt zum Kruge des ewigen Lebens.

     

    Foto von YOUNES BEN AICHA

     

    Vielfältig war von jeher der Gebrauch des Öls. Es linderte Schmerzen, heilte Wunden, stärkte müde Glieder, kühlte die Haut, machte die Athleten geschmeidig für den Wettkampf und diente als „Öl der Freude“ zur Salbung bei Festen und Mählern. Es war auch der Brennstoff für die Lampen: Man erinnere sich an das biblische Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen und an die vielen Öllämpchen, die in den Katakomben gefunden wurden. Heidnische Religionen schrieben dem Öl göttliche Wirkung zu und salbten damit Könige, Priester, neugeborene Kinder und Tote. Kränze aus Zweigen des wilden Ölbaumes waren der Schmuck für die Sieger der olympischen Spiele.

    Das biblische Buch Genesis berichtet, Noach habe aus der Arche eine Taube entsandt, die mit einem Ölzweig im Schnabel zurückgekehrt sei. So habe er erfahren, dass die Erde nach der Sintflut wieder bewohnbar sei. In diesem Zusammenhang wird der Ölzweig zum Symbol des Friedens zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Welt.

    Zur Zeit des alten Bundes wurden Priester, Könige und Propheten, aber auch Kultgegenstände mit Öl gesalbt. Und der vor Gott gerechte Mensch ebenso wie das ganze Volk wurde einem „üppigen Ölbaum von schöner Gestalt“ verglichen.

    Die Christen haben angesichts dieser jüdischen wie heidnischen Tradition die Salbung mit Öl als Zeichen für die Mitteilung des Heiles Gottes schon sehr früh vollzogen. So gab und gibt es Salbungen am Beginn der Katechumenatszeit (Zeit der Vorbereitung auf die Taufe) und bei der Taufspendung, bei Firmung, Priester- und Bischofsweihe und als Krankensalbung. Auch Kirchen, Altäre und anderes heiliges Gerät werden gesalbt. Der in Taufe und Firmung an Stirn oder Scheitel gesalbte Christ erhält Anteil an der königlichen und prophetischen Priesterwürde Christi. Der Duft des Öles ist ein Zeichen dafür, dass der Christ durch sein Leben göttlichen Wohlgeruch in die Welt hinein verströmen soll.

    Katechumenenöl, Krankenöl und Chrisam werden vom Bischof während der Karwoche in einem festlichen Gottesdienst unter Teilnahme möglichst aller Priester geweiht. So wird der Brunnen des Öls in der Diözese für ein Jahr gefüllt.

    Die Sprache des Ölsymbols versteht in ihrer Tiefe wohl nur, wer eine Stunde lang – vielleicht im Mittagslicht – in einem Olivenhain still verweilt hat. Etwa auf den Hügeln bei Siena oder in Dalmatien oder gar auf dem Ölberg gegenüber der Stadt Jerusalem. Eine solche Stunde wäre auch die Zeit einer Besinnung auf die eigene Taufe und Firmung und einer Erneuerung der Kraft dieser Sakramente.

     

     

    Bischof Egon Kapellari

     

    entnommen aus:

     Heilige Zeichen, Styria

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