Freunde, ein Leben lang
Mein Vater ist krank. Schwer krank. Man sieht es ihm nicht an, aber alle in der Familie und alle Menschen, die mit uns wohnen, bekommen es zu spüren. Er ist ein stolzer Mann, der immer Recht hat. Auch wenn er nicht Recht hat, dann tobt und schreit er, wirft mit Gegenständen nach uns und jeder ist in Gefahr. Mein Vater ist König. Sein Name ist Saul. Ich bin also ein Prinz, aber davon spüre ich nicht viel. Mein Name ist Jonatan. Ich habe Geschwister, die viel älter sind, deswegen bin ich viel allein. Für die Kinderfrauen bin ich zu groß und für die Ausbildung zum Kämpfer bin ich zu klein. Wir haben nämlich Feinde. Man Vater hat Angst vor ihnen.

Nach einem seiner Wutausbrüche hat ihm ein weiser alter Mann Hilfe versprochen.
Einige Tage später war die Hilfe da. Er ist jung, hat rotblondes Haar, lachende Augen und unter dem Arm trägt er ein Musikinstrument – eine Harfe, oder Zither, oder so etwas Ähnliches. Er hat sich tief verbeugt und ist mit dem alten Mann und meinem Vater Saul fort gegangen.
Dann war Ruhe, wunderbare Ruhe. Der König war still, hat vernünftig gesprochen und hat sogar gelächelt.

David ist der Name des Jungen. Er spielt dem König Lieder vor, er singt für ihn und lehrt ihn Gebete. Das beruhigt. Immer, wenn sich Unmut oder Angst beim König zeigt, ist David da und singt und spielt! Dem Allmächtigen sei Dank!
Auch ich, Jonatan, habe Freude an David. Wir sind gleich alt. Er hat aber viel mehr Lebenserfahrung wie ich. Er ist Hirte der Schafherden seines Vaters Isai. Er ist gewöhnt, wachsam zu sein und auf seine Tiere aufzupassen. Er kann Vieles, was ich nicht kann. Zum Beispiel mit der Steinschleuder ein Ziel zu treffen. Andererseits wieder gibt es einiges, was er von mir lernt. Wir haben immer dieselben Gedanken und können darüber herzlich lachen. Wir sind beide sehr sportlich und können uns aufeinander verlassen. Ich habe Diener, aber David kann alles allein. Wir teilen unser Essen, wenn wir in den Bergen klettern wie die Ziegen. Und wenn ich mich verletze, hilft mir David. Ich kann sehr gut mit Pfeil und Bogen schießen. David probiert das auch. Ich liebe meinen Freund wirklich sehr! Ich besitze eine Rüstung. Einen Helm und einen Brustpanzer aus Bronze und ein Schwert. David hat darüber gelacht, aber ich habe ihn überredet, die Rüstung anzulegen. Wie er so vor mir gestanden ist, hätte er mich leicht töten können. Ich war ihm ausgeliefert! Er hat es nicht getan!

Immer wieder hat der König meinen Freund David zu seiner Aufheiterung befohlen. Immer wieder ist es David gelungen. Mein Vater hat gewusst, dass wir befreundet sind. Er wollte aber David für sich allein haben und ist eifersüchtig geworden. Er hat uns verboten, Zeit miteinander zu verbringen, also haben wir uns heimlich in den Bergen rund um die Stadt getroffen. Einmal ist David wieder feierlich zum königlichen Mahl eingeladen worden. Er sollte wieder auf der Harfe spielen. Plötzlich hat Saul mit einem wilden Schrei seine Lanze nach meinem Freund geschleudert. David ist flink ausgewichen und am Leben geblieben. Er hat fliehen müssen. Von diesem Moment an haben wir uns nur mehr selten gesehen.
Wir haben uns jedes Mal feierlich voneinander verabschiedet, weil wir ja nicht gewusst haben, ob wir uns in diesem Leben noch einmal sehen werden, und haben beide bitterlich geweint. Damals habe ich noch nicht wissen können, dass David ein großer Held und König von Israel sein wird.


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Einsendeschluss: 15. August 2026
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