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Getaucht in die Herrlichkeit des Herrn

 

Seit vergangenem Jahr haben wir im neuen Refektorium (Speiseraum) des Wiener Franziskanerklosters ein zeitgenössisches Bild vom Letzten Abendmahl hängen. Es stammt von unserem Mitbruder P. Sandesh Manuel, der nicht nur einer breiteren Öffentlichkeit als Sänger und christlicher Influencer bekannt ist, sondern der sich immer wieder auch als bildnerischer Künstler versucht. Religiöse Gegenwartskunst kann zwar immer wieder einmal polarisieren und wird gerade von Insidern nicht selten mit Recht hinterfragt bzw. kritisch oder gar religiös verletzend gesehen. In diesem Falle ist dem nicht so. Die Darstellung und Gestaltung des Bildes von P. Sandesh findet interessanterweise gerade bei älteren Semestern Anerkennung und Akzeptanz.

 

 

Thema

 

Im großen historischen Refektorium des Franziskanerklosters in Wien hängen neben vielen Ordensheiligen an zentraler Stelle zwei Spitzbogenlünetten des Malers Franz Xaver Wagenschön (um 1760), welche die eucharistischen Themen Fußwaschung im Abendmahlssaal und Brotbrechen zu Emmaus aufgreifen, erstaunlicherweise jedoch nicht das in Klöstern gängige Standardprogramm des Letzten Abendmahls selber.

Sozusagen in Ergänzung haben wir P. Sandesh gebeten, ein solches für das neue Refektorium zu malen.

 

 

Komposition

 

Leonardo da Vinci hat mit seinem Letzten Abendmahl für das Refektorium des Mailänder Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie den bis heute gängigen Urtypus der thematischen Verarbeitung und Komposition geschaffen. P. Sandesh greift diesen auf und entwickelt ihn seinerseits weiter. Das zentrale Geschehen jener Nacht vor der Passion des Herrn wird gleichsam in den Raum der Schöpfung gestellt und ihm so eine universale Bedeutung zugesprochen. Das familiäre Paschamahl des Freundeskreises in der Enge des Obergemachs bricht vorausdeutend hin auf den weiten Erdkreis. Der Tafel-Altar steht quasi in den perspektivischen Fluchtlinien allen Seins und wird dadurch zu jenem Mittelpunkt, von dem her und auf den hin alles in Beziehung gesetzt wird. Im Vordergrund sehen wir verschiedene Dimensionen der Schöpfung angedeutet, die durch die Tafel zusammengehalten und vom Geschehen des neuen Paschaereignisses von Christus berührt und durchdrungen werden. Die Komposition lässt spirituell einen franziskanischen Hintergrund erkennen, der Gott, Mensch und Schöpfung in einer Breitenschau verbindet.

 

 

 

Gestalten

 

In stark reduzierter Formensprache erkennen wir schemenhaft Gestalten um den Tisch versammelt. Entgegen den biblisch angedeuteten Gepflogenheiten ist ihre Körperhaltung weder sitzend noch liegend, sondernd P. Sandesh lässt sie beinahe ausdruckslos dastehen, ohne Gestik und Mimik. Arme oder Hände sind nicht auszumachen, keine Eigeninitiative ist von den Aposteln her zu erkennen. Sie dienen lediglich als zurücktretende Kulisse für das Wesentliche, die aus innen heraus strahlende Mitte. Wie von einer Monstranz goldfließender Dynamik exponiert, können wir den zur Eucharistie gewordenen Herrn erahnen. Von ihm als gleichbleibendem Ruhepol stäuben die Strahlen des goldenen Lichts des Ostermorgens zentrifugal in alle Richtungen auseinander und lassen die Figuren aus dem eigenen Schatten treten. Von ihm her bekommen die Elf zusehends Plastizität und werden von dunkler Masse zu anbrechender Neuschöpfung. Nur der Zwölfte links außen lässt sich offensichtlich nicht durchdringen von der ausrinnenden Strahlkraft der Mitte; er bleibt mit seiner eigenen Geschichte scheinbar beschäftigt, in sich gekehrt und dem unseligen Geldbeutel sich zuwendend, dessen silberner Inhalt gegen göttlich goldenen Lebenskleckser immun bleiben muss. In uns allen schlummert dieses tragische Moment dessen, der im Verrat ausliefernd die eigene Berufung verratend sich selbst der bleibenden Finsternis ausgeliefert hat; es(er) war aber und blieb aber Nacht …

 

 

Universum

 

Wenn wir nun den Blick nach unten gleiten lassen, so treten wir ein in die imaginäre Welt von Puzzleteilen, die in ihrer Gesamtheit das Chaos im Urmeer des Seins andeuten mögen, das noch im Spannungsfeld von Erst- und Neuschöpfung schwimmt. Das ordnende und am Paschaaltar des Abendmahlsaals wieder Fleisch gewordene „Es werde“ ist erst im Anbruch, die scharf abtrennende Horizontallinie zum Ort des belebenden Geschehens hin muss erst durch den quasi eucharistischen Urknall durchdrungen und beseelt werden. Die Goldsträhnen und -patzen göttlicher Herrlichkeit (Kabod) sind erst dabei, sich schaffend, ordnend und Durchlässigkeit ermöglichend herein zu ergießen. Bleibende Neukreation ist im Anbruch, ausgehend vom Herrenleib beginnen die Abgrenzungen aufzuweichen und von den Rändern her bereits zu zerfließen, hineingelöst in die mehr und mehr Raum erfüllende Gegenwart des eucharistischen Erlösers.

 

 

Gemeinschaft

 

Das Abendmahlsbild von P. Sandesh hängt über Brüdern und Gästen, die sich zum Mahl oder geselligem Beisammensein (Rekreation) versammeln. Insofern ist es weit mehr als bloß fromme Deko in moderner Formensprache. Es ist Ermutigung und Anspruch zugleich. Gerade eine klösterliche Gemeinschaft mit einer gewissen Offenheit nach außen hin, darf das Dargestellte beständig als Meditationsbild in Augenschein nehmen. Es zeigt die alles konstituierende Mitte des gemeinsamen Weges, den eucharistischen Herrn in Passion und Auferstehung, der all jene verbindet, die das Dunkel des eigenen Unvermögens in den Lichtkegel Gottes stellen. Geistliche Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander, das gilt natürlich auch für den größeren Kreis der Kirche, ja der ganzen Schöpfung, ist Geschenk Gottes, das es täglich neu dankbar anzunehmen und zu pflegen gilt. Das ist ja zugleich das Wesen der Eucharistie, pure Danksagung für die Gegenwart Gottes, dessen bleibendes Mit-Sein (Immanuel-Sein) Leben ermöglicht, gemeinsames Leben in Fülle.

 

P. Oliver Ruggenthaler OFM

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