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Psalmen – Gebete auf dem Weg /Teil 10

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Psalm 22,2)

Jesu Christi Leidenspsalm1

 

 

Dass Jesus von Nazaret mit den Psalmen vertraut war und sie gebetet hat, geht aus den neutestamentlichen Schriften hervor. Der Psalter war um die Zeitenwende ein beliebtes Gebets- und Meditationsbuch. Er ist das alttestamentliche Buch, das am häufigsten in den Schriften des Neuen Testaments zitiert wird. Mehrfach nehmen die neutestamentlichen Autoren auf Psalmen Bezug, um den Weg Jesu als Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen zu deuten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Psalmen, die nach dem Zeugnis der Evangelien Jesus selbst gebetet oder zitiert hat. Dabei verdient Psalm 22 besondere Beachtung, überliefern doch die Evangelisten Matthäus und Markus diesen Psalm als Sterbegebet Jesu (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34): „Mein Gott, mein Gott, warum / wozu hast du mich verlassen?"2 Auch die dramatische Erfahrung der Gottferne und die damit verbundene Not der Sinnleere sind dem Gott-Menschen Jesus nicht fremd.

 

 

Psalm 22 - Klagegebet mit großem Lobpreis

 

Psalm 22 ist ein Klagegebet, in dem ein Beter seine Not vor Gott ausbreitet. Wie bei Psalm 13 ausführlich dargelegt3, zeigt die Klage eine klare Struktur. Sie beginnt (1) mit der Anrede Gottes, selbst wenn dieser als abwesend erfahren wird. Sodann nennt der Beter (2) die Not beim Namen, die in ihren verschiedenen Dimensionen beschrieben wird.4 Auf die Notschilderung folgt meist (3) eine Vertrauensäußerung. Um aus der Not herauszufinden, gilt es auch die Kräfte des Vertrauens zu bündeln. Die (4) Bitte um Veränderung der notvollen Lage durch das Handeln Gottes schließt die Bereitschaft des Beters mit ein, am Veränderungsprozess mitzuwirken. Ein (5) Lobgelübde oder ein Dankgebet beschließt die Klage. Dieser Gebetsweg von der Not, über das Vertrauen und die Bitte bis hin zu Lobpreis und Dank ist zugleich ein therapeutischer Weg der Heilung. Die soeben erwähnten Elemente finden sich auch in Psalm 22, doch sind sie variiert. Um die Abgründigkeit des Leids aufzuzeigen, wird der Klageweg in mehreren Anläufen begangen und in drei Phasen beschrieben (V 2–22). Aber auch der sich anschließende Lobpreis (V 23–32) entfaltet sich in einer dreifachen Bewegung.

 

 

 

V2-6: Von der Klage zum Vertrauen (erste Phase)

 

     V 2–3: Von Gott verlassen: Mit dem doppelten Anruf Gottes „mein Gott, mein Gott“ beginnt der Beter seine Klage, erlebt er doch Tag und Nacht, also allezeit, die Abwesenheit Gottes. Gott, dessen Nähe er sucht, ist ferne. Er antwortet nicht auf des Beters flehendes Gebet, das er in ruhelosen Nächten zu Gott schickt.

     V 4–6: Vom Gottvertrauen der Väter: Auf die eröffnende Klage folgt eine erste Vertrauensäußerung. Doch spricht der Beter nicht von seinem eigenen Vertrauen, sondern von dem der Väter. Der Rückblick in die große Glaubensgeschichte des Gottesvolkes zeigt ihm: Das Vertrauen der Väter hat sich bewährt. Sie vertrauten auf Gott und wurden gerettet. Im Lobpreis des heiligen Gottes durften sie an das göttliche Geheimnis rühren (V 4). Die Erfahrung, mit den Vätern und Müttern im Glauben an Gott verbunden zu sein, wird klagenden Betern häufig zur Antwort auf ihre Not. Vom lebendigen Glauben des Gottesvolkes getragen, überwinden sie ihre Einsamkeit. Ganz anders in Psalm 22.

 

 

V 7-12: Von der Klage über das Vertrauen zur Bitte (zweite Phase)

 

     V 7–9: Verlorene Menschenwürde: Die Erinnerung an den bewährten Glauben früherer Generationen führt den Beter von Psalm 22 jedoch in eine noch tiefere Not und Einsamkeit. Er erfährt das Gegenteil: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch …“. Spott und Verachtung der Menschen rauben ihm jegliches Selbstvertrauen. Wird der Hohn der Menschen und ihr zynisches Verhalten ihn zugrunde richten?

     V 10–11: Du – mein Schöpfer: Während Menschenverachtung ihn zugrunde zu richten droht, wird der Beter auf den Lebensgrund zurückgeführt, auf die Wurzel seiner Existenz. Er geht in einem anderen Sinn „zu-Grunde“. Vom Mutterschoß an – so sein grundstürzendes Gottvertrauen – bin ich geworfen auf dich. Vom ersten Atemzug an bist du mein Helfer. Mit diesem in der Not geborenen Vertrauen auf den Gott seines Lebens, aus diesem Urvertrauen öffnet sich der Gebetsweg erstmals hin zur Bitte.

     V 12: Sei nicht fern! Aus der Kraft des Vertrauens heraus wagt der Beter eine erste Bitte, in der der Notschrei von V 2 aufgegriffen wird: „Du bist fern“ (V 2) – „Sei mir nicht fern!“ (V 12). Nicht Gott ist nahe, sondern die Not. Nur Gottes Nähe kann ihn retten. Er ist der einzige wirkliche Helfer, dessen ist er sich gewiss.

 

 

V 13-22: Von der Klage über die Bitte zum Vertrauen (dritte Phase)

 

     V 13–19: Vom Tod umfangen: Nach der Bitte von V 12 bricht der Gebetsweg erneut ab und wird zur verzweifelten Klage. Zerstörerische chaotische Kräfte umgeben den Beter und bedrängen ihn außen wie innen, so dass ihm nicht nur der Lebensraum, sondern auch der Lebensatem genommen wird. Wilde Tiere wie Stiere, Büffel und Löwen (V 13–14) gelten in der Ikonographie des Alten Orients als Symbole für das zerstörerische Chaos. Hinter den Tiermetaphern verbirgt sich abgründig die Bosheit von Menschen (V 17: „Hunde“ – „eine Rotte von Bösen“), die den Beter an Leib und Leben gehen. Und wenn sie sich seiner Kleider bemächtigen, dann gilt er ihnen bereits als lebendig Toter. Zugleich erfährt der Beter, wie er innerlich zerbricht, die Lebenskräfte schwinden, seine Identität löst sich auf („mein Herz ist geworden wie Wachs“), die Kommunikation mit der Außenwelt bricht ab („die Zunge klebt mir am Gaumen“). Und das Schrecklichste dabei – Gott selbst scheint in all dem am Werk zu sein: „Du legst mich in den Staub des Todes“ (V 16). Dieser Tiefpunkt der Klage markiert aber zugleich auch die Wende. In seinem abgründigen Leid sucht der Beter Gott nicht länger außerhalb, sondern mitten im Leid. Auch wenn diese Wahrnehmung zunächst unerträglich ist, so wird die befremdend erlebte Nähe Gottes zum Ort der Wandlung.

     V 20–22b: Bitte um Gottesnähe und Rettung: Im Rückgriff und in Anspielung auf die Bitte von V 12 und auf die Klage von V 2 wendet sich der Beter in einer vierfachen Bitte an seinen Gott: „Halte dich nicht fern!“ – „Eile mir zu Hilfe!“ – „Entreiße mein Leben …!“ – „Rette mich!“ Dieser eindringlichen Bitte um das rettende Eingreifen Gottes liegt zugleich das Vertrauen zugrunde, dass der mitten in seiner Not gegenwärtige Gott nicht nur die Stärke und Macht besitzt, die chaotischen, lebenszerstörenden Kräfte zu überwinden und zu besiegen, sondern aus der Sphäre des Todes neues Leben zu wecken.

     V 22c: Vertrauensbekenntnis: „Du hast mir Antwort gegeben.“ Mit dieser knappen Aussage endet der erste Teil des Psalms. Da die Vergangenheitsform des hebräischen Perfekts auch eine mit Gewissheit erwartete künftige Rettung ausdrücken kann5, lässt sich V 22c als festes Vertrauensbekenntnis deuten, obwohl die Rettung noch aussteht.6

 

 

Ein dreifacher, die Grenzen sprengender Lobpreis

 

Zum Klagegebet gehört als letztes Strukturelement ein Dank oder / und ein Lobpreis. In Ps 22 umfasst dieser Lobpreis, der sich ebenfalls in drei Phasen vollzieht, nicht nur den Beter, sondern weitet sich auf die gesamte Welt aus, ebenso auf Vergangenheit und Zukunft. Das zuvor beschriebene Leiden des Gerechten löst somit aufgrund seiner Rettung ein universales Gotteslob aus.

     V 23–25: Lobpreis des Beters und Israels: Mit einer Selbstaufforderung zum Lobpreis wendet sich der Beter an seine Brüder, das ganze Gottesvolk. Alle Kinder Israels sollen in diesen Lobpreis einstimmen. Begründet ist der Lobpreis mit der fürsorgenden Liebe Gottes für die Elenden und Armen.

     V 26–29: Lobpreis der gesamten Völkerwelt: Beim Vollzug seines Lobgelübdes weitet sich der Horizont des Beters auf alle Völker hin: „Alle Enden der Erde sollen […] sich zum HERRN bekehren.“ Gebührt doch Gott und nur ihm das Königtum. Er, und nur er ist der wahre Herrscher der Nationen, keiner sonst.

     V 30–32: Lobpreis als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Nicht nur überall, sondern zu allen Zeiten geschieht der Lobpreis. Der Beter bezieht die bereits Verstorbenen („die in den Staub gesunken sind“) mit ein, aber auch kommende Generationen: das künftige Geschlecht, künftige Generationen, die noch nicht geboren sind. Und dies alles ist das Werk Gottes, der durch das Schicksal des abgründig leidenden Gerechten handelt.

 

 

Psalm 22 als Gebet Jesu

 

Was ist die Botschaft von Psalm 22? Ein von den Menschen Verachteter und Geschmähter verlässt sich ganz auf JHWH. Er durchmisst die Erfahrung der Gottferne, lässt aber nicht los von seinem Gott. Er sucht seinen Gott vielmehr dort, wo er nach gängiger Überzeugung nicht mehr ist und nicht mehr wirkt: im Staub des Todes. Dieser Verachtete, der um sein Gottvertrauen ringt und kämpft, wird von eben diesem Gott gerettet. Er verkündet diese Rettungserfahrung. Sein Zeugnis hat eine Leben verändernde und die Welt bewegende Bedeutung.

Wer ist dieser Mensch? Er ist ein exemplarisch Gerechter. Er ist der Typos eines Menschen, der zu JHWH gehört, der Gerechte schlechthin. Er hängt ganz und gar an seinem Gott. Zugleich ist seine Existenz hingeordnet auf Israel, auf das gesamte JHWH-Volk als ideale Größe. Ja weiter: Das Leben und die Erfahrung dieses Menschen ist bedeutsam für die gesamte Menschheit in Raum und Zeit, also überall und jederzeit.

Den Evangelisten Markus und Matthäus diente dieser Psalm als Vorlage für ihre Passionserzählung. Leben und Sterben Jesu zeigen ein grundstürzendes Gottvertrauen. Seine Rettung, seine Auferweckung aus dem Tod durch den Vater hat eine welt- und geschichtsverändernde Bedeutung: Rettung für alle Welt und alle Zeit. Durch und durch österlich!

 

 

Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Universität Augsburg

 

Nächste Nummer:

„Er setzt den Kriegen ein Ende“ (Ps 46,10)

Psalm 46 als Friedenslyrik

 


 

 

Wie ernst das Sterben für den, der an den Vater glaubt, bleibt, ja wird – wer hat uns dies deutlicher gezeigt als Jesus, als der Sohn selbst, im Schrei seiner Gottverlassenheit? Wir können nie mehr auf einem andern Weg in den Tod und durch den Tod gelangen als in ihm, der für uns, an unserer Stelle gestorben, unseren Tod gestorben ist. Und so begegnen wir ihm in unserem Sterben zweimal: Er geht mit an unserer Seite durch den Tod – er erwartet uns zugleich bereits hinter der Pforte. Wir sterben mit ihm und sterben in ihn hinein. Es ist uns nicht verheißen, dass wir dies in jener Stunde als lindernden Trost empfinden werden, aber es ist uns geschenkt, es jetzt glaubend zu ergreifen: Du wirst mitgehen, es wird keine Wegstrecke geben, die nicht in deinem Weg für uns und mit uns drinnen ist.

 

Bischof Klaus Hemmerle, Gerufen und verschenkt, 54

 

 

Osteraugen

Ich wünsche uns Osteraugen,

die im Tod bis zum Leben,

in der Schuld bis zur Vergebung,

in der Trennung bis zur Einheit,

in den Wunden bis zur Herrlichkeit,

im Menschen bis zu Gott,

in Gott bis zum Menschen,

im Ich bis zum Du

zu sehen vermögen.

Und dazu alle österliche Kraft!

 

Bischof Klaus Hemmerle, Ostern 1993

 

 

[1] Da Psalm 22 sehr umfangreich ist, kann nicht der ganze Text abgedruckt werden. Es sei deshalb angeraten, die folgenden Erläuterungen im Text der Bibel mitzuverfolgen.

[2] Das hebräische Fragewort lāmāh bedeutet wörtlich „auf was hin, wozu?“ (lā = zu māh was), stellt primär die Frage nach dem verborgenen Sinn. Insofern ließe sich statt „warum?“ (aus welchem Grund?) besser mit „wozu?“ übersetzen: „Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?“

[3] Siehe die Überlegungen zu Psalm 13, in: Betendes Gottes Volk Nr. 301 (2025/1), S 12–14.

[4] Die Grund-Not besteht meist in der leidvollen Erfahrung der Abwesenheit Gottes. Häufig klagt der Beter auch über das Auftreten von Feinden und Verleumdern oder er bringt seine eigene innere Bedrängnis und Zerrissenheit zum Ausdruck. Damit werden die Grunddimensionen menschlicher Existenz ergründet: Gottes- und Nächstenliebe wie eine gesunde Selbstliebe und Selbstannahme.

[5] Die Hebraisten sprechen vom perfectum confidentiae („Perfekt des Vertrauens“) oder vom perfectum profeticum („prophetisches Perfekt“). Das bedeutet: Ein zukünftiges Geschehen wird im Perfekt formuliert, um die Gewissheit auszudrücken, dass die heilvolle Zukunft bereits Wirklichkeit ist und gewiss kommt.

[6] Andere verstehen die Perfektform des hebräischen Verbums so, dass zwischen vorhergehender Bitte 20–22b und der Vertrauensäußerung ein gewisser Zeitraum anzunehmen sei, eine eher unwahrscheinliche Deutung. Eine dritte Variante: Da das hebräische Perfekt in einigen Fällen auch einen vorausgehenden Imperativ fortführen kann, übersetzen sie V 22c als Bitte. So etwa die Einheitsübersetzung von 1980.

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