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In der heiligen Messe werden wir das nicht ändern können, aber wir sollen uns bewusst machen, dass der Herr tatsächlich mit uns ist. Als Mensch kann er unsere Nöte verstehen, als Gott kann er uns beistehen. Ja, aber warum geht es dann in der Kirche drunter und drüber: Memorandum deutscher Theologen, Aufruf zum Ungehorsam unter österreichischen Priestern ...? Unter diesen Appellen war auch die Bitte, um die Erneuerung der Kirche zu beten. Sollte die nicht bei uns und den Unterzeichnern selbst beginnen? (Gleichnis vom Splitter und Balken!) Die Kirche muss zuerst von innen her erneuert werden. Und dann: Wann haben Sie die letzte Predigt über den Himmel gehört, die Sie fasziniert hat? Meine Überzeugung: Wenn Sprünge im Kirchengewölbe sind, kann man nicht diskutieren, wo man den Altar errichtet. Ohne Bild: Wenn Grundfragen unseres Glaubens kaum zur Sprache kommen, sollten wir nicht unser ganzes Augenmerk auf sekundäre Fragen richten. Damit meine ich: Auch diese Fragen sollte man sachlich (ohne Medien) und vielleicht mit mehr Tempo behandeln. In Österreich steigen die Schulden pro Sekunde um 500 Euro. Und in den anderen EU-Ländern (von anderen Staaten gar nicht zu sprechen) wird es kaum anders sein. Kann das auf die Dauer gut gehen? Und manche bangen: Wann kommt der große Crash? Wie also der Krise in Kirche und Welt entgegentreten? Mir kommt hier das Wort von Martin Heidegger in den Sinn: „Nur ein Gott kann uns retten.“ Beten wir, wie schon angeregt, für die Kirche das Gesätz vom Rosenkranz: „Der in seiner Kirche lebt und wirkt.“ Beten wir vor allem in der Eucharistiefeier am Sonntag für diejenigen, die in der Kirche eine besondere Aufgabe haben. Beten wir am Montag für jene, die für eine friedliche und gerechte Entwicklung der Gesellschaft verantwortlich sind. Wir werden im „Betenden Gottes Volk“ darüber hinaus versuchen, konkrete Möglichkeiten des Handelns aufzuzeigen. Trotz der genannten, sehr ernst zu nehmenden Probleme, darf ich doch an den Schluss das Wort Nehemias, des Statthalters von Jerusalem, setzen. Unter großen Mühen und Widerständen gelang es ihm, die Stadtmauer zu errichten. Und er ermutigte seine Landsleute mit den Worten: „Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10). Ruft uns zu dieser Freude und diesem Vertrauen nicht noch viel mehr die Geburt Jesu in Betlehem auf, denn „der Herr ist mit uns“? Mit herzlichen Grüßen und Segen, Ihr P.Benno Mikocki ofmJesus Christus –die Brücke zwischen Gott und Mensch
Der Tsunami und der liebe Gott
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Mirjam, ein Erstkommunionkind, geht mit ihrem muslimischen Freund Mustafa von der Schule nach Hause. Sie kommen auf Jesus zu sprechen. Energisch meint der kleine Moslem: „Gott kann doch keinen Sohn haben!“
Nicht nur Moslems, auch Christinnen und Christen lehnen Jesus als Sohn Gottes, als Gott, ab.
In drei wichtigen Sätzen führt uns das Johannesevangelium gleich zu Beginn zur Gottheit Jesu hin: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1,1).
Die Worte „Im Anfang“ erinnern an die ersten Worte der Bibel: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Im Unterschied zur Genesis ist aber nicht davon die Rede, dass das Wort geschaffen wurde: das Wort existiert zeitlos, ewig. Dasselbe sagt Jesus im Gespräch mit den Juden: „Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Joh 8,58). Hier wird schon deutlich, dass das „Wort“ niemand anderer ist als der Sohn Gottes.
„Das Wort war bei Gott.“ Dieses „Sein bei Gott“ wird als Gemeinschaft in der Herrlichkeit, als Einheit der Liebe, Erfülltsein mit dem Leben Gottes beschrieben. Diese Aussagen zusammenfassend heißt es: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Diese Einheit ist aber eine Einheit in der Zweiheit, eine personale Gemeinschaft.
„Und das Wort war Gott.“ Dies ist der Höhepunkt der Aussagen über das Wort. Hier wird ausgesagt, dass das Wort von göttlicher Art ist. Bei aller Unterschiedenheit von Gott und Wort sind doch beide durch das eine göttliche Wesen geeint.
Das Großartigste im ganzen Universum
Vor dem Glaubensbekenntnis der Gottheit Jesu und dann der Dreifaltigkeit kapitulieren viele Christen: Das muss man halt glauben, auch wenn man’s nicht versteht. Aber hat uns Gott mit dem Gehirn nicht das großartigste Instrument im ganzen Universum gegeben? Und will er uns nicht Schritt für Schritt in seine Geheimnisse einführen, obwohl wir sie nie ganz begreifen werden?
So versucht der heilige Augustinus, das Geheimnis der Dreifaltigkeit unserem Verständnis näher zu bringen: Der Vater erkennt sich selbst. Diese Selbsterkenntnis ist umfassend, gleichsam mit einem Blick schaut er alle Tiefen seiner Gottheit so genau, dass diese Selbsterkenntnis zum vollkommenen Ebenbild wird, und dieses Ebenbild wird zum lebendigen Gegenüber, zur zweiten göttlichen Person, die aber dasselbe eine göttliche Wesen besitzt. Der Vater liebt den Sohn und der Sohn liebt den Vater; diese wechselseitig strömende Liebe ist wieder so etwas Lebendiges, dass sie die dritte göttliche Person wird, wieder im Besitz des einen göttlichen Wesens. Diese innergöttlichen Beziehungen gibt es von Ewigkeit her, das eine göttliche Wesen war immer in drei Personen. Falsch wäre jedenfalls die Vorstellung, die in der Dreifaltigkeit drei unabhängige Personen sieht mit je eigenem Willen und Wesen. Die Einheit in Gott ist auch deshalb zu betonen, weil uns Christen vom Islam und Judentum Vielgötterei vorgeworfen wird.
Zwei Vergleiche: Wenn ich in einen Spiegel schaue, entsteht ein Ebenbild von mir. Es hat alles von mir und ist doch unterschieden von mir. Zum ewigen Wort: Wenn jemand sich ganz mir anvertraut, sagen wir: Er hat mir sein Herz ausgeschüttet. So – natürlich unendlich mehr – hat der Vater sich im ewigen Wort sein Herz, sein innerstes Wesen, ausgeschüttet. Schwache Vergleiche, aber wir dürfen uns mit Bildern aus unserer Erfahrungswelt an das tiefste Geheimnis Gottes herantasten.
Ist das zu abgehoben, hat das mit unserer Wirklichkeit zu tun? Die Menschen, besonders auch die Großen der Erde, sprechen von „Verantwortung“. Die Frage ist nur: Wem müssen sie für ihr Tun Rede und Antwort stehen? Wir glauben, dass diese letzte Instanz Jesus Christus ist: Ihm ist „alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18). Wer diesen Herrn, vor dem wir unser Tun zu verantworten haben, leugnet, wird leicht den Satz gebrauchen: „Lasst uns das Leben genießen, denn es gibt wahrscheinlich keinen Gott.“ Erleben wir nicht die tragischen Folgen dieser Weltanschauung?
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2 Einst hast du, Herr, dein Land begnadet und Jakobs Unglück gewendet,
3 hast deinem Volk die Schuld vergeben, all seine Sünden zugedeckt,
4 hast zurückgezogen deinen ganzen Grimm und deinen glühenden Zorn gedämpft.
5 Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, lass von deinem Unmut gegen uns ab!
6 Willst du uns ewig zürnen, soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?
7 Willst du uns nicht wieder beleben, so dass dein Volk sich an dir freuen kann?
8 Erweise uns, Herr, deine Huld, und gewähre uns dein Heil!
9 Ich will hören, was 10 Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
11 Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
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Der Einleitungsteil ist von einem dankbaren Blick in die Vergangenheit gekennzeichnet. Aus der dankbaren Perspektive der Vergangenheit betrachtet soll JHWH so handeln, wie er dies früher getan hat. Es geht um die Wiederholung des im wahrsten Sinne des Wortes „wundervollen“ Anfangs der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk.
Betrachtet man den Text von seiner Wortbedeutung her, geht es nicht nur um eine Wende des gegenwärtigen Schicksals, sondern um eine Wiederherstellung des früheren. Es geht auch um den politischen Hintergrund, der dem Psalm zugrunde liegt. Das babylonische Exil ist zwar zu Ende, aber die gewünschten Erwartungen haben sich (noch) nicht erfüllt. Die Perser sind als (Fremd-)Herrscher im Land, in dem gesellschaftliche Konflikte und religiöser Streit vorherrschen. Insgesamt betrachtet ist die Lage somit unbefriedigend.
Hier beginnt thematisch der zweite Teil des ersten Abschnitts. In der Form eines Imperativs wird Gott aufgefordert, einzugreifen und sein Volk wieder aufzurichten. Der Unmut des Herrn soll sich dabei in Wohlgefallen wandeln. Das innere Verlangen des Volkes nach Versöhnung und Neuanfang mit Gott treten hier in den Vordergrund. Das Anliegen, Gott gnädig zu stimmen, kommt auch in anderen Psalmen zum Ausdruck (vgl. Ps 126). Gott schenkt allen, die ihn darum bitten, sein Heil. In dieser Haltung tritt ein betender Mensch bzw. ein ganzes Volk vor Gott. Mit dieser Haltung verbindet sich aber auch eine Ungeduld, dass das Heil so lange auf sich warten lässt. Darin schwingt die Angst mit, dass sich Gottes Heil auf ewig verzögern könnte.
Zur Einleitung des zweiten Abschnitts wird das Hören thematisiert. Auf Gott zu hören, genau darauf kommt es an. Es handelt sich dabei auch um eine zeitlose Anfrage an uns. Inwieweit sind wir dazu bereit, auf das Wort Gottes zu hören? Sind wir dafür offen, uns immer mehr mit Gottes Wort auseinanderzusetzen? Hier erfolgt auch ein inhaltlicher Schwenk. Das Wort ist kein Wort des Zornes, sondern eine Friedensbotschaft. Das Wort schalom in der hebräischen Bibel muss in einem umfassenden Sinn gesehen werden. Es meint ein Geschehen, das dem Volk als ganzem und jedem/jeder Einzelnen all dies bringt, was alle brauchen, um zufrieden, glücklich und heil zu sein. Dabei ist eine Fülle angesprochen, sodass alle „genug“ haben.
In einer sprachlich kunstvollen Komposition wird das Kommen des Heils beschrieben. Eine wichtige Tatsache wird auch betont: Das Kommen Gottes hat bereits begonnen. Die vier wichtigen Eigenschaften „Güte“ und „Treue“ bzw. „Gerechtigkeit“ und „Frieden“ sind nicht irgendwo in einem Versteck oder in einer passiven Wartestellung, sondern sind unmittelbar gegenwärtig. Sie sind dort gegenwärtig, wo sich ein Mensch für die Botschaft Gottes öffnet. In einem solchen Fall kann diese Botschaft nicht nur zu diesem „Hörer“ kommen, sondern sie wird vielfach weitergetragen.
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1. Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast
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[Für den Chormeister. Nach dem Kelterlied. Ein Psalm Davids.] 1 2 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
4 Seh' ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:
8 All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, 9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht
10 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
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Wie groß und ehrfurchtgebietend ist der Name Gottes! Sind wir uns dessen auch bewusst, wenn wir ihn aussprechen? Haben wir die notwendige Ehrfurcht vor diesem Namen? Die Anrufung des Namens Gottes bietet in jeder Lebenslage Schutz und Hilfe. Die Ausbreitung seiner Hoheit über den Himmel ist ein Zeichen seiner Hoheit und Souveränität. Staunend stellt der Beter die Größe Gottes fest, wenn er den Himmel bewundert. Der hebräische Text dieses Verses bietet verschiedene Auslegungsvarianten. Eine mögliche Interpretation ist die: Gott kann sich aus dem Nichts oder Fast-Nichts an Macht, das Säuglinge vorzuweisen haben, ein Bollwerk zubereiten. Dieses ist so stark, dass seine Feinde verstummen müssen. Gott bedient sich oft nicht der Großen und Starken, sondern der Kleinen und Schwachen, um seinem Werk zum Durchbruch zu verhelfen. Das müssen auch seine Gegner und Widersacher anerkennen.
Es erhebt sich die Stimme eines einzelnen Sängers, der zum leuchtenden Sternenhimmel emporblickt. Dieser Himmel mit seinen Milliarden Sonnen kann uns eine Ahnung von Gottes Größe vermitteln.
Was ist hingegen der Mensch? Diese philosophische Frage reflektiert auf hohem Niveau über das Wesen des Menschen und seine hohe Stellung im Kosmos. Sie wurde schon von verschiedenen Seiten immer wieder gestellt und dient auch dazu, über das Menschsein nachzudenken. Hier ergeht auch eine Frage an uns Menschen: Wie bemühen wir uns, unserer menschlichen Verantwortung gegenüber der Schöpfung und den anderen Geschöpfen gerecht zu werden? Konkret angesprochen sind hier ohne Ausnahme alle Bereiche unserer Gesellschaft.
Hier wird die besonders hohe Würde des Menschen betont. Er wird eng an Gott herangeführt. Das bedeutet konkret: Der Mensch hat unmittelbar unter den himmlischen Wesen, die Gottes königlichen Thronsitz umgeben, seinen ihm von Gott zugewiesenen Platz in der Schöpfung. Er hat nicht nur einen Platz in der Schöpfung, sondern einen ganz zentralen und wichtigen noch dazu.
Der Mensch ist von seiner Stellung her so etwas wie ein Treuhänder Gottes. Der Schöpfer und Weltherrscher Gott übergibt dem Menschen wie einem von ihm eingesetzten König die Welt. Die Frage, die sich daraus für uns im weiteren Zusammenhang ergibt, ist, wie wir dieser Verpflichtung nachkommen. Es geht wie in Vers 5 auch hier um die Verantwortung gegenüber der Schöpfung und dem Planeten Erde auch den nachfolgenden Generationen gegenüber. Wie werden wir ihr gerecht?
Der Macht- und Herrschaftsbereich des Menschen wird immer mehr erweitert. Es erfolgt eine beispielhafte Aufzählung des Herrschaftsbereiches, die inhaltlich immer mehr gesteigert wird. Nicht nur die Tiere im Bereich des Hauses und Hofes sind dem Menschen untergeordnet, sondern auch die Tiere des Feldes fallen in seinen Herrschaftsbereich. Eine logische Konsequenz für den Alltag wäre beispielsweise, hier auch immer wieder über einen verantwortungsbewussten und zeitgemäßen Tierschutz nachzudenken.
Der Kreis schließt sich. Wie in Vers 2 wird nochmals auf die ehrfurchtgebietende Größe Gottes eingegangen. Es wurde teilweise die Frage aufgeworfen, warum sich der Vers mit fast gleichem Inhalt im Psalm verdoppelt? Die Ansicht mancher Exegeten wird hier richtig sein, die betonen, dass die Wiederholung eine wichtige Botschaft des Psalms darstellt.
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Psalm 8 behandelt die Herrlichkeit des Schöpfers und die Hoheit des Menschen. Beide Punkte sind untrennbar miteinander verbunden und können nicht isoliert voneinander gesehen werden. Der Mensch hat von Gott unfassbare Herrschaftsbefugnisse verliehen bekommen und ist mit Ehre und Majestät gekrönt worden.
Daraus sollen aber auch die entsprechenden Früchte in seinem Leben sichtbar werden. In Jesus Christus wird die Erfüllung der im Psalm 8 verkündeten Herrlichkeit sichtbar.
P. Franz Müller OFM
1 Vers 1 ist die Überschrift zum Psalm. Sie hängt nicht mit der Entstehung des Psalms zusammen und wird daher nicht kommentiert.
Maria hat in Fatima sechsmal darum gebeten, um den Frieden zu beten, und zwar um den Frieden der Waffen. Heute ist ein wichtiges Problem die Finanzkrise, die auch zu Unruhen führen könnte. Deshalb sollen wir wachsam diese Entwicklung mit unserem Gebet begleiten.
Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit, Zweckmäßigkeit und den Umfang einer Finanztransaktionssteuer 1 füllt bereits Bände. Es ist daher geboten, die Problematik auf den Punkt zu bringen:
Worum geht es eigentlich? Es geht um die Einführung einer allgemeinen Kapitalumsatzsteuer, gegen die sich die auf den Finanzmärkten Tätigen verständlicherweise mit allen möglichen Argumenten wehren. Es wird bei einer Steuer von 0,1 Prozent des Umsatzes der Weltuntergang ausgerufen.
Würde es noch keine Umsatzsteuer auf alle Waren und Dienstleistungen geben, dann würde ihre Einführung mit viel gewichtigeren Argumenten bekämpfbar sein: Sie erhöht nämlich die Preise und vermindert dadurch höhere Umsätze (Wirtschaftswachstum), und sie ist asozial, weil sie Arme und Reiche in gleichem Maße trifft.
Die Umsatzsteuer ist jedoch die ertragreichste Steuer in allen Staaten, ist einfach einhebbar und dient zur Finanzierung der Ausgaben für das Gemeinwohl. Soziale Härten können durch Transferzahlungen ausgeglichen werden.
Nun kurz zur Entstehungsgeschichte der Forderung nach einer FTS:
Bereits 1936 hat der englische Ökonom J. M. Keynes eine solche Steuer angeregt, um kurzfristige, die Volkswirtschaften gefährdende Spekulationen unrentabel zu machen. James Tobin griff den Gedanken 1972 auf – daher das Wort „Tobinsteuer“. Ignacio Ramonet bezog 1997 den fiskalischen Effekt stärker ein. Sein Artikel in Le Monde diplomatique (Die Welt der Diplomatie) gab den Anstoß zur Gründung der Zivilgesellschaftlichen Organisation ATTAC (Vereinigung für die Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger). Man sah die heraufkommenden Budgetnöte, suchte nach einer „wirtschaftsunschädlichen“ Finanzquelle und war der Meinung, dass die bislang ungeschorene Finanzwelt bereits „parasitären Charakter“ habe. Diese müsse endlich einen angemessenen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.
In der Folge beschäftigten sich auch die Regierungen und Parlamente in fast allen Staaten der Erde mit dieser Steuer.
Sie wurde aber mit einigen Killerargumenten und mit simpler Machtpolitik abgewürgt. Das Hauptargument ist immer, dass dies nur weltweit gehe – dass aber insbesondere die USA und Großbritannien dagegen seien. Die anderen Argumente sind im Internetauftritt des deutschen Bankenverbandes (DIE BANK 2011) kurz zusammengefasst: „Der Bankenverband ist davon überzeugt, dass eine Finanztransaktionssteuer dem Wachstum Deutschlands sowie der Weltwirtschaft schaden würde und rät deshalb dringend davon ab, eine solche Steuer einzuführen.“
Es ist schwer einzusehen, wieso die über die vorhandenen elektronischen Clearing-Plattformen (elektronische Verrechnungssysteme) leicht einhebbare geringe Belastung eine solche Wirkung haben sollte. Die von der Finanzwelt zur Schuldeneintreibung verlangten Kürzungen in allen öffentlichen Ausgaben und die Befürwortung von Erhöhungen der Umsatzsteuern haben sicher eine weit negativere Auswirkung auf die Wirtschaftsentwicklung. Vor allem schaukelt sich der Schuldendienst aller Staaten in mit den derzeitigen Steuereinnahmen nicht rückzahlbare Höhen auf. Ein sozialer Kahlschlag und die Gefahr von gewaltsamen Umstürzen sind die Konsequenz.
Auch das Argument, dass dann die Finanzdienstleistungen aus Europa abwandern würden, hält nicht. Über die beiden Finanzzentren London und Frankfurt werden über 90 Prozent der Transaktionen abgewickelt und diese liegen in derselben Zeitzone. Die Vorteile der vorhandenen finanztechnischen Netzwerke, sogenannte Netzwerkexternalitäten, sind höher als die Belastung durch eine FTS von 0,1 Prozent. Dies zeigt auch die Tatsache, dass die Londoner Börsenabgabe von 5 Prozent (das 50-fache) nicht zur Abwanderung des Geschäftes geführt hat.
Auch die Verhinderung durch die USA und GB wackelt, weil diese selbst am Rande des finanziellen Zusammenbruches stehen.
Die Zeit für eine FTS ist daher reif und es ist deshalb ein Gebot der Stunde, bei ihr zuzugreifen.
Wenn nicht nur die Devisentransfers sondern insbesondere auch der Handel mit „verbrieften Sicherheiten“ (asset backed certified securities) einbezogen wird, der ca. $ 3.000 Billionen pro Jahr beträgt, dann wäre mit diesem Steuerobjekt bereits der Schuldendienst weltweit finanziert (3.000 Billionen x 0,001 = 3.000 Milliarden). Hierzu ist nicht nur ein internationaler Konsens über die Einhebung, sondern auch über den Aufteilungsschlüssel erforderlich. Wenn gemäß dem Anteil am Weltprodukt geteilt wird, entfallen auf Deutschland $ 180 Milliarden und auf Österreich $ 18 Milliarden, das ist mehr als der laufende Schuldendienst.
Eine allgemeine Kapitalumsatzsteuer kann somit die derzeitigen Budgetsorgen lösen und gleichzeitig die Kurzzeitspekulationen auf den Finanzmärkten eindämmen. Sie ist daher ein wesentlicher Schritt in die wünschenswerte Richtung.
Offenbar muss uns das gesellschaftliche Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern bis über die Nase gehen, damit wir uns getrauen, dort zuzugreifen, wo „das Geld am Computer liegt“.
Die immer wieder gestellte Frage „Warum macht man es denn nicht?!“ muss damit beantwortet werden, dass der die Politik am Nasenring führende Finanzsektor in seiner Gier leider unersättlich ist und dass die Gilde der ihr Handeln rechtfertigenden Ökonomen zu gut 80 Prozent in ihrem Solde steht. Das geradezu prophetische offene Wort Pius XI. in der Enzyklika Quadragesimo anno (1931), insbesondere Par. 105 – 108 bezüglich der not-wendenden Brechung der finanziellen Machtzusammenballung und Knechtung, sollte uns den Mut machen, die erforderliche „sanfte Revolution“ im Interesse aller Mitmenschen durchzutragen – im globalen Netzwerk der Kirche.
Prof. DI Dr. Heinrich Wohlmeyer
1 Eine Finanztransaktionssteuer ist eine Steuer auf börsliche und außerbörsliche Finanztransaktionen. Sie gehört zu den sogenannten Kapitalverkehrssteuern
Die Depression /2
Im ersten Teil zum Thema Depression haben wir erarbeitet, dass es im Wesentlichen aus drei Gründen dazu kommt: (1) Manchmal spielen die Botenstoffe im Hirn verrückt, dann braucht man Medikamente, die das Ungleichgewicht wieder korrigieren („endogene Depression“). Also hier machen die Medikamente den Menschen wieder zu dem, was er immer war. Die endogene Depression verändert die Persönlichkeit, nicht die Medikamente. (2) In anderen Fällen gibt es ein Trauma, das Menschen depressiv macht, wie zum Beispiel der Tod eines geliebten Angehörigen („reaktive Depression“), dann braucht man vor allem Zeit, eine Familie, die einem beisteht, gute Freunde, manchmal eine Psychotherapie und selten Medikamente. Und (3) spielt sich das „Unglück“ ganz einfach im Kopf ab, ohne äußere Anlässe, ohne verrückte Botenstoffe, ohne schreckliche „life events“, ganz einfach durch eine Art von Denken, die sich selbst immer tiefer ins Unglück verstrickt („neurotische Depression“). Und diese Art will ich diesmal weiter vertiefen, weil sie auch das Glaubensleben verkomplizieren kann.
Die neurotische Depression hat die Ursache im übertriebenen und angstvollen Kreisen um sich selbst. Dazu kann man auch Ichhaftigkeit (nach Fritz Künkel) oder Egozentrik sagen. Der Neurotiker nimmt sich selbst zu wichtig, er ist in sich selbst gefangen. Aber jeder Mensch braucht ein Ziel außerhalb seiner selbst, sonst verkümmert er. Viktor Frankl hat einmal so richtig gemeint: „Nur das kranke Auge sieht sich selbst.“ Das bedeutet, dass das Organ Auge alles um sich sieht, aber sich selbst nicht. Wenn es aber geschädigt ist, die Hornhaut nicht mehr durchsichtig ist, dann sieht es die Flankerl (Fussel) im Auge drinnen, die sich wie ein Nebel über das Gesichtsfeld breiten. Und dann sieht der Mensch die Welt schlechter, weil er sich selbst – seine eigenen Flankerl – sieht. So ist das auch mit dem Leben: Die gesunde Psyche ist auf etwas ausgerichtet, was außerhalb von uns selber liegt. Das menschliche Herz ist für die Liebe geschaffen, für die Hingabe. Normalerweise ist zum Beispiel die liebende Mutter auf ihren Mann und ihre Kinder fokussiert. Das ist normal und gut. Wenn man sie fragen würde, ob ihr was abgeht, würde sie die Frage gar nicht verstehen. Sie hat sich glücklich an ihre Familie hingegeben. Ein Mensch, der sich nicht hingibt, der sich selber ängstlich bewahrt, verheddert sich immer mehr in sich selber und stürzt ins Unglück. Ich habe sehr viele Ehepaare therapiert, bei denen jeder der beiden begonnen hat, ängstlich besorgt um sich selbst zu sein. Der begonnen hat zu fragen: „Ja, und wo bleib ich da? Wo kann ich mich selbst verwirklichen??“ Bei dieser Frage beginnt das Auge schon, die eigenen Flankerl wahrzunehmen. Wenn in der Liebe die Frage aufkommt „was hab ich davon“, dann beginnt sie zu erkalten. Ichhafte Menschen können schwer lieben. Und wer nicht liebt, wird auch nicht geliebt. Und verzweifelt irgendwann.
Selbstmitleid und Fremdbeschuldigung ist das Koordinatensystem, nach dem der Neurotiker sein Weltbild zusammenbastelt. Er tut sich ganz schwer, eigene Fehler zuzugeben. Ich habe wirklich Ehepaare in Therapie, bei der sich beide als Opfer vorkommen und den anderen beschuldigen. Gegenseitig. Und das ist schon eine Notwendigkeit, denn jeder einzelne kann auch vor sich selbst, ganz allein für sich, keine Schuld mehr bei sich erkennen. Sie haben tatsächlich ihre ganzen Fehler verdrängt. Natürlich können solche Menschen auch nicht beichten gehen. Klar, warum auch? Damit muss doch der andere Schuld sein, denn die Ehe funktioniert ja offensichtlich nicht. Manchmal nehme ich dann einen von beiden und frage: „Sie haben mir jetzt fünf Stunden aufgezählt, was Ihr Mann/Ihre Frau alles falsch gemacht hat, und besser machen sollte, damit die Ehe wieder funktioniert. Was machen Sie falsch, was sollten Sie besser machen?“ Erschreckend häufig kommt dann nur Schweigen.
Bei vielen Neurotikern fällt eine demonstrative Opfermentalität auf, gepaart mit Unversöhnlichkeit gegenüber den vermeintlichen Tätern. Sicherlich haben alle Eltern immer irgendwo irgendetwas falsch gemacht, aber das kausal mit der eigenen Pathologie zu verknüpfen, ist psychodynamisch ungesund, weil der Weg hinaus verbaut ist. Wir wissen heute von der psychologischen Forschung, dass Menschen, die ihre Fehler wahrnehmen können, auch viel leichter verzeihen können, während den unschuldigen Opferlämmern nicht zu helfen ist. Die neurotische Depression ist die Domäne der Psychotherapie, die die enge Ichhaftigkeit aufbrechen muss, um zu einer inneren Freiheit zu kommen, die auch Verantwortung für das eigene Leben übernehmen kann. So gelingt dann schließlich auch die Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit.
Klassischerweise wird den anderen die Schuld für das eigene Versagen in die Schuhe geschoben – allem voran den Eltern, der Schule oder oft auch der Kirche. Die eigene Verantwortung für das vielleicht nicht optimal verlaufene Leben wird ins Unbewusste verdrängt, und diese Verdrängung oftmals aggressive verteidigt.
Univ.-Doz. DDr. Raphael M. Bonelli, Psychiater, Neurologe, Psychotherapeut
Bei vielem, was wir tun, spielt die Frage „Wozu ist das gut?“ eine wichtige Rolle. Die Rechenschaft darüber wirkt wie ein Maßstab, den wir anlegen. Wir holen ihn hervor, wenn es um Forderungen, Leistungen, Einsätze, Erfahrungen oder Ergebnisse geht. Die Besinnung darauf macht auch vor unserem Beten nicht Halt. In diesem Sinn kann uns jemand, dem wir in einer bestimmten Angelegenheit zu beten raten, entgegenhalten, wozu denn das Beten von Nutzen sein soll. Ebenso kann einer, der allerhand Gebetsanstrengungen ohne Erfolg hinter sich hat, erheblich daran zweifeln, dass das Gebet überhaupt etwas bewirken könne. Der Gedanke an das „wozu?“ begleitet bejahend, ablehnend oder zurückhaltend den Weg des Beters. Wir können dieses Fragezeichen nicht abschütteln. Kenner und Meister des Gebetes aber warnen uns vor allzu raschen oder oberflächlichen Urteilen und Reaktionen. Das Beten lässt sich nicht mit einem Tun in dem uns geläufigen Sinn vergleichen. Es ist zwar auch ein Tun, im Grunde aber noch mehr als das.
Wozu beten wir?
Das bedeutet, dass wir in der Regel immer weiter und tiefer in die Welt, das Innenreich, das Geheimnis, den Kern oder das Herz des Gebetes eintauchen und hineingeführt werden. Unser Beten ändert, wandelt und verwandelt sich; aber auch wir als Beter ändern, verändern, wandeln und verwandeln uns. Davon bleibt auch die Frage nach dem Nutzen, dem Gewinn oder Erfolg unseres Betens nicht ausgeklammert. Sie verschwindet zwar nicht, bekommt aber ein anderes Gesicht und Gewicht. Über alles oberflächliche Interesse hinaus geht uns von einer anderen Seite her auf, wozu das Gebet außerdem und eventuell sogar vor allem gut sein kann und dienen möchte.
Dasselbe wiederholt sich im Fall des Gebetes. Es ist der Glaube, der in seiner Lebendigkeit und Stärke das Gebet trägt, beflügelt und inspiriert. Gebet und Glaube bewegen sich unentwegt aufeinander zu, begegnen einander und kommen voneinander. Es ist ihr Bestreben, ineinander überzugehen und das eine in das andere einzugehen, ohne sich aufzulösen oder zum Ersatz des anderen zu werden. Ein Glaube, der betet, wird nicht weniger, sondern mehr Glaube. Ebenso wenig hört ein Gebet, das glaubt, auf, Gebet zu sein. Es führt nicht am Glauben vorbei, sondern tiefer in das Reich und Geheimnis des Glaubens hinein. Dabei wird immer offenkundiger, wie sehr Glaube und Gebet Geschwister sind und nur in dieser geschwisterlichen Verbundenheit bestehen können. Der Beter glaubt nicht weniger, eher besser, mehr und tiefer.
Gott alles in allem
Unser Beten wird um so mehr Beten, je näher sich Leben, Glauben und Beten kommen. Es verliert dabei nicht, sondern steigert sich, wächst und gewinnt. Je mehr es darin sich selber findet, desto mehr wird es dabei frei und gibt sein Herzensgeheimnis preis. Dieses ist kein anderes als Gott selber, als der dreifaltige Gott. Der Beter darf nicht nur einen Blick in die Innenwelt Gottes werfen, nein, er wird eingeladen, befähigt und ermächtigt, am Lob des dreieinigen Gottes selber teilzunehmen mit allem, was diese Teilnahme beinhaltet und besagt.
Abt Dr. Christian Schütz
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 246/2011

„Alles geht alle an.“ So stand in einer Zeitung zu den furchtbaren Ereignissen in den Kernreaktoren von Fukushima, ausgelöst durch ein starkes Erdbeben. Und dazu kam noch der verheerende Tsunami.
Aber werden diese aufrüttelnden Ereignisse in Japan nicht zu schnell von anderen Tagesereignissen überdeckt werden? Natürlich werden sich die Verantwortlichen noch weiter mit dem Problem der Kernenergie zu beschäftigen haben; aber was bleibt bei vielen Menschen?
Wer denkt heute noch an den Super-GAU von Tschernobyl, der einer halben Million Menschen das Leben gekostet hat? Eine Ärztin berichtet von den Menschen in der Umgebung von Tschernobyl: „Die Leute sind krank. Sehr viele, auch junge Menschen, sterben an Krebs. Noch mehr leiden sie darunter, ausgestoßen zu sein, ohne Arbeit, ohne soziale Kontakte.“
Tschernobyl und Fukushima gehen uns Christen an, weil wir in diesen Ereignissen „Zeichen der Zeit“ sehen sollen, die uns zur Umkehr mahnen. Darauf weist uns Jesus im Evangelium hin. Als Menschen aufgeregt zu ihm kommen und von dem Blutbad berichten, das Pilatus unter im Tempel opfernden Galiläern anrichten ließ; von dem tragischen Schicksal jener Achtzehn, die beim Einsturz eines Turmes beim Teich Schiloach ums Leben gekommen waren. Die harte Antwort Jesu: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt“ (Lk 13,5). Würde uns Jesus heute nicht ähnlich antworten, wenn wir die Zeichen der Zeit nicht beachten?
Dazu gehört noch manches andere: Vor allem, dass vielen Menschen der lebendige, persönliche Gott und Jesus Christus gleichgültig sind. Aber da müssen wir — durch die Zeichen der Zeit aufgerüttelt — noch entschiedener in die Bresche springen. Durch die Mitfeier der heiligen Eucharistie, durch das Beten des Rosenkranzes; aber auch durch unser Tun, das bis zum verantwortlichen Gebrauch von Strom reicht.
Was mir Sorge bereitet: Dass sich in meinem — und ich denke, das ist kein unberechtigter Vorwurf — und auch im Leben vieler anderer Christinnen und Christen so wenig ändert; trotz aller Warnsignale. Aber halt: Wir dürfen unsere Mutter Maria nicht vergessen. Bitten wir sie, dass wir die Zeichen der Zeit richtig deuten und daraus die Konsequenzen ziehen.
Dies wünscht Ihnen mit Segensgruß,
Ihr P. Benno OFM
GEBET
In unserer schnelllebigen Zeit vergessen wir, beeinflusst von den Medien, die ernsten Ereignisse, die zurückliegen. Aber wir sollten diese sehr wohl in Erinnerung behalten.
Jesus Christus, unser Bruder, ich weiß, dass es unzählige Menschen gibt, die in großer Not sind. In der ganzen Welt werden viele gequält und verfolgt. Viele hungern oder haben große Schmerzen. Viele sind einsam und verlassen, sind gescheitert und werden von niemandem mehr aufgenommen. Herr, wecke uns auf, wenn wir die Not unserer Brüder und Schwestern nicht erkennen. Mach uns bereit zu helfen.
Wir bitten dich aber auch für alle Menschen, Brüder und Schwestern, die Hilfe brauchen und sie nicht finden. Verwandle ihre Dunkelheit in Licht, ihre Trauer in Freude, und lass sie in aller Bedrängnis die Hoffnung nicht aufgeben.
GL 29/4
Psalm 3 nimmt im Buch der Psalmen eine wichtige Funktion ein. Mit ihm beginnt eine Gruppe von Psalmen, die mehr oder weniger von der Situation der Klage geprägt sind. Die Klage im Psalm bezieht der Beter konkret auf Feinde und Menschen, die ihm gegenüber eine negative Haltung einnehmen und ihm dabei auch zusetzen und das Leben schwer machen und bedrohen. Im Gebet wird jedoch die hoffnungsfrohe Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass Gott seinen Beistand und seine Hilfe leisten und konkret gegen die Feinde vorgehen wird. Der Beistand Gottes wird für den Menschen, der diesen Psalm betet, alles zu einem guten Ende führen. Die Sprache des Psalms ist von Gewalt und Konflikt geprägt. 1 [Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Abschalom floh.]
Die Überschrift des Psalms bringt zum Ausdruck, dass es sich um einen „sogenannten“ Psalm Davids handelt. Der Psalm ist auf dem Hintergrund von 2 Sam 15-18 zu verstehen. David wird von seinem eigenen Sohn verfolgt, über den er einen „Pyrrhussieg“ 1 erringt. Ansonsten ist keine Beziehung zu David gegeben. Der Beter flieht nicht, wie es David tat, und er lässt auch keine Trauer (um Abschalom) erkennen. Der Unterschied zu einem Psalm Davids ist somit klar und eindeutig gegeben.
2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger; so viele stehen gegen mich auf.
3 Viele gibt es, die von mir sagen: „Er findet keine Hilfe bei Gott.“
Die beiden Verse enthalten eine Klage über die Bedränger und Feinde, wobei Jahwe direkt angerufen wird. Der Beter befindet sich offenkundig in einer schwierigen Situation bzw. in großer Gefahr und sucht dringend um Hilfe. Er schildert Jahwe auch die Verhöhnung und Verspottung, mit der er von seinen Feinden konfrontiert wird. Sie behaupten, dass es für ihn keine Hilfe gibt. Der Hinweis auf das höhnische Wort seiner Feinde soll Jahwe dazu veranlassen, seine göttliche Macht zu erweisen. Interessant ist dann auch die weitere inhaltliche Struktur des Psalms. Es erfolgt ein fließender Übergang von der Klage zum Vertrauen. Dieser Aufbau findet sich in Klagepsalmen häufig.
4 Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf.
5 Ich habe laut zum Herrn gerufen; da erhörte er mich von seinem heiligen Berg.
Bemerkenswert ist das tiefe Gottvertrauen, das hier zum Ausdruck kommt. Der Beter weiß sich wie von einem Schilde von Gottes Gegenwart umgeben und in Gottes Schutz geborgen. Durch den Begriff „Schild“ wird dies auch besonders zum Ausdruck gebracht. Ein gewöhnlicher Schild bietet Schutz nur von einer Seite, Jahwe aber sorgt von allen Seiten für diesen umfassenden Schutz. Hier können auch wir uns die Frage stellen, wie es mit unserem Gottvertrauen aussieht, wenn wir die Psalmen beten?
Vertrauen auch wir auf Gottes Schutz oder überkommen uns nicht auch manches Mal Zweifel? Kann ich mich mit der Haltung des Psalmisten identifizieren?
6 Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich.
7 Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, wenn sie mich ringsum belagern.
Das tiefe Vertrauen auf Gottes machtvolle Hilfe kommt hier nochmals deutlich zum Ausdruck. Obwohl der Beter von Feinden bedrängt ist und sich in einer ganz schwierigen Situation befindet, geht er beruhigt schlafen, weil er sich von Gott beschützt weiß. Eigentlich ist es aus rein menschlicher Perspektive betrachtet paradox: Trotz einer großen Zahl an Feinden legt sich der Beter beruhigt nieder, denn wenn Jahwe mit ihm ist, wer ist dann gegen ihn? In welcher Haltung gehen wir zu Bett? Haben auch wir den Glauben und das Vertrauen, dass uns der Herr beschützt und unser Leben führt, wenn wir es ihm anvertrauen?
8 Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe! Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen.
Hier erfolgt nochmals eine dramaturgische Zuspitzung des Psalms. Jahwe wird angerufen und eindringlich darum gebeten, einzuschreiten. Die Formulierungen: Erhebe dich, Jahwe, hilf mir mein Gott! bringen dies zum Ausdruck. Auch wir dürfen in allen Lebenslagen immer wieder vertrauensvoll Gottes Schutz erbitten und dabei seinen Namen anrufen.
Der zweite Teil des Verses ist dann von einer gewissen Brutalität der Sprache charakterisiert. Gott schlägt die Feinde des Beters brutal ins Gesicht, wobei er charakteristischerweise besonders den Mund trifft. Die Feinde des Beters sollen nicht mehr negativ sprechen, und dabei keine Lügen oder sonstigen negativen Äußerungen über ihn verbreiten.
Auch hier sind wir in unserem Leben angefragt. Haben die Worte, die aus unserem Mund kommen, aufbauende oder zerstörerische Wirkung? Wie viel Negatives geht oft durch unüberlegtes, vorschnelles Sprechen aus?
9 Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!
Der Psalm schließt mit einem Bekenntnis und Segen, das heißt, es findet sich ein versöhnlicher Abschluss. Der Beter bringt eine persönliche Erfahrung in ein allgemein verbindliches Bekenntnis des Glaubens ein.
Jeder Mensch, der im Gebet auf Jahwe vertraut, darf darauf hoffen, dass ihm dies zum Segen wird. Das gilt sowohl für ganze Völker als auch für einzelne Menschen.
Psalm 3 wird in der Lesehore am Sonntag der 1. Woche gebetet.
P. Franz Müller OFM
1 Pyrrhussieg = ein zu teuer erkaufter Sieg
Das Geheimnis der Gegenwart Christi in der Eucharistie
Die heilige Kommunion wird heutzutage von den Gläubigen öfter empfangen als früher. Aber ist damit auch eine größere Ehrfurcht und Glaubenstiefe als früher, wo man seltener und erst nach einer Beichte kommuniziert hat, verbunden? Wir bedenken zu wenig das Wort des französischen Dichters P. Claudel: „Der Inbegriff des Katholizismus, der unendlich feine und gewichtige Punkt, in dem er sich zusammenfassen lässt, ist die Eucharistie. Die Eucharistie ist die wirkliche Gegenwart. Das heißt, dass Christus nicht nur in unserem Denken für uns gegenwärtig ist, in unseren Herzen und in unserer Vorstellung, sondern dass er leibhaftig hier ist, genau wie in den Tagen von Galiläa, aber auf noch wesentlichere und intimere Weise. Dank der Eucharistie können wir wirklich jenen Satz wiederholen, der sonst empörend und unverständlich wird: ‚Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich hingehe.’ Denn er verlässt uns nicht.“

Eucharistie als Lebensgrundlage
Anna Schäffer, die selig gesprochene Frau, die zwischen 1901, als sie in kochende Lauge gefallen war, und 1925, ihrem Todesjahr, die schmerzvollsten Operationen und Leiden auszuhalten hatte, drückt ihren Glauben und ihre Liebe zum eucharistischen Heiland mit den Worten aus: „Wenn mir jemand die Wahl ließe, entweder ganz gesund zu sein und alle nur erdenklichen irdischen Freuden zu genießen und keine heilige Kommunion empfangen zu dürfen oder Tag und Nacht die bittersten Schmerzen ohne jeden Schlaf zu erdulden, aber alle Tage die heilige Kommunion empfangen zu dürfen, so würde ich mit größter Liebe das Letztere wählen, denn kein irdisches Leiden vermag aufzuwiegen, was ich im Herzen leiden müsste, wenn mir die heilige Kommunion entzogen wäre ... Mein Gott, ohne heilige Kommunion recht lange krank zu sein, das müsste das schwerste Opfer sein, nicht so des Leidens wegen, sondern der Entbehrung der heiligen Kommunion wegen.“
Christus in Brot und Wein gegenwärtig
Die reale Gegenwart Jesu Christi übersteigt unser menschliches Begreifen. Jesus identifiziert dieses „Brot des Lebens“ mit seinem Fleisch und mit seiner Person und verspricht denen „ewiges Leben“, die ihn essen. „Ich bin das Brot des Lebens ... Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben ... bleibt in mir und ich in ihm ... Wer mich isst, wird leben durch mich ... in Ewigkeit“ (Joh 6,35.54.56f).
Auch der Apostel Paulus verlangt dieses Brot von gewöhnlichem Brot zu unterscheiden. Wer es nicht tut, wird schuldig, isst und trinkt sich das Gericht, das heißt wird von Gott deswegen gerichtet (vgl. 1 Kor 11,29).
Auch wenn es unmöglich ist, diese Gegenwart zu erklären, denn der Gläubige empfindet nur gewöhnliches Brot (Thomas von Aquin in seinem Hymnus, Gotteslob 546: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“), hat der Glaube der Kirche immer an der realen Gegenwart festgehalten, nämlich dass Gottheit und Menschheit Christi hier verborgen gegenwärtig sind. (Thomas: „Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz, beide sieht mein Glaube in dem Brote hier.“)
Gefragt, was man hier auf Erden anbeten dürfe, da man doch nur Gott anbeten darf, antwortete der heilige Augustinus: Auf Erden dürfe man nur Jesus Christus anbeten, „weil er (= der Präexistente, das heißt schon vor dem Erdendasein Lebende) Fleisch von der Erde und Fleisch vom Fleisch Mariens angenommen hat; und weil er hier im Fleisch gewandelt ist und dieses Fleisch uns zum Heil, uns zum Essen gegeben hat. Niemand aber isst dieses Fleisch, ohne es vorher anzubeten. Gefunden ist also, was angebetet werden soll.“ 1
Die Katholische Kirche hat in ihrer Geschichte vom Anfang an bis heute an die reale Gegenwart Christi geglaubt, doch gab es verschiedene Akzentsetzungen. Diese ergaben sich bei der Frage, wie das Wesen des Brotes in den Leib Christi gewandelt sein kann, wenn sich äußerlich, beim Zeichen — beim Sakrament ist eben die äußere Zeichenhandlung sehr wichtig — nichts ändert. So lief man die Gefahr der einseitig symbolischen oder der einseitig realistischen Akzentuierung des Leibes Christi.
Obwohl Augustinus schon das Thema der eucharistischen Anbetung angesprochen hat, wurde sie erst im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen den beiden extremen Sichten intensiver diskutiert. Eucharistische Prozessionen kamen infolgedessen auf.
Wandlung bewirkt Verwandlung
Wer die eucharistischen Themen studiert, stößt immer wieder auf das Extrem, die Wandlung im geistigen Verständnis von Brot und Wein zu sehen, das heißt sie bedeute nur den Leib und das Blut Christi. Aber wenn eine Messingmünze, schön poliert, ausschaut wie eine Goldmünze und den Besitzer so viel bedeutet wie echtes Gold: Es ist Messing und nicht Gold. Zwischen Bedeutung und realem Sein ist also ein gewaltiger Unterschied. Die Wandlung bezieht sich nicht nur auf eine Änderung im Denken, im Kopf des Gläubigen, sondern auf ein Anderswerden von Brot und Wein. Nicht nur die Sicht, sondern die Wirklichkeit wird zuerst verwandelt, geändert, wird anders, nämlich zum Leib und Blut Christi.
Dauer der Gegenwart Christi
Eine weitere Frage betrifft die Dauer der Gegenwart Christi in der Eucharistie, das heißt, ab wann und bis wann ist Christus in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig? Diese Frage wird oft sehr ungenau beantwortet. Es wird zum Beispiel gesagt, dass das Brot nicht durch eine korrekt ausgesprochene Formel in den Leib Christi verwandelt wird, sondern durch das Gebet der Kirche, also durch das gesamte Hochgebet mit der Bitte um Wandlung der Gaben und mit dem Verlesen des Berichts vom Letzten Abendmahl.
Brot und Wein werden in Leib und Blut Christi gewandelt, wenn ein Priester, der geweiht wurde, um „in der Person Christi zu handeln“, die Wandlungsworte spricht. Das „mein Leib“ und „mein Blut“ meint nicht das menschliche Ich des Priesters, sondern Christus, in dessen Person der Priester handelt.
In der Liturgie macht der Priester zum ersten Mal nach dem Sprechen der Wandlungsworte eine Kniebeuge als Ausdruck der Verehrung für den jetzt gegenwärtigen Herrn.
Wie lange dauert die Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein? Sie dauert so lange, als die Gestalten von Brot und Wein da sind. Zum Beispiel sagt der heilige Thomas von Aquin, dass Christus nicht mehr gegenwärtig wäre, wenn die konsekrierte Hostie — was höchst ehrfurchtslos und sakrilegisch wäre — so klein gestoßen würde, dass nur mehr Mehlstaub übrig bliebe. Im pulverisierten „Brot“ ist deshalb die Gegenwart Christi geschwunden, im Gegensatz zu den „sehr kleinen Partikeln, so klein sie auch sein mögen“, die noch Brotsgestalt haben und nach dem Konzil von Trient (DH 1653) den „ganzen Christus“ enthalten. 2
Nach Thomas endet also die sakramentale Gegenwart, wenn die sakramentalen Gestalten schwinden, zum Beispiel nach dem Genuss, beim totalen Verderb der Brotsgestalt oder bei übermäßiger Verwässerung des konsekrierten Weins. Solange die Natur des Brotes bzw. des Weines gewahrt bleibt, ist Christus gegenwärtig.
Der Herr tritt nicht nur über die Türschwelle
Ein Nichttheologe wird vielleicht über solche Haarspaltereien den Kopf schütteln, aber es handelt sich um die spirituelle Frage der Weise der Danksagung. Ist Christus noch im Kommunikanten und wie lange? Essen ist ein Vorgang: Das Brot hat nicht nur den Sinn, gegessen zu werden, sondern auch Nahrung zu werden. Demnach wird die Gegenwart Christi in den eucharistischen Gestalten irgendwann (das heißt zeitlich nicht punktuell bestimmbar) schwinden, wenn die Gestalten ihre Eigenart verlieren, aber die Aufnahme, die Assimilation 3 gehört zu jedem Essen, und deshalb gehört auch die geistige Aufnahme der eucharistischen Nahrung und ihre Verehrung zum Vorgang des Empfangs des Leibes und Blutes Jesu Christi.
In der Liturgie beten wir vor der heiligen Kommunion: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach.“ Der Eintretende verflüchtigt sich nicht schon beim Tritt über die Türschwelle.
1 Ennerationes in Ps. 98,8
2 Partikelchen, die man mit freiem Auge noch wahrnehmen kann
3 Assimilation = Die aufgenommenen Zeichen (Brot und Wein) gehen in das körperliche Wesen über; dies dauert aber eine Zeit
Durch die Teilhabe am Mahl wird man so real in das Sterben Jesu hineingezogen, dass über die Teilhabe an der Sühnkraft und Heilswirkung des Todes Jesu hinaus zugleich koinonia (Gemeinschaft) mit dem Gekreuzigten und seinem Sterben entsteht. Man hat es im Herrenmahl mit dem Herrn selbst zu tun, der im Mahl heilgewährend und lebenprägend gegenwärtig ist und die Mahlteilnehmer an sich bindet. Wolfgang Schrage, ev. Bibeltheologe
Maria in der Bibel /4
Groß macht meine Seele den Herrn
„Die Aussagen, die wir im Neuen Testament über Maria finden, sind so reich und tief, dass wir sie nie ausschöpfen können!“ Das bestätigt eine wissenschaftliche Arbeit 1 über Mariens Wort „Siehe, die Magd des Herrn“: Hier wird aufgezeigt, dass diese Aussage einzigartig in der ganzen Bibel ist. Wir können nun sagen: Das Magnificat ist eine hymnische Darstellung des äußerlich so schlicht scheinenden Wortes Mariens.
„Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.“ (Lk 1,46-56).
Maria weiß: Das ihr gewährte Zeichen (die Schwangerschaft ihrer Verwandten Elisabet) hat sich bewahrheitet. Sie antwortet in einem hoch- und weitgespannten Jubellied.
„Wörtlich übersetzt müsste es heißen: ‚Meine Seele macht groß den Herrn.’ Natürlich ist der Mensch nicht in der Lage, von sich aus der Größe Gottes etwas hinzuzufügen; aber Anbetung, Lob und Dank ist immer gefordert. Weil Maria die Großtaten Gottes auf so außergewöhnliche Weise an sich erfahren hat, darf sie sich im Magnificat zur Wortführerin der preisenden Gemeinde machen.“ (J. Ernst) So hat die Kirche das Loblied Mariens auch in ihr tägliches Abendgebet aufgenommen.
„Das Herz der Jungfrau jubelt auf vor Gott, der sich an ihr als Heiland erwiesen hat. Beachtung verdient die sehr persönliche Note, die in dem Pronomen ‚mein’ zum Ausdruck kommt. Das Lied bezieht sich in seinem ersten Teil also nicht auf die große Rettungstat Jahwes in der Geschichte Israels, sondern ausschließlich auf die persönliche Gnade, die Maria geschenkt worden ist.“ ( J. Ernst)
Selig, die arm sind vor Gott
Der Jubel wird nun näher begründet: Maria greift auf den Vers 38 („Ich bin die Magd des Herrn“) zurück und nimmt die demütige Selbstbezeichnung wieder auf. Maria gehört zu den Kleinen und Geringen, denen schon im Alten Testament das Heil verheißen wurde. Der unmittelbare Hintergrund ist aber jene Haltung, die am Beginn der Bergpredigt beschrieben wurde:
„Selig, die arm sind vor Gott.“
Maria hat diese Haltung in einzigartiger Weise verwirklicht. Dürfen wir von daher auch den fast überschwänglich klingenden Satz verstehen: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“? Freilich werden wir die Worte vor allem von der Prophezeiung der Elisabet „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ und von der Aussage der ewigen Herrschaft des Messias (Lk 1,33) verstehen müssen. Im Munde Mariens bekommen diese Worte jedenfalls einen einzigartigen Klang.
Großes hat an mir getan
„In einer zweiten Begründung wird noch einmal auf das anfängliche ‚Magnificat’ Bezug genommen. Weil Gott Großes getan hat, kann die Beschenkte ihn ‚groß machen’; dem Lobpreis geht der göttliche Gnadenerweis immer ursächlich voraus.“ (J. Ernst) Wir denken hier an den Psalm 126,3, in dem es heißt: „Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich.“ Der Psalmbeter spricht hier von der Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft. Was Gott an Maria gewirkt hat, überbietet diese große Befreiungstat in der Geschichte: Sie durfte den empfangen, von dem es heißen wird: „Heute ist euch ... der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“ (Lk 2,11).
Gottes Macht offenbart sich in seinem Erbarmen, das er den Demütigen erweist.
Aufruf zur Umkehr
Während der erste Teil des Magnificat ausschließlich die persönliche Gnade an Maria zum Inhalt hat, spricht der zweite Teil (ab V 50) vom Wirken Gottes im Allgemeinen. Dabei muss bedacht werden, dass die hebräische Vergangenheitsform das ausdrückt, was Gott allezeit wirkt. Allerdings erhält das Handeln Gottes — im Zusammenhang mit dem Wirken an Maria — eine zukünftige Richtung: Im wunderbaren Handeln an Maria ist bereits keimhaft das enthalten, was Jesus in seiner Predigt verkünden wird.
Der Zerstreuung der Mächtigen weist auf das Wehe über die jetzt Lachenden (Lk 6,25) hin.
Die alten Kategorien des Machtdenkens sind überholt. Fortan gilt das Prinzip des Dienens, das in Maria seine Vorausdarstellung und in der Erhöhung Jesu seine gültige Verwirklichung gefunden hat.
Die Verkündigung des Magnificat will nicht als Drohung gegen gewisse Gruppen (Hochmütige, Mächtige, Reiche) verstanden werden, sondern als Aufruf zur Umkehr und als Verheißung für jene, die mit der Bereitschaft zum Dienen und zur Armut sich die Gesinnung Jesu zueigen gemacht haben.
Die erfüllte Verheißung
„Das Große, das der mächtige Gott an Maria getan hat, gehört zu seiner Fürsorge für das Volk Israel, ist Ausdruck seines Erbarmens und erfüllt seine Verheißung. Abraham ist der Stammvater des Volkes Israel; mit seiner Erwählung beginnt die Geschichte dieses Volkes. Ihm hat Gott bei seiner Berufung verheißen: ‚Ich mache dich zu einem großen Volke und segne dich und mache deinen Namen hochberühmt, dass du zum Segen werdest. Denn segnen will ich, die dich segnen, und die verfluchen, die dich lästern. Alle Stämme der Erde sollen sich mit dir segnen.’ 2 ...
Dieses Wirken Gottes kommt bei Maria zu seinem Höhepunkt. Über sie hat Elisabet bekannt: ‚Gott hat dich mehr gesegnet als alle anderen Frauen und Gott hat gesegnet die Frucht deines Leibes’ (Lk 1,42). Durch Maria schenkt Gott dem Volk Israel seinen letzten und endgültigen König. Ihr Sohn ‚wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben’ (Lk 1,33). Er ist der König, durch den Gott sich seines Volkes annimmt und für dessen Leben sorgt. Durch ihn wird die Segensverheißung Gottes in vollkommener und unüberbietbarer Weise erfüllt. Segen heißt Leben. Jesus überwindet den Tod durch seine Auferstehung und tritt ein in das ewige, unvergängliche Leben mit Gott. Als König seines Volkes bringt er die, die sich seiner Führung anvertrauen, zu dem gleichen Ziel. Seine Getreuen werden die Fülle des unvergänglichen Lebens mit ihm teilen.
Abraham ist Stammvater des Volkes für das natürliche, irdische Leben. Durch Maria gibt Gott seinen Sohn, der zur Fülle des Lebens führt. Dieses Leben wird nicht mehr in der natürlichen Zeugung weitergegeben, sondern wird denen zuteil, die an Jesus glauben und ihm folgen. Noch mehr als Abraham ist Maria und ist ihr Sohn zum Segen geworden, da Gott durch sie das ewige Leben schenkt.“ 3
P. Benno Mikocki OFM
1 Seeanner Michael, Siehe, die Magd des Herrn, Doktorarbeit an der päpstl. Universität Gregoriana, Rom 2010
2 Gen 12,2-3
3 Stock Klemens, Maria, die Mutter des Herrn, im Neuen Testament, RSK, 62
„Herr, lehre uns beten“ (Lk 11,1) /4
„Seid besonnen, nüchtern und betet!“ (1 Petr 4,7)
Wer regelmäßig betet, der weiß aus Erfahrung, dass Beten nicht immer leicht ist. Es gibt Schwierigkeiten, die in unserer Umgebung ihren Grund haben: Menschen, die unsere Aufmerksamkeit verlangen; Aufgaben, die uns in Beschlag nehmen; eine Atmosphäre, die von Lärm und Unruhe beherrscht wird.
Die Hindernisse können genauso gut bei uns selber liegen. Wir spüren keine Lust und Freude am Beten. Oder Unsicherheit und Zweifel an der Wirkung und Sinnhaftigkeit des Betens überkommen und lähmen uns.
Solche Beobachtungen zeigen, dass unser Beten nicht in einem luftleeren Raum geschieht, sondern wie viele andere Vorgänge unseres Lebens verschiedenen Einflüssen von außen wie von innen ausgesetzt ist. Zu den Beeinträchtigungen individueller Art lassen sich schwerlich allgemein verbindliche Hilfestellungen geben. Anders ist das bei Problemen, die weit verbreitet sind. Dazu zählt ohne Zweifel jenes Phänomen, das unter dem Stichwort „Zerstreuungen“ beim Gebet bekannt ist.

Unsere Zerstreuungen
Diese haben mit unseren Gedanken zu tun. Unter ihnen leidet mehr oder weniger jeder Beter. Wir wissen sehr wohl, dass uns unsere Gedanken nicht so ohne weiteres gehorchen. In gewisser Hinsicht gleichen sie den durchziehenden Fliegen oder Vögeln; sie kommen und gehen gewöhnlich ohne An- und Abmeldung. Herkömmlicherweise hat man im Rahmen des Gebetes zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Zerstreuungen unterschieden. Ob diese Unterscheidung sehr hilfreich ist? In der Praxis dürften die Übergänge zwischen der Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit unserer Gedanken eher fließend sein. Eine Disziplinierung unseres Denkens und unserer Gedanken ist alles andere als eine leichte Aufgabe.
Wie dem auch sei, unsere Zerstreuungen beim Gebet sind eine Tatsache. Als solche und unter dieser Bezeichnung sind sie den Älteren unter uns vom Beichtspiegel her geläufig. Ich erinnere mich noch gut an den Erstbeichtunterricht, in dem von andächtigem bzw. unandächtigem Beten die Rede war. Es hat mich nicht wenig belastet, dass mir niemand erklären konnte oder wollte, was man darunter zu verstehen habe. Heißt das, dass man sich alles, was man beim Beten sagt, in der Phantasie vorstellen müsse? Oder dass man jeden Satz bzw. jedes Wort bewusst mit dem Denken und Verstand begleiten müsse? Oder gibt es so etwas wie eine bestimmte höhere seelische Ebene, auf die man sich innerlich zu begeben habe, um „andächtig“ zu beten? Für ein Kind — und nicht nur für es — sind das keine leichten Fragen. Wie sollen wir mit den Gedanken, die sich beim Beten einstellen, umgehen?
Einige Ratschläge
Die Frage, was mit den Gedanken, die uns beim Beten kommen, geschehen soll, ist keineswegs nebensächlich. Sie hat sehr wohl etwas mit der Qualität unseres Betens, aber auch mit uns selber, den Betern, zu tun. Wie können wir sie in gewissem Sinn in den Griff bekommen?
Es stimmt, dass wir immer und überall beten können. Daraus dürfen wir aber keine grundsätzliche Beliebigkeit folgern. Es bekommt unserem Beten gut, wenn es seine bestimmten Orte und Zeiten hat, die ihm entsprechen und angepasst sind. Es gibt Plätze und Stunden, an und in denen wir gut oder besser beten können. Diese Erfahrung und Kenntnis färbt auf unsere Gedanken ab.
Als Augenmenschen kommt es unserem Beten entgegen, wenn ein „Gebetsraum“ einen eindeutigen, einladenden, anziehenden, ausstrahlenden und bindenden Mittelpunkt hat. Dieses Herz oder Zentrum kann zum Beispiel der Tabernakel, ein Kreuz, ein Bild usw. sein, das den Beter in seinen Bann zieht und darin hält.
Dasselbe trifft auf uns als Ohrenmenschen zu. Wir beten gewissermaßen auch mit unseren Ohren, im Hören. Die Ruhe und Stille von außen, die bewusst aufgesucht werden, übertragen sich nach innen, schaffen und verbreiten eine Atmosphäre des Friedens, die sich auch auf unsere Gedanken legt. Unsere Sinne haben und kennen Wege, die unsere Gedanken in den Zustand der Ruhe versetzen.
Eine andere Hilfe betrifft den Inhalt unseres Betens. Es ist weder notwendig noch ideal, wenn wir uns beim Beten umfangreicher, vieler, abwechslungsreicher Texte bedienen. Darin kann durchaus die Gefahr lauern, dass durch das Viele und Vielerlei unser Denken in Aktion tritt und sich davon angesprochen erfährt, was in einem bunten Reigen von Gedanken seinen Ausdruck findet. Wir können dieser Gefahr wehren, indem wir entsprechende Gebetshilfen ergreifen. Solche können zum Beispiel ein einziges Wort, ein Gedanke, ein Satz, ein kurzes oder Wiederholungsgebet, am besten aus der Heiligen Schrift, sein. Das muss nicht Langeweile bedeuten; das kann ebenso gut sammeln und zum Verweilen einladen. Es bewahrt uns davor, dass wir die Steuerung beim Gebet einfach dem Zufall oder dem Augenblick überlassen.
Wer beim persönlichen Beten leicht dem Spiel seiner Gedanken erliegt, der sollte eine uralte Gebetserfahrung bedenken, die besagt, dass diese Weise des Betens kurz sein soll. Ein kurzes Gebet lässt sich erfahrungsgemäß leicht überblicken, kontrollieren und im Griff behalten. Unsere Aufmerksamkeit ist dabei konzentriert und sie kann sich in der Gegenwart Gottes halten und erhalten, ohne zu ermüden oder abzugleiten. Die Kürze sorgt für die Qualität und Intensität unseres Betens.
Etwas anders liegen die Dinge beim gemeinsamen und gemeinschaftlichen Gebet. Hier sind uns nicht selten die Zeit oder Dauer vorgegeben. In diesem Fall werden unsere Gedanken von vornherein insofern entlastet, da sie den Ablauf des Gebetes nicht festlegen und überwachen brauchen, andererseits können sie durch die Freiheit, die ihnen eingeräumt wird, leicht zum Träumen und Vagabundieren verleitet werden. Dagegen kann eine gewisse passive Wachsamkeit dem Beter zu Hilfe kommen. Sie fordert ihm weniger eigene Anstrengung ab, lädt ihn aber gleichzeitig ein, sich vom Strom des gemeinsamen Betens tragen und mitnehmen zu lassen, ohne den eigenen Gedanken anzuhangen. Das erleichtert die Mühe und intensiviert die Tiefe des Gebetes.
Diese Tipps erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und Perfektion. Sie sind als Hinweise gedacht, die man ausprobieren kann oder einen anregen, sich selber auf die Suche zu begeben, damit unser Beten mehr und mehr zu dem wird, was es sein soll und sein möchte.
Abt Dr. Christian Schütz
Der Ausdruck „Depression“ kommt aus dem Lateinischen (deprimere) und bedeutet „niederdrücken“. Das ist eine gute und anschauliche Bezeichnung für das, was hier passiert: Plötzlich ist das Leben nicht mehr bunt, die Freude weg, die alltäglichen Probleme werden unerträglich und erdrücken scheinbar den Menschen. Der Ausdruck wird einerseits in der Medizin verwendet und umschreibt ein klar definiertes Krankheitsbild. Aber auch landläufig spricht man andererseits im analogen Sinn von deprimiert, depressiv und Depression.
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 245/2011/1

Ich möchte meinen Brief mit einer Geschichte aus dem Leben beginnen.
An einem Nachmittag durfte die kleine Victoria, sie ist fünfeinhalb Jahre alt, ihren Großvater besuchen. Beim Türstock in einem Zimmer hängt eine Reckstange. Diese faszinierte Victoria schon immer. Sie sagte zu ihrem Großvater: "Opa, kannst du mich bitte hinaufheben und wenn ich mich angehalten habe, kannst du auslassen!" Der Opa hob sie hinauf und sie hielt sich mit ihren kleinen Händchen fest. "Opa, lass mich aus!", rief Victoria. Da ließ sie der Großvater los. Nach kurzer Zeit ließ Victoria los und fiel, wie konnte es anders sein, in die Arme des Großvaters. Dieser sagte entsetzt: "Victoria, das darfst du nicht so machen, plötzlich auslassen!" Noch ehe der Großvater ausgesprochen hatte, antwortete ihm Victoria: "Aber Opa du fängst mich doch auf!" Da staunte der Großvater und war zutiefst berührt über dieses feste Vertrauen seiner Enkelin.
Der Opa ist da und lässt mich sicher nicht fallen. Dieses kindliche und feste Vertrauen regte mich zu dem Vergleich an: Sollten wir nicht auch versuchen, so fest zu vertrauen, dass wir im Tod in die Hände Gottes fallen? Als Grund dafür haben wir die Auferstehung Jesu: Er ist der Erste der Entschlafenen - wir dürfen IHM folgen.
Ja, aber warum fehlt uns dieses Vertrauen? Weil wir in unserem Leben so viel Schweres erleben, das sich wie ein dichter Nebel vor die frohe Hoffnung schiebt, dass Gott uns liebt und deshalb nicht fallen lassen kann. Da bedrücken uns schwere Sorgen, erfahren wir bittere Enttäuschungen, quälen uns Schmerzen - vielleicht einer unheilbaren Krankheit.
Und noch eines: Uns umgibt so viel Zweifel, ja sogar Gleichgültigkeit im Glauben, so dass wir selber manchmal unsicher werden: Ist denn das alles richtig, was wir glauben? Ich finde das einer der überzeugendsten Wahrheiten in unserem christlichen Glauben, dass Jesus all unser menschliches Leid auch getragen hat. Darum darf das Kreuz - zumindest in unserem persönlichen Leben - nicht verschwinden: Ich meine hier vor allem das bewusst gemachte Kreuzzeichen; freilich dann auch das mit Jesus getragene Leid.
Aber erfahren wir nicht auch Situationen, in denen sich der Nebel lichtet, wo eine Ahnung von Auferstehung durchbricht? Ich denke, es ist eine allgemeine Erfahrung: Das Negative prägt sich uns stärker ein als das Positive. Ich muss mich bei manchem Schweren immer wieder daran erinnern: Du hast doch auch dieses Schöne erlebt, dieser Mensch zum Beispiel war doch gut zu dir.
Schon über die Schriften des Alten Testaments könnten wir als Überschrift setzen: "Ich will ech eine Zukunft und eine Hoffnung geben" (Jer 29,11). Noch viel intensiver und konkreter reden von dieser Hoffnung die Schriften des Neuen Testaments, nicht nur die vier Evangelien, sondern auch die 23 anderen Schriften des Neuen Testaments. Lese und betracte ich sie nicht viel zu wenig? Positive Lebenserfahrungen, das Lesen und Betrachten der Heiligen Schrift, sowie der Empfang der heiligen Sakramente mögen uns zu dem festen und kindlichen Vertrauen führen: Es muss doch alles gut werden, weil Christus auferstanden ist" (S. Kierkegaard).
Ihnen eine fruchtbringende Fastenzeit - vielleicht verbunden mit der heiligen Beichte - und ein frohes Osterfest wünschend, bleibe ich mit Segen
Ihr P. Benno OFM
Das leere Grab Jesu - ein Hinweis der Auferstehung des Herrn
Die Menschen in Jerusalem kannten wohl den Ort der Hinrichtung, aber auch die Stätte des Grabes Christi. Wie hätte man am ersten Pfingstfest, nur 50 Tage nach dem Tod Jesu, behaupten können: "Der Herr ist auferstanden", ohne als Indiz dafür auf das leere Grab zu zeigen? Für viele gläubige Juden bedeutet Auferstehung eine "leibliche Auferstehung", und deren Zeichen ist eben das leere Grab.
Außerdem haben die Gegner der Auferstehung nie das Leersein des Grabes geleugnet; sie haben es nur anders erklärt.1
Golgota und das leere Grab - eine frühchristliche Kultstätte?
Wir dürfen also mit überzeugenden Gründen annehmen, dass der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem sowohl der Ort der Kreuzigung als auch die Stelle der Grablege Christi bekannt war; ja, wir dürfen sogar weiterfolgern, dass am Ort des Grabes Christi die ersten liturgischen Osterfeiern stattfanden. Und es ist einleuchtend, dass diese heiligen Stätte auch in der nahen Folgezeit verehrt wurden. Doch auch das wollen wir begründen. Der große Tübinger Bibelwissenschafter Adolf Schlatter (1852-1938) hat nachgewiesen, dass es mit nur einer kurzen Unterbrechung während des jüdischen Aufstandes (66-70n.Chr.) bis mindestens ins zweite Jahrhundert hinein in Jerusalem eine bedeutende judenchristliche Gemeinde gab, in der Mitglieder der Familie Jesu eine wichtige Rolle spielten.2
Jakobus, der Zebedäussohn, war einer der ersten Vorsteher der urchristlichen Gemeinde. Er wurde vor dem Paschafest des Jahres 42 durch den Befehl von Herodes Agrippa enthauptet (Apg 12,2). Sein Nachfolger war der Herrenbruder Jakobus mit dem Beinamen "der Gerechte". Er war noch einer der Zeugen, die den Auferstandenen gesehen hatten.
Als im Jahre 62 der römische Prokurator Festus starb, übte der Hohepriester Anatos einige Monate lang bis zur Amtsübernahme des neuen Statthalters eine Willkürherrschaft aus. Nach dem Bericht des Eusebius (265-339) "berief er den Hohen Rat ein, ließ den ,Bruder Jesu', der Jakobus hieß, und noch einige Männer vorführen, beschuldigte sie der Gesetzesübertretung und lieferte sie der Steinigung aus. Die Urgemeinde in Jerusalem wählte nun Symeon, den Sohn des Klopas und Vetter Jesu, zum neuen Oberhaupt".
Eusebius zählt vom Herrenbruder jakobus bis zu einem gewissen Judas in der Zeit des Bar-Kochba-Aufstandes (135 n. Chr.) 15 Bischöfe aus der Beschneidung auf.
Ist es nicht so, dass die Urgemeinde die baldige Wiederkunft Christi erwartete? Wie konnte sie dann überhaupt ein besonderes Interesse am Grab des Herrn gehabt haben?
Nach Ansicht des Bibelfachmanns J. Jeremias war jedoch "diese Welt der heiligen Gräber ein realer Bestandteil der Umwelt, in der die Urgemeinde lebte. Es ist undenkbar, dass sie, in dieser Welt lebend, das Grab Jesu der Vergessenheit anheim gegeben haben sollte. Es ist umso weniger denkbar, als für sie der, der in diesem Grab gelegen hatte, mehr als einer jener Gerechten, Märtyrer und Propheten war und sein Grab nicht nur eine Stätte war, die seinen Leichnam geborgen hatte, sondern - wie es Eusebius formulierte - das hehre und hochheilige Denkmal der Auferstehung des Erlösers."3
Dr. Karl-Heinz Fleckenstein
entnommen aus: Zeugen unserer Hoffnung; Näheres siehe Seite 23
1 Vgl. W.Nauck, Die Bedeutung des leeren Grabes für den Glauben, ZNW 47 (1956) 262-265
2 A.Schlatter, Synagoge und Kirche bis zum Bar-Kochba-Aufstand, Stuttgart 1966,
99-173
3 J.Jeremias, Heiligengräber in Jesu Umwelt, Göttingen 1958, 144f

Maria in der Bibel / 3
... dass wir gläubig werden der Verheißungen Christi
"Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit leuter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." (Lk 1,39-45).
So wie Jesus sich später entschlossen auf den Weg nach Jerusalem macht (Lk 9,51), eilt Maria, dem Willen Gottes gehorsam, zu ihrer Verwandten Elisabet. Sie wird das zeichen sehen, das der Engel ihr verheißen hat, die Schwangerschaft ihrer betagten Verwandten Elisabet. Die Reise von Nazaret in das "Bergland von Judäa" dauerte drei bis vier Tage. Ist Maria mit einer Pilgergruppe gegangen? Denn dass eine junge Frau den gefährlichen Weg allein machte, ist schwer vorstellbar.
Dass es bei der Begrüßung der beiden Frauen nach orientalischer Sitte wortreich zuging, darf angenommen werden. Jedoch hat der Gruß Mariens für Elisabet eine ungeahnte Wirkung: Das Kind in ihrem Schoß hüpfte auf. Solch bedeutsame Regungen des Ungeborenen gehören zu alttestamentlichen Erzählungen. Wir wissen heute viel mehr darüber, dass ein Kind schon im Mutterschoß viel von der Außenwelt, auch vom Befinden der Mutter, aufnimmt. Damit ist natürlich nicht das Aufhüpfen des Kindes im Schoß der Elisabet erklärt, vielleicht aber dem Verständnis näher gebracht.
Johannes, der schon voer der Geburt Träger prophetischen Geistes1 ist, erkennt in Maria die Mutter des Messias, so dürfen wir das uns vom Evangelisten Lukas geschilderte Geschehen deuten. Aber auch Elisabet wird mit Heiligem Geist erfüllt. Dessen Wirken wird zunächst mit kräftigen Worten geschildert: "Sie schrie auf mit lautem Ruf" heißt es wörtlich. "Geisterfüllt vermag Elisabet nun - in Anlehnung an den Lobpreis der Judit Jdt 13,18f - die ihr vor ihrem Kinde bezeugte Wahrheit zu deuten und in Worte zu fassen; sie weiß nicht nur, dass Maria empfangen hat, sondern auch, wen sie empfangen hat. ... Ihr lautes Rufen lässt erkennen, dass Gottes Geist aus ihr redet. So ist das, was sie sagt, nicht nur eine Grußerwiderung, sondern zugleich lobpreisendes Bekenntnis und Geschehnisdeutung. Die erste Christuserkenntnis hier ist gänzlich geistgewirkt. ... Maria ist - als Mutter des Messias - die begnadetste aller Frauen. ... Damit beginnt die Preisung Mariens, die der Engel 1,28 auf die Erde gebracht hat, auch unter den Menschen. Die Marienverehrung der urchristlichen Gemeinden und des Lukas, die diese Erzählund tradierten, spricht sich in diesen Worten mit aus."2

Selig ist die, die geglaubt hat
Im Kontrast zum Unglauben des Zacharias3 wird nun der Glaube Mariens besonders hervorgehoben. "Weil Maria ,Mutter des Glaubens' ist, wurde sie leiblich die Messiasmutter. Hier ist die Mutterschaft Mariens schon sehr vertieft verstanden; sie war nicht nur eine leibliche (V 43), sondern zuvorkommend eine geistliche, wie in Zusammenschau mit V 38 gedeutet werden muss: Jesu Mutterschaft hatte tiefe Voraussetzungen in ihrem personalen Leben, war eingebettet in verfügbare Hingabe und in Glauben."4
Zum Schluss dieser Bibelbetrachtung die Frage: Wäre Maria auf natürliche Weise durch Josef Muter geworden, woran bestünde dann ihr vorbildlicher Glaube? Wie kann sie uns dann Vorbild im Glauben sein?
Dürfen wir hingegen nicht sagen, dass Mariens Glaube einzigartig war? Das Wunder, das an ihr geschah, wurde von Gott nur ein einziges Mal in der ganzen Menschheitsgeschichte gewirkt! An die Seligpreisung der Elisabet schließt sich der Lobgesang Mariens, das Magnificat, an.
Glauben von Maria lernen
"Sie gebar aber einen Sohn, den Gott gesetzt hat zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern (Röm 8,29), den Gläubigen nämlich, bei deren Geburt und Erziehung sie in mütterlicher Liebe mitwirkt."5 Maria möchte uns durch das Hören und Tun des Wortes Gottes zum Glauben erziehen, ist sie doch die Mutter der Glaubenden. Sie tut dies auch im Rosenkranz, der ja ein "Jesusgebet" ist. Während wir die zehn Ave Maria eines Gesätzchens beten, sollen wir mit Maria auf Jesus und sein Wort schauen.
Manchmal erfahren wir schon in einem bescheidenen Anfang, wie sich Gottes Wort erfüllt: Wenn uns etwas im Glauben klarer aufleuchtet; wenn uns ein Wort der Heiligen Schrift, das uns bisher nichts sagte, plötzlich anspricht; wenn ein Gebet so erhört wird, wie wir es wünschten. Wichtig ist auch, dass es in diesen Erkenntnissen Fortschritte gibt. Und doch liegt über unserem Glauben der "Schatten des Todes". Ja, diesen Glauben möge uns die heilige Mutter Maria erbitten: Dass sich die Worte der Hoffnung auf ewiges Leben, von denen die Heilige Schrift voll sind, erfüllen. So könnten wir beten: dass wir gläubig werden der Verheißungen Christi. Nach dem Vorbild und durch die Fürbitte Mariens.
P. Benno Mikocki OFM
1 "und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein" (Lk 1,15)
2 Heinz Schürmann, Das Lukasevangelium, Erster Teil, Herder Freiburg Basel Wien, 67f
3 "Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter." (Lk 1,18)
4 Heinz Schürmann, A.a.O. 69
5 II. Vatikanisches Konzil, Kirche, 63
Blut fließt - doch die Welt schweigt
Die Christenverfolgung wird härter
Es war fünf Uhr nachmittags in Bagdad. Der Gottesdienst in der syrisch-katholischen Kirche Maria Gnaden hatte soeben begonnen, da hörten die 120 Gläubigen von draußen Schüsse. Abuna ("Vater") Wasseem stand am Altar. Er vermutete, dass sich der Angriff gegen die benachbarte Börse richtete, nicht gegen die Kirche, und forderte die Gemeinde auf, das unterbrochene Gebet fortzusetzen. Der Vorhof der Kirche war durch ein Eisentor abgesichert. Außerdem schützte Wachpersonal den gesamten Komplex. Das alles half nichts. Der Gottesdienst endete im Inferno.
Eine Gruppe von neun Terroristen tötete die Wachhabenden, sprengte das Tor auf und stürmte ins Kircheninnere. Der Hälfte der Gläubigen gelang es, sich in der Sakristei zu verbarrikadieren. Priester Wasseem, ein schmächtiger junger Mann, trat den Terroristen entgegen und bat sie, die Gläubigen zu verschonen. Er musste sich auf den Boden setzen und wurde durch einen Kopfschuss getötet. Dann rannten die Täter zum Altar und erschossen auch den Hauptzelebranten, Vater Thaer.
Über Handy teilten sie dem Sender "Baghdadiya TV" ihre Forderung mit, alle gefangenen Al- Kaida-Mitglieder im Irak und in Ägypten freizulassen. Inzwischen hatten Nachbarn die Polizei alarmiert. Über dem weitläufigen Gelände kreiste eine US-Drohne mit ihren Kameras. In der Sakristei begann eine Frau laut zu schluchzen. Das machte die Geiselnehmer auf das Versteck aufmerksam. Einer der Terroristen warf drei Handgranaten hinein.
Als Armeeeinheiten wenig später die Kirche stürmten, zündeten die Terroristen den Sprengstoff. Neben ihren Leichen fand man 52 weitere Tote, einige davon Soldaten, die meisten Gottesdienstbesucher. Das geschah am 31. Oktober 2010. Es war einer der furchtbarsten Angriffe auf die noch im Irak verbliebenen Christen. Seither kommt es fast täglich zu weiteren Morden und Bomben. Tausende sind in die Türkei geflohen. Die EU tut so, als ginge sie die Katastrophe nichts an.
Noch am gleichen Oktoberabend verkündete eine Al-Kaida-Splittergruppe im Internet, eine Gruppe zorniger Mudschaheddin habe "die dreckige Hähle von Götzenanbetern" in Bagdad gestürmt. Man sei entschlossen, alle Christen im Irak und in Ägypten auszulöschen. Diese Drohung war ernst gemeint, wie sich nach wenigen Wochen zeigte.
In der Neujahrsnacht kam es in Alexandria zu einem grauenhaften Anschlag gegen die "Kirche der Heiligen". Er löste weltweitnoch größeres Entsetzen aus. Vehement verurteilte Papst Benedikt XVI. religiös motivierte Gewalt, trat eindringlich für Frieden und Religionsfreiheit in aller Welt ein und forderte einen besseren Schutz für Christen. Auch der amerikanische Präsident Obama beklagte die "barbarischen" Anschläge in Ägypten und in Nigeria, wo während der Weihnachtsfeiertage ebenfalls mindestens 80 Christen islamistischer Gewalt zum Opfer fielen.
In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria war die Mitternachtsmesse koptischer Christen gerade zu Ende gegangen, drinnen erklangen noch liturgische Gesänge, als die ersten der rund 1000 Gottesdienstbesucher hinausströmten. In diesem Moment explodierte vor dem Eingang eine Bombe, riss 21 Christen in den Tod, mehr als 100 wurden verletzt. Blut befleckte den Kirchenboden, Blutspritzer zeichneten in das Gesicht Jesu auf einem Wandbild in erschütternder Weise das Leiden nach, dem so viele Unschuldige zum Opfer fielen.
Unter tausenden jüngeren Kopten brach, zum Teil gewaltsam, Wut gegen ihre zunehmende Diskriminierung und den fehlenden Schutz der Behörden aus. Nicht zum ersten Mal waren die Kopten, deren Kirche auf den heiligen Markus zurückgeht, zum Ziel christenfeindlicher Gewalt geworden. Von den 80 Millionen Ägyptern werden bis zu 10 Millionen zu den Kopten gezählt. Der Anschlag von Alexandria könnte der Beginn einer Terrorwelle sein, die die ägyptische Halbdiktatur aufs schwerste erschüttert.
Schon seit Jahren sehen sich die Christen im Irak zunehmender Verfolgung ausgesetzt. 1987 lebten nch mehr als 1,2 Millionen Christen im Zweistromland, heute weniger als 400.000. Sunnitische Terrorgruppen verüben gezielt Anschläge auf Christen. Viele Bischöfe, Priester und Gläubige wurden ermordet, zehntausende Familien mit Gewalt vertrieben. Dabei ist das Geschehen im Irak nur ein kleiner Ausschnitt der weltweiten Christenverfolgung.
Insgesamt werden bis zu 250 Millionen Christen wegen ihres Glaubens bedroht oder angegriffen, vor allem in kommunistischen und islamischen Ländern. Menschenrechtsexperten schätzen, dass jedes Jahr weltweit minestens 170.000 Menschen ihr Leben nur wegen ihres christlichen Glaubens verlieren. Wie kann man erklären, dass so viel Blut fließt und die Welt schweigt?
Unter den 360 Millionen Menschen im Nahen Osten leben nicht einmal mehr 6 Millionen Katholiken, die Hälfte davon - als Zuwanderer aus den Philippinen, aus Indien und Palästina - in den Golfstaaten. Dort gelten Christen als "Ausländer", in anderen islamischen Staaten als "fünfte Kolonne" des Westens. Christen werden zu hunderten aus Marokko ausgewiesen, weil sie "die religiöse Einheit des Landes" gefährdeten. Christen werden in Nigeria und Pakistan, in Indien un Afghanistan, im Sudan, Somalia usw. verfolgt. Besonders drakonisch ist die Unterdrückung in Saudi-Arabien. Religionswechsel ist mit dem Toe bedroht; Gottesdienste und christliche Bücher sind strengstens verboten; tausende Religionspolizisten sind im Einsatz.
Am schlimmsten ergeht es den Christen in Nordkorea. Im Weltverfolgungsindex der überkonfessionellen Organisation "Open Doors" steht das kommunistische Land seit Jahren an der Spitze. Laut Christian Solidarity International (CSI) sind vermutlich 70.000 Christen in Lagern eingesperrt. Auf die im Untergrund lebenden Gläubigen wird regelrecht jagd gemacht. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Massenexekutionen. 80 Prozent der weltweit aus religiösen Gründen Verfolgten sind Christen, von den Ermordeten ebenfalls rund 80 Prozent Christen.
"Wenn sie mich verfolgen, werden sie auch euch verfolgen", sagt Jesus seinen Anhängern voraus (Joh 15,20). Oft ist das Christentum in jenen Ländern, in denen die Menschenrechte verletzt werden, am schnellsten gewachsen. Doch es geht um mehr als um Menschnrechte. Die Verfolgung gilt dem Glaubenskern selbst. Jesus war es, der seinen Jüngern sagte: "Um meines Namens willen werdet ihr von allen gehasst werden" (Mt 10,22).
Paul Schulmeister

Die Psalmen entdecken
Freudiges Jubeln vor dem Herrn ist unser Schatz für das Leben, Psalm 95
Ein modernes Wort prägt unsere aktuelle gesellschaftliche Situation: Krise. Immer wieder wird auch in der Kirche dieser Begriff verwendet. Aber wie sollen wir darauf reagieren? Wer regelmäßig die Psalmen betet, bekommt auf diese Frage eine Antwort. Diese lautet: Nicht in resignative Stimmung zu verfallen, sondern trotz allem Freude und Jubel zu haben. Der Herr ist es, der sein Volk lenkt und leitet und es auch durch stürmische Zeiten hindurch führt; er wird es auch in Zukunft durch alle Herausforderungen begleiten.
Der Psalm kann in drei große Abschnitte gegliedert werden: V1 bis V5, V6 bis V7b, V7c bis V11.
1 Kommt lasst uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!
2 Lasst uns mit Lob seines Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!
Der Psalm 95 ist als Prozessionshymnus beim Einzug in den Tempel gedichtet und findet sich ähnlich in anderen Psalmen1. Sollte das Einzugslied zu unseren Gottesdiensten (es gibt natürlich Ausnahmen) nicht von ähnlich froher Stimmung getragen sein? Der Ausdruck "Fels unseres Heils" ist reich an Verbindungen, die dazu hergestellt werden können. Als Fels des Heiles hat sich Gott dem altbundlichen Volk vor allem in seinen Wundern gezeigt: Auszug aus Ägypten, Besiedelung von Palästina, Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. Im neuen Bund hat sich Gott vor allem durch die Sendung seines Sohnes, dessen Tod und Auferweckung als der erwiesen, auf den felsenfest vertraut werden kann. Der Herr ist der Fels, der seine Kirche auch heute führen und begleiten wird. Ebenso dürfen wir persönlich unser Leben auf diesen Fels bauen.
Der Mensch kann aus dem Glauben heraus darauf antworten, indem er in einer Haltung des Lobes vor das Angesicht Gottes tritt, die sich auch in der Anbetung äußern kann.
3 Denn der Herr ist ein großer König über allen Göttern.
Die Bezeichnung großer Gott und großer König möchte die in menschlichen Worten nur schwer fassbare Größe Gottes zum Ausdruck bringen. Der Herrschaftsbereich Gottes ist im wahrsten Sinne des Wortes allumfassend. Er besitzt absolute Machtbefugnis über alles.
4 In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gopfel der Berge.
5 Sein ist das Meer, das er gemacht hat, das trockene Land, das seine Hände gebildet.
Alles ist in Gottes Hand. daraus ergibt sich auch für uns eine wunderbare Perspektive: ebenso sind wir es. Das heißt, wenn uns noch Schweres im Leben widerfährt,so können wir doch niemals tiefer in die Hand Gotes fallen. Schöpfen wir daraus auch Kraft und Hoffnung in Stunden des Leides und Schmerzes, wenn wir scheinbar einsam und alleine sind?
6 Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt.

Der zweite Teil:
Der Einzug in den Tempel wird geschildert. Jetzt geht es um die Geschichte und Erwählung Israels. Der Schöpfer der Welt ist auch der Schöpfer Israels. Der Herr hat eine dreifache Funktion: Er ist König, Hirte und Bundesgott, das heißt, er wacht über den Bund, den er mit dem Haus Israel geschlossen hat. Wenn sich Gott als Hirte seines Volkes bezeichnet, denken wir natürlich auch an den guten Hirten: Jesus (Joh 10,11).
Ach würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
Der dritte Teil:
Aus den zuvor geschilderten Tatsachen erfolgt eine Mahnung zum Gehorsam Gott gegenüber. Diese Mahnung enthält einerseits eine Drohung für den Fall des Ungehorsams und eine Werbung für eine positive Entscheidung, dem Herrn diesen Gehorsam doch zu erweisen. Der Hebräerbrief2 greift diese eindringliche Mahnung für das neubundliche Gottesvolk auf.
8 "Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba, wie in der Wüste am Tag von Massa!
Die Aufforderung, das Herz nicht zu verhärten, ist klar und präzise formulier. Dort, wo der Mensch sein herz verhärtet, kann ihn der Anruf Gottes nicht erreichen. Dies gilt für alle Zeiten und Generationen. So bittet etwa König Salomo um ein hörendes Herz nach dem Motto: Was soll ich tun?
9 Dort haben eure Väter mich versucht, sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein Tun gesehen.
10 Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zuwider, und ich sagte: Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht; denn meine Wege kennen sie nicht.
Als Modell für ein abzulehnendes Fehlverhalten wird auf die Zeit in der Wüste Bezug genommen. An zentrale Orte und Ereignisse des Misstrauens gegen Gott werden hier als Anknüpfungspunkte dargestellt: Wassernot, Murren wegen Hungers, goldenes Kalb.
Menschen und Völker gehen insgesamt auf Irrwegen, wenn sie den Weg Gottes verlassen und eigenwillige Initiativen setzen möchten. In diesem Zusammenhang ist etwa auch auf Psalm 1 zu verweisen, dass jener Mensch glücklich zu preisen ist, der Freude hat an der Weisung des Herrn und darüber Tag und Nacht nachsinnt. Psalm 2 fordert dementsprechend dazu auf, dem Herrn in Ehrfurcht zu dienen. Angesichts der zuvor zitierten Wüstenzeit ist der neue Einsaz im Heute notwendig. Das fruchtbare Nützen der Gegenwart ist entscheidend!
11 Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe."
Auf das Buch Numeri im Alten Testament (Num 13 -14) wird verwiesen. Damit wird in Erinnerung gebracht, dass die Zusagen der Landverheißung widerrufen werden können. Nichts ist selbstverständlich im Leben. Das Ziel ist Ruhe und Frieden mit Gott. Es wird nur erreicht, wenn sich Menschen und Völker insgesamt darum bemühen, immer im Herrn verankert zu sein.
Psalm 95 (Eröffnungspsalm - Invitatorium - zum Stundengebet) weist den Menschen eine freudenreiche Perspektive in die Zukunft, die dann nicht eine billige Vertröstung ist, wenn wir der Botschaft von der Auferstehung Jesu vertrauen. Wichtig ist die Freude im Herrn, wenn sie mit einem hörenden Herzen verbunden ist, und die Bereitschaft miteinschließt, den Willen Gottes zu erfüllen.
P. Franz Müller OFM
1 Psalm 47,2; 81,2; 100,1f
2 Hebr 3,7 - 4,13
Ein Aufsehen erregendes Interview zum Weltfinanzsystem
Die Botschaft von Fatima mahnt uns sicher zuerst zur eigenen Bekehrung und zum Gebet um die Bekehrung der Mitmenschen. Sie mahnt aber auch eindringlich zum Gebet für die schwierigen Probleme dieser Zeit. Deshalb bringen wir auch dieses aktuelle Interview mit Prof. DI Dr. Heinrich Wohlmeyer.

P. Benno:
Herr Professor, 1973 wurde die Golddeckung des US-Dollars aufgehoben. Geschah das weltweit für alle Länder oder nur für bestimmte Länder?
Wir sollten uns zuerst fragen, wie es zum Goldstandard kam. Die ursprünglichen Währungseinheiten bezogen sich auf den Wert von Standardgütern, die gehandelt wurden. So geht das römische pecunia auf die Handelsware "Vieh" zurück. Seltene Metalle kamen als Wert- und Tauschmaßstab in Verwendung, weil diese haltbar, teilbar, zusammenfügbar, nicht beliebig vermehrbar und relativ leicht transportierbar sind.
Es gab lange Zeit eine "Bimetalldeckung" der Währungen aus Silber oder Gold. Die kontinentaleuropäischen Währungen basierten vornehmlich auf Silber. Der Staat und das mit ihm liierte Bankensystem der aufstrebenden Industrie- und Handelsmacht England setzte jeddoch auf Gold als Hinterlegung. Dies vor allem aus zwei Gründen:
a) Man kontrollierte die größten Goldminen und eignete sich diese zunehmend an (siehe die Plünderung Indiens und die Burenkriege um die Bodenschätze in Südafrika) und
b) Über die Bindung an das Gold konnte man die Weltfinanzen in Anhängigkeit und unter Kontrolle bringen.
London wurde zum Weltfinanzplatz. Außer bei den Edelmetallmünzen (Kurantmünzen), deren Wert im Edelmetallgehalt bestand, gab es eigentlich nie eine volle Golddeckung. In England wurde bereits 1844 die partielle Golddeckung gesetzlich festgelegt. 14 Millionen Pfund Sterling durften ohne Golddeckung in Umlauf gebracht werden. Jede darüber hinaus gehende Ausweitung der Geldmenge musste mit Gold hinterlegt werden. Es bestand somit die sogenannte "Goldbremse".
Die USA, die ebenfalls über hohe eigene Edelmetallvorkommen verfügten, hatten ursprünglich einen Bimetallstandard. Die New Yorker Großbanken sétzten jedoch nach dem Bürgerkrieg den Goldstandard zu Lasten der Silberproduzenten durch. Seit 1870 dominierte der Goldstandard weltweit. Dies war auch deshalb möglich, weil die Goldproduktion mit dem Wachstum der Weltwirtschaft Schritt hielt.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren die USA bereits "Goldmacht", weil sie sich die Kriegslieferungen an und die Kriegsdienste für die europäischen Alliierten in Gold bezahlen ließen und die deutschen Reparationen noch hinzukamen. Der Zweite Weltkrieg verstärkte die Position der USA, und sie konnten daher 1944 in Bretton Woods den Dollar als goldgedekcte Welt-Leitwährung etablieren. Die Einwechslung in Gold war aber nicht den Bürgern, sondern nur den Nationalbanken möglich. Die Währungen waren zu fixen Wechselkursen an den goldgedeckten Dollar gebunden. Es handelte sich somit um einen weltweiten indirekten Goldstandard.
Die Defizite in der Leistungsbilanz (Außenhandelsdefizite) und die über Geldmengenausweitung geführten Kriege (beginnend mit dem Vietnam-Krieg) zwangen jedoch die USA, 1971 die Konvertibilität (Umwechselbarkeit) in Gold aufzuheben und 1973 den indirekten Goldstandard formell zu beenden. Damit fand der Goldstandard weltweit ein Ende, weil die wichtigsten anderen Währungen über den Dollar zu fixen Wechselkursen an das Gold gebunden gewesen waren. Gold fungiert jedoch noch immer als vertrauenssichernder Bestand. Die Rückkehr zum Goldstandard wäre jedoch schon aus Mengengründen nicht möglich bzw. nur zu exorbitanten Preisen.
Was war der Grund, dass man die Golddeckung der Leit-Währung aufhob?
Wie schon vorstehend erwähnt, war die Geldmengenausweitung in den USA der Grund. Präsident Nixon stand vor der Zahlungsunfähigkeit in Gold. Er erfand jedoch 1971 eine Strategie, um die überbordenden Dollarmengen zu binden und den Wert des Dollars zu bewahren - das Petrodollarsystem. Ein noch immer existierendes Verteidigungsabkommen mit dem weltgrößten Erdölproduzenten, Saudi-Arabien, gepaart mit der Zusage, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen und dies auch in der Organisation Erdölexporiterender Länder (OPEC) durchzusetzen, garantierte die Nachfrage nach Dollars. Der übrige Welthandel folgte. Derzeit sind rund 80 Prozent des Dollarvolumens im Ausland im Umlauf. Die Dollarüberschusse der Erdölexportierenden Länder wurden über das sogenannte "Petrodollar-recycling"1 vor allem über die Londoner Finanzwelt gebunden. Man drängte insbesondere den Entwicklungsländern geradezu Kredite auf. Ergänzend kommt noch die Vergabe von US-Staatsanleihen (Government Bonds) zu attraktiven Zinsen hinzu.
Mit diesem Bündel von Maßnahmen konnte die Geldmengenausweitung von derzeit mehr alsfünf Milliarden Dollar pro Tag ohne Vertrauensverlust in den Dollar kanalisiert werden.
Hat dieser Schritt nicht auch weit reichende wirtschaftliche Folgen, ja ist er damit nicht auch verantwortlich für die wirtschaftlichen Gefahren, die wir alle befürchten?
Die praktisch ungebremste Geldmengenvermehrung birgt die Gefahr des weltweiten Zusammenbruchs der gegenwärtigen Finanzordnung in sich. Die immer weiter aufgeblasene Finanzblase hält nur so lange, als niemand hineinsticht. Letzteres könnte zum Beispiel durch China erfolgen, das derzeit mit Dollars weltweit Realwerte (Erdöl- und Metallvorkommen, Industrien und Ländereien) einkauft, um die Folgen einer Dollarentwertung zu mindern. Die Chinesischen Dollar-Guthaben betragen derzeit bereits über eine Billion.
Aus Angst vor einer Hyperinflation findet derzeit weltweit eine Flucht ins Gold und in andere Realwerte statt. Dies führt zu die Wirtschaftsentwicklung behindernden Preisniveaus.
Der Präsident der Weltbank Robert Zoellik hat in dieser Situation jüngst in der "Financial Times" gemeint, dass dem gegenwärtigen Währungschaos ein Ende gesetzt werden könnte, wenn man "Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen würde, an dem sich die Markterwartungen bezüglich Inflation, Deflation2 und des zukünftigen Wertes der Währungen messen lassen." Dies wäre ein neuer indirekter Goldstandard. Er setzt aber ein Weltwährungsabkommen voraus, das derzeit nicht in Sicht ist, und in dessen Rahmen insbesondere die Sanierung des in den Händen eines nicht gemeinwohlorientierten und änderungsresistenten Money Trust3 befindlichen US-Dollars.
Man sagt, dass manche Staaten Geld drucken; kann man auch sagen, dass der EURO gedruckt wird, einfach ohne entsprechende Deckung?
Dass die Finanzmächtigen der USA unverantwortlich "Geld drucken" und gleichzeitig die anderen zum "Totsparen" anhalten, habe ich bereits aufgezeigt. Ein einzelnes Euroland kann kein Geld drucken. Wenn allerdings die europäische Zentralbank (EZB) marode Staatsanleihen aufkauft und den Banken Geld um einen Leitzinssatz von einem Prozent gibt, so wie diverse "Rettungsschirme", wie die EFSF (European Financial Stability Facility), aufspannt, dann wird die Geldmenge ohne Deckung ausgeweitet ("fiat money"4). Staaten die, wie Italien mit 120 Prozent (!) ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) verschuldet sind - mit steigender Tendenz - werden mit fiat money kurzfristig über Wasser gehalten.
Die "Deckung" muss im Vertrauen auf die Wertbeständigkeit der Währung bestehen, dieses kann nur durch eine ausgewogene Wirtschaftspolitik, zu der auch eine finanzierbare Budgetpolitik gehört, erworben werden. Der ehemalige Ministerpräsident Tschechiens, Vaclav Klaus, hat seinerseits im persönlichen Gespräch gemeint: "Sie dürfen eben nicht mehr ausgeben, als Sie einnehmen, und sie dürfen sich nicht mit Leuten ins Bett legen, die dies nicht tun. Daher müssen wir außerhalb des Euro bleiben." Nun gehört dieses Land zu den am wenigsten verschuldeten Staaten (rund 35 Prozent des BIP).
Was könnte die Folge dieser unkontrollierten "Geldproduktion" sein?
Jeder Geldmenge steht eine Schuld gegenüber. (Wir haben ein System des Kreditgeldes.) Wenn nun die Verschuldung der Staaten und der nichtstaatlichen Bereiche ein Ausmaß erreicht, dass der Schuldendienst die Staatseinnahmen und die privaten Einkommen weitestgehend auffrisst und die großen Kapitaleigner, die fiat-money-Ausgeber, nicht einem drastischen Schuldenverzicht zustimmen - einer "Welteröffnungsbilanz" (siehe Betendes Gottesvolk 2010/3, Nr. 243,S.7)-, dann ergeben sich folgende leider wahrscheinliche Szenarien: Die Inszenierung einer Hyperinflation, durch die die Staaten entschuldet und die Bürger kalt enteignet werden. Die weltweite Verarmung zu Gunsten weniger Reicher mit dem Risiko revolutionärer Umschwünge (Bürgerkriege) als Gegenbewegung. Der Versuch der kriegerischen Schuldeneintreibung durch die Schutzmächte des Großkapitales.
Die Geschichte des tragischen 20. Jahrhunderts, die wir hinter uns zu haben glauben, könnte sich wiederholen.
Das Aufbrechen der "sündhaften Strukturen" (Papst Johannes Paul II.) ist daher eine menschheitsstrategische Aufgabe.
Herr Professor, danke für das Gespräch.
1 Petrodollarrecycling = Binden der in US-Dollar bezahlten Erdöleinkünfte in den internationalen Finanzmärkten (insbesondere in Form von Dollarkrediten an Entwicklungsländer), um eine Dollarinflation zu vermeiden.
2 Deflation = Durch Zurückhaltung und Misstrauen (zum Beispiel zwischen den Banken - Liquiditätskrise) aber auch Firmenzusammenbrüche wird Geld aus dem Umlauf gezogen bzw. verringert sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Es entsteht eine sich selbst verstärkende Spirale nach unten.
3 Money Trust = Abgesprochene Eigner von Großkapital. Im Fall des US-FED (Federal Reserve System) handelt es sich um ein seit 1913 mit Nationalbankprivilegien ausgestattetes Großbankenkartell. Das FED ist also keine Nationalbank im europäischen Sinne.
4 Fiat money = ohne Deckung geschaffenes Geld
"Ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib" Gal 6,17
Sich mit dem Kreuz bezeichnen - Beten mit der Hand

Das Kreuz ist für Christen das Zeichen ihres Glaubens, ein Bekenntnis zur Rettungstat Gottes: "Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. In ihm sind wir erlöst und befreit." Wenn die Kirche diesen Gesang zu Beginn der österlichen Dreitagefeier am Gründonnerstagabend anstimmt, erinnert sie an das Kreuz als Zeichen des heilbringenden Durchbruchs durch den Tod zum Leben. Daran haben alle Getauften Anteil. Als äußeres Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Christus und seinem österlichen Wirken hat die Kirche den Neugetauften das Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Für sie galt, was der Apostel Paulus von sich selbst geschrieben hat: "Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt... Denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib" (Gal 6,14.17).
Das Kreuzzeichen auf der Stirn, später auch das "große" Kreuzzeichen, bei dem man sich mit den ausgestreckten Fingern der rechten Hand vom Haupt zur Brust und von der linken zur rechten Schulter selbst bekreuzigt, ist also vor allem als ein Tauferinnerungszeichen zu verstehen. Verstärkt wurde das Taufgedächtnis durch die bald hinzutretende Anrufung des dreieinigen Gottes, in dessen Namen die Taufe geschieht: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Besonders deutlich wird der Charakter des Taufgedenkens, wenn ich beim Betreten der Kirche meine Hand in das gesegnete Wasser tauche und mich damit bekreuzige. Es erinnert mich daran, dass ich in das Geheimnis des Kreuzes und des Todes Christi hineingetaucht worden bin und damit zu Christus und seiner Kirche gehöre. Gelegentlich, vor allem in der Osterzeit, wird dieses private Taufgedächtnis auch gemeinschaftlich vollzogen. Zu Beginn der Sonntagsmesse segnet der Priester das Wasser und sprengt es über der gottesdienstlichen Versammlung aus als Erinnerung an die Taufe.
In der Messfeier bezeichnen sich die Gläubigen dreimal mit dem Kreuzzeichen. Zu Beginn und am Schluss mit dem "großen", zur Verkündigung des Evangeliums mit dem "kleinen" Kreuzzeichen. Auch dabei steht jeweils der Gedanke der Zugehörigkeit zu Christus und seiner Kirche durch die Taufe und das Bekenntnis zum dreieinigen Gott im Mittelpunkt.Zugleich nimmt das Kreuzzeichen auch eine Art "Signalfunktion" an. Es zeigt in Wort und Zeichen, dass das nun Folgende, ob das private Gebet oder die Feier des Gottesdienstes, unter dem Vor-Zeichen des Kreuzes steht: Jetzt treten Gott und Mensch in Beziehung. Wo Gott sich dem Menschen zuneigt und der Mensch Gott lobpreist und dankt, da öffnet sich der Raum des Segens. Darum erfolgt der Segen im Zeichen des Kreuzes und der Selbstbekreuzigung der Gläubigen. Darüber hinaus verbindet sich mit dem eröffnenden Kreuzzeichen beim privaten wie beim gemeinschaftlichen Gebet aber auch der Gedanke, dass Gott dem Betenden zu Hilfe kommen muss. Denn die wahre Anbetung im Geist und in der Wahrheit (Joh 4,23) kann der Mensch nie allein aus sich heraus vollbringen, sie wird ihm vom Geist geschenkt.
Mancherorts ist es Brauch sich zu bekreuzigen, wenn in der Mitte des Eucharistischen Hochgebetes der Leib und das Blut Christierhoben werden. Darin darf man wohl ein intuitiv richtiges volkstümliches Empfinden vermuten. Der Gläubige will sagen: Was der Priester mir hier zeigt, Christus in den eucharistischen Gestalten, zu ihm gehöre, in das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung muss ich mich hineinziehen lassen. Der Trierer Liturgiewissenschaftler Balthasar Fischer (+ 2001) hat hier darum von einem "Aneignungs-Kreuzzeichen" gesprochen, wie dies ähnlich auch für das Kreuzzeichen beim Schlusssegen des Gottesdienstes gilt.
Schließlich hat sich bei der Verkündigung des Evangeliums die ältere Form des "kleinen" Kreuzzeichens erhalten. Dabei bezeichnet man heute nicht mehr allein die Stirn, sondern auch die Lippen und das Herz mit einem kleinen Kreuz. Denn nicht nur der Kopf, der Verstand ist angesprochen, wenn nun Jesus selbst die Stimme erhebt, der ganze Mensch mit Herz, Geist und Sinn ist gemeint, oder wie spätere fromme Erklärer gerne sagten: Was der Geist hier aufnimmt, das sollen die Lippen bekennen, das soll der innere Mensch "beherzigen".
Das Kreuzzeichen ist also eine Art "Beten mit der Hand". Es erinnert an den Schlüssel des Glaubens, mit dem sich durch die Taufe das Tor zum ewigen Leben öffnen lässt. Es begleitet die Gläubigen vom Beginn ihres Christwerdens bis zu ihrem Begräbnis, wenn über dem Grab das Kreuz gezeichnet und dabei gesprochen wird: "Im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus ist Auferstehung und Heil."
Wissenswertes zur Geschichte des Kreuzzeichens
In der Antike trugen vielfach Sklaven das Zeichen ihres Herrn auf der Stirn. Damit wurden sie als dessen Eigentum gekennzeichnet. Ähnlich zeichnete man schon früh den Taufkandidaten bei der Aufnahme in den Katechumenat ein Kreuz auf die Stirn. Das Kreuz erinnerte dabei nicht nur an das Zeichen der Erlösung, es gleicht in der Form dem griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Christus. Mit diesem Besitzzeichen bekannte sich also der Betreffende zu Christus und vertraute auf die Rettung durch ihn.
Die Selbstbekreuzigung mit dem Daumen oder Zeigefinger auf die Stirn (auch mit gesegnetem Wasser) wie auch das Kreuzzeichen über Gegenstände gehörte seit dem späten 2.Jahrhundert zum christlichen Alltagsleben (vgl. Tertullian, De corona militium 3,41. Das "Signaculum" (griech. sphragis = Zeichen) verband eine private Form der Tauferinnerung mit dem Schutzgedanken, galt doch das Kreuzzeichen als unheilabwehrend und segensvermittelnd. Die Ostkirchen kennen das Kreuzzeichen in vielfältiger symbolischer Verwendung, aber auch Martin Luther hielt am Kreuzzeichen beim Aufstehen und Zubettgehen fest. Im evangelischen Bereich kam es dann im Zuge der konfessionellen Abgrenzung außer Gebrauch, als Segensgebärde blieb es im Gottesdienst erhalten.
Die mit dem Kreuzzeichen verbundene Anrufung des dreieinigen Gottes ("Im Namen des Vaters...") stammt aus dem frühen Mittelalter und unterstreicht den Bezug des Zeichens zur Taufe.
Dr. Jürgen Bärsch
Univ.-Prof. für Liturgiewissenschaft
an der Theologischen Fakultät der
Universität Eichstätt
1 "Bei all unserem Tun, betreten wir das Haus oder verlassen wir das Haus, bekleiden wir uns oder setzen wir uns zu Tisch oder begeben wir uns zu Bett oder nehmen wir eine Lampe, immer machen wir auf der Stirn das Kreuzzeichen." (christlicher Schriftsteller Tertullian um 160-220)
"Herr, lehre uns beten" /3 Lk 11,1
Woraus beten wir?
Von frommen Juden, die im Osten lebten, wird uns folgende Begebenheit erzählt: Ein Rabbi, der als ein Meister des Gebetes bekant war, fragte eines Tages seinen Sohn: "Womit betest du eigentlich?" Dieser, von der ungewöhnlichen Frage überrascht, verstand den Sinn der Worte so, als wolle der Vater wissen, welches Gebet er konkret beim Beten spreche. Er antwortete: "Mit dem Vers: ,Alles was Menschenantlitz trägt, neige sich vor dir.'" Dann fragte er den Vater: "Und womit betest du?" Der erwiderte ihm: "Mit der Diele (=Werkstatt) und der Bank." Die Naivität der Geschichte soll uns ihre Tiefsinnigkeit nicht übersehen lassen. Ihre Absicht ist es nicht, Gebet und Arbeit bzw. Leben gegeneinander auszuspielen, vielmehr ihre Einheit und Zusammengehörigkeit zu veranschaulichen.
Der Sohn des frommen Mannes spricht unsere traditionelle Auffassung von Gebet aus. Beten heißt für viele vorformulierte Texte nachsprechen. Das gilt sowohl für das persönliche wie auch für das gemeinschaftliche Beten. Ein Großteil unseres Betens vollzieht sich auf diese Weise. Auf diesem Weg haben wir das Beten überhaupt kennen gelernt und eingeübt. Unsere Gebetspraxis und -erfahrung sowie unser Gebetsverständnis nehmen Maß am Umgang mit uns vorgegebenen Gebeten, die wir einmal auswendig gelernt haben oder einfach ablesen. Für die meisten von uns ist das die einzige Art, wie wir mit Gott in Verbindung treten. Gebetstexte zeichnen sich in der Regel durch eine besondere religiöse Dichte, durch ihre Geschichte, ihre Lebens- und Glaubenserfahrung aus.Sie tragen die Handschrift bestimmter Beter und frommer Gruppen, gewisser Situationen und Ereignisse, geben Zeugnis von der Kraft des Glaubens und der Hoffnung. Wie sehr es immer Menschen sind, denen sie ihre Entstehung und Formulierung verdanken, untergründig ist ihnen Gottes Geist als Geist des Gebetes am Werk, der ihren Ursprung und ihren Ausdruck inspiriert und begleitet. Das Wissen um diese Zusammenhänge verleiht den formulierten Gebeten einen besonderen Stellenwert und macht sie zu einer ununterbrochenen Schule des Betens. Gebete sind alles andere als beliebige Texte. Sie verlangen Aufmerksamkeit, Behutsamkeit und Wertschätzung.
"Sammelt euch Schätze im Himmel!" (Mt 6,20)
Dieses Jesuswort bezieht sich zwar nicht unmittelbar auf das Gebet, es meint aber einen Lebensstil, der das Gebet auf keinen Fall ausschließt. Das Wort vom Gebetsschatz dürfte zumindest in Glaubenskreisen nicht fremd sein. Je mehr das Gebet an Selbstverständlichkeit und Sinnhaftigkeit verliert, desto mehr gewinnt das Bedürfnis nach einem entsprechenden Gebetsschatz an Bedeutung. Wir begegnen ihm gewöhnlich in den herkömmlichen Formen des gemeinschaftlichen Betens. Neben den Grundgebeten, wie sie das Vater Unser, Ave Maria, Ehre sei dem Vater, das Glaubensbekenntnis, Gloria, Sanctus, Magnificat oder Te Deum darstellen, zählen dazu vor allem die Feier der Eucharistie und der Sakramente, das kirchliche Stundengebet mit dem Psalter und die verschiedenen Andachtsformen wie Kreuzweg, eucharistische Anbetung, Rosenkranz, Litaneien und Andachten usw. In all diesen Gebetsformen haben wir es mit Texten zu tun, die zum großen Teil dem Nährboden der Heiligen Schrift und der Frömmigkeit des Glaubens entstammen. Weil unser Leben und Glauben selbst gemeinschaftlichen Charakter besitzen, erweist sich unser gemeinsames Beten als unerlässlich. Dieses bildet einen integralen Bestandteil, und nicht bloß eine Pflichtübung unseres Daseins.
Vorgegebene Gebetstexte stellen sehr häufig auch das Rückgrat unserer individuellen Frömmigkeit dar. Auf diesem Sektor weist jeder von uns seine eigene Geschichte und seine persönlichen Erfahrungen auf. Die Wurzeln davon reichen nicht selten bis in unsere erste Kindheit zurück. Wir kennen so etwas wie unsere Lieblingsgebete und besitzen unseren besonderen Gebetsschatz. Neben den Quellen allgemeiner Art wie Heilige Schrift und Liturgie ist es vor allem die reiche und bunte Welt der Heiligen als charismatische Beter, die unser Beten inspirieren und befruchten. Es besteht heute zum Beispiel ein großartiges Angebot an Möglichkeiten, die sich unter dem Übertitel "Beten mit..." sammeln und höchst anregend wirken. Unsere Erfahrung sagt: Der Gebetsschatz wächst. Dabei ist auch daran zu erinnern, wie wichtig es ist, für Notlagen Rücklagen anzulegen. Von welchen Gebeten wollen und können wir im Not-, Krankheits- oder Sterbe- und Todesfall leben?
Wie sollen wir mit Gebetstexten beten?
Viele wachsen nicht mehr automatisch mit dem Beten auf. Wo sollen sie es erfahren und kennen lernen?
Wir brauchen Gebetskreise und -"schulen", die bewusst das Anliegen der Einweisung und Einführung in die Welt des Gebetes aufgreifen und pflegen. Das aufmerksame, nicht mechanische Nachsprechen formulierter Gebetstexte, eventuell verbunden mit entsprechenden Kommentaren, ist geeignet, in einr Gruppe gleichgesinnter Beter den Geist und die Atmosphäre des Gebetes entstehen und lebendig werden zu lassen. Wer gemeinsam und gemeinschaftlich betet, der kennt die Erfahrung, wie der gemeinsame Strom des Gebetes trägt, hält und ansteckt.
Schwieriger verhält es sich beim persönlichen Nachvollzug vorgeformter Gebete. Hier ist grundsätzlich an die Notwendigkeit der Sammlung und des Eingehens in die Gegenwart Gottes zu erinnern. Unserem mechanischen und quantitativem Denken ist der Zutritt zu verwehren. Wir müssen es uns angewöhnen, einen Gebetstext als unser eigenes Wort anzueignen und die Worte mit unserem Herzen zu verbinden. Nicht selten werden uns bestimmte Worte oder Aussagen so in ihren Bann ziehen, dass wir dabei innehalten und verweilen sollten. Je mehr wir in das Gegenüber zu Gott eintauchen, desto mehr beginnen über den Text hinaus Gott und unser Herz miteinander zu sprechen.
Abt Dr. Christian Schütz

„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 244/2010/4

Ist es Ihnen nicht schon aufgefallen: Man redet zwar manchmal über den "Herrgott", über ein "Höchstes Wesen", eine "Urkraft" und ähnlich, aber kaum über Jesus. Außer in der Kirche, im Gebetskreis, in der Familie, aber sonst ...?
Die Ursache erklärt uns Jesus selbst, wenn er sagt: "Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben" (Joh 16,3).
Viele Menschen meinen, wenn sich Gott um uns kümmert, müsste er alls Unheil von uns abhalten, ja auf Erden ein Paradies schaffen. Sie meinen auch, wenn sie anständig leben, müsste es ihnen doch auf Erden gut gehen. Aber diese Rechnung geht nicht auf, da brauchen wir nur auf das Kreuz zu schauen. Jesus war ohne Sünde und trotzdem dieses furchtbare Leid.
Gott hat seine Liebe zu uns dadurch gezeigt, das er für uns das Kostbarste opferte, seinen Sohn. Wir bewundern Menschen, die für einen Kranken eine Niere spenden (wie es vor Monaten ein Politiker für seine Frau getan hat). Das ist doch ein Zeichen echter Liebe. Aber Gott hat für uns unendlich mehr getan! "Denn Gott hat die (Menschen) Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab ..." (Joh 3,16). Nun können wir an Jesus, dem menschgewordenen Sohn Gottes, erkennen, wie der unbegreifliche Gott sich um uns sorgt, wie er uns liebt.
Denken wir da an ein Kind: Wie gut kann man ihm vor der Krippe, oder wenn wir sonst das Jesuskind sehen, erklären: Gott, den wir nicht sehen können, hat uns Jesus als Kind gesandt, weil er uns lieb hat. Ein Kind wird das gläubig annehmen; aber es belibt nicht immer Kind und da wird's schon schwieriger.
Überlegen wir: Jesus wird in der Bibel mit 76 positiv gemeinten Namen (dazu kommen noch 13 neutrale und 10 abfällige) bezeichnet. Und jeder dieser Namen sagt etwas über Jesus aus. Jesus ist, so können wir aus der Vielzahl der Namen schließen, unbegreiflich. Und doch dürfen und sollen wir ihn vertrauensvoll mit einem Namen ansprechen, der uns besonders zusagt.
Übrigens: Die Unbegreiflichkeit Jesu ist eine Ursache, weshalb wir uns an seine heilige Mutter wenden, um IHN ein wenig besser verstehen zu können. Besser verstehen zu können, dass Jesus nicht nur ein besonderer Mensch ist, sondern dass Jesus, als zweite göttliche Person, der am "Herzen des Vaters ruht" (Joh 1,18), Mensch geworden ist, um uns zum Vater zu führen.
Jerusalem war zerstört, das Land verwüstet, die Heimkehrer aus Babylon deprimiert. Da ermutigt sie der Statthalter Nehemia mit den Worten: "Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke" (Neh 8,10). Brauchen wir nicht gerade in unserer Zeit dieses ermutigende Wort? Das noch einen viel tieferen Sinn hat als damals, als Nehemia es zu den Juden sprach. Die Freude am Herrn hat ihre Ursache darin, dass Jesus in die Zukunft, zum Vater führt. Damals sagte der Statthalter den Leuten diese ermutigenden Worte, um sie zum Bau der Stadtmauer zu motivieren. Heute soll uns dieses Wort aus Kleinglauben und Müdigkeit erwecken: Jesus will uns stärken, auch unsere Aufgabe in Kirche und Welt zu erfüllen.
In der Hoffnung, euch mit diesen Worten ermutigt zu haben,
bleibe ich mit Segen euer P. Benno OFM
"Herr. lehre uns beten" /2 (Lk 11,1)
Womit beten wir?
Beten, allein nur von Gebet zu sprechen, scheint heute schwer zu sein. Warum? Wir wissen nicht recht, warum, wozu, wie und womit wir beten sollen. Wir sagen zwar mit den Lippen bestimmte Formeln, denken mit unserem Verstand über uns und unser Leben nach, lesen den einen oder anderen besinnlichen Text, der uns anspricht, oder erheben im besten Fall unseren Geist oder unsere Seele nach oben, aber was besagen solche Tätigkeiten im Grunde? Ist das Beten? Bei nicht wenigen kommen Beten und Gebete im Leben nicht vor. Für sie ist im Grunde kein Platz vorgesehen, besteht keine Notwendigkeit dafür. Wenn jemand betet, dann ist das rein zufällig und eine private Angelegenheit. Diese Einstellung und Lebensweise greift mehr und mehr um sich. Eine nahezu angeborene Abwesenheit und Unfähigkeit zu beten breitet sich aus.
Daneben besteht die immer schon vorhandene Not mit dem Beten, die jeder Beter aus eigener Erfahrung kennt. Es gibt das Problem der nicht erhörten gebete. Zuweilen beschleichen uns Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Betens. Abgesehen von der Frage nach der Richtigkeit unseres Betens können uns Schwierigkeiten mit dem Beten eventuell sogar in eine Glaubenskrise führen. Der Psalter1 als ein geradezu klassisches Gebetbuch der Menschheit zählt eine Menge an Klagen, Anfechtungen und Nöten auf, die einen Beter überfallen können: "Wie lange noch, Herr vergisst du mich ganz?" (Ps 13,2); "Warum muss ich trauernd umhergehen?" (Ps 42,10); "Hör mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweig nicht zu meinen Tränen!" (Ps 39,13). Solche Stimmen sprechen nicht nur gegen das Gebet, auf ihre Weise bestätigen sie es sogar. Im Ganzen gesehen muss es nicht nur ein Nachteil sein, wenn das Gebet seine Selbstverständlichkeit verloren hat. Diese Situation fordert uns auf, darüber nachzudenken und es neu zu entdecken.
Der Ort des Gebetes
Wie wir vom Schöpfer das Auge als Organ zum Sehen oder das Ohr als Sinneswerkzeug zum Hören erhalten haben, so verfügen wir auch über ein Instrument, das in uns gleichsam der Ort des Gebetes ist. Dieser Ort hat im Laufe der Jahrhunderte in der Vielfalt der Sprachen und Kulturen sehr verschiedene Bezeichnungen bekommen, die in Wirklichkeit alle dasselbe meinen. Es legt sich nahe, dass wir ihm seinen ältesten Namen geben, der schon in der Bibel einen zentralen Platz einnimmt: das Herz. Wenn wir im Rahmen des Gebets vom "Herzen" sprechen, dann beziehen wir uns darauf im übertragenen, nicht im biologischen oder organischen Sinn. Das Herz besagt dann soviel wie unser Inneres, unsere Tiefe oder Mitte, das Zentrum unserer Person; es ist der verborgene Kern unseres Wesens, die Wurzel und der Grund unseres Daseins, unser Geist und unsere Seele, deren höchster Punkt oder deren Spitze. In unserem Alltagsleben bleibt unser Herz gewöhnlich verborgen, es dringt kaum in unser Bewusstsein. Es liegt weit tiefer in uns als unser Verstand, unser Empfinden, Fühlen oder Wollen. Unser Herz "schläft", während wir leben, wahrnehmen, denken, handeln usw. Den Weg zu seinem Herzen zu finden und freizulegen, ist eine Lebensaufgabe des Menschen. Im Herzen treffen wir auf unseren inneren und eigentlichen Menschen. Das sind wir.
Diese unser Herz befindet sich bereits im Zustand des Gebetes. Wieso? Das hängt mit unsere Taufe zusammen. In ihr und in unserer Firmung haben wir den Heiligen Geist empfangen. Dieser ist, wie die Bibel betont, der Geist des Gebetes, der selber betet und uns mit der Gabe und Gnade des Gebetes beschenkt. Er wohnt in unserem Herzen, hat von ihm Besitz ergriffen, nimmt es ins Schlepptau und kehrt es zu Gott zu. Der Geist, der betet und in uns betet, versetzt damit gleichzeitig unser Inneres in den Zustand des Gebetes und des Kontaktes mit Gott. Diesen Gebetszustand tragen wir wie einen kostbaren Schatz allezeit in uns, nur sind wir uns dessen kaum bewusst; denn unser Herz schläft. Es bedarf bestimmter Gebetsmethoden oder -techniken, die dazu dienen, unser Inneres wachzurütteln und uns dessen, was wir empfangen haben, innewerden zu lassen.
Erwachen des Herzens
Beten meint im Grunde nichts anderes als den unbewussten Zustand des Gebetes, der allmählich voll bewusst geworden ist. Dazu ist erforderlich, dass unser Herz erwacht. Solange es schläft, suchen wir vergeblich die Stätte des Gebetes in uns. Aufgabe jeder Gebetserziehung ist es, das Herz wiederzufinden und aufzuwecken. Wir müssen alles wegräumen, was den Weg zur Mitte versperrt. Bekehrung ist angesagt. Diese hat keinen anderen Sinn als die Einkehr in uns selbst, die Rückkehr zum Zentrum, dorthin, wo Gottes Geist in uns wohnt. Es gilt also, zu unserem Herzen vorzudringen. Wie geschieht das?
Unser Herz erreichen wir am besten durch Gottes Wort, allerdings unter der Bedingung, dass wir dieses Wort sein lassen, was es ist und enthält: Gottes Kraft. Es ist kein Zufall, dass sehr viele unserer Gebete entweder ganz aus der Heiligen Schrift stammen oder aus Texten bzw. Worten zusammengesetzt sind, die in ihr enthalten sind. Es geht beim Gebet um eine Begegnung zwischen dem Wort Gottes und unserem Herzen. Wir können diesen Vorgang mit verschiedenen Ausdrücken beschreiben: Das Wort Gottes macht unser Herz betroffen, berührt es, verwundet es oder bricht es auf. Unser Inneres ist dazu geschaffen, Gottes Wort zu empfangen. Ein und derselbe Geist ist in beiden am Werk. Das Wort von Gott, das mich getroffen hat, dringt immer tiefer in mein Herz, rührt es an, weckt es auf und lässt es lebendig werden. Mein wachgewordenes Herz tritt in einen sich steigernden Austausch oder Dialog mit Gottes Wort ein, das heißt, es fängt an zu beten und verbindet sich mit dem in ihm gegenwärtigen und betenden Geist Gottes. Gottes Wort und unser Herz treffen, begegnen und vereinigen sich im Gebet. Das Herz hat seine Bestimmung gefunden, Ort und Organ des Gebetes zu sein.
Abt Dr. Christian Schütz
1 Psalter = Psalmenbuch
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 243/2010/3

Die große Sorge: Die Kinder, die Jugendlichen gehen nicht mehr in die Kirche. Wenn die Alten wegsterben, wer ist dann überhaupt noch bei der Messe?
Es gibt jedoch auch positive Anzeichen. So sagte mir vor kurzem ein erfahrener Seelsorger: Sicher gibt es unter der Jugend viele Abstürze (Komasaufen, Drogen, etc.), aber es zeigt sich auch die Sehnsucht nach Heiligkeit. Denken wir an Taize und viele andere Jugendtreffen, Gebetsrunden: Hier offenbart sich das andere Gesicht junger Menschen.
Trotzdem: Das eingangs genannte Problem dürfen wir nicht unter den Teppich kehren. Aber was tun?
Wir haben heuer den 100. Geburtstag der seligen Jacinta von Fatima gefeiert. Ihr großes Anliegen war die Bekehrung der Sünder, für die sie viele Opfer brachte. Wie könnten diese Opfer - gerade im Hinblick auf die Jugend - aussehen? Ein großer Jugenderzieher gibt uns den bekannten Tipp: Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.
1. Fröhlich sein. Das soll ein Opfer sein? Ein Wort ist mir da in Erinnerung: "Das Schwerste ist die Freude." Ich war einmal bestürzt, als ich mein Gesicht im Fenster der U-Bahn betrachtete: Nein, so ziehst du junge Menschen sicher nicht an. Achten wir doch darauf, freundlich dreinzuschauen, besonders, wenn einen Sorgen oder Schmerzen bedrücken. Dass dieses freundliche Gesicht nicht unwichtig ist, sagt uns das bekannte Wort von Nietzsche: "Erlöste Gesichter müssten sie mir machen, die Christen, dass ich an ihren Erlöser glauben kann." Natürlich wird das fröhliche Gesicht allein nicht genügen, um mit Jesus Bekehrung zu erwirken. Hierzu einige Tipps: Lassen wir doch öfter heilige Messen für die Jugend feiern. Vereinigen wir unsere tägliche Arbeit und alles Schwere, das wir zu tragen haben, mit dem Leiden Jesu - für die Jugend.
2. Gutes tun. Dazu eine Beobachtung: Neben viel Rücksichtslosigkeit und Schlimmerem erfahre ich auch gerade von jungen Menschen spontane Hilfsbereitschaft. Ich denke da an eine junge Frau, die mir den Koffer bis zum entfernten Taxistand tragen half. Ein wenig darf ich hier das Wort des heiligen Johannes Bosco ändern und um das Gebet für die Jugend bitten. Im Rosenkranz-Sühnekreuzzug schlagen wir vor, besonders am Dienstag im Rosenkranz der jungen Menschen zu gedenken. Ich gebe es gerne zu, dass ich es noch selbst zu wenig übe und doch wäre es wichtig: auf die Jugend zugehen, das Gespräch mit ihnen suchen.
3. Die Spatzen pfeifen lassen. Wir dürfen vor den großen Problemen in Kirche und Welt nicht den Kopf in den Sand stecken. Für diese Nöte beten und überlegen, wie ich konkret Abhilfe schaffen kann; aber kein dauerndes Schwarzsehen und negativ Sinnieren.
Zum Thema der Jugend noch ein schönes Wort zum Schluss: Maria liebt die Jugend und alle, die sich ihrer annimmt.
Mit herzlichen Grüßen und Segen bleibe ich Ihr
P. Benno OFM
Die Psalmen entdecken
Hymnus auf Jahwes gerechtes Walten Psalm 92
Wie schön ist es, Gott zu loben! Diese Erfahrung haben schon viele Menschen in ihrem Leben machen dürfen. Auch die Liturgie der Kirche nimmt auf diese Tatsache Bezug. In der Präfation für die heilige Messe an Werktagen heißt es dazu im Messbuch (MB S. 446f): "Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus." Der Mensch, der diesen Psalm betet, hat Jahwes wunderbares Eingreifen in seinem Leben erfahren dürfen. Gott hat die Feinde des Verfolgten zerschlagen. Dies ist die Ausgangsposition des Psalms.
[Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag]
Die Überschrift des Psalms enthält eine Doppelangabe "Ein Psalm. Ein Lied." Die Formulierung "für den Tag des Sabbats" wurde in der Auslegung in einer doppelten Art und Weise verstanden. War zunächst der wöchentliche Sabbat gemeint, und damit auch die Rezitation des Psalms beim Gottesdienst an diesem Tag, so verlagerte sich das Verständnis mit der Zeit in Richtung Zukunft. Der Psalm wird zukunftsorientiert betrachtet als Psalm für die Zukunft, die kommen wird, wobei die Hoffnung auf das ewige Leben dabei mitschwingt.
2 Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, deinem Namen, du Höchster, zu singen, 3 am Morgen deine Huld zu verkünden und in den Nächten deine Treue 4 zur zehnsaitigen Laute, zur Harfe, zum Klang der Zither.
Der Mensch, der den Psalm betet, findet am lobpreisenden Singen und Spielen für Jahwe Freude und Erfüllung. Gott zu loben, gibt auch dem menschlichen Leben Sinn, Freude und Erfüllung. Der Lobpreis weist auch einen öffentlichen Charakter auf, das heißt, der Psalm spielt in der Gottesdienstgemeinde insgesamt eine wichtige Rolle, wobei die Güte und die Treue Jahwes besonders betont werden. Danach folgt der hymnische Hauptteil des Psalms in den folgenden Versen.
5 Denn du hast mich durch deine Taten froh gemacht; Herr, ich will jubeln über die Werke deiner Hände. 6 Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken! 7 Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht, ein Tor kann es nicht verstehen. 8 Wenn auch die Frevler gedeihen und alle, die Unrecht tun, wachsen, so nur, damit du sie für immer vernichtest. 9 Herr, du bist der Höchste, du bleibst auf ewig. 10 Doch deine Feinde, Herr, wahrhaftig, deine Feinde vergehen; auseinandergetrieben werden alle, die Unrecht tun. 11 Du machtest mich stark wie einen Stier, du salbtest mich mit frischem Öl.
Es wird zum inhaltlichen Hauptstück des Psalms übergeleitet. Hier findet sich auch eine sehr interessante Kombination zwischen verschiedenen literarischen Gattungen, konkret Rettungserzählung, Tradition aus der Weisheitsliteratur und Lobpreis Gottes. Grund und Ursache für die Freude des Beters ist das "Walten Jahwes".
Der Psalmist lobt vor allem das gerechte Walten Gottes in Israel, das Anlass zum Jubeln bietet. Mit dem Ausdruck des Staunens wird die Größe der Werke und die Tiefe der Gedanken Gottes betont. Das große Werk Jahwes ist die Erlösung aus Ägypten, damit ist zugleich aber auch alles künftige Erlösungshandeln mit eingeschlossen. Das Heilswalten Jahwes hat in der Auferweckung und Erhöhung Jesu seinen Höhepunkt erreicht. Hier besteht eine notwendige und schlüssige Kontinuität zwischen Altem und Neuem Testament.
Der Beter des Psalms hat eine tiefe Glaubenserfahrung gemacht und sieht dadurch vieles in seinem Leben aus einer neuen Sicht. Einen "Stachel im Fleisch" des Psalmisten bieten die Gottlosen, denen es scheinbar gut geht, wobei ihnen aber keine Zukunftsperspektive verheißen wird. Auch wenn es ihnen im Augenblick vielleicht gut ergehen mag, werden sie für immer vernichtet werden. Ihr Leben steht unter dem Vorzeichen von Gericht und Tod. Demgegenüber ist aber die Ewigkeit, Unwandelbarkeit und Souveranität Jahwes zu sehen, die vor allem auch in Vers 9 betont und sich gegen alle seine Feinde durchsetzen wird. Wer gegen Jahwe den Kampf aufnimmt, steht auf verlorenem Posten und hat keinen Sieg zu erwarten.
Vers 11 enthält auch eine ganz wichtige Feststellung, die Jahwes Größe eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Er möchte den bedrängten und angefochtenen Menschen stärken. Diese Bildsprache bringt zum Ausdruck, dass der bedrängte und im Glauben angefochtene Mensch immer wieder im Gebet zu Gott seine Zuflucht nehmen und dadurch Lebensmut fassen darf.
12 Mein Auge blickt herab auf meine Verfolger, auf alle, die sich gegen mich erheben; mein Ohr hört vom Geschick der Bösen. 13 Der Gerechte gedeiht wie die Palme, er wächst wie die Zedern des Libanon. 14 Gepflanzt im Hause des Herrn, gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes. 15 Sie tragen Frucht noch im Alter und bleiben voll Saft und Frische; 16 sie verkünden: Gerecht ist der Herr; mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.
Hier wird ein Perspektivenwechsel dargestellt. Die Feinde, die vorher triumphiert und den Psalmisten niedergetreten haben, liegen jetzt selbst am Boden, sodass er mit Freude auf sie herabblicken kann. Das Blatt hat sich gewendet.
Es geht dabei aber nicht um eine Glorifizierung des Spruches "Rache ist süß", sondern es geht um eine poetische Dramaturgie, die zum Schlussstück hinführt, bei dem jeder negative Aspekt, der nach Rache aussehen könnte, fehlt. Darin und dahinter steckt die tiefe Überzeugung: Wie es dem Menschen ergeht - dem einzelnen so gut wie ganzen Völkern -, das verdankt sich nicht dem bloßen Zufall. Vielmehr besteht zwischen dem Tun und dem Ergehen ein so genannter Wirkungszusammenhang. Zu allen Zeiten haben sich Menschen darum bemüht, diesem Zusammenhang nachzuspüren, ihre Erkenntnis in Erfahrungssätzen festzuhalten und sie an andere, vor allem in der Erziehung, weiterzugeben. Nicht wenige dieser Erfahrungssätze sind in das Sprichwortgut eingegangen: "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" (vgl. Sprüche 26,27). Oder: "Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um" (vgl. Jesus Sirach 3,27).
Es erfolgt eine Zusammenfassung und der Abschluss des Psalms. Vor allem Elemente der Weisheitstheologie werden hier wieder ins Zentrum gestellt. Im Gegensatz zu den Frevlern, die zwar schnell aufsprossen, aber dabei ebenso schnell wieder vertrocknen, haben die Menschen, die sich um Gerechtigkeit bemühen, eine Aussicht für die Zukunft. Sie werden verglichen mit der Palme, die 20 Meter hoch und mit der Zeder, die 1000 Jahre und mehr alt werden kann. Jahwe führt das Bemühen und den Einsatz für Gerechtigkeit zu einem guten Ende und wird dadurch für Gerechtigkeit sorgen.
Von dem Zweifel und der Anfechtung eines Hiob ist Psalm 92 weit weg. Die Gegenerfahrungen finden allenfalls dort ein leises Echo, wo von den Toren und Narren die Rede ist; sie lassen sich von den Gegenerfahrungen verunsichern; ihnen fehlt der lange Atem, um zur Wahrheit durchzudringen. Insgesamt genommen repräsentiert Psalm 92 ein ungebrochenes Vertrauen auf Gottes Treue zum Menschen, die alles zu einem guten Ende führen wird.
P. Franz Müller, OFM
Gebetsschule 1 - "Herr, lehre uns beten!"
(Lk 11,1)
Diese Bitte stammt aus dem Mund der Jünger Jesu. Sie spricht auch einem Großteil von uns aus dem Herzen. Für viele ist es nicht (mehr) selbstverständlich zu beten. Nicht wenige, die (noch) beten, klagen über Schwierigkeiten. Beten, nur schon vom Gebet zu sprechen, scheint heute schwer zu sein.
Dieser Not zu beten steht eine große Suche nach Gebet und ein ausgesprochenes Interesse daran gegenüber. Wie ist das zu erklären? Unser Leben wird immer hektischer, betriebsamer und oberflächlicher. Wir haben den Eindruck, dass in der Tiefe unseres Daseins etwas nicht mehr stimmt. In diesem Empfinden meldet sich untergründig ein Hunger nach Gebet zu Wort. Dazu kommt, dass nicht nur im Leben insgesamt, sondern auch im Bereich der Religion und des Religiösen der Verstand eine enorme Rolle spielt. Wir wollen den Glauben verstehen und erklären. Gleichzeitig aber merken wir auch, dass unser Kopf in der Beziehung zu Gott nicht alles sein kann. Es braucht noch mehr. Dafür steht das Gebet. Diese Erfahrungen und Beobachtungen schicken uns erneut in die Schule des Betens. Sie halten uns dazu an, unserer Situation gemäß beten zu lernen. Wir beginnnen dabei mit einer einfachen, aber keineswegs leichten Frage.
Was heißt beten?
Eine von vielen möglichen Antworten lautet: Beten heißt mit Gott reden. Das hört sich gut an. Die Geschichte der Beter und des Gebetes, wie sie uns die Bibel schildert, bestätigt diese Auskunft. Sobald man intensiver darüber nachdenkt, steigen einem allerhand Fragen auf: Wie ist sowas überhaupt möglich? Kann man mit Gott so einfach reden, wie man mit einem menschlichen Gegenüber spricht? Und wie geht dieses Reden mit Gott konkret vor sich? Natürlich kann man sich Gott nach Art einer Person vorstellen, mit der man hörbar oder auch nur in Gedanken spricht. Doch kennen wir schon aus dem zwischenmenschlichen Umgang mehr als genug Beispiele, die zeigen, dass wir verschieden miteinander reden können: mit Worten, Gesten, Blicken, Zeichen, in der Phantasie oder Erinnerung, im Traum usw. So ist auch unser Reden mit Gott nicht nur wortwörtlich oder buchstäblich, sondern weiter, geistiger oder innerlicher gemeint. Das tut im Fall des Gebetes dem Ernst und der Bedeutung des Redens keinen Abbruch. Will man wissen, auf welche Weise der Beter "redet", dann darf man nicht beim Mund und bei den Lippen stehen bleiben, sondern muss bis zur Mitte und Tiefe unseres Herzens vordringen. Unser ganzer Leib, unser ganzer Mensch und unser ganzes Leben "reden" beim Beten mit.
Heißt das nun, dass nur wir reden, wenn wir beten? Im landläufigen Verständnis mag dieser Anschein bestehen, dass nur wir reden, während Gott uns dabei schweigend zuhört. In Wirklichkeit aber verhält es sich so, dass im Gebet Gott und Mensch miteinander reden. Das Gebet ist kein Monolog, sondern ein Dialog, ein Zwiegespräch. Im Gebet sind Gott und Mensch im Gespräch. Auf der einen Seite bezeichnet Beten ein Tun des Menschen, auf der anderen Seite ein Tun Gottes. Von diesem Tun ist uns nur der Anteil des Menschen einsichtig und zugänglich. Das, was Gott tut oder spricht, ist uns in der Regel verborgen. Wer dem Gespräch, das Gott und der Beter miteinander führen, auf die Spur kommen will, der muss bereit sein, sich in eine "Schule" schicken zu lassen. Diese stellt uns vor eine weitere Frage.
Wo lernt man beten?
Das Beten ist ein Geschenk oder eine Gnade, gleichzeitig aber auch eine "Kunst", ein Können. Bei´des lässt sich nicht voneinander trennen. Das Beten-Können können wir bis zu einem gewissen Grad auch lernen. Von den verschiedenen Fächern, die auf dem Lehrplan de Gebetes stehen, seien zwei ausdrücklich vorgestellt. Das ist zunächst das Schweigen. In seinem Umkreis begegnen uns Ruhe und Stille. Ruhe ist etwas Motorisches; sie hat, wie das Wort andeutet, mit Bewegung etwas zu tun. Wo sich nichts mehr bewegt, da kehrt Ruhe ein. Stille herrscht dort, wo kein Laut mehr und Lärm mehr zu vernehmen ist; sie ist etwas Akustisches, das heißt etwas, was man hören kann. Das Schweigen hängt mit beidem zusammen. In der Ruhe und Stille treten wir gleichsam den Weg von außen nach innen an, während wir im Schweigen im Inneren wohnen und daraus kommen. Das Schweigen wirkt wie ein Filter, der vielem, was uns ablenkt, dem Zutritt zum Herzen versperrt. Es gleicht aber auch einem Brunnen, in dem die in unserem Inneren verborgenen Quellen sprudeln.Was damit gemeint ist, macht eine zweite Lektion deutlich, die mit dem Hören zu tun hat. Viele Stimmen klopfen täglich bei uns an und bitten um Gehör. Wir sind in unserem Verhalten als Hörer höchst wählerisch. Von Haus aus sind wir alles andere als hör- und empfangsbereit. Es bedarf einer grundsätzlichen Entscheidung, die uns in den Zustand des Hörens versetzt. Das Hören ist nicht nur eine Sache unserer Ohren, an ihm ist unser ganzer Mensch beteiligt. Wann und was hören wir wirklich, hören wir gut? Wirkliches hören hängt von der Zuneigung unseres Herzens ab. Es setzt das geneigte, offene und aufmerksame Herz voraus, damit ein Wort bei uns ankommen kann. Das Hören mit dem Herzen will gelernt und erbeten sein. Wir alle haben unsere Hörgewohnheiten, die immer wieder überprüft sein wollen. Im Schweigen und Hören betreten wir den Weg des Gebetes. Beide wollen von uns geübt werden und reichen mit ihren Wurzeln tief in das Erdreich unseres Lebens und unseres Herzens.
Abt Dr. Christian Schütz
LÄRM, HEKTIK - und doch Sehnsucht nach Stille
Einem Landwirt ist es gelungen, im Laufe der Zeit über 3000 Männer zur Teilnahme an Exerzitien zu motivieren. Sein Werbeslogan lautete: "Wenn euch diese Tage nichts gebracht haben, bekommt ihr von mir die Kosten rückerstattet." Soweit meine Information reicht: Kein einziger verlangte sein Geld zurück! Also muss doch etwas dran sein an Exerzitien. Aber sicher taucht jetzt bei manchen von Ihnen die Frage auf: Was sind denn eigentlich Exerzitien?
Dazu ein Beispiel: In meiner Schulzeit habe ich mich für einige Gegenstände gar nicht interessiert. Als aber die schlechten Noten kamen, habe ich mich intensiver mit der Materie beschäftigt. Und siehe da: auf einmal fand ich das betreffende Fach interessant.
Geht es uns mit dem Wort Gotes nicht ähnlich? Solange wir uns nicht gründlich damit auseinandersetzen, ergreift es uns nicht, hat scheinbar mit unserem Leben nichts zu tun. Das aber wollen Exerzitien, das wir Zeit finden, uns mit Gottes Wort zu beschäftigen; ein in der Bibel Erfahrener wird uns dazu begleiten.
Ich frage mich immer wieder: Kann denn Gott langweilig, lebensfremd sein? Doch sicher nicht. Aber weshalb interessiert uns dann sein Wort so wenig? Liegt das nicht an uns und denen, die uns beim Verstehen von Gottes Wort helfen sollen?
Das Sprechzimmer Gottes
"Die Stille ist das Sprechzimmer Gottes." Um also mit Gott, mit Jesus Kontakt aufnehmen zu können, braucht es Stille, Schweigen; deshalb wird bei Exerzitien meist auf Stille geachtet. Freilich geben wir auch Zeit zum Austausch, auch zu auftauchenden Fragen.
Das Gespräch mit Gott können wir auch in der Eucharistiefeier, aber ebenso in der stillen Anbetung pflegen. So können wir auch zu uns selber finden, das Leben überdenken und vielleicht einen Neubeginn wagen.
Das Glaubensservice
Jedes Auto braucht nach einiger Zeit ein Service, sonst geht es kaputt. Brauchen wir nicht auch ab und zu ein "Glaubensservice?" Oder sagen wir es anders: eine Glaubnsvertiefung, um den Anforderungen der Zeit gewachsen und auf die Anfragen, die an uns gestellt werden, antworten zu können. Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass unser Christentum gerade heute mehr Schwung, mehr Ausstrahlung bräuchte? Vielleicht ist auch Schuld, dass zuviel "Sand in das Getriebe" unseres Glaubens gekommen ist. Da bieten Exerzitien eine gute Möglichkeit, in einer ruhigen Beichte manches im Inneren zu reinigen. Vielleicht schleppen wir auch ein Problem mit uns herum, das uns belastet: eine Aussprache kann hier hilfreich sein. "Wenn die Christen das Christentum ernst nehmen würden, könnte ihnen niemand widerstehen" (Gandhi). Dazu wollen Exerzitien helfen. Und ist dies nicht gerade heute so nötig, da das Christentum in einer ernsten Konkurrenz mit anderen Religionen, dem Atheismus, aber auch einer großen Gleichgültigkeit gegenübersteht?
P.S. Wenn sie den ernsten Wunsch haben, Exerzitien mitzumachen, aber ihre finanziellen Mittel dazu fehlen, schreiben Sie uns. Ich denke, wir werden einen Weg finden.
Angebote zu Exerzitien siehe Seite 22 oder auf der Homepage unter Termine.
P. Benno Mikocki OFM
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 242/2010/2

"Maria ist doch nur eine Nebenfigur in unserem Glauben: Christus ist der Mittelpunkt." Spöttisch wird Maria sogar als eine "Vorzimmerdame" bezeichnet. Die Serie in unserer Zeitschrift "Maria in der Bibel" wird, so hoffe ich, die wahre Bedeutung der Mutter Jesu aufzeigen. Betrachten wir das Problem von einer anderen Seite: Bei allen großen, von der Kirche anerkannten Erscheinungen kommt Maria.1 Un der bedeutende Theologe Karl Rahner stellt fest: "Privatoffenbarungen sind ein Imperativ an die Christenheit, wie in einer bestimmten geschichtlichen Situation zu handeln ist." Dabei ist zu betonen, dass Privatoffenbarungen gleichsam sagen wollen: Achtet besonders auf diese Aussage der Offenbarung, dieser Wahrheit der Heiligen Schrift habt ihr zu wenig Beachtung geschenkt. Und diese "unterbelichtete" Wahrheit ist die Bedeutung Mariens! Allerdings soll Maria als Helferin zur Erkenntnis ihres Sohnes Jesus gesehen werden. Das kommt im Rosenkranz - dem "Jesusgebet des Westens" - zum Ausdruck. Während ruhig die Ave Maria gebetet werden, schauen wir mit Maria auf Jesus; aber damit nicht genug, wir fragen beim Beten auch, was der betreffende Jesussatz (Gesätzchen) für unser Leben bedeutet. So gebetet, soll der Rosenkranz zu unserem Fortschritt im Glauben beitragen.
Da kommt aber die kritische Frage: Glauben Sie denn, mit Marienverehrung und Rosenkranz die augenblickliche Kirchenkrise - die Ursachen sind ja allzu bekannt - bewältigen zu können? "Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft" (Phil 3,8).
Ich bin jetzt über 50 Jahre Priester, aber kann ich mit dem Aposel Paulus in diesem Bekenntnis übereinstimmen? Und in dieser Not wende ich mich immer wieder an Maria: bei der Schriftbetrachtung, der heiligen Messe, der Anbetung, dem Rosenkranz. Ich soll ja "Trainer" für die Gläubigen sein, der zu Jesus führt, wie kann ich das, wenn es bei mir selber noch mangelt?
Ganz schön fromm, wird ein kritischer Geist einwenden, aber was hat das mit dem Artikel "Ist es noch fünf vor zwölf?" mit der kritischen Wirtschaftslage zu tun? Sieht unser Papst nicht richtig, wenn er schreibt: "Die Geschichte kann nicht abseits von Gott durch bloße materielle Struktur verändert werden. Wenn das Herz des Menschen nicht gut ist, dann kann nichts anderes gut werden."
Natürlich ist, um die Krise in Kirche und Welt zu bewältigen, viel nötig. 1954 sagte der damalige russische Außenminister Molotow zu seinem österreichischen Amtskollegen Figl: "Herr Figl, machen Sie sich keine Hoffnungen. Was wir Russen einmal haben, geben wir nicht her." Darauf Figl in einem Telefonat zu P. Petrus: "Da kann nur noch Gott und Maria helfen. Betet jetzt umso mehr." Und wenige Monate später, es war vor 55 Jahren, geschah das Wunder: die Russen "gaben Österreich her" und es wurde ein freies Land.
Nein, wir dürfen in der augenblicklichen schwierigen Situation weder resignieren noch den Kopf in den Sand stecken. Mehr Eifer ist gefordert. Maria wird uns dabei helfen.
Mit einem aufmunternden Gruß und Segen bleibe ich Ihr P. Benno OFM
1 Mit Ausnahme der Jesuserscheinungen der heiligen Sr. Faustina
Die Psalmen entdecken
Der Einzug Jahwes des Königs in sein Heiligtum Psalm 24
Wer ist der König der Herrlichkeit? Diese zentrale Frage stellt der Beter im Psalm 24. Der Psalm hat einen wichtigen Sitz im Leben der Gemeinde, die am Kult (Gottesdienst) teilnimmt und vor den Pforten des Heiligtums steht. Durch diese Pforten möchte sie den "König der Herrlichkeit" Jahwe hineinführen. Die Frage "Wer ist der König der Herrlichkeit?" erfolgt im Gottesdienst in Form eines Wechselgangs mit der Gemeinde. Vor dem Einzug in das Heiligtum müssen auch die Bedingungen für den Einzug der Teilnehmer geklärt werden. Das bedeutet konkret, dass der König von jenen Männern und Frauen begleitet wird, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Es war ein fester Bestandteil des Festrituals, dass die Teilnehmer am Gottesdienst auf ihre Würdigkeit hin geprüft wurden.
1 Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.
In einer ehrfurchtsvollen Haltung wird darauf hingewiesen, dass Gott ein umfassendes Eigentums- bzw. Besitzrecht an den Gütern der Erde hat. Das Recht bezieht sich konkret auf die Erde und ihre Lebewesen. Die Erde gehört dem Herrn, weil er sie geschaffen hat. Das Alte Testament preist Jahwe als den Schöpfer, der der Welt durch sein Werk einen festen Bestand gegeben hat. Auf die Macht des Schöpfers wird auch in anderen Psalmen hingewiesen. Im Psalm 115 heißt es etwa "die Erde aber gab er den Menschen".
2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt.
Wichtig ist es zu sehen, dass zwischen Vers 2 und Vers 1 eine textmäßige enge Verbindung besteht. Die Gründung der Erde steht mit den Meeren und Strömen im Zusammenhang. Auf die Größe Gottes und die unvorstellbare Dimension seiner Macht wird auch an einer anderen Stelle im Alten Testament verwiesen. Im Buch der Sprichwörter (Spr 3,19) heißt es etwa: "Der Herr hat die Erde mit Weisheit gegründet und mit Einsicht den Himmel befestigt." Seine Schöpfung ist vollkommen. Wenn es heute globale ökologische Probleme auf Erden gibt, ist das auf andere Umstände zurüchzuführen. Aber auch die Menschheit heute hat insgesamt eine Verantwortung sowohl der Schöpfung als auch dem Schöpfer gegenüber.
3 Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
Hier wird die ganz wichtige Frage nach den Teilnahmebedingungen am Gottesdienst gestellt. Für die Theologie von heute besteht kein Zweifel, dass mit dem Berg Gottes der Berg Sion gemeint ist und die heilige Stätte Jerusalem darstellt. Im Mittelpunkt des israelitischen Gottesdienstes steht Jahwe. Von ihm gehen auch Segen und Gerechtigkeit für die Menschen aus. Die Menschen, die am Gottesdienst teilnehmen wollen, müssen aber bestimmte Kriterien erfüllen.
4 Wer reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.
Die Teilnahmebedingungen werden in vier Punkten explizit ausgeführt. Es handelt sich dabei auch um die üblichen Volkssünden in Israel zur Zeit Davids. Um den Segen Gottes empfangen zu können, müssen die Menschen seinen Geboten und Weisungen gegenüber auch gehorsam sein.
5 Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer
Jenen Menschen, die den Anforderungskriterien in Vers 4 entsprechen, gilt die Segenszusage. Hier besteht auch eine ganz enge Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Der Segen Gottes unterstützt und bereichert das Leben des Menschen und ist auch die Voraussetzung dafür, dass es gelingt. In der Geschichte des Volkes Israel kam es ebenso wie im Neuen Testament aber auch immer wieder vor, dass die Treue dem Herrn gegenüber gebrochen wurde. Der Prophet Jesaja (Jes 48,18) etwa kritisiert diesen Treuebruch Israels.
6 Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.
Das "wahre Israel" besteht aus Menschen, die dem Anspruch Jahwes ihr tägliches Leben unterstellen. Das Antlitz steht auch mit dem Licht in einem sehr engen Zusammenhang. Menschen, die nach dem Licht streben, besitzen ein großes Verlangen nach einem wahren und transparenten Leben. Der Gottesdienst (Kult) und das persönliche Leben der Menschen bilden dabei keinen Gegensatz sondern stellen vielmehr eine Einheit dar. Der Kult ohne entsprechende Auswirkungen im Leben der Menschen ist wertlos. Auch Psalm 40 verweist darauf, dass Jahwe an reinen Schlacht- und Speiseopfern kein Gefallen besitzt.
7 Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit. 8 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf. 9 Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit. 10 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.
Die letzten vier Verse des Psalms sind rein prophetisch zu verstehen. Hier verdienen folgende Begriffe eine besondere Beachtung: Ihr Tore, eure Häupter, ewige Pforten. Das Haupt stellt den ganzen Körper des Menschen dar, das heißt der ganze Mensch soll sich vor dem König erheben. Nach dem Gericht wird die Situation in Jerusalem ganz negativ gesehen. Es herrscht insgesamt eine resignative Stimmung vor. Aber nur ein schmal geöffnetes Tor reicht aus, dass Jahwe einziehen kann. Es handelt sich dabei vor allem um einen Vorgang, der geistlich zu verstehen ist. Der König der Herrlichkeit hat einen Sieg errungen, wobei dieser Sieg für immer und ewig ist. Es wird auch gezeigt, dass der König der Herrlichkeit zu den Menschen kommt und ihnen die Möglichkeit bietet, immer wieder neu anzufangen. Angesprochen wird auch eine ganz einzigartige Beziehung zwischen Himmel und Erde. Der König der himmlischen Herrlichkeit ist auch König des irdischen Tempels. Wichtig ist aber auch, dass die Menschen dies anerkennen und ihr Leben dementsprechend gestalten.
In der Liturgie wird in Psalm 24 Jahwe als Herr der Welt, Weltschöpfer und König gesehen. Er wird beim Einzug in sein Heiligtum vom "wahren Israel" begleitet. Das "wahre Israel wird von den Menschen verkörpert, die bereit sind, ihr Leben in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und negative Haltungen und Gewohnheiten immer mehr zu meiden. Im Neuen Testament tritt in der Person Jesus Christus die universale allumfassende Macht Gottes in Erscheinung.
P. Franz Müller, ofm
Ist es noch fünf vor zwölf?
Ein Fachmann schildert im Folgenden die derzeitige finanzielle Situation. Ich möchte erinnern, dass in einer ähnlichen ernsten Situation, in der die Probleme zwar anders gelagert waren, P. Petrus zu einem Gebetssturm aufgerufen hat und mit vielen Betern an einer positiven Wende mitwirken durfte. Die ernste wirtschaftliche Situation, die der folgende Artikel aufweist, ist für den RSK ein dringender Aufruf zu intensivem Gebet, denn ein grundlegendes Anliegen unserer Gebetsgemeinschaft ist ja due Fürbitte für jene, die für die Gesellschaft Verantwortung tragen.
Nun lassen wir aber einen Experten zu Wort kommen.
Das Finanzsystem geht uns alle an
Es entspricht einem gesunden Verständnis, dass in begrenzten Systemen unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Findet solches statt, dann ist der Systemzusammenbruch programmiert.
Das gegenwärtige Finanzsystem verpflichtet über seine Spielregeln - vor allem über den Zinsezins1 - zu unbegrenztem Wachstum. Dies gilt vor allem für die anonymen Großkapitalien, die in geometrischer Reihe wachsen und immer größere Teile des Volkseinkommens in Anspruch nehmen. Seit der Etablierung der zügellosen Kapitalverkehrsfreiheit im Rahmen der OECD2 im Jahre 1961 haben sich die Großkapitalien nicht nur praktisch der staatlichen Kontrolle entzogen, sondern erpressen die Staaten im sogenannten "Standortwettbewerb". Die Finanzwirtschaft hat nicht mehr dienende Funktion sondern ist zu einem von der Realwirtschaft abgehobenen Bereich geworden, der auf die Realwirtschaft nicht nachhaltige Sachzwänge ausübt. Nicht umsonst hat sich die Bezeichnung "Finanzindustrie" (financial industry) eingebürgert.
Drastisch formuliert: Es wurde eine weltweite anonyme Zinssklaverei aufgebaut, in der die Sklaven ihre Herren nicht mehr kennen. Diese sind hinter den sogenannten "Sachzwängen" verborgen, und die unregulierte Hochfinanz führt die Politik gleichsam am Nasenring.
Der nicht abgeschöpfte (rückverteilte) Zinseszins ist hierbei die zentrale Triebkraft (Main Driver) für das Überschreiten ökologischer, ökonomischer und sozialer Tragfähigkeitsgrenzen.
Johannes Paul II. hat solches als "sündhafte Strukturen" bezeichnet.
Vor allem folgende Entwicklungen können beobachtet werden:
1) Das Volkseinkommen verschiebt sich immer mehr in Richtung der Einkommen aus Kapitalvermögen, wobei dies sowohl für die globale als auch für die nationale Ebene gilt.
2) Die öffentlichen Budgets haben ein immer größer werdendes Finanzierungsproblem. Es kommt zu laufender Mehrverschuldung mit steigenden Zinssätzen. Das ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich die großen internationalen Kapitaleigner weigehend einem Beitrag zur Finanzierung der Gemeinwesen entziehen ("legale" Steuerumgehungen und Flucht in Steueroasen) und eine der ökonomischen und technischen Entwicklung angepasste Steuerreform verhindert wird.
Da es am Steuergeld fehlt, ist de Finanzierung der Sozialsysteme gefährdet. Es ist sogar abzusehen, dass in vielen Staaten die Staatseinnahmen den "Kapitaldienst" nicht mehr leisten können.
3) Durch die Verlagerung der Einkommen in Richtung Kapital zu Lasten der anderen Produktionsfaktoren - insbesondere der Arbeit - entstand auch ein allgemein gesellschaftlich politisches Problem. Neben der Frage, wie mit denen umzugehen ist, die keine Arbeit haben, stellen sich weitere Probleme wie die Finanzierung von Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und der sozialen Netze. Damit aber ist der soziale Friede bedroht.
4) Durch die "Rettung" der Banken hat man auf die Finanzblase eine Staatsblase gesetzt, die die Unfinanzierbarkeit der Budgets dramatisch erhöht. Es handelt sich bei der "Rettung" in Wirklichkeit um eine Verstaatlichung der Verluste. Das heißt im Klartext: Die Gewinne wurden (werden) privatisiert und die Verluste sozialisiert (der gemeinschaft aller Staatsbürger umgehängt).
5) Durch die großen Kapitalansammlungen werden in der Regel nur mehr Großprojekte durchgeführt, bei denen die Interessen der Klein und Mittelbetriebe kaum mehr eine Rolle spielen.
Was gebietet eine notwendende Reform an den Wurzeln?
1. Als sofortige Maßnahmen sollten getroffen werden:
a) Eine weltweit verabredete Abgabe auf jedwede Art von Kreditgewährung bezüglich Geld, Sachwerten, Dienstleistungen und verbrieften Ansprüchen soll eingehoben werden. Da alleine das "Schattengeld" der verbrieften Ansprüche (certified securities) weltweit mehr als das 50-fache des Nationalbankgeldes ausmacht, könnte eine solche "Mehrgeldsteuer" (zum Beispiel von 1,5 Prozent) die Entschuldigung der Staathaushalte ermöglichen und eine weitere Ausdehnung der Finanzblase verhindern.
b) Eine allgemeine Kapitalumsatzsteuer (im aktuellen Regierungsprogramm "Transaktionsabgabe) und eine Spekulationsabgabe auf nicht der Realwirtschaft dienende internationale Devisentransfers sollten eine weitere ertragreiche Abgabe bilden.
c) Jene, die sich auf Kosten der breiten Gesellschaft enorm bereichert haben, sollen in Form einer ebenfalls verabredeten Besteuerung der Renditen zur Finanzierung des Gemeinwohles herangezogen werden. Da die weltweit verwalteten "Assets" (Finanzwerte) mehr als $ 40 Billionen (das sind $ 40.000 Milliarden!) betragen und die Verzinsung mindestens 5 Prozent beträgt, würde ein normaler Einkommensteuersatz von 50 Prozent der Rendite rund 1000 Milliarden ausmachen.
2. Ein neues Weltwährungsabkommen sollte geschlossen werden.
Dieses müsste einerseits verhindern, dass Unglechgewichte über nicht der Kaufkraftparität entsprechende Wechselkurse entstehen, und andererseits Überschüsse und Defizite bestrafen, um zu ausgeglichenen Zahlungsbilanzen zu kommen.
Im Rahmen dieses Abkommens müssten auch die Zentralbankgeldmengen verabredet werden, um sowohl Inflation als auch Deflation zu vermeiden.
Dies alles würde bedeuten, dass auch der US-Dollar (bislang die Leitwährung) an diese Regeln gebunden wird. Dadurch wäre der gegenwärtig praktizierten inflationären Ausdehnung des Dollarvolumens zur Abdeckung der Defizite ein Riegel vorgeschoben. Andererseits würden auch strukturelle Überschussländer, wie China, zur Kasse gebeten.
3. Eine Reform des Welthandelssystems sollte nicht nur handelspolitische, sondern auch gesamtwirtschaftliche sowie soziale und ökologische Gesichtspunkte beachten,um auf die Interessen der Mehrheit der Menschen Rücksicht zu nehmen. Ausgleichsabgaben müssten die höheren Kosten durch höhere soziale und ökologische Standards kompensieren, wobei die Erträge in einen internationalen Entwicklungsfonds fließen müssten. Aus diesen Mitteln würden Staaten, die ihre Standards erhöhen, gefördert werden. Dadurch könnte der bisherige "Wettbewerb nach unten"4 und der Import von Arbeitslosigkeit verhindert werden.
4. Heranziehung der Großkapitalien und strategische Steuerreform.
Im Rahmen einer strategischen Steuerreform müssten die menschliche Arbeit und damit die kleineren Einkommen entlastet sowie die Staatshaushalte durch Steuern, die der ökonomischen und technischen Entwicklung entsprechen, saniert werden.
Neben dem oben aufgezeigten Beitrag der Großvermögen sollten eine selektive Internetabgabe (mehr als 90 Prozent der Botschaften sind spams - also "Informationsmüll") und Steuern auf den Verbrauch endlicher Ressourcen die Budgets zusätzlich eingangsseitig sanieren. Wegen der gegenwärtigen Steuertabus müssen wir uns zu Tode sparen und verhungern vor der vollen Schüssel. Damit riskieren wir schwere soziale Unruhen, wie das aktuelle Beispiel in Griechenland zeigt.
Wie soll dies alles umgesetzt werden?
Durch ständige Weiterbildung und lebenslanges Lernen sowie auf dieser Grundlage eines beharrlichen politischen Druckes von unten. Die notwendigen Reformen müssen unverzüglich, schrittweise und behutsam vorgenommen werden, um den Staatshaushalt, den Sozialstaat und unsere Lebensqualität in Zukunft zu sichern.
Prof. Götz W. Werner, der Begründer der DM-Märkte, hat die notwendige Strategie auf den Punkt gebracht: "Politiker schwimmen nie gegen den Strom. Sie bilden die Ideen der Wissenschaft, der Religion und der Kunst in der Gesellschaft ab."
Jeder von uns muss dazu beitragen, dass dieser geistige Strom in Richtung einer lebenswerten Zukunft geht, und mit Gottes Hilfe wird das allgemeine Umdenken in Richtung einer liebevoll solidarischen Gesellschaft gelingen. Die gegenwärtige Krise ist eine Chance hierzu.
Prof. Dl Dr. Heinrich Wohlmeyer
1 Ein Beispiel: Wenn mein Kapital mit 5 Prozent Zinsen angelegt ist, und die jährlichen Zinsen immer wieder dazugeschlagen werden, dann verdoppelt sich das Kapital in 14 Jahren
2OECD: Die "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" hat im Jahre 1961 einen "Kodex zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs" beschlossen, der in der Folge in eine Reihe von internationalen Verträgen einging und zur ungezügelten Globalisierung des Kapitalverkehrs führte, die schließlich in die gegenwärtige Finanzkrise mündete
3 Kaufkraftparität bedeutet, dass man bei Umwechslung einer Währung in eine andere im betroffenen Land ungefähr dieselbe Warenmenge (denselben repräsentativen Warenkorb) kaufen kann
4 Im Englischen "race to the bottom". Er bedeutet, dass bei ungezügeltem Freihandel die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zum absolut billigsten Anbieter geht - auch wenn dieser Mensch und Natur plündert.
Ein heißes Diskussionsthema - bis 11.Juni 2010 "Jahr der Priester"
Die Vergehen an Jugendlichen in kirchlichen Institutionen hat auch die Zölibatsdebatte wieder angeheizt. Zwar gilt auch hier zunächst das Wort "Die Kirchenkrise ist eine Gotteskrise" (J.B. Metz), das dispensiert aber nicht davon, sich grundsätzlich mit der Zölibatsdebatte auseinanderzusetzen. Dies soll im folgenden - die Verfasser sind sich ihrer Grenzen bewusst - geschehen.
Charisma statt Zwangszölibat
Durch sein Leben in Ehelosigkeit ist der Priester, wie es Papst Benedikt XVI. im Rahmen einer Generalaudienz am 1.Juli 2009 formulierte, ein Mensch, der ganz Christus gehört. Das kann er nicht aus sich heraus, sondern nur, wenn er in der Beziehung zum Herrn steht. Immer wieder wird in der Debatte um den Zölibat der Ausdruck "Zwangszölibat" verwendet. Die Priester dürfen demnach nicht heiraten, weswegen es so wenig Priester gibt. Dazu darf folgende Feststellung getroffen werden: Niemand wird zu etwas gezwungen! Es handelt sich bei der Fähigkeit, ehelos leben zu können, um ein besonderes Charisma (eine besondere Gnadengabe). Gott schenkt den Menschen die Charismen. Ein Charisma ist für den Apostel Paulus eine außergewöhnliche Gabe, die menschlich nicht zu erklären ist. Sie ist ein Hinweis auf Gott und das Himmelreich. Einer Untersuchung zufolge besitzt im Augenblick ungefähr eine Million Christen das Charisma der Jungfräulichkeit.
Ein Gedanke sollte noch bedacht werden: Vom verheirateten Priester würde man erwarten, dass er einerseits ein vorbildlicher Priester ist, andererseits auch eine gute Ehe führt. Wie kann ihm das gelingen, wenn man an die hohen Anforderungen denkt, die heute an einen Priester und eine Ehe gestellt werden?
Sicher sind mit den Pfarrverbänden auch manche Schwierigkeiten verbunden, aber könnten sie nicht auch eine Chance gegen die Vereinsamung der Priester sein?
Ansatzpunkte in der Heiligen Schrift
Wiege des Zölibats ist nicht ein Gesetz, sondern die kirchliche Gewohnheit. Wegweisend für ihre Entstehung waren die Worte des Herrn von dem Sichbeschneiden um des Himmelreiches willen (Mt 19,12), die Verheißung ewigen Lebens für den, der seine Frau um des Himmelreiches willen verlassen hat (Lk 18,29), der Wunsch des Apostels Paulus, alle Menschen möchten so sein wie er (1 Kor 7,7), und seine Belehrung, dass nur der Unverheiratete einer ungeteilten Hingabe an den Herrn fähig sei ( 1 Kor 7,32). Weder die Worte des Herrn noch die des Apostels lassen einen Bezug zum Priestertum erkennen, dürfen aber durch den Hinweis auf die besondere Gnadengabe der Jungfräulichkeit Antrieb für den Zölibat gewesen sein. Wenn diese Gabe der Jungfräulichkeit ein Leben lang praktiziert und gelebt werden soll, braucht es dafür Gottes Gnade. Gnade, Willen und Können müssen zusammen kommen. Dazu ist aber auch eine Gemeinde nötig, die um dieses Geheimnis weiß und es schützt und den Priester unterstützt. So heißt es auch im 1.Timotheusbrief "Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten" (1 Tim 4,14).
Das Bild vom Bräutigam
Der Wert des Zölibats heute kann anhand eines Bildes veranschaulicht werden, das einen sehr einprägsamen Inhalt besitzt, aber in der Verkündigung der Neuzeit sehr stark vernachlässigt wurde. Jesus ist der Bräutigam, der wiederkommen wird, um eine Hochzeit zu feiern. Bis zu seinem Kommen soll sich die Braut (Kirche) in einem reinen und schönen Zustand befinden. Die Sakramente Taufe, Buße und Eucharistie, die zumeist bzw. ausschließlich von Priestern gespendet werden, stehen für die Reinigung durch Jesus. Der Zölibat für Weltpriester kann mit dem Blick auf die Lebnspraxis Jesu begründet werden. Er ist ein integraler Bestandteil der Verkündigung vom Reich Gottes. Aus diesem Grund hat der Zölibat einen besonderen kirchlichen Charakter. Der Priester folgt in seiner Ehelosigkeit Jesus und ist dadurch frei von sonstigen Bindungen für den Dienst in Kirche und Gemeinde.
Das Risiko
Wie jede Entscheidung für eine bestimmte Lebensform kann es auch im Zölibat zu Fehlentwicklungen kommen, wenn dieser nicht getragen ist von einem intensiven religiösen Leben. Es gibt Priester, die aus den verschiedensten Gründen ihr bei der Priesterweihe abgegebenes Zölibatsversprechen nicht einhalten konnten (wollten). Nicht immer kann sich hier auch Transparenz und Offenheit durchsetzen. Alle Verfehlungen und strafrechtlich relevanten Tatbestände sind aufzuklären, und Opfern von Verfehlungen ist Entschädigung zu leisten. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang aber auch zu beachten. Vielfach wird in den Medien und in der öffentlichen Diskussion nur eine Seite genauer betrachtet und dabei folgendes übersehen: Wo das Heilige ist, schon Paulus nennt den Zölibat heilig, dort ist die Versuchung zum Bösen ganz nahe. Jeder Mensch ist in seinem Leben immer wieder verschiedenen Versuchungen ausgesetzt und steht damit in Gemeinschaft mit Jesus Christus, der ebenfalls in Versuchung geführt wurde (Lk 4,1-13). Auch der heilige Pfarrer von Ars hatte in seinem Leben mit den verschiedensten Versuchungen zu kämpfen. Gegen die Versuchungen helfen aber das inständige Gebet ( wer betet, sündigt nicht) und der Trost durch die reale Gegenwart Gottes in der Eucharistie und die Sorge der Gemeinde für den Priester. Hier ist auch an die Gemeinde zu appellieren, auch dem Priester gegenüber Verständnis entgegen zu bringen. Auch Priester sind nur Menschen, bemühen sich in der Regel, ihren Dienst gewissenhaft zu erfüllen und können auch nicht immer allen Ansprüchen, die an sie gestellt werden, gerecht werden.
Das Charisma des Priesters
Das Sakrament der Priesterweihe macht die Priester Christus, dem Priester, gleichförmig. Wie jeder getaufte Christ ist auch ein Priester zur Heiligkeit berufen. Als Priester ist er jedoch in besonderer Weise zum Streben nach dieser Vollkommenheit verpflichtet. Denn im Empfang des Weihesakramentes haben sie sich Gott auf neue Weise geweiht und sind lebendige Werkzeuge Christi, des ewigen Priesters, geworden. Jeder Priester vertritt, wie es auch im Dokument "Presbyterium Ordinis", dem Konzilsdekret über Dienst und Leben der Priester, ausgeführt wird, seiner Weihestufe entsprechend Christus. Die Priester gelangen auf eigene Weise zur Heiligkeit. Dies geschieht vor allem durch aufrichtige und unermüdliche Ausübung ihrer Ämter im Geist Christi. Sie sind Diener am Wort Gottes, welches sie jeden Tag hören, betrachten und den Menschen verkünden. Auf diese Art und Weise sollen sie auch im persönlichen Streben nach Heiligkeit wachsen und sich zur Vollkommenheit entwickeln. "Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit alen deine Fortschritte offenbar werden. Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören" (1Tim 4,15-16).
Der Priester - ein Trainer?
Zum Schluss dieser Betrachtung über das Priestertum ein Vergleich: der Priester gleicht dem Trainer einer Mannschaft. Seine Aufgabe ist, dass die Mannschaft gut spielt. Aufgabe des Priesters ist es, dass die Gläubigen ihre Taufe und Firmung, das bedeutet das allgemeine Priestertum, recht leben. Freilich besteht zwischen Trainer und Priester ein wichtiger Unterschied: der Priester hat für seine Aufgabe einen besonderen Beistand (Charisma) des Heiligen Geistes.
P. Franz Müller
P. Benno Mikocki
Haus aus der Zeit Jesu in Nazaret gefunden
Es war am 21. Dezember 2009. Beim Ausheben der Fundamente für das geplante "Internationale Marianische Zentrum" stießen Bauarbeiter mitten im Herzen von Nazaret auf Überreste eines Hauses aus dem ersten Jahrhundert. Sofort wurden Vertreter der israelischen Altertumsbehörde herbeigerufen. Nach Ansicht der Archäologin Yardenna Alexandre wirft der Fund neues Licht auf den Lebensstil der jüdischen Bewohner jener Stadt, in deren Umfeld Jesus aufwuchs. "Das entdeckte Gebäude ist klein und bescheiden und damit typisch für die Wohnungen Nazarets in dieser Periode", erläuterte die Ausgrabungsleiterin. Sie sagte vor Journalisten, dass der Fund neue Erkenntnisse darüber liefere, wie Nazaret zu jener Zeit ausgesehen haben mag. Wahrscheinlich habe es sich um ein kleines Dorf mit etwa 50 Häusern gehandelt, in denen arme Juden lebten.
Zunächst trat eine große breite Mauer aus der Mameluckenzeit des 15. Jahrhunderts zutage. Diese wiederum war errichtet auf Mauern dieses antiken Gebäudes aus dem ersten Jahrhundert, bestehend aus zwei Räumen und einem Innenhof mit einer in Fels geschlagenen Zisterne, in die das Regenwasser geleitet wurde.
Die Ausgräber fanden Fragmente von Töpferwaren aus dem ersten und zweiten Jahrhundert, sowie Kalkstein-Gefäße, wie sie von Juden aus rituellen Reinlichkeitsgründen1 in jener Zeit benutzt wurden. Das Fehlen von irgendwelchen Glasgefäßen oder aus dem Ausland importierten Produkten lässt Alexandre die Schlussfolgerung ziehen, dass die Familie, die dieses Haus bewohnte, einen einfachen Lebensstil geführt haben musste. "Wir dürfen wohl annehmen, dass jenes Haus Jesus und seinen Zeitgenossen in dem kleinen Ort vertraut gewesen war. Möglicherweise hat der junge Jesus in der Nähe dieses Hauses mit seinen Cousins und Freunden gespielt", kommentierte Alexandre. Auch einen Schacht, dessen Eingang getarnt war, entdeckten die Wissenschaftler. Darin lagen Tonscherben aus der frühen römischen Epoche. "Basiert auf weitere Ausgrabungen, die ich in anderen Dörfern dieser Region geleitet habe", führte die Archäologin weiter aus, "gehörten solche Felsenhöhlen zu einem Schutz-System der jüdischen Rebellen, die während des großen Aufstandes gegen die Römer im Jahr 67 dieses Gebiet kontrollierten. In einer solchen Grotte konnten sich ohne weiteres sechs Rebellen verstecken". Die bisher einzigen Funde menschlicher Behausungen aus dieser Zeit wurden in den sechziger Jahren unter der heutigen modernen Verkündigungsbasilika und der Josefskirche gemacht: Wohngrotten, Zisternen und in Fels geschlagene Vorratssilos, die schon im Altertum dem Haus Mariens und der heiligen Familie zugeschrieben wurden.
"Dieser antike Wohnbereich wird in das neue internationale, multimediale Zentrum integriert werden, das Ende 2010 eröffnet wird und Maria aus christlich-ökumenischer, jüdischer und muslimischer Perspektive zeigen will", sagte Marc Hodara von der französischen römisch-katholischen Kommunität "Chemin Neuf", der die Bauarbeiten für das Zentrum "Maria von Nazaret" leitet.
Dr. Karl-Heinz Fleckenstein
1 Nach dem jüdischen Gesetz mussten gewisse rituelle Reinheitsvorschriften eingehalten werden. Diese wurden streng beobachtet und auch in den Evangelien wird auf sie Bezug genommen.

„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 241/2010/1

Auf der Titelseite ein fröhliches Bubengesicht, das durch einen Türspalt guckt. Passt den das in unsere ernste Zeit?
Nach der gescheiterten Klimakonferenz sagte der bekannte Denker Sloterdijk: "Die Menschen sind Zukunftsatheisten. Sie glauben nicht an das, was sie wissen, selbst wenn man ihnen stringent1 beweist, was kommen muss."
Muss ich hier die schwierigen Probleme aufzählen, die es zu lösen gilt? Die lesen Sie ja in jeder Tageszeitung. Was Sie aber nicht in der Zeitung lesen, ist das Wort eines großen christlichen Denkers: "Es muss doch alles gut werden, weil Christus auferstanden ist."
Ich frage mich selbst oft, weshalb diese Hoffnung in mir so schwach ist. Eine Medizin gegen diese "Krankheit" ist mir eingefallen: Evangelium heißt doch "Frohe Botschaft". Ich habe mir vorgenommen, jene Texte der Heiligen Schrift im Herzen zu bewahren, die froh machen und Mut geben. Zum Beispiel die Schriftstelle: "Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!" (Phil 4,6). Wenn ich diese Worte in einer Sorge ausspreche, merke ich, wie wenig tief mein Vertrauen auf Gott noch ist. Aber können wir da nicht von dem fröhlichen Kind lernen? Ein Kind vertraut doch auf die guten Eltern!
Natürlich dürfen wir nicht das Wort eines Heiligen vergessen: So beten, als ob alles von Gott abhinge, so arbeiten, als ob alles auf uns ankomme. So bemühe ich mich, mit Strom und Wasser sparsam umzugehen. Das ich nicht Auto fahre sondern die "Öffis" benutze, ist keine Tugend, da wir im RSK ein Auto nicht unbedingt benötigen und andererseits bin ich fürs Autofahren unbegabt. Sicher sind das nur ganz kleine Schritte. Aber ich denke, wenn wir die Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute" andächtig aussprechen, wird uns noch manches einfallen, was wir zum Beispiel für die Umwelt tun können. Wir schlagen im Rosenkranz-Sühnekreuzzug auch vor, am Montag in das Vater unser des Rosenkranzes jene einzuschließen, die für das tägliche Brot Verantwortung tragen. Dabei sollen wir allerdings die drei Schritte unsere Arbeit im Rosenkranz-Sühnekreuzzug nicht vergessen:
1. Eigene Bekehrung.
2. Gebet und Opfer für die Bekehrung der anderen, damit die "Lobby des Guten" wächst.
3. Gebet für diejenigen, die für Frieden und Gerechtigkeit Verantwortung tragen.
Sollten wir nicht auch daran denken, dass wir durch Pessimismus junge Menschen dem Christentum entfremden? Pessimismus nein, Realismus (wie ihn zum Beispiel auch der Artikel "Globalisierung" zeigt) ja. Und zu diesem Realismus gehört für uns Christen der hate Weg über Golgota, der aber sicher zur Auferstehung führt. Einer, der dies in seinem Leben - mit Millionen anderen - erfahren hat, ruft uns zu: "Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll" (Röm 8,18).
Ihnen eine fruchtbringende Fatsenzeit und ein die Hoffnung stärkendes Osterfest wünschend, bleibe ich mit Segen Ihr
P. Benno OFM
P.S. In der Fastenzeit starten wir eine große Werbeaktion für unsere Gebetsgemeinschaft. Das klingt zwar geschäftsmäßig, aber ich bin von dem überzeugt, was uns P. Petrus auf der Schlussseite sagt. Darf ich Sie um Ihr Gebet bitten?
1 stringent = zwingend
Was heißt Jesus Christus hat uns erlöst?
Erlösung: ein Fremdwort?
Sehr häufig begegnet in den Texten der Liturgie das Wort "Erlösung". So sprechen wir im Advent von der Erwartung des Erlösers, von der Ankunft des Erlösers und in der Fastenzeit vom Geheimnis bzw. vom Fest der Erlösung. Aber die Worte sind durch den häufigen Gebrauch abgenützt: Wir denken uns nicht mehr viel dabei. Es geht ihm wie dem Wort Sünde, das wir oft in der heiligen Messe hören: Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Jesus hat sein Blut vergossen "zur Vergebung der Sünden". Das Wort ist in seinem religiösen Sinn verschwunden. Man sündigt "gegen die Figur" - wenn man zuviel isst - oder bekommt einen Punkt in der Verkehrssünderdatei, bei zu schnellem Fahren. Sünde ist aber in erster Linie eine Verweigerung Gott gegenüber. Fühlen wir uns noch als erlösungsbedürftig? Sind wir so von der Richtigkeit und Schönheit unseres Lebens überzeugt, dass jeder meint, für mich hätte Jesus nicht sterben müssen - vielleicht höchstens noch für manche andere. So fragen wir uns: Was heißt "Erlösung", muss auch ich erlöst werden?
In der Bibel wird mit verschiedenen Wörtern und vielfältigen Bildern die Unerlöstheit des Menschen geschildert: Seine Unerlöstheit erfährt er als Hunger, Sklaverei, Krankheit und Tod. Noch stärker als diese leibliche Not ist die geistig-seelische: Die Angst die Satansherrschaft, die Sünde und die geistige Dunkelheit, wenn der Mensch durch eigene Schuld oder Unkenntnis das Wissen um den lebendigen Gott verliert.
In dieser Not ruft der Mensch nach Gott. Sein erlöserisches Handeln wird im Alten Testament umschrieben mit "retten", "beistehen", "herausreißen" oder "loskaufen" (aus der Gefangenschaft und Sklaverei). Im Neuen Testament werden diese Vorstellungen übernommen.
Das Heil kommt von Gott
Der Retter und Erlöser ist immer Gott. Er hat nicht Freude am Untergang, am Elend des Menschen. Gleich nach der Sünde der Stammeltern, die den Tod, Spannungen zwischen den Geschlechtern, Brudermord und Rachsucht (vgl. Gen 4,8ff; 3,3.16; 4,24) zur Folge hatte, kündet Gott den Erlöser an, nämlich den, der der Schlange den Kopf zertreten wird (vgl. Gen 3,15). Die Erlösung beginnt dann damit, dass Gott sich denen, die "falschen Göttern dienen" (Jos 24,2), als der wahre Gott offenbarte; bei falschen Göttern gibt es kein echtes Vorwärtskommen und keine Erlösung. Wie oft setzen die Menschen auf solche Götter ihre Hoffnung! Das Musterbeispiel für den befreienden Gott war aber nicht die Berufung Abrahams, sondern die Befreiung Israels vom Sklavendienst in Ägypten. Gott führte das Volk durch die Wüste, schenkte ihm und seinen Königen Macht und Wohlergehen, aber es glaubte immer wieder, fern von Jahwe sein Glück finden zu können. Obwohl es versprochen hatte, den Bund mit Jahwe getreu zu befolgen und "alles zu tun, was der Herr gesagt hatte" (Ex 24,3), wollte es immer wieder wie die übrigen Völker sein und deren Götter verehren. Das Volk Israel musste erkennen, dass sich dann Gott von ihm abwandte, sich das Kriegsglück wendete und die fremden Völker zur Herrschaft kamen. Mit anderen Worten: Der Bruch des Bundes mit Gott ist wie Ehebruch, ist Sünde. Diese ist Beziehungsbruch. So wurde sich Israel immer mehr bewusst, dass die innere Verweigerung Gott gegenüber das eigentliche Übel ist, von dem es erlöst werden musste und von dem die äußeren Nöte wie Krankheit, Not und Tod herrühren. Die Erwartung auf den Erlöser richtete sich auf den Messias; dieser ist in Jesus Christus erschienen. Er heilte die Kranken, machte Aussätzige rein, speiste Hungrige. Er erweckte Tote und gab durch seine Auferstehung allen die Hoffnung auf ewiges Leben. Jesus erlöste von den leiblichen und den psychischen Beschwerden. "Kommt alle zu mir, die ihr müselig seid und beladen, ich will euch erquicken" (Mt 11,28).
Doch wäre es ein Irrtum zu meinen, Jesu erlöserisches Wirken beziehe sich vor allem auf die leiblichen Nöte: Als Jesus das Volk lehrte und man einen Gelähmten wegen der Menge nicht vor Jesus hintragen konnte, deckten einige das Dach ab und ließen den Kranken vor Jesus hinab. Als erstes vergibt ihm Jesus die Sünden und erst zum Beweis, dass er Sünden vergeben kann, heilte er auch den Gelähmten (vgl. Mk 2,2-12). Wichtiger als die Befreiung von der Krankheit ist ihm also die Erlösung von der Sünde und von der Macht des Teufels: "Dazu erschien der Sohn Gottes , dass er die Werke des Teufels vernichte" (1 Joh 3,8). Gottes Sohn ist Mensch geworden, "um durch den Tod den zu vernichten, der des Todes Gewalt innehat, nämlich den Teufel" (Hebr 2,14). Der Kampf des Erlösers galt also den leiblichen Nöten, aber noch mehr den geistigen Einflüssen des Bösen und der Sünde. Im Herzen, im Innern, liegt die eigentliche Not!
Tod und Auferstehung Christi als Höhepunkt des Erlösungsgeschehens
Im Alten Testament lesen wir immer wieder von den Versuchen Gottes, die Menschen aus der leiblichen Unfreiheit (Hunger, Krankheit, Tod) und der geistigen Not (Irrtum, Sünde) zu befreien. Seinen Höhepunkt erreichte das Erlösungswerk in Jesus Christus. Es begann mit der Menschwerdung des ewigen Sohnes, bei der in Jesus Christus Gott und Mensch eine unlösbare Verbindung eingegangen sind. So heißt es in 1 Joh 1,1f: "Was von Anfang an war,... was wir mit unseren Augen gesehen haben ... vom Worte des Lebens - und das Leben erschien, das ewige, das beim Vater war und uns erschien." Die eigentliche Erlösungstat aber geschah am Kreuz: Christus ist gestorben "für unsere Sünden"; mit diesem Bekenntnis begann die Verkündigung in den ersten Jahren nach den Ereignissen in Jerusalem (1 Kor 15,3), und Jesus hat "sein Blut vergossen zur Vergebung der Sünden" (Mt 26,28), wie wir auch in jeder heiligen Messe hören. Warum, so kann man fragen, hat Jesus zur Vergebung der Sünden sein Leben hingeben müssen?
Unsere Erlösung hatte einen Preis: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele" (Mk 10,45; vgl. 1 Tim 2,6). Die Erlösung hat einen Preis, aber nicht "Gold oder Silber", sondern "das kostbare Blut Christi" (1 Petr 1,18f). "Ihr wurdet um einen teuren Preis erkauft", erinnert Paulus die Korinther (1 Kor 6,20; 7,23).
Hier stellt sich aber unüberhörbar die Frage: Warum hat Gott, der doch die Liebe ist, den Menschen die Schuld nicht einfach erlassen, sie nicht in seiner Barmherzigkeit amnestiert, sondern einen Preis für die Versöhnung verlangt und noch dazu den Tod seines geliebten Sohnes? Ist Gott ein pedantischer Buchhalter, der für jede Sünde unerbittlich Sühne fordert? Muss Gott durch ein Opfer umgestimmt werden? Vor dem Versuch, diese Anfragen zu klären, ist noch eine Vorbemerkung angebracht: Gottes Wege können nicht restlos eingesehen und gedanklich nachvollzogen werden. So sagt schon Thomas von Aquin, dass ein einziger Blutstropfen die ganze Welt heil machen könnte. Hätte aber Gott so "billig" die Erlösung bewirkt, würden wir weder das "So-Sehr" (Joh 3,16) seiner Liebe noch das Schlimme der Sünde erkennen, deren Vernichtung sich Gott so viel kosten ließ.
Was sollte Gott angesichts oft himmelschreiender Sünden tun? Alle amnestieren und über Henker und Opfer (in Konzentrationslager und Gulags) gleichermaßen den Mantel der Barmherzigkeit breiten, auch über jene, die jede Bekehrung verweigern? Weil der Mensch selbst sich keine Erlösung erwirken kann, tritt Gottes Sohn nun selbst an die Stelle des Menschen. Nicht die Schwere seines Leidens ist dabei der entscheidende Moment an der Erlösungstat, sondern die Liebe, die der eine Jesus Christus als Gott und Mensch zu seinem Vater und zu seinen Brüdern aufbringt und so zwischen beiden vermittelnd versöhnt, und der Gehorsam, der sich im Leiden bewährte (vgl. Phil 2,8; Hebr 5,8). Wenn der Mensch das Böse, das er durch Ungehorsam und Gleichgültigkeit in die Welt brachte, auch durch einen Menschen, der Gottes Sohn ist, gut machen kann, so zeigt dies, dass die Erlösung unser Zutun braucht. Der heilige Augustinus formuliert dies so: Der dich ohne dich geschaffen hat, will dich nicht ohne dich erlösen.
Stufen der Erlösung
Amnestie gewähren bedeutet, einem Schuldigen aus angegebenem Anlass die Strafe erlassen. Zum Beispiel wird ein Verurteilter anlässlich des Geburtstags des Königs aus dem Gefängnis entlassen. Aber Amnestie führt noch zu keiner Erlösung und Versöhnung. Ob der Schuldige Gott liebt und ganz liebens wert ist?
Vollendet ist das Erlösungswerk mit der allgemeinen Auferstehung am Jüngsten Tag. Nicht nur die Seele, sondern auch der Leib ist zur Teilnahme am ewigen Leben bestimmt. Damit ist auch die Auffassung mancher leibfeindlicher Gruppierungen, vor allem der Gnostiker, abgewiesen, dass die Materie in sich schlecht sei und nicht verklärt werden könne. Dieser Sicht zufolge gäbe es keine Inkarnation und auch keine Auferstehung.
Bevor wir dieses Ziel der vollen Erlösung bei Gott, den Zustand des Schauens, erreicht haben, durchschreiten wir jetzt die Phase des Glaubens. In ihr strecken wir uns schon aus nach der zukünftigen Wirklichkeit, an der wir jetzt schon im Hell-Dunkel des Glaubens Anteil haben. Jesus ist der "Sieger über Sünde und Tod". Durch die Reinigung von der Sünde geschieht eine innere, geistige Gemeinschaft mit dem Auferstandenen, so dass wir dadurch jetzt schon die Not des Todesdurchstehen können, wirklich erlöst im Glauben, obwohl noch nicht im Schauen.
Prof. Dr. Anton Ziegenaus
Hokus Pokus Spiritus - nichts ist wahr zum Überdruss
Gerade in Zeiten der Veränderung, des Abschiedes und Neuanfangs möchten die Menschen gerne Orientierung in ihrem Leben haben. Aus diesem Grund sind Hellseher, Horoskope oder Zukunftsprognosen sehr modern und wecken immer wieder das Interesse der Menschen. Auch viele gläubige Menschen interessieren sich regelmäßig für ihr persönliches Horoskop.
Dabei darf bei nüchterner Analyse des Jahres 2009 folgendes festgestellt werden: Von 140 Vorhersagen der weltbesten Wahrsager trafen im abgelaufenen Jahr lediglich zwei ein. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von der deutschen "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) durchgeführt wurde. Und auch diese beiden "Treffer" sind mit einem gewissen Vorbehalt zu sehen, denn weder der Verbleib von Angela Merkel als Bundeskanzlerin, noch der Tod Michael Jacksons ware eine wirkliche Überraschung. Gerade der Tod des King of Popwar von einer kanadischen Hellseherin in den vergangenen Jahren bereits einige Male angekündigt worden.
Auf andere prognostizierte Ereignisse warteten die Menschen im Jahre 2009 aber vergeblich: Weder stürzte die Golden-Gate-Bridge ein, noch zerbrach die österreichische Bundesregierung an der Wirtschaftskrise. Auch das gegen den amerikanischen Präsidenten Obama vorhergesagte Attentat wurde nicht Wirklichkeit. Auch George Clooney hat nicht geheiratet und ist noch immer zu haben. Die Fehlerquote der Hellseher für das Jahr 2009 liegt somit bei 99 Prozent. Konsumentenschützer sehen in Horoskopen eher den Unterhaltungswert und das Lesevergnügen als seriöse Wahrheitsprognosen.
Wie kann man aber seriös und ohne Angst in die Zukunft blicken? Die Antwort ist einfach, aber auch herausfordernd: Durch ein Leben aus dem Glauben.
Über die Zukunft nachsinnen
Auch in der Heiligen Schrift finden sich Prophezeiungen. Gott selbst lädt uns dazu ein, über seine Prophezeiungen nachzudenken. Zwei Stellen aus der Heiligen Schrift seien genannt: "Denkt an das, was früher galt, in uralten Zeiten: Ich bin Gott, und sonst niemand, ich bin Gott, und niemand ist wie ich. Ich habe von Anfang an die Zukunft verkündet und lange vorher gesagt, was erst geschehen sollte" (Jes 46,9-10).
"Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen. Denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gotes geredet" (2 Petr 1,19.21).
GOTT ZU VERTRAUEN GIBT KRAFT, WESWEGEN ES DIE HOROSKOPE BEISEITE SCHAFFT!
P. Franz Müller OFM
Die Globalisierung
Ein aktuelles Thema, das uns alle in Kirche und Gesellschaft betrifft, ist die Globalisierung. In den letzten zwei Jahrzehnten wuchs die Menschheit immer mehr zusammen. Staatsgrenzen verschwanden und durch die zunehmende Zusammenarbeit der Länder, das Internet und die internationalen Finanzmärkte wurde die Welt kleiner und überschaubarer. Diese Entwicklung, die auch viele neue Herausforderungen an die Menschheit mit sich bringt, nennt die Fachsprache Globalisierung. Auch Papst Benedikt XVI. ging schon mehrfach auf dieses Thema, unter anderem in seiner Sozialenzyklika "Caritas in veritate", ein.
Der folgende in zwei Teilen erscheinende Artikel versucht die Globalisierung zu analysieren. In diesem Zusammenhang soll auch die Rolle und Aufgabe der katholischen Kirche und aller Gläubigen an diesem Prozess dargestellt werden.
Der Begriff
Der Begriff der "Globalisierung" wird in einem Soziallexikon als eine "Verdichtung und Beschleunigung grenzüberschreitender Zusammenarbeit gesehen, die faktisch oder der Möglichkeit nach alle Individuen, Institutionen und Staaten zu einem komplexen Gefüge wechselseitiger, häufig aber ungleichgewichtiger Abhängigkeiten miteinander vernetzt". Das heißt praktisch gesehen, dass die Welt immer enger zuammenrückt, Staatsgrenzen verschwinden und wir leben realistisch betrachtet in einer Art globalem Dorf. Die Globalisierung erfolgte bisher auf rein wirtschaftlicher Ebene, ohne dass auf sozialer Ebene ein entsprechender Ausgleich stattgefunden hätte.
Gründe für diese Entwicklung
Die Globalisierung ist nicht überraschend gekommen, sondern hat sich fortschreitend und kontinuierlich entwickelt. Diese Entwicklung verlief nach außen gesehen nicht spektakulär aber doch sehr effizient.
Drei Gründe führten zu einem immer stärkeren Zusammenrücken der internationalen Staatengemeinschaft: Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks vor mehr als 20 Jahren endete der Kalte Krieg, wodurch es in weiterer Folge auch zu einem "Zusammenrücken" der Welt kam. Vor allem trat auch der wachsende Einfluss Ostasiens ins westliche öffentliche Bewusstsein. Fortschritte im Bereich der Kommunikationstechnologie sorgen dafür, dass weltweit stattfindende Ereignisse gleichzeitig wahrgenommen werden. Hier sei an den Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen den Irak im Jahre 1991 erinnert, der live in die Wohnzimmer übertragen wurde und uns das Zusammenrücken der Welt vor Augen geführt hat. Der 11. September 2001 war nicht nur ein tragischer Tag in der Geschichte der USA sondern erschütterte die ganze Welt.
Die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung und somit Erleichterung des internationalen Kapitalverkehrs und die Deregulierung der Finanzmärkte führten Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer rasanten Expansion weltweiter Finanztransaktionen. Das internationale Kapital kennt praktisch keine Staatsgrenzen mehr. Diese Tatsache wurde uns vor allem im Zusammenhang mit der jüngst aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise bewusst. Wenn es beispielsweise der Autoindustrie in Japan schlecht geht, hat dies Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in Westeuropa.
Ein offener Prozess
Die rasch voranschreitende Globalisierung wurde im vergangenen Jahrzehnt auch von einer heftigen Debatte über die damit verbundenen Vor- und Nachteile begleitet. Diese sollen im zweiten Teil der Serie näher dargestellt werden.
Bisher haben sich die Folgen der Globalisierung vor allem im wirtschaftlichen Bereich bemerkbar gemacht. Viele Fachleute in Wirtschaftsfragen verlangen, dass die Globalisierung nicht allein in der Wirtschaft, sondern auch im sozialen Bereich stattfinden soll. Auch Papst Benedikt XVI. warnte anlässlich einer Predigt zum Fest der Erscheinung des Herrn im vergangenen Jahr vor den Folgen einer "ungezügelten Globalisierung". Der eilige Vater betonte, dass die Globalisierung zu keiner neuen Weltordnung geführt hätte, sondern ganz im Gegenteil: "Die Konflikte um die wirtschaftliche Vormachtstellung und die Gier nach bestimmten Ressourcen würden jenen Menschen die Arbeit erschweren, die sich für eine gerechte und solidarische Welt einsetzen".
Die weitere Entwicklung der Globalisierung kann somit für viele Beobachter durchaus als ein offener, in beide Richtungen (gut und schlecht) gehender Prozess bezeichnet werden. Sie wird, wie es der Papst in seiner Enzyklika "Caritas in veritate" (Nr. 42) betont, das sein, was die Menschen aus ihr machen.
Katholische Kirche und Globalisierung
Die katholische Kirche wird aufgrund ihrer weltweiten Vernetzung häufig als ein "Vorläufer der Globalisierung" bezeichnet. Schon in der eiligen Schrift bildet der universale Missionsauftrag des auferstandenen Jesus an seine Jünger eine wichtige Grundlage dafür: "Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19). Auch in der paulinischen Theologie finden sich Ansätze für eine Globalisierung. In 1 Tim 2,4 betont der Apostel: " Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen."
Die katholische Kirche hat dabei heute in diesem Prozess jene Werte wie Würde der Person, Solidarität und Gerechtigkeit aufzuzeigen, die für ein Gelingen des menschlichen Lebens insgesamt unerlässlich sind. Durch die katholische Soziallehre hat die Kirche an der Erarbeitung nationaler sozialer Standards wesentlich mitgewirkt. Nun ist es ihre Aufgabe, dies auch auf globaler Ebene zu tun.
Die über 100 Auslandsreisen des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. sind unter anderem ein gutes Beispiel für eine völkerverbindende, weltumspannende Pastoral.
Die Globalisierung wird nur gelingen, wen sie vom Gebet und der Solidarität der Menschen getragen ist. Die Liebe ist, wie es der Papst auch in der aktuellen Sozialenzyklika (Nr.2) schreibt, der Hauptweg der Soziallehre der katholischen Kirche.
Wichtig ist auch, dass die ganze weitere Entwicklung mit dem Gebet für die Politiker und Entscheidungsträger begleitet wird. Gerade große Gebetsgemeinschaften wie der RSK haben hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Wir alle tragen hier Verantwortung!
P. Franz Müller OFM
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 240/2009/4

"Kommen Sie mit auf den Turm, ich zeige ihnen, wie das Turmkreuz angebracht wird", so lud mich ein freundlicher Arbeiter ein. Also begann ich die Leitern hochzuklettern, doch dann geschah´s: Plötzlich begannen mir die Knie zu schlottern und die Angst stieg hoch; nein, ich konnte einfach nicht mehr weiter.
"Fürchtet euch nicht" ruft der Engel auf der Titelseite - auch uns - zu. Es ist jedoch nicht die Furcht vor der Zukunft, vor den Naturgewalten, vor Krankheit oder Tod, oder wie ich sie spürte, gemeint. Es geht zunächst um die Furcht vor dem gewaltigen Gott (Das ganze Universum ist vor ihm wie ein Stäubchen an der Waage, vgl. Weish 11,22), wenn er sich in unserer kleinen Welt offenbart.
Aber der Engel beruhigt ja: Fürchtet euch nicht! Kann man sich denn vor einem Wickelkind fürchten? Und Gott hat sich in Betlehem als Kind geoffenbart und uns so gezeigt, wie sehr er uns liebt. Freilich dürfen wir bei all dieser Liebe seine Allmacht nicht vergessen. Und so soll die Furcht zur liebenden Ehrfurcht werden. Ich entdecke bei mir manchmal mit Schrecken, wie sehr mir die Ehrfurcht vor Gott fehlt, der sich für uns so klein macht, zum Beispiel in der Eucharistie, aber auch im armen Menschen.
"Fürchtet euch nicht", das will auch Vertrauen in Gott in uns wecken. Die richtige Haltung zeigt uns ein Gebet, in dem es heißt: "Lass uns dich ebenso fürchten wie lieben." Und so wollen wir uns um diese drei Haltungen bemühen: Furcht vor Gott, der zum Beispiel die Sünde nicht bagatellisiert; Ehrfurcht vor Gott, der so groß ist und sich für uns so klein macht, und Liebe zu IHM, die er uns in Bethlehem gezeigt hat: So sehr hat Gott die (Menschen) Welt geliebt, dass er seinen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (Joh 3,16). Aus dieser Liebe wächst auch das Vertrauen auf den gütigen Vater im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus.
Wenn wir uns um die "Furcht vor Gott" bemühen, wird es uns gelingen, auch manch natürliche Furcht zu überwinden: Fürchtet euch nicht!
Mit herzlichen Grüßen -
im Gebet und der wöchentlichen heiligen Messe (für Sie und Ihre Lieben) verbunden, bleibe ich mit Segen, Ihr
P. Benno OFM
Am dritten Adventsonntag lädt uns die Liturgie zur Freude des Geistes ein. Sie tut dies mit der berühmten Antiphon, die eine Aufforderung des Apostels Paulus aufnimmt: "Gaudete in Domino - Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! ... der Herr ist nahe" (vgl. Phil 4,4.5). Auch die erste biblische Lesung der Messe ist eine Einladung zur Freude. gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. wendet sich der Prophet Zefanja mit folgenden Worten an die Stadt Jerusalem und ihre Bewohner: "Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! ... Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt" (Zef 3,14.17). Gott selbst wird mit ähnlichen Empfindungen gezeigt; der Prophet sagt: "Er freut sich und jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag" (Zef 3,17-18a). Diese Verheißung hat sich auf vollkommene Weise im Weihnachtsgeheimnis erfüllt, das im "Heute" unseres Lebens und der Geschichte erneut geschehen soll.
Papst Benedikt XVI.
entnommen aus:
Freut euch!, Predigten und Meditationen zur Weihnachtszeit
Benno Verlag
Das Heilige Land zur Zeit Jesu
Bibel, Geschichte und der christliche Glaube
Im Fahrwasser einer erstarkenden Atheismus-Bewegung wird nicht nur Gottes Existenz wieder einmal geleugnet, sondern auch alles massiv infrage gestellt, was Jesus Christus, sein Leben und Wirken betrifft.
Daneben wird aber gerne übersehen, dass über kaum eine Gestalt in der Antike so viel gesichert bekannt ist wie über Jesus. Um das wahrzunehmen, muss man allerdings bereit sein, die Heilige Schrift nicht als ein bloßes "Märchenbuch" abzutun, das vielleicht erbauliche eschichtchen liefert, aber kritisch-aufgeklärten Menschen heutiger Tage eigentlich nichts Haltbares und damit wichtiges zu sagen habe.
Christen sollten sich nicht in die Ecke zurückgrängen lassen, in der - aber auch nur dort - man ruhig seinen Glauben pflegen dürfe. Der Jesus Christus unseres Glaubens ist historisch greifbar. Sicher ist die Bibel nicht mit den Methoden moderner Geschichtswissenschaft geschrieben. Dies erschüttert nicht die Grundfeststellung, dass er geboren wurde, in einer kurzen Zeit des öffentlichen Wirkens erstaunlich viele Menschen überzeugt und für seine Botschaft vom Reich Gottes gewonnen hat. Er hat aber auch Widerspruch provoziert, was seine Historizität jedoch eher unterstreicht, und wurde schließlich in Jerusalem gekreuzigt und ist am dritten Tag danach von den Toten auferstanden. Gott sei Dank gibt es neben den vielen Kritikern des historischen Jesus, die auch reichlich unter den Theologen zu finden sind, Wissenschaftler, die uns ermutigen, die Bibel bis zum Beweis des Gegenteils für viele Ereignisse im Leben Jesu als eine zuverlässige Quelle zu verwenden.
Chrsitlicher Glaube lässt sich weder durch historische Forschung, noch durch Archäologie oder, wenn es die denn eines Tages gäbe, durch Filmdokumente beweisen und erzwingen. Glauben dürfen und sich als aktiver Christ in der Kirche entschieden in den Dienst der Osterbotschaft zu stellen, das ist Geschenk des Heiligen Geistes und der Menschen, die uns in der Kirche, in der Schule und in der Familie auf diesen spannenden Weg des Lebens und des Christseins geführt haben. Dankbar darf ich sein für Gottes Fügung und mit Interesse will ich meinen Glauben und das Wissen um Jesus Christus und seine Kirche vertiefen. Die Heilige Schrift und die Kirche mit ihrer Tradition sind die wichtigsten Anhaltspunkte dabei.
Unter Historikern gibt es einen alten Scherz, wonach die Kreuzigung Jesu zwar gesichert sei, währenddessen aber über seine Geburt doch erhebliche Zweifel blieben.
Palästina zur Zeit Jesu
Zur Zeitenwende wurde die damals bekannte Welt von Rom aus beherrscht. Jesus wurde allerdings nicht im Jahre 0 geboren. Das Geburtsjahr Jesu fällt in die Regierungszeit Herodes des Großen, der starb 4 v. Chr. Deshalb wird Jesus wahrscheinlich wenige Jahre vorher geboren sein. Das römische Weltreich regierte damals Gaius Julius Cäsar Octavianus, der sich ab 27 v. Chr. "Augustus" (der "Anbetungswürdige") nannte. Sein Adoptivsohn und Nachfolger war Tiberius Claudius Nero. Er nannte sich "Sohn des Göttlichen" und unter ihm sollte jener Jesus gekreuzigt werden, dem schon in Lk 1,35 der Gottessohntitel von Gott selbst her zugedacht war.
Weltliche Geschichtsschreibung und die Heilige Schrift stehen sich in dieser Hinsicht auf gleicher Augenhöhe gegenüber und ergänzen einander.
Es geht nicht um "gesicherte Fakten" auf der weltpolitischen Ebene und "randnotizen über einen von vielen durch die Römer hingerichteten Juden" auf der anderen Seite. Mit der Geburt Jesu ist in der Tat eine Zeitenwende markiert. Auf sie bezieht sich bei aller zuzugestehenden Datierungsgenauigkeit unsere Zeitrechnung weltweit immer noch entweder "vor Christus" oder eben "nach Christus".
Herodes war Herrscher des Hasmonäerreiches von Roms Gnaden, ab 47 v. Chr. regierte er über Galiläa. Als Jerusalem 37 v. Chr. von römischen Legionen erobert wurde, konnte Herodes "der Große" das ganze judäische Land unter seiner Herrschaft vereinigen. Obwohl er ab 20 v. Chr. den Neubau des Tempels von Jerusalem betrieb, wurde er von den Juden gehasst, denn er förderte die Hellenisierung des Landes. Daneben legte er ihm hohe Steuern auf und ging rücksichtslos gegen seine Widersacher vor. Seiner sprichwörtlichen Grausamkeit fielen 29 v. Chr. seine Frau Mariamne und weitere Familienmitglieder zum Opfer. Die von ihm befohlene Ermordung aller Knaben in Betlehem wird nur in der Bibel berichtet. Die Parther stellten bei ihrem Einfall in Syrien (40 v. Chr.) das Königreich Judäa wieder her, und die Römer erkannten Herodes den Großen als König an, um sich seiner Hilfe zu versichern. Es begann demnach zur Zeit des Kaisers Augustus eine neue Epoche starker staatlicher und kultureller Entwicklung. Statthalter war in der römischen Provinz Syrien nach dem Evangelisten Lukas Quirinius, der zwar schon in Syrien wirkte, aber gesichert erst in den Jahren nach Christi Geburt offiziell Statthalter war.
Auch die von Lukas erwähnte Volkszählung (Census, Erstellung von Listen steuerpflichtiger Personen) wirft bezüglich der Datierung gewisse Probleme auf. Die Tatsache, dass die schwangere Maria und ihr Verlobter Josef nach Betlehem gingen, spricht eher für die Echtheit dieser Ortsangabe, denn naheliegender für die Geburt des Messias wäre Jerusalem gewesen.
Betlehem ist nicht nachträglich "ausgesucht" worden, um die Prophezeiung des Micha (5,1-3) zu "erfüllen". Matthäus (1,18-21) hält erst das Ereignis historisch fest, und dann wird versucht, seine Bedeutung durch Blick in die prophetischen Schriften zu ermitteln. Als die Hohenpriester und Schriftgelehrten vom ratlosen König Herodes herbeigerufen werden und man schließlich Michas Prophetie findet, ist Jesus bereits geboren und schon einige Monate alt. Betlehem ist als die Geburtsstadt Davids überliefert. Josef gehörte zu diesem Geschlecht, und diese Zugehörigkeit ging mit der Adoption Jesus über, der dann später im Handwerk des Ziehvaters, eines Bauhandwerkers, in Nazaret mitarbeitete. Betlehem war auch die Heimat Ruts (Rut 4,10-18), einer Vorfahrin des großen Königs David. Aber auch "dem Fleische nach" (vgl. Röm 1,3) wurde Jesus aus Maria, die offensichtliche Beziehungen zu David hatte, geboren.
Einige Schlussfolgerungen
Eine Reihe von Kritikern der historischen Abläufe rund um die Geburt, die Jugend und die kurze öffentliche Wirksamkeit Jesu verwendet viele Argumente darauf, die biblischen Aussagen zu erschüttern und damit als unhaltbar darzustellen. Nazaret wird infrage gestellt, Betlehem ist dann nicht mehr sicher.
Die Flucht nach Ägypten wird mystifiziert (der neue Mose musste einfach auch aus Ägypten kommen, sagt man dann), und schließlich werden gar die Berichte vom leeren Grab in Jerusalem und die Begegnungen mit dem Auferstandenen zerpflückt und bis zur Unkenntlichkeit umgedeutet und spiritualisiert. Auffallend bei den verschiedenen Ernüchterungen bezüglich der Orts- und Zeitangaben der Geschehnisse um Jesus Christus ist, dass diskussionswürdige Alternativvorschläge nicht geliefert werden. Dabei basiert unser christlicher Glaube auf den historisch greifbaren Angaben der Heiligen Schrift und vor allem dem, in dessen Auftrag sie geschrieben wurden und in dessen Dienst sie letztlich stehen.
Es handelt sich nicht nur um plausible Gründe, die außerbiblisch oft bestätigt werden. Diese Orte, um nur Nazaret, Betlehem und Jerusalem herauszugreifen, weisen selbst eine lebendige Verehrungsgeschichte auf, die im Wachsen des Glaubenswissens in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen sind. Ich muss als Pilger nicht notwendigerweise etwa den Betschemel der Maria in Nazaret oder die gebrauchten Windeln Jesu in Betlehem finden, ich muss keinen Videofilm von der Auferstehung am Ostermorgen haben (mit einem solchen Film würden einschlägige sensationshungrige Filmemacher ohnehin nur wieder ihr horrendes Geld machen, nachdem sie in Hollywood entsprechend aufgearbeitet hätten). Alles das brauche ich nicht, um an den heiligen Stätten in Palästina/Israel bis heute dem von der Kirche als Stifter und Lebenskern geglaubten Jesus Christus zu begegnen, um seinen Geist wirkkräftig zu spüren, und meine vertrauensvolle Glaubensentscheidung hier zu festigen und immer wieder zu erneuern.
Altehrwürdige antike Wohnhöhlen in Nazaret erzählen, vom Leben Marias und später der heiligen Familie. Eine solcher Höhlen in Betlehem zeigt mir einen der erlesensten Orte des Glaubens an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Und wenn auch vom ursprünglichen Grab Jesu nach barbarischen Zerstörungen nichts mehr übrig geblieben ist, gibt mir die Wissenschaft den hilfreichen Hinweis, dass der Ort und das Bodenniveau über die Jahrtausende authentisch nachweisbar geblieben ist.
Kalvaria in der Grabeskirche wurde, Gott sei Dank, davor bewahrt, von allzu frommen Pilgern in frommster Absicht geweihte Souvenirs mitzunehmen, abgetragen und in alle Winde zerstreut zu werden. Die Bibel nach Hieronymus der zuverlässigste Pilgerführer durch das Heilige Land ( er nennt das Pilgern zu den heiligen Stätten auch das fünfte Evangelium), die Geschichtswissenschaft, die Archäologie, sie helfen uns zum Glauben, ohne ihn in einseitig verstandener Wissenschaftlichkeit erzwingen zu können.
Die drei Weisen (Magier, Sterndeuter, Könige ...), die Patrone der Kölnischen Franziskanerprovinz, bringen es bei aller historischen Anfechtbarkeit vielleicht doch am ehesten auf den Punkt. Ein Stern brachte sie zum Ziel ihrer Sehnsüchte. Was werden sie nicht alles an Anfechtungen auf ihrem langen Weg zum göttlichen Kind zu überwinden gehabt haben, aber die Erwartung der Erfüllung ließ sie durchhalten. Nicht der Weg war das Ziel, sondern Gottes fleischgewordener Sohn; ihn wollten sie sehen, anbeten und ehrfürchtig vor ihm auf die Knie gehen. Die Geburtsbasilika über der Grotte in Betlehem, so wissen wir, hat die Zerstörung durch die Perserhorden zu Beginn des 7. Jahrhunderts überlebt.
Dies geschah deshalb, weil die persischen Krieger plötzlich vor den Gestalten auf der Fassade (die drei Weisen) zurückschreckten, die da in ihrer eigenen Landestracht dargestellt waren.
Bei der Papstmesse am 13.Mai 2009 auf dem Krippenplatz in Betlehem brachte es Benedikt XVI. auf den Punkt, wenn er zum Schluss sagte: "Die altehrwürdige Geburtskirche, gebeugt von den Stürmen der Geschichte und der Last der Zeiten, erhebt sich vor uns als Zeugnis eines Glaubens, der Bestand hat und die Welt besiegt (vgl. 1 Joh 5,4). Keinem Besucher Betlehems kann entgehen, ass das große Tor, das in das Haus Gottes führt, im Laufe der Jahrhunderte immer enger geworden ist. Lasst uns heute darum beten, dass das Tor, das in das Geheimnis der Gegenwart Gottes unter den Menschen, zum Tempel unserer Gemeinschaft in seiner Liebe und zum Vorgeschmack auf eine Welt immerwährendes Friedens und ewiger Freude führt, durch Gottes Gnade und unseren Einsatz sich immer weiter öffnen möge, um jedes menschliche Herz willkommen zu heißen, zu erneuern und zu verwandeln. Auf diese Weise wird in Betlehem auch weiterhin die Botschaft erschallen, die den Hirten, uns und der ganzen Menschheit anvertraut ist: 'Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade!'"
P. Robert Jauch OFM
Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?
Es ist immer eine große Enttäuschung für die heranwachsenden Kinder, wenn sie entdecken, dass die ganzen Geschichten rund um den Weihnachtsmann in Wirklichkeit nur ein schönes Märchen sein sollen.
Trotzdem frage ich mich: Vielleicht existierte dieser Mann doch? Vielleicht nicht unbedingt mit dem langen weißen Bart, dem roten Umhang und dem Sack voller Geschenke, so wie ihn Hollywood in zahlreichen Walt Disney-Filmen geschaffen hat.
Nach einigen Recherchen muss ich sagen: Ja, ihn gab es wirklich. Als ein Mensch, der sein eigenes Leben für die Bedürftigen verschenkt und vielen Ausgestoßenen neue Hoffnung geweckt hatte.
Wer also war er? Nikolaos (Nikolaus) nannte man ihn. Und er lebte um die Zeit von 270 bis 346. Das Licht der Welt hatte er in Patrara, einer Stadt in der heutigen Türkei, erblickt.
Verschiedene Berichte erzählen uns von seinem selbstlosen Handeln den Armen gegenüber. Am bekanntesten ist die Geschichte von einem Vater, der mit seinen drei Töchtern in großen wirtschaftlichen Nöten lebte. Da er für sie nicht die Mitgift für eine Heirat aufbringen konnte, beschloss er in seiner Verzweiflung, seine Kinder zu verkaufen. Dieses schreckliche Ansinnen kam Nikolaos zu Ohren. Und dieser legte sich einen Plan zurecht: In einer sternlosen Nacht drang er in das Zimmer der Töchter ein. Durch ein unachtsames Geräusch schreckte eines der Mädchen vom Schlaf auf. Beim Anblick des Fremden begann sie voller Panik zu schreien. Dadurch aufgeschreckt, sprang nun auch der Vater von seinem Lager auf und fasste den Eindringling an seinem Mantel. Schon wollte er ihn als Dieb verprügeln, als er merkte, dass Nikolaos drei kleine Säckchen voller Münzen fallen ließ. Der Eindringling erklärte den aufgeschreckten Leuten das Motiv seines nächtlichen Besuchs. Eigentlich wollte er völlig unbemerkt dieses Geld hinterlassen für die Mitgift der drei Töchter. Doch je mehr er beteuerte, niemand solle davon erfahren, desto mehr erzählen die Überglücklichen von dem nächtlichen Ereignis.
Novh viele andere Legenden gibt es von dem heiligen Mann mit dem milden und großzügigen Herzen. Er ging in die Geschichte ein als Bischof Nikolaos von Myra, Santa Claus, Nikolaos der Mann der Wunder, der Patron der Seefahrer und der Schutzheilige der Stadt Beit-Jala, zwei Kilometer östlich von Betlehem. In der Tat lebte der heilige Nikolaus im vierten Jahrhundert als Mönch für einige Zeit als Einsiedler dort in einer Grotte. Noch heute wird sie dem Besucher in der Krypta der griechisch-orthodoxen St.-Nicola-Kirche gezeigt.
Die Leute von Beit-Jala nennen ihn liebevoll "Vater Nicola". Und sie wissen vieles von seiner wundersamen Hilfe bis heute zu berichten. Besonders in schwierigen Zeiten, während des Sechstage-Krieges 1967, des Golfkrieges 1993 und den gewaltsamen Auseinandersetzungen der ersten und zweiten Intifada erzählen zahlreiche Familien in Beit-Jala Geschichten von Rettung und Schutz dank der Fürbitte des heiligen Nicola. Wen wundert es, wenn jeder zweite Knabe den Namen des "Vaters von Bet-Jala" trägt?
Der heilige Nikolaus hat bis heute nicht aufgehört, die Menschen weiterhin zu beschenken. Aus seinen Gebeinen, die in der italienischen Stadt Bari ruhen, fließt immer noch ein wundersames Öl. Die Christen von Beit-Jala ließen sich eine solche wertvolle Ampulle durch einen befreundeten italienischen Priester als Reliquie schenken. In einer feierlichen Prozession wurde sie von allen Christen - Orthodoxen, Lateinern und Protestanten - wie im Triumphzug durch die Straßen der Stadt getragen. Der heilige Nikolaus hatte nicht nur sie alle an diesem Sonntag vereint, er war gleichsam nach 1600 Jahren wieder in seine Stadt zurückgekehrt.
Elisabeth Fleckenstein

„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 239/2009/3

Dass das Christentum ohne die tatsächliche Auferstehung Jesu auch nur bis ins zweite Jahrhundert hätte überdauern können, hält der bekannte verstorbene jüdische Gelehrte Pinchas Lapide für äußerst unwahrscheinlich; allerdings weist er den Gedanken, dass Jesus der erwartete Messias sei, energisch zurück.
Was führt Lapide zu dieser Ablehnung? Ich vermute, es ist der algemeine Vorwurf gegen das Christentum: Was hat sich denn durch Christus in der Welt verändert?
Wir haben auf der Titelseite die gewaltige Statue von Christus, dem Erlöser, die sich hoch über Rio de Janeiro erhebt. Jesus breitet die Arme aus, als wollte er sagen: "Kommt alle zu mir..."
Sicher dürfen wir mit all unseren Sorgen zu Jesus kommen. Zunächst will uns aber Jesus einladen, dass wir sein Wort und seine Weisung annehmen. Wie viel Elend könnte in dieser Welt vermieden werden, wenn die Menschen - auch wir - auf Jesu Wort achteten.
Wenn sich Maria in Fatima als die "Rosenkranzkönigin" offenbarte, hat das eine tiefe Bedeutung (und ist kein kitschiger Titel!). Die Gottesmutter möchte uns durch den Rosenkranz nach Wort und Beispiel ihres Sohnes formen. Ich frage mich und Sie: geschieht das auch? Bitten wir doch die Gottesmutter, was sie uns durch das betreffende Rosenkranzgeheimnis sagen will. Wahrscheinlich kann man nicht bei jedem Gesätz eine Weisung fürs Leben finden; aber wenigstens bei einem oder zwei Gesätzen werden wir doch Mariens Hilfe zur Formung unseres Lebens finden.
Vielleicht denkt nun mancher: Der Pater ist aber lebensfremd, weiß er denn nicht, welche Sorgen uns bedrücken, etwa die wirtschaftliche Situation?
Jesus hat einmal über Jerusalem geweint: " Wenn du es doch erkannt hättest, was dir zum Frieden dient" (nach Lk 19,42). Jesus, und so auch uns Chrstinnen und Christen, ist die augenblickliche Situation nicht gleichgültig. Aber sie ist ein ernstes "Zeichen der Zeit", das zur Umkehr mahnt. Wir beginnen damit bei uns selbst; wir beten für die Verantwortlichen um kluge und gerechte Entscheidungen. Möge doch unser gemeinsamer Gebetssturm manches Arge verhindern.
Noch ein ganz praktischer Tipp zum Schluss: Betet (wieder) das Tischgebet. Eine Anregung findet ihr dazu auf dieser Seite.
Wir glauben nicht nur an die Auferstehung - wir glauben auch an den Christus/Messias, der auch durch die Fürbitte seiner Mutter manches zum Guten wenden kann (siehe den Fall der Berliner Mauer!).
Mit herzlichen Grüßen
und Segen,
Ihr P. Benno OFM
Herr, segne uns und diese Gaben, die wir durch deine Güte jetzt empfangen werden; segne alle, die dafür gearbeitet haben, segne alle, die für das tägliche Brot Verantwortung tragen und erbarme dich - auch durch uns - jener, die hungern.
War es ein Wunder?
Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer, der atheistische Kommunismus brach zusammen. Verfolgen wir die Ereignisse, die zu dieser "größten aber unblutigen Revolution" (Kard. Wetter) führten.
13. Juli 1917:
Die Erscheinung in Fatima offenbarte den Kindern: "Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg geht seinem Ende entgegen: wenn man aber nicht aufhört Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat Pius XI. ein anderer, schlimmerer Krige beginnen. Wenn ihr eine Nacht erhellt sehen werdet durch ein unbekanntes Licht, dann wisset, dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein: Wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und eine Zeit des Friedens wird der Welt geschenkt werden."
13. Oktober 1917:
Das Sonnenwunder; in dieser Weise das größte Zeichen der nachapostolischen Zeit, es sollte die Echtheit und die Bedeutung der Erscheinungen unterstreichen.
7. November 1917:
Gewaltsame bolschewistische Machtübernahme in Petrograd (St. Petersburg) und damit Beginn der kommunistischen Herrschaft in Russland.
6. Mai 1981:
P. Petrus sagt zu Papst Johannes Paul II.: "Ich habe für sie gebetet, dass sie uns noch recht lang erhalten bleiben."
13. Mai 1981:
Attentat auf den Papst.
13. Mai 1982:
Johannes Paul II. weiht in Fatima die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens.
25. März 1984:
Der Papst wiederholt die Weltweihe vereint mit den Bischöfen der Welt unter besonderer Berücksichtigung Russlands.
11. März 1985:
Wahl Michail Gorbatschows zum KPdSU- Generalsekretär. Man kann sagen, er brachte den Stein ins Rollen, der zum Sturz des Kommunismus führte.
10. November 1989:
Fall der Berliner Mauer als Zeichen des Zusammenbruchs des atheistischen Kommunismus.
Wenn man alle Komponenten dieses welthistorischen Ereignisses zusammenfasst, darf man von einem Geschichtswunder sprechen.
1. Wenn es 1917 hieß, dass Russland sich bekehren würde, so war damit der Zusammenbruch des atheistischen Kommunismus gemeint, wie Sr. Lucia erklärte. Diese Prophezeiung hat sich also erfüllt.
2. Ein Auslöser für diese Entwicklung war unter anderem das Attentat auf den Papst, das Johannes Paul II. auf die Bedeutung von Fatima hinwies. Dieses missglückte Attentat trug dazu bei, dass der Papst die Weltweihe an die Gottesmutter vollzog.
3. In der "sanften Revolution" (ohne Blutvergießen!) dürfen wir eine Antwort des Himmels auf das Anvertrauen der Welt an die gütige Fürsprache der Gottesmutter sehen.
Der Fall der Berliner Mauer ist Vergangenheit. Höchst aktuell bleibt aber die Mahnung: "Die Menschen sollen aufhören, Gott zu beleidigen." Dieses Wort hat auch Bedeutung in der Weltwirtschaftskrise.
P. Benno Mikocki OFM
Die Psalmen entdecken (21)
Der Mensch vor dem allwissenden Gott Psalm 139
Psalm 139 gehört zu den besonders kostbaren Perlen des Psalters. In ihm spricht ein Jahwegläubiger, der Verfolgung leidet, seinen lebendigen Glauben an die Allwissenheit, die Allgegenwart und das Allwalten des Richtergottes, der zugleich Bundesgott ist, aus. Er tut es nicht in einer Art Lehrstück, sondern in der Zwiesprache des Gebetes (Deissler).
Vers 1b gibt knapp das Thema an: die Erforschung des Beters durch Gott. In den Versen 2ff beschreiben vier parallel gebaute Sätze, wie Gott die menschlichen Grundtätigkeiten beobachtet. Wir könnten sagen, Gott umgibt den Menschen wie das Licht und die Luft. Vers 4 steigert noch die Gegenwart Gottes: Noch ist ein Gedanke nicht ins Wort geformt, da kennt ihn Gott schon.
Vers 5 fasst die vorausgehenden Einzeltaten JHWHs zu einem Gesamteindruck zusammen. "JHWH hat den Psalmisten so von hinten und von vorn eingeschlossen, dass er ihn auf der horizontalen Ebene seines Bewegungsspielraums beraubt hat; zugleich hat er auch ein Entkommen in der vertikalen Ebene vereitelt, in dem er von oben seine Hand auf ihn stemmte" (Hossfeld).
Sieht der Beter die Allgegenwart positiv oder eher negativ?
Zunächst müssten wir vielleicht sagen: "Eine Überschrift zu Vers 1-6 kann nicht ,JHWHs Allwissenheit´ heißen, sondern viel eher ,Der Erkenntnis JHWHs ausgesetzt´, was dem vom Beter formulierten Gefühl in diesen Versen entspräche" (C. Buysch).
Soll uns diese Darstellung nicht an Größe und Macht Gottes erinnern? Und an die Bitte in einem Kirchengebet: "Lasst uns deinen Namen ebenso fürchten wie lieben"? Allerdings dürfen wir hier vor allem an die Ehr-furcht denken. Ergänzend zu diesen Überlegungen müssen wir aber feststellen, dass der Beter staunend vor dem Geheimnis der Allgegenwart Gottes steht.
Die Verse 7-12 preisen Gott "als allmächtigen Gott, vor dem niemand fliehen und sich verbergen kann. ...Dem Weltherrn und Weltrichter kann niemand entrinnen. Weder der Aufstieg zum Himmel noch die Flucht in die Unterwelt kann Sicherheit vor dem Zugriff Gottes gewähren" (Kraus).
Bemerkenswert ist der Text: "Bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen". Hier wird der Grundsatz, dass die Toten Gott nicht loben können, duchbrochen, man stößt hier auf eine Schwelle zur Auferstehungshoffnung im Alten Testament. Mit dem Bild der "Flügel des Morgenrots" wird die Grenze des Ostens umschrieben, welcher der Rand des Mittelmeeres im Westen gegenübersteht.
Gott du hast mich geschaffen. Unter diesem Thema stehen diese Verse. Der Weltrichter ist der Schöpfer. Seine Allwissenheit und sein durchdringendes Erkennen jedes Menschen wurzeln in der Tatsache, dass er jeden Menschen gechaffen hat. Der Psalmist geht auf die vorgeburtliche Existenz im Mutterschoß zurück. Hier werden wir auf den Schutz des Menschen von seiner Empfängnis an verwiesen.
Wenn der Beter die Allgegenwart Gottes zunächst nicht positiv sah, nun löst das Wirken Gottes Dank aus. Die Erschaffung seiner Person wird nun in die großen Machttaten Gotes eingereiht. Zunächst waren damit die Machttaten Gottes in der Geschichte gemeint.
Die "Nieren" (Urtext) sind nach damaliger Sicht Sitz der innersten Gefühls- und Willensregungen des Menschen. Als ein kunstvolles Geflecht wird der Leib des Menschen betrachtet und er weiß: der Schöpfer durchschaut sein Werk.
Eigenartig ist der Hinweis auf die Schöpfung des Menschen "in den Tiefen der Erde". Der aus Erde gebildete Mensch (Gen 2,7) ist in den dunklen Gründen der "Mutter Erde" entstanden, so wird der im Psalm aufgenommene Mythos gelautet haben. Dazu ein Gedanke: Dürfen wir hier nicht - weiterdenkend - schließen, dass sich Gott bei der Erschaffung des Menschen der "Zweitursachen" bedient? Dieser Gedanke könnte auch für jene hilfreich sein, die unter einer Körperbehinderung leiden.
Einen Höhepunkt erreicht der Psalm im Vers 16: Das durchdringende Wissen Gottes kennt den Menschen von seiner Urgestalt an, begleitet jeden Tag mit einer protokollähnlich gedachten Niederschrift und hat sogar des Menschen Weg bestimmt, was aber nicht als Prädestinaion aufgefasst werden darf.
Der Psalmist unterwirft sich dem Weltrichter und Schöpfer, dem nichts verborgen ist. In Vers 17 spürt man deutlich, "wie der Sänger unter der Last der Gedanken und Vorstellungen in sich zusammenbricht" (Kraus). Und doch bleibt sich der Beter seiner Gottesgemeinschaft gewiss. Für uns eine Mahnung: Bei all unserem Nachsinnen über Gott, dieses immer wieder in ein Gebet (das auch unsere Dunkelheit und Zweifel einschließt) einmünden zu lassen.
Im Stundenbuch der Kirche sind die Verse 19 bis 22 ausgelassen. Sie beginnen ja schon mit der Bitte, Gott möge den Frevler töten.
Wie können wir diesen Teil des Psalms verstehen?
Neben den beiden Hauptfiguren, des "Du" Gottes und des "Ich" des Beters, tritt der "Frevler" auf. Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die sich primär gegen Gott und sekundär gegen den Beter verschworen hat. Das Entscheidende für den Beter ist, dass sie den Widerpart Gottes in der Welt bilden. Sie bedrohen nicht sein Leben, sondern einzig seine Beziehung zu Gott. Im Vers 19 fordert der Beter die "Blutmänner" auf, vom Beter zu weichen: Er will ihre für ihn sittlich gefährliche Gesellschaft meiden. "Blutmänner" ist in den Psalmen eine Bezeichnung für Menschen, an deren Händen Blut klebt.
Vers 20 zeichnet weitere Eigenschaften der Frevler. Entweder ist gemeint, dass sie über Gott reden, ohne es ernst zu meinen, oder ganz einfach Atheisten sind.
Vers 20b kann man so verstehen, dass sie das Heimatland (mit Jerusalem) des Beters herabsetzen, um so die Ohnmacht Gottes zu demonstrieren. Was der Psalmist von den Betern am meisten zu fürchten hat, ist die Ausbreitung ihrer Ablehnung Gottes auf andere, ja sogar auf ihn selbst. Wenn wir diese Verse so verstehen - ohne die Bitte um Tötung des Frevlers - können wir sie auch heute beten.
Wie zu Beginn bittet der Beter zum Schluss, Gott möge sein Herz und sein Denken prüfen: ob er etwa auf dem Weg der Götzen abgewichen ist; nein, Gott möge ihm helfen, den altbewährten Weg seiner Gebote zu gehen.
Psalm 139 ist auch ein Hochgebet für den Christen. Seine elementare Sprachkraft, Zeichen eines begnadeten Glaubens, erweckt, wenn wir uns ihr überlassen, tote Lehrsätze des Credos zum Leben, das da ist ,ein Wandern mit Gott´ (Mich 6,8). Dieser ,uralte Weg´(Vers 24) ist allein der ewig neue, und er meint immer zugleich den Gang mit Gott zum Menschen hin ,in Gerechtigkeit und Brudersinn´(Mich 6,8)" (Deissler).
P. Benno Mikocki OFM
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 238/2009/2

"Ich werde ein großes Wunder wirken, damit alle glauben." Dreimal wiederholt Maria diese Ankündigung in Fatima. Und dann geschieht dieses Wunder am 13. Oktober 1917. Es ist - in dieser Art - das größte Wunder der nachapostolischen Zeit.
Kritiker werden einwenden: Wunder kann doch nur Gott wirken, wie kann Maria sagen: "Ich werde ein großes Wunder wirken"? Vom getreuen Knecht heißt es im Evangelium: "Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen" (Lk 12,44). Dazu ein Schrifterklärer: Hier ist von endzeitlichem Lohn die Rede, "der nicht in einem endgültigen Ausruhen von den Pflichten, sondern in gesteigerter Tätigkeit und höchster Verantwortung" besteht. Es ist also durchaus biblisch begründet, dass Gott Maria, die treue Magd, an seiner Macht teilnehmen lässt.
Soll uns das gewaltige Sonnenwunder nicht auf die einzigartige Bedeutung Mariens als Wegbegleiterin zu Jesus hinweisen? Aber da ist der immer wieder gebrachte Einwand: In der Bibel steht ja so wenig drin über Maria, wie kann sie dann eine so große Bedeutung haben? Dem möchte ich die Erkenntnis eines Bibe´lfachmanns entgegenhalten: "Die Aussagen, die wir im Neuen Testament über sie (Maria, Anm.d.Verf.) finden, sind so reich und tief, dass wir sie nie ausschöpfen können!" (K. Stock).
Als ich einen Neupriester fragte, ob er im Theologiestudium etwas über Maria gehört hätte, antwortete er "kaum". Ich will nicht kritisieren, denn das würde den Graben zwischen jenen, denen Marienverehrung ein Herzensanliegen ist, und jenen, für die Maria nur eine "Nebenfigur" des Glaubens bedeutet, nur vertiefen. Positiv will unsere Gebetsgemeinschaft anregen, dass über Maria mehr nachgedacht wird, denn ich bin der Überzeugung, dass viel Unheil in der Kirche daher kommt, weil die Mutter Jesu, die Wegbegleiterin zu Jesus, zu wenig erkannt und verehrt wird.
Ist das übertrieben? Der bekannte Theologe Karl Rahner sagt: "Privatoffenbarungen sind in ihrem Wesen ein Imperativ, wie in einer bestimmten geschichtlichen Situation von der Christenheit gehandelt werden soll; sie sind wesentlich keine neue Behauptung, sondern ein neuer Befehl." Und dieser Imperativ wird bezüglich Fatima eben nicht oder zu wenig beachtet.
Bitte: Helfen Sie uns - etwa beim Beten der beiden letzten Gesätze des glorreichen Rosenkranzes, dass die Bedeutung Mariens mehr erkannt wird. Dies wäre ein Segen für die Kirche, aber auch für die Welt.
Mit herzlichen Grüßen und Segen, bleibe ich, Ihr
P. Benno OFM
Ich werde ein großes Wunder wirken
Interview mit Günther Stolze, dem besten Kenner des Sonnenwunders von Fatima

P.Benno: Herr Stolze, Sie beschäftigen sich als ausgebildeter Jurist und Theologe seit 45 Jahren mit dem Sonnenwunder von Fatima. Was hat Ihr Interesse an diesem Wunder geweckt?
Günther Stolze: Schon mit fünf Jahren hatte ich den Wunsch, etwas aus der anderen Welt zu sehen. Dieser Wunsch ließ mich nie los. Das erste Mal hörte ich 1940 von Fatima im Luftschutzkeller. Da sah ich eine einfache Frau, die ruhig ihren Rosenkranz betete, während die anderen verzweifelt waren, weinten und schrien. "Sie haben keine Angst?", fragte ich sie. "Nein", sagte sie, "ich habe keine Angst. Ja Gott wird uns schon helfen". Und da habe ich gesagt, Gott ist ja gar nicht da. "Doch, Gott ist da." Ja woher wissen sie das? "Die Sonne hat getanzt über Fatima." Was ist denn das? "Ja das ist ein Dorf irgendwo unten in Portugal." Das kann nicht sein. Die Sonne kann nicht tanzen, soviel versteh ich auch davon. "Doch", sagt sie. Und da hat sie mir eine kleine Broschüre gegeben, und dann habe ich gedacht, nachdem ich das gelesen hatte, die Zeichnungen vom Sonnenwunder: Das will ich erforschen. Wenn das stimmt, dann gibt es Gott. Und wenn das ganze Betrug ist, dann geh ich nie wieder in die Kirche. Damit war die Weiche für meine Zukunft eigentlich bis auf den heutigen Tag gestellt.
P. Benno: Wenn man vom Sonnenwunder erzählt, bekommt man den Einwand zu hören, das war ja nur eine Massenhysterie. Was kann man dem entgegenhalte?
G.S: Ich habe zwei Antworten. Ich habe mich von Meteorologen beraten lassen und soviel Material wie wohl sonst niemand durchgearbeitet (unter Betreuung von Physikern und Meteorologen) und bin zu dem Ergebnis gekommen: Was dort geschehen ist, ist einzigartig und überwältigend und natürlich nicht zu erklären. Die zweite Antwort lautet: Es wäre (natürlich geschehen) noch viel schwieriger, in etwa 60.000 Menschen dieselbe Vorstellung psychisch hervorzurufen. Außerdem: Das Phänomen wurde von Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern wahrgenommen. Auch dies ist ein wesentliches Argument gegen die Behauptung, es hätte sich einfach um eine Massensuggestion gehandelt. Ich habe allein etwa 70 einzelne Wunderelemente, aber in sich selbstständige, innerhalb dieses Geschehens aufgezeichnet. Das hat man dann auch nie mehr bestritten.

P. Benno: Es gibt also absolut keine natürliche Erklärung für das Sonnenwunder?
G.S: Eine natürliche lautet, es handle sich um ein Gewitter, das einen Sandsturm ausgelöst hat und eben diese Phänomene dann hervorgerufen hat. Das haben hochangesehene Fachleute der theoretischen Physik sehr genau vorgetragen in einem Vortrag, wie das kommen könnte, wenn aus der Sahara bestimmte Wüstenwinde zu rotieren anfingen. Da habe ich gesagt, dann hätten doch überall Sandkörner liegen müssen. Und wie erklären Sie sich, wie ihr Sandsturm bis zu zig Kilometer entfernten Orten gkommen ist, wo zur selben Zeit dasselbe beobachtet wurde? Darauf wussten die Vortragenden keine Antwort, einer rannte sogar wütend aus dem Saal.
P. Benno: Berichten andere Religionen glaubwürdig von ähnlichen Phänomenen?
G.S: Ich habe mich um andere ähnliche Sonnenwunder gekümmert, nicht mit dieser Ausschließlichkeit, das ist gar nicht möglich, aber ich habe mich orientiert und habe nicht ein einziges gefunden, wo eine Prophetie zugetroffen ist, eine Vorauskalkulation dieser hier nötigen Momente, die dazu gehören, nichts, gar nichts. Übrigens berichten glaubwürdige Zeugen auch von "Sonnenwundern" im christlichen Bereich. Aber keines von diesen reicht an das Sonnenwunder von Fatima nur annähernd heran.
P. Benno: Wir alle haben das Sonnenwunder nicht miterlebt. Wir müssen uns auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen verlassen. Wie steht es mit der Bezeugung des Sonnenwunders?
G.S: Hier liegt ausgezeichnetes Material vor. Man hat sich vor dem Kirchengericht genau an die kirchliche Praxis gehalten. Die Praxis lautet, man soll bei Ereignissen, die Wunder sein könnten, mindestens 17, aber auch nicht mehr als 30 Zeugen zuziehen. Es darf auch nicht uferlos werden, das wäre unvernünftig. Ich bin jetzt noch immer auf der Suche nach Fotomaterial, weil das sehr viel weiterhelfen kann und weitergeholfen hat. Merkwürdigerweise sind von den tausenden Fotos, die vom Himmel in der Zeit gemacht wurden, nur 13 aufzutreiben, das ist nicht zu verstehen. Die übrigen sind, das scheint bewusst gesteuert worden zu sein, vernichtet worden.

P. Benno: Es gibt in der Kircheneschichte kein ähnliches Beispiel eines solchen Phänomens. Ist das richtig?
G.S: Weder in der Kirchengeschichte noch in der gesamten Heilsgeschichte, noch in der ganzen Menschheitsgeschichte. Ich habe soviel recherchieren lassen, nicht das geringste ist dafür angespült worden. Es gibt es nicht, es ist einzigartig.
P. Benno: Kann man also das Sonnenwunder als größtes Wunder in dieser Art der nachapostolischen Zeit bezeichnen?
G.S: Das kann man, das ist richtig.
P. Benno: Dreimal hat die Erscheinung versprochen, sie werde am 13.Oktober ein großes Wunder wirken, damit alle glauben. Hat aber diese große Wunder nicht wenig Beachtung gefunden? Wenn Maria durch die Macht Gottes ein so großes Zeichen wirken darf, dann will sie uns doch energisch darauf hinweisen, der Botschaft von Fatima Beachtung zu schenken. Können Sie diese Aussage unterschreiben?
G.S: Das ist ein Skandal, das ganze ist eine Schande, dass das jetzt, 100 Jahre sind es bald her, und nur stellenweise in katholischen Kreisen ünerhaupt bekannt geworden ist. Ich habe Untersuchungen mitgemacht, Recherchen, demoskopische Untersuchungen im Auftrag des Bischofs, das liegt jetzt so 20, 30 Jahre zurück, da haben wir festgestellt, dass unter den damals noch tausend Priestern etwa, einschließlich der Ordensleute und einschließlich der religiösen Frauen, dass da weniger als ich glaube zwei Prozent überhaupt auch nur ein entferntes Interesse an Fatima zeigten, während die anderen gleich abwinkten und sagten: Das ist ja nur eine Privatoffenbarung und damit interessiert es uns nicht mehr, hat keinen Wert für uns.
P. Benno: Ich danke für das Gespräch. Möge doch die heilige Jungfrau bewirken, dass ihre einmaligen Forschungen nicht nur die Bedeutung des Sonnenwunders aufzeigen, sondern dass auch der Imperativ von Fatima in der Kirche viel mehr Beachtung findet.
Ein Universitätsprofessor - Zeuge des Sonnenwunders
Zwei Monate nach der letzten Erscheinung schrieb Dr. Jose Maria de Provenca Garrett, Professor der Naturwissenschaft der Universität Coimbra, ein glaubwürdiger und kompetenter Zeuge, folgenden Bericht, der zum ersten Mal 1921 veröffentlicht wurde.
"Ich kam zu Mittag an. Der dichte Regen, der seit dem Morgen unaufhörlich fiel, wurde jetzt durch einen wütenden Wind gepeitscht und drohte alles zu überschwemmen.
Ich blieb auf der Straße stehen ..., die etwas höher liegt als der Ort, von dem sie sagten, dass dort die Erscheinungen stattfänden. Ich war etwa hundert Meter von jenem Platz entfernt ...
Der Regen stürzte jetzt in Strömen auf die Köpfe der Wartenden und drang in ganzen Bächen in ihre Kleider ein.
Es war fast zwei Uhr nachmittags (wenig nach dem astronomischen Mittag). Ein paar Augenblicke vorher hatte die Sonne die dichte Wolkenschicht, die sie verhüllte, mit ihren Strahlen durchbrochen: aller Blicke richteten sich auf sie, wie magnetisch angezogen.
Auch ich versuchte, sie ins Auge zu fassen; sie sah aus wie eine Scheibe mit klaren Umrissen, glänzend, aber nicht blendend.
In Fatima hörte ich, dass man sie als Scheibe aus mattem Silber beschrieb; dieser Vergleich schien mir nicht ganz zutreffend. Nein, sie hatte eine klare, schillernde Helligkeit, die an den Glanz einer Perle erinnerte. Sie ähnelte durchaus nicht dem Mond in einer klaren Nacht, denn sie hatte weder seine Farbe noch das eigenartige Hell-Dunkel. Sie sah aus wie ein glänzendes Rad, das der silbernen Hülle einer Muschel entnommen zu sein schien.
Das ist nicht Poesie; meine Augen haben es so gesehen. Sie hatte auch keine Spur von Ähnlichkeit mit der Sonne, wie sie aussieht, wenn sie durch eine Nebelwand scheint; die Sonnenscheibe war nicht undeutlich oder irgendwie verschleiert, sondern hob sich klar von ihrem Hintergrund und ihrem Umkreis ab.
Diese bunte und leuchtende Scheibe schien in rasender Bewegung. Es war nicht das lebhafte Glitzern des Sternenlichtes. Sie kreiste mit ungeheurer Geschwindigkeit um sich selbst.
Plötzlich erhob sich in der Volksmenge Geschrei, Angstrufe. Die Sonne kreiste noch immer mit der gleichen Geschwindigkeit, löste sich jeddoch gleichzeitig vom Firmament und näherte sich blutigrot der Erde,alles unter ihrer feurigen, ungeheuren Wucht zu zermalmen drohend.
Es waren schreckliche Augenblicke ...
Alle die Phänomene, die ich anführte und beschrieb, habe ich kaltblütig, heiter und ohne irgendeine Bewegung beobachtet.
Ich überlasse es anderen, sie zu erklären und zu deuten."
"Wäre nicht Mose für sie in die Bresche gesprungen" Psalm 106,23
Mose als Prototyp prophetischer Existenz


"Es ist kein Prophet mehr da ..." Psalm 74,9
Wenn es keine Propheten gibt, dann ist es nicht gut bestellt um das Gottesvolk. Bblische Texte formulieren diese Not, die durch das Fehlen prophetischer Gestalten verursacht ist, denn auch sehr deutlich. So klagt etwa Ps 74, entsatnden vermutlich während des babylonischen Exils im 6. Jahrhundert v. Chr.: "Zeichen für uns sehen wir nicht, es ist kein Prophet mehr da, niemand von uns weiß, wie lange noch" (Vers 9). Ist kein Prophet mehr da, so ist es, als würde das Wort Gottes verstummen und Gott selbst sich ins Schweigen zurückziehen. Es fehlen die Einsichten in den wahren Zustand des Gottesvolkes und Perspektiven für den Weg in die Zukunft.
Doch was sind Propheten? Wie verstehen sie sich selbst? Die Frage ist komplizierter, als dies zunächst erscheinen mag. Denn das vielfältige Reden, Tun und Wirken der Propheten wie ihr Lebensschicksal sind nicht auf einen Nenner zu bringen. Und doch lassen sich einige Grundlinien aufzeigen. Die zewi wichtigsten seien hier entfaltet - mit Blick auf Mose, den Propheten par excellence, und mit Blick auf die sogenannten "falschen Propheten".
"Niemals wieder ist in Israel ein Prophet wie Mose aufgetreten" Dtn 34,10
Mose ist im Alten Testament nicht nur der Mann Gottes, der das Volk Israel aus der Knechtschaft in die Freiheit führt, nicht nur der Mittler am Gottesberg, der ihm die Gesetze Gottes übergibt und auslegt. Dies ist er vor allem. Mose gilt im Laufe der alttestamentlichen Überlieferung zunehmend als Prototyp des Propheten. Worin besteht seine propetische Aufgabe? Psalm 106 bringt einige wesentliche Grundzüge prophetischer Existenz anschaulich zur Sprache. Dieser Psalm bietet einen Geschichtsrückblick in zehn Abschnitten. Er erzählt die vergangene Geschichte des Gottesvolkes in zugespitzter Weise als eine einzige Sündengeschichte, von den Anfängen bis in die Gegenwart. Der vierte Abschnitt, V.19-23, berichtet die Ereignisse am Gottesberg Horeb (Sinai), an dem Israel die Gesetze empfing und Gott seinen Bund mit dem Volk schloss. Der Text lautet: Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich vor dem Gussbild nieder. Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Bild eines Stieres, der Gras frisst. Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte, Wunder im Lande Hams, furchterregende Taten am Schilfmeer. Da fasste er einen Plan, und er hätte sie vernichtet, wäre nicht Mose sein Erwählter, für sie in die Bresche gesprungen, so dass Gott sie im Zorn nicht vertilgte.
Von einem doppelten Vergehen ist hier die Rede: vom Verstoß gegen das erste Gebot durch die Verehrung des Goldenen Kalbes (V. 19-20; vgl.Ex 32,4; Dtn 9,12.16) und von der Gottvergessenheit (V.21-22, vgl. Dtn 4,9-10.23; 8,10-18). Gegen die Vergottung irdischer Bereiche und gegen die Gottvergessenheit anzugehen, dies ist die Aufgabe des Mose und eines jeden Propheten. Sie haben die Wirkichkeit des lebendigen Gottes zu bezeugen. Mose ist Anwalt Gottes, Sprachrohr Gottes für ein Volk, das Gefahr läuft, die Taten Gottes zu vergessen und somit den Gott seines Lebens und seiner Geschichte aus dem Blick zu verlieren.
Doch dies ist nicht alles. Mose ist nicht nur Anwalt Gottes vor dem Volk. Er ist zugleich auch Anwalt des Volkes vor Gott. Durch seine Fürbitte bei Gott wendet er das göttliche Gericht ab. Israel weiß: Wir verdanken uns und unsere Existenz dem fürbittenden Eintreten des Mose. Vers 23 drückt dies in einem Bild aus: "Er (Gott) hätte sie vernichtet, wäre nicht Mose, sein Erwählter, für sie in die Bresche gesprungen."
"Ihr seid nicht in die Bresche gesprungen" Ez 13,5
Den lebendigen Gott vor den Menschen zu bezeugen und in den Belangen und Nöten der Menschen für sie bei Gott einzutreten, dies sind die Grunddimensionen prophetischer Existenz. Besonders deutlich zeigt dies die Auseinandersetzung mit den falschen Propheten, wie sie im Jeremia- und im Ezechielbuch dokumentiert ist.
Eine Verkündigung aus dem "eigenen Herzen"
Der Hauptvorwurf Ezechiels in Ez 13 gegenüber den falschen Propheten lautet: Ihre Verkündigung beginnt bei ihnen selbst. Was sie als Wort JHWHs ausgeben, ist ihr eigenes Gemächte. Es ist nur gebilde ihres Herzens. Dieser Vorwurf zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Kapitel. Die falschen Propheten, so Vers 3b, "folgen nur ihrem eigenen Geist" und haben "nichts geschaut". Ohne Legitimation treten sie als Verkünder auf: "Sie sagen: ´Spruch JHWHs´ - obwohl der Herr sie nicht gesandt hat" (Vers 6a). "Ihr habt nichtige Visionen gehabt, falsche Orakel verkündet und gesagt: `Spruch JHWHs´- obwohl ich gar nicht gesprochen hatte" (Vers 7b). Auch gegenüber den falschen Prophetinnen wird dieser Vorwurf fehlender Sendung erhoben. Sie "prophezeien aus ihrem eigenen Herzen" (Vers 17).
Um diesen Vorwurf Ezechiels und somit den Unterschied zwischen wahrer und falscher Prophetie zu veranschaulichen, sei an eine bildhafte Vorstellung erinnert, auf welche die Propheten Israels mitunter zurückgreifen, um ihre Sendung durch JHWH zu legitimieren. Der Prophet sieht sich als einen, der "im Rat JHWHs steht". Was besagt dieses Bild, das ursprünglich aus der politischen Welt stammt? Wer im Rat des Königs steht, kennt dessen Vorhaben und seine Pläne. Er hat Teil an der Sicht des Herrschers und weiß, wie dieser die Lage im Lande beurteilt, welche Entscheidungen anstehen und wie er entscheiden wird. Die Propheten Israels übertragen dieses Bild auf sich und sagen von sich, dass sie "im Rat JHWHs stehen". Sachlich bedeutet dies: Sie haben im Rahmen ihrer spezifischen Sendung Anteil an der Sicht JHWHs. Deshalb deckt das Wort des Propheten auf, was für die Menschen meist verborgen ist. Es bleibt nicht an der Oberfläche haften, sondern durchdringt diese. Es vermag die Dinge beim Namen zu nennen und die Augen dafür zu öffnen, wie es tatsächlich bestellt ist um den Menschen und die Welt, die ihn umgibt.
Die falschen Propheten geben nun vor - so ein Hauptvorwurf gegen sie -, teilzuhaben an den Plänen Gottes, die Wirklichkeit im Lichte des göttlichen Wortes zu verstehen und sie sachgemäß zu deuten. Tatsächlich jedoch bieten sie nur ihre eigene Sicht der Dinge an und geben das Gebilde ihres Herzens als Sicht Gottes aus. Sie vermitteln den Eindruck, in göttlicher Autorität zu sprechen, doch sind ihre Worte nicht gedeckt. Was sie verkündigen ist leer. Es ist zu leicht. Deshalb wird ihre Verkündigung durchgängig (Ez 13,6a.7a.8a.9a.19b.22) als das bezeichnet, was sie in Wahrheit ist, als "Nichtigkeit" und als "Lüge".
Die Ausdrücke "Nichtigkeit" und "Lüge" machen deutlich: Falsche Prophetie, mag sie noch so wortreich, eloquent und publikumswirksam auftreten, hat keinen Einblick in die Dinge, wie sie wirklich sind. Sie verfehlt die Wirklichkeit. Auf ihr Wort ist kein Verlass. Wer sich dennoch darauf verlässt, ist betrogen.
Fehlende Solidarität
Ein zweiter Hauptvorwurf zieht sich zwar nicht durch das gesamt Kapitel Ez 13. Dennoch kommt auch ihm in der Auseinandersetzung mit der falschen Prophetie ein besonderes Gewicht zu. Vers 5 lautet: "Ihr seid nicht in die Bresche gesprungen. Ihr habt keine Mauer für das Haus Israel errichtet, damit es am Tag des Herrn im Kampf standhalten kann." Das Bild der "Bresche" setzt eine umgemauerte Stadt voraus, die von einem Feind bedrängt wird. Wenn es diesem gelingt, eine Bresche in die Stadtmauer zu schlagen, dann droht hier Gefahr für die Stadt und ihre Bewohner. Wer nun "in die Bresche steigt" oder "springt", setzt zum Schutze der Stadt sein Leben aufs Spiel.
Auch dieses Bild "in die Bresche steigen/springen" übertragen die Propheten auf sich und auf ihre prophetische Aufgabe. Propheten verstehen sich also nicht nur als Anwälte des göttlichen Wortes, damit das Wort nicht um seine Kraft und Wirksamkeit gebracht wird. Sie sind in ihrem Selbstverständnis nach zugleich auch Anwälte des Volkes vor Gott. Sie ringen mit Gott für sein Volk. Diese Sicht des Propheten ist in der biblischen Offenbarung breit bezeugt.
Mose, der im Laufe der biblischen Überlieferung immer mehr zum Propheten par excellence wird (vgl. Dtn 18,18), springt für das Volk in die Bresche (Ps 106,23). Als Israel am Sinai das Goldene Kalb herstellt und sich damit von seinem Gott lossagt, tritt Mose fürbittend für das Volk ein und riskiert mit seiner Fürbitte, seine eigene Existenz: "Vergib ihnen ihre Sünde! Wenn nicht, so tilge mich aus deinem Buch, das du geschrieben hast" (Ex 32,32). Ähnlich formuliert das Buch Deuteronomium: "Ich warf mich also vor dem Herrn nieder und lag vor ihm vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Ich warf mich nieder, weil der Herr gedroht hatte, er werde euch vernichten. Ich betete zum Herrn und sagte: Gott, meine Herr, bring nicht das Verderben über dein Volk und deinen Erbbesitz, die du in deiner Macht freigekauft und mit starker Hand aus Ägypten geführt hast" (Dtn 9,25f). Diese Sicht des Propheten - einer, der für sein Volk in die Bresche springt - findet sich in den Büchern Amos (6,6; 7,2.5) und Jeremia, bei Ezechiel (4,4-8) und in den sogenannten Liedern vom Gottesknecht bei Deuterojesaja, vor allem im vierten Gottesknechtslied Jes 52,13-53,12, auf das die Passionserzählungen des Neuen Testaments zurückgreifen.
Die falschen Propheten versagen also nicht nur darin, dass sie die Wirklichkeit Gottes verharmlosen. Ihre Solidarität mit den Menschen, die sie für sich reklamieren, ist eine nur scheinbare. Sie halten sich und ihr Leben aus ihrer Verkündigung heraus. Wenn es kritisch wird und hart auf hart geht, sind sie nicht imstande, vor Gott für sein Volk einzutreten.
Die "große Sehnsucht unserer Zeit" (Chiara Lubich)
Mit Blick auf Mose und auf das Phänomen "falsche Prophetie" lassen sich die Grunddimensionen prophetischer Existenz deutlich aufzeigen:
(a) Sich von Gott rufen und senden lassen, einschließlich all der Zumutungen, die dieser Ruf Gottes mit sich bringt.
(b) Schulter an Schulter bei den Menschen sein, das Leben mit ihnen teilen, Weggemeinschaften und Solidaritäten mit ihnen bilden. Denn; "Der Mensch ist der Weg der Kirche" (Redemptor hominis).
Beide Grunddimensionen prophetischer Existenz sind auch in der Berufung und Sendung Jesu von Nazaret gegeben, ohne dass sie diese in ihrer ganzen Fülle ausloten könnten. Die Propheten drücken ihre besondere Gottesbeziehung im Bild vom "Rat Jahwes" aus, in dem sie stehen. Ihnen ist das Wort Gottes anvertraut. Jesus Christus - so das Zeugnis des Neuen Testaments - ist das Wort Gottes in Person, das von Anfang an bei Gott ist. "Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat uns Kunde gebracht" (Joh 1,18). Jesus von Nazaret ist zugleich der Menschensohn, der durch seine Fleischwerdung ganz und gar bei den Menschen ist: "Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt" (Hebr 5,8).
Mit Blick auf Jesus von Nazaret können Christen ihr prophetisches Profil finden. Die Welt von heute hungert nach einem solchen Lebenszeugnis. Die Betrachtung von Chiara Lubich, einer prophetischen Gestalt unserer Zeit, bringt dies trefflich ins Wort.
Dr. Franz Sedlmeier
Professor für alttestamenltiche
Wissenschaft, Kath. Theol. Fakultät
Augsburg
Die große Sehnsucht unserer Zeit
Darin besteht die große Sehnsucht unserer Zeit:
Eindringen in die höchste Kontemplation
und mit allen Menschen verbunden bleiben,
Mensch unter Menschen.
Ich würde noch merh sagen:
eintauchen in die Menge
und ihr das Leben schenken,
wie der Wein ein Stück Brot tränkt.
Eindringen in die Pläne Gottes für die Menschheit,
inmitten der Menge, den Hunger, die Schicksalsschläge
und die kleinen Freuden teilen.
Denn wie alle Zeiten
sehnt sich unsere Epoche
nach dem Menschlichsten und Göttlichsten,
was man sich denken kann:
nach Jesus und Maria -
das Wort Gottes, Sohn eines Zimmermanns
der Sitz der Weisheit, eine Hausfrau.
Chiara Lubich
Wie der Apostel Paulus in einer schweren gesundheitlichen Not betet
Wenn es um das Thema Krankheit oder Leiden geht, dann kann der Apostel Paulus "mitreden" im wahrsten Sinn des Wortes, denn er war selber ein Betroffener. Paulus hat den Kranken viel zu sagen. Er war ja selber, wie wir heute sagen würden, ein "Schmerzpatient" oder ein "Langzeitkranker". Im 2.Korintherbrief lässt er uns einen Blick in sein Innenleben werfen. Er berichtet, dass er seit Jahren von einem schweren Leiden gequält wird: Mir wurde ein Stachel ins Fleisch gestoßen, "damit ich mich nicht überhebe". Es ist, als ob mich ein "Bote Satans mit Fäusten schlagen" würde. - Es wurde oft gefragt, was wohl damit gemeint sein könnte. Wir wissen es nicht. Sicher ist, dass es sich wohl um ein chronisches Leiden handelt, um einen stechenden und pochenden Schmerz, der ihm ständig zusetzte. Oder vielleicht war es ein psychisches Leiden, ein ständiger innerer Druck? - Jeder Kranke, der längere Zeit von einem solchen Schmerz oder von einem unerträglichen psychischen Druck geplagt wird, kann diese Worte gut verstehen.
Wie geht Paulus mit dieser schier unerträglichen gesundheitlichen Belastung um?
Er hat gebetet, Gott möge ihn von diesem Leiden befreien, so wie es auch heute viele Menschen tun. "Dreimal habe ich gebetet, dass dieser Bote Satans von mir ablasse", sagt er. Mit diesem dreimaligen Beten ist wohl kein kurzes Wortgebet gemeint, sondern ein langes anhaltendes Gebetsringen, ein Gebetskampf, so wie einst Jesus am Ölberg mit seinem Vater im Gebet gerungen hat. Er wird nach dem Sinn dieser Plage gefragt haben; er wird stürmisch verlangt haben, dass Gott ihm helfe und seinem Leiden ein Ende setze. Zweimal bekam er keine Antwort, heißt es, stattdessen fühlte er sich wie vor einer Mauer des Schweigens. Erst beim dritten Mal erhielt er eine Antwort, die lautete: "Meine Gnade genügt dir." Die Bitten des Apostels werden nicht erhört, so wie auch heute viele Menschen zu Gott flehen und scheinbar nicht erhört werden. Es wird ihm gesagt, dass die Gnade Gottes genügt. Mit dieser Auskunft muss er leben. Deshalb brauche der Zustand der Schwahchheit nicht aufgehoben werden. Gottes Gnade kommt gerade durch die Schwäche des Apostels zur Vollendung. "Gott nimmt das Kreuz nicht von uns, sondern er stärkt uns, dass wir es tragen können", lautet ein alter Spruch. Das Kreuz wird ihm nicht abgenommen. So musste Paulus weiterhin mit seiner menschlichen Armseligkeit leben. Aber alle Leiden vermochten ihn nicht von der Gnade des Herrn zu trennen! Sie verwiesen ihn vielmher auf sie."In der Schwachheit erweist sich Gottes Kraft", bekennt er im Brief an seine Gemeinde in Korinth. - Das ist auch heute ein Grundgesetz christlicher Existenz. Das Wachsen und Voranschreiten der Herrschaft Gottes folgt auch heute diesem Gesetz. Das Ausbreiten des Reiches Gottes ist keine Erfolgsgeschichte nach den Maßstäben dieser Welt, sondern auf dem Weg des Kreuzes ist der Sieg verheißen. Das neue Leben, das uns durch Christus schon verheißen ist, wird uns auf dem Weg des Kreuzes geschenkt. Christus hat am Kreuz gesiegt. So ist die Herrschaft Christi jetzt noch verborgen unter den Bedrängnissen und Leiden dieser Zeit. gibt nun seinen auf, von der Last dieses Leidens befreit zu werden, Er bejaht seine Ohnmacht und versucht, sich in den Willen Gottes zu ergeben.
Die Wahrheit kostet Leiden
Papst Benedikt sagte bei einer Predigt im Rahmen des Paulusjahres: "Die Wahrheit kostet Leiden." In einer Welt, in der uns in vielfacher Form die Macht der Lüge umgibt, stößt die Wahrheit auf Widerstand. Deshalb sind Leiderfahrungen im Leben keine bloßen "Betriebsunfälle", auch nicht unbedingt Strafen für begangene Sünden, sondern sie verweisen auf eine tiefere Dimension. "Wenn du dem Leiden ausweichst", sagt Papst Benedikt, "weichst du der Wahrheit aus und weichst gleichzeitig auch dem Leben aus. Auch Liebe gibt es nicht ohne das Leid." Das Leben und wirken des heiligen Paulus lässt erkennen, dass seine Berufung zur Verkündigung und seine Berufung zum Leiden zusammengehören. "Leide mit mir für das Evangelium" (2 Tim 1,8)
Christus lebt in mir und ich lebe in Christus
Anschaulich erklärt Paulus die Verbundenheit eines jeden Einzelnen mit Christus: Wir sind Glieder am Leib Christi. Seine Kraft durchströmt diesen Leib und jedes seiner Glieder. Auch jeder Kranke soll wissen, dass er ein lebendiges Glied am Leib Christi ist. Auf geheimnisvolle Weise wirken die Leiden der Menschen hinein in diesen Leib; andererseits strömt ihnen von Christus her eine Kraft zu. Durch die Taufe gehören wir ja zu ihm. Das Geheimnis des Getauft-seins soll deshalb das Leben des Christen prägen, besonders auch in den Tagen der Krankheit. Wie mit einer Nabelschnur sind wir mit Christus verbunden - und mit seiner Liebe. Bei seiner Begegnung mit dem Auferstandenen vor den Toren von Damaskus wurde Paulus diese Liebe geoffenbart. Diese Liebe Christi hatte ihn bis ins Innerste getroffen. Er erkannte das Jesus auch für ihn gestorben und auferstanden ist. Paulus begreift, dass Jesus durch seinen Tod am Kreuz sich auch für ihn hingegeben hat. Fortan hat diese Gewissheit sein Leben geprägt: dass Christus jeden persönlich liebt und als Auferstandener mit uns und in uns lebt. - Der Philosoph B. Pascal hat es einmal so formuliert, indem er dem Gekreuzigten die Worte in den Mund legt: "In meiner Todesstunde dachte ich an dich! Dieses Blut ist auch für dich vergossen!" Der Apostel Paulus drückt es im Brief an die Galater etwas anders aus: "Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat" (2,20).
Pius Schmidt, Klinikumpfarrer

Foto: Presse-Bild-Poss
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 237/2009/1

"Leben wir in der größten Christenverfolgung aller Zeiten, von der wir nur im Westen (noch) nichts spüren?", so fragt ein Massenblatt. 250 Millionen Christen sind bedroht, 100.000 sollen jährlich um ihres Glaubens willen getötet werden. Dürfen wir angesichts dieser Not untätig bleiben? Gewiss, auch im sogenannten freien Westen leben wir nicht sorglos. Viele Christen leiden unter der Situation, in der sich die Kirche, nicht nur im Augenblick befindet. Die Wirtschaftskrise mit der Gefahr des Verlustes des Arbeitsplatzes, aber auch die spürbare Not vieler bedrückt uns.
Aber nun stelle ich die Frage: Als P. Petrus 1947 begann, die Menschen zum Gebet für Frieden und Freiheit zu motivieren, war die Situation leichter? Mit großem Gottvertrauen rief er auf, den Himmel zu bestürmen. Schon 1948 schrieb er den Mitgliedern seiner Gebetsgemeinschaft: "Es wird eines Tages offenbar werden, WIE SEHR EUER Zeit- und Gebetsopfer GOTT und MARIA wohlgefällig ist und wahre Ströme von Segen und Gnaden für unser VATERLAND, die WELT und nicht zuletzt für jeden Einzelnen von Euch erwirkt hat."
Die Jahre 1955 (Österreichischer Staatsvertrag) und 1989 (Fall der Berliner Mauer zeigen, dass wir die Worte des Paters als prophetisch bezeichnen dürfen. Ist es nicht so, als ob uns P. Petrus vom Himmel aus zuriefe: Resigniert nicht, legt die Hände nicht in den Schoß, vertraut darauf: "Geeintes Gebet ist eine Macht, die Gottes Barmherzigkeit auf diese Welt herabzieht"!
Freilich, dieses geeinte Gebet sollte von vier Impulsen begleitet sein:
1. Vor jeder Bitte an Gott müsste die Bereitschaft zur eigenen Bekehrung stehen.
2. Ein wichtiges Anliegen ist ebenso das gebet und Opfer für die Bekehrung der Menschen zu Gott. Denken wir dabei auch an das Goethe-Wort: "Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens."
3. Natürlich wird das Gebet auch von entsprechendem Handeln begleitet sein - einige Artikel geben dazu Hinweise.
4. Sollten wir uns bemühen, 2009 ein neues Mitglied zu werben. Die Zahl der Beterinnen und Beter darf nicht geringer werden.
Bewusst haben wir ein frohes Blumenbild auf die Titelseite gesetzt, denn: "Es muss ja alles gut werden, weil Christus auferstanden ist" (S. Kierkegaard).
Ihnen eine fruchtbringende Fastenzeit und ein die Hoffnung stärkendes Osterfest
wünschend, bleibe ich mit Segen Ihr P. Benno OFM
WEIHE AN DIE GOTTESMUTTER - DIE GROSSE WENDE
Vorgeschichte:
Am 13. Mai 1981 (Fatimatag) wurde auf Papst Johannes Paul II. ein Attentat verübt: Doch eine "mütterliche Hand" lenkte die Kugeln so, dass der Heilige Vater zwar schwer verletzt wurde, aber am Leben blieb. Ein Jahr später stattete der Heilige Vater zum Dank Fatima einen Besuch ab und empfahl die Welt der Gottesmutter. Am 25.März 1984 erneuerte der Papst diese Weihe feierlich in Rom und bat alle Bischöfe der Welt, diese Weihe mitzuvollziehen.
1985 kam in Russland Michail Gorbatschow an die Macht, der den Stein ins Rollen brachte, der 1989 zum Fall der Berliner Mauer und zum Zusammenbruch des atheistischen Kommunismus führte. Die Prophezeiung von Fatima hatte sich erfüllt:"Russland wird sich bekehren." (Damit war nach den Aussagen von Sr. Lucia das Ende des atheistischen Kommunismus gemeint.)
Die Geschichte soll aber weitergehen
Heuer sind seit der Weltweihe des Papstes 25 jahre vergangen. Der Rosenkranz-Sühnekreuzzug hat mit anderen spirituellen Gemeinschaften den Papst gebeten, die Weihe von 1984 in geeigneter Weise zu erneuern; denn heute ist eine weltweite Wende von einem skrupellosen Kapitalismus zu einer Wirtschaftsform, die Zukunft hat (siehe den Artikel "Gibt es Auswege aus der gegenwärtigen Wirtschaftskrise?"), nötig. Aber diese Wende fordert zuerst eine Bekehrung der Herzen: "Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt und menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens." (Joh. Wolfgang Goethe)
Und zu sieser Bekehrung will Maria beitragen, indem sie uns zu Jesus, dem einzigen Retter der Menschen, führt.
Zu diesem Vertrauen auf die Gottesmutter ermutigt uns ihre Verheißung am 13.Juli 1917 in Fatima: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren."
Welcher Art waren die Wunder Jesu?
Problemlage
Mit den Wunden hat nicht nur der heutige Mensch, der von der ehernen Festigkeit der Naturgesetze überzeugt ist, seine Schwierigkeiten, sondern auch mancher Prediger. Gläubige, die genau hinhören, vermissen die Eindeutigkeit ihrer Aussagen: Wenn das Wunder von der Brotvermehrung trifft, wird über die Verpflichtung zum Teilen gepredigt, wie auch die Jünger die Brote ausgeteilt haben. An Ostern wird zur Auferstehung gesagt, dass Jesus lebt; das ist zwar richtig, aber trifft nicht die ganze Osterbotschaft, die heißt : Jesus ist mit Leib und Seele zum Leben erstanden.
Überhaupt besteht dann bei vielen der Trend, Naturwunder (Vermehrungswunder, Totenerweckungen, Aussätzigenheilungen) insgesamt in Frage zu stellen - sollte Gott die Naturgesetze, die er selbst erlassen hat, widerrufen? - und die Heilungswunder auf starke psychische Kräfte des Wundertäters zurückzuführen. Wie kam es aber zu diesen bestimmten Schilderungen im Neuen Testament, die zum Beispiel von Vermehrungswundern Jesu sprechen? Diese waren, so sagt man, sogenannte Überbietungstopoi, das heißt man knüpft an alttestamentliche Aussagen an, denen zufolge Elias oder Elisäus auch solche Wunder gewirkt hätten.
Ähnliche Berichte über Jesus wollen nur ausdrücken, dass Jesus diese Propheten überbietet, mehr ist als diese, weil er zum Beispiel mehr Menschen gespeist habe; aber in Wirklichkeit sei das Brot nicht mehr geworden. Wer sich klar macht, dass zwei Drittel des Markusevangeliums Berichte von Wundern sind, wird auf ihre Leugnung oder Uminterpretation etwa im moralisierenden Sinn (Teilen!) mit der Frage reagieren: Wie glaubwürdig sind die Evangelien überhaupt?
Wunder und Glaube
Nun wird in der heutigen Diskussion der Zusammenhang von Wunder und Glaube in Frage gestellt. Wunder, so sagt man, setzen den Glauben voraus, wollen ihn aber nicht begründen und stützen. Als Paradebeispiel wird das Verhalten Jesu in Nazaret angeführt, wo er "wegen ihres Unglaubens" nicht viele Wunder wirken konnte (vgl. Mt 13,57; Mk 6,5f). Wegen der Wirkkraft des Glaubens sagte Jesus zu den Geheilten: "Dein Glaube hat dir geholfen" (Mk 5,34;2,5;9,23;11,24).
So wichtig auch der Glaube des Menschen ist: er hat jedoch keinen Einfluss darauf, ob Jesus handeln kann. Jesus wirkt das Wunder, nicht der starke Glaube, vielmehr soll das Wunder denGlauben an Jesus und seine Sendung vom Vater stärken und ihn hervorrufen. So heißt es nach dem Weinwunder in Kana, dass Jesus seine Herrlichkeit offenbart hat und "es glaubten an ihn seine Jünger" (Joh 2,11). Die Werke, die Jesus tut, "bezeugen", dass der Vater ihn gesandt hat (vgl. Joh 5,36). Jesus verweist die Juden auf seine Werke: "Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. Aber wenn ich sie vollbringe, dann glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt. Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin" (Joh 10,37f). Bei Johannes ist die Brotvermehrung Grundlage für den Glauben an Jesus, der "das Brot des Lebens" ist (6,35) und sein Fleisch zum Essen gibt; sein Fleisch ist eine wahre Speise (6,54f), genauso wie bei den Synoptikern die Heilung des Gelähmten Beweis für seine Vollmacht ist, Sünden zu vergeben (vgl. Mk 2,10f; Mt 9,6; Lk 5,24). Die Evangelien berichten auch von Heilungen über eine räumliche Distanz hinweg, wo jemand Jesus für einen Angehörigen bittet. Hier kann nicht der starke Glaube die Heilung bewirkt haben. Das Wunder schafft und verstärkt den Glauben, aber der Glaube bewirkt nicht das Wunder.
Jedoch ist der Glaube in diesem Zusammenhang nicht unwichtig: Ohne Glauben wird das wunderbare Ereignis falsch verstanden, man bleibt bei der Sensation hängen, die Jesus ablehnt (vgl. Lk 11,14ff. 29; Lk 4,23), und wirft ihm ein Zusammenwirken mit den Dämonen vor. Ein Wunder ohne Glauben läuft dem Heilssinn zuwider: Von den zehn geheilten Aussätzigen hat nur einer "Gott die Ehre gegeben" (vgl. Lk 17,18). Das objektive wunderbare Geschehen wird nur in der Haltung des Glaubens recht gedeutet und verstanden.
Wunder heute?
Nicht wenige fragen, warum nur zur Zeit Jesu Wunder geschehen sind und nicht auch in unseren Jahrhunderten. Jesus hat die Apostel ausgesandt, Kranke zu heilen (vgl. Mk 6,12f) und verheißt den Gläubigen wirksame Zeichenhandlungen (vgl. Mk 16,17f.20). In der Apostelgeschichte wird von Wundern der Apostel berichtet, die denen Jesu ähnlich sind. Auf die Frage ist zu antworten: Es geschehen auch heute noch Wunder. Dafür einige Beispiele:
Es sei nur an die 67 Heilungen in Lourdes erinnert. Sie sind im einzelnen dokumentiert, mit Röntgenbildern und dem Befund vor und nach den Heilungen. Ärztekommissionen stellten die plötzliche und dauerhafte Heilung fest. In der Plötzlichkeit unterscheiden sich solche Heilungen von sogenannten Spontanheilungen, das heißt Heilungen, die ohne erklärbare medizinische Ursache (wie passende Medikamente) eingetreten sind.
Wunder werden, wie Katholiken wissen, bei jeder Selig- und Heiligsprechung verlangt; die Kirche sieht darin eine Bestätigung, dass ein Verstorbener, dessen vorbildliche gläubige Lebensführung bezeugt ist, auch von Gott her als Fürbitter gleichsam akzeptiert ist, wenn unter Anrufung dieses Verstorbenen ein Wunder geschieht. A. Resch hat die für die Seligsprechungen unter Papst Johannes Paul II. von medizinischen und theologischen Experten anerkannten Wunder dokumentiert. Unter den angeführten Heilungen finden sich auch sogenannte Naturwunder. Krankheiten und die plötzlichen und dauerhaften Heilungen sind gut belegt. Die medizinische Kommission konnte nur diese Tatsachen feststellen, hielt aber die Heilungen nach den gegebenen medizinischen Kenntnissen für unerklärbar.
W. Schamoni hat sowohl die Wunder festgehalten, die von (später) Heiliggesprochenen während ihres Lebens gewirkt wurden als auch jene, die sich auf ihre Fürbitte nach ihrem Tod ereigneten. Schamoni klassifizierte die Berichte nach den Wundern des Neuen Testaments, also: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein ... Tote werden auferweckt, der Mann mit der verdorrten Hand ... Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, Brotvermehrung, reicher Fischfang usw. Für alle diese Fälle werden gut und mehrfach bezeugte Wunder angeführt. Sie geschahen also nicht nur zur Zeit Jesu, sondern geschehen im Verlauf der Kirchengeschichte immer wieder in seinem Namen.
Verschiedene Formen von Wundern
Wunder beruhen immer auf einem besonderen Einwirken Gottes in das Weltgeschehen. An sich könnte man schon die Erhörung einer Bitte als Wunder bezeichnen, etwa die Errettung aus einer Gefahr. Oder ein Kranker betet um Heilung, wird gesund und ist überzeugt, dass Gott ihm geholfen habe. Diese subjektiv und auch objektiv möglicherweise zutreffende Überzeugung von einer gottgewirkten Hilfe schließt den Erfolg natürlicher Heilungsbemühungen nicht aus, in der Regel sogar ein. Zwischen der allgemeinen Gebetserhörung und dem Wunder bestehen Gemeinsamkeiten: Vertreter eine naturgesetzlich geschlossenen Weltbilds lehnen beide ab; ebenso wird in beiden Fällen aus einer Not heraus Gott angerufen. Doch lässt sich bei einer Gebetserhörung der übernatürliche Eingriff nicht beweisen. Bei der Klassifizierung der Wunder stehen den Gebetserhörungen auf der anderen Seite die Naturwunder gegenüber. Dazu sollen nicht jene Phänomene gerechnet werden, bei denen man bei günstigsten Zufallsbedingungen eine natürliche Erklärung finden kann (etwa bei noch weiter entwickelter Kenntnis der Wissenschaft). Vielmehr seien strikt und eingeengt nur Phänomene wie Totenerweckung oder Vermehrung- und Zuwachswunder gemeint, die letztlich eine Schöpfung aus dem Nichts voraussetzen. Dazu wird die Wissenschaft auch in der Zukunft nicht in der Lage sein.
In der Mitte zwischen allgemeiner Gebetserhörung und Naturwundern stehen jene Ereignisse, die als solche auch zu den Naturwundern gezählt werden müssen, wie Heilung von Blinden oder Aussätzigen oder aufgrund der Umstände (Kürze der Zeit, Fernwirkung). Durch eine langwierige Verknüpfung verschiedener Gegebenheiten können diese als "natürlich möglich oder auch psychologisch (Fieberheilung) aufgrund starker Ausstrahlungskraft Jesu" erklärt werden.
In diesem Zusammenhang muss noch der Begriff "moralisches Wunder" erläutert werden. Damit ist die überraschende innere Bekehrung oder die Erneuerung des Glaubens gemeint. Eine solche Umkehr kann selbstverständlich auch ohne objektives Wunder eintreten, doch zielt dieses, wo es geschieht, letztlich immer auf die Wandlung des Herzens. Ein Wunder verpufft ins Leere, wo der Glaube und die innere Öffnung für den Anruf Gottes fehlt und nur die Sensation gesucht wird. In solchen Fällen hat es Jesus abgelehnt, Wunder zu wirken. Das objektive Wundergeschehen will ein Zeichen dafür sein, wer Jesus ist (nämlich Gottes Sohn, durch den alles geschaffen ist vgl. Joh 1,3; 1 Kor 8,6; Hebr 1,2; Kol 1,16) und das mit ihm das Reich Gottes angebrochen ist, bei dessen Vollendung die Nöte des Lebens wie Krankheit, Hunger und Tod beseitigt werden; dass unsere Zukunftshoffnung zurecht auf Gott und nicht auf Sand gebaut ist.
Prof. Dr. Anton Ziegenaus
DIE PSALMEN entdecken
Der Messias als Priesterkönig der Endzeit (Psalm 110)
So spricht der Herr zu meinerm Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.
Der Psalm lässt hier einen prophetischen Sprecher auftreten, der einen Gottesspruch seinem Herrn (dem König) vorträgt. In der zitierten Gottesrede fordert Gott den Angesprochenen auf, sich zu seiner Rechten zu setzen. Das "Sitzen" Gottes auf seinem Thron bedeutet seine universale Herrschaft. Das Platznehmen zur Rechten Gottes bedeutet Teilnahme an seiner Herrschaft. Diese Herrschaft ist überwindung des Chaos. Die feindlichen Könige sind Repräsentanten dieses Chaos. Die gemeinsame Königsherrschaft Gottes mit dem Zionkönig kommt dadurch zum Ausdruck, dass Gott dem König die Feinde als Fußschemel hinlegt.
Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: "Herrsche inmitten deiner Feinde!"
Nun wird von Gott in der dritten Person gesprochen. Das "Zepter deiner Macht" ist königliche Herrschaftsinsignie. Die Macht hat dieser "Stab" (siehe den Stab des Mose), weil Gott selbst diesen Herrscherstab gegen die Feinde des Zionkönigs erhebt; freilich wirkt hier Gott mit dem König zusammen, sodass sich Letzter inmitten seiner Feinde durchsetzen kann. So soll der König herrschen: Unterwerfung der Feinde zum Wohl bzw. Frieden des eigenen Königreichs.
Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, (wenn du erscheinst) in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe. Der Herr hat geschworen und nie wirds ihn reuen:"Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks."
Die Verse beinhalten die Hauptanliegen des Psalms: Der König Gottes ist kraft göttlicher Setzung auch Priester und zwar von Anfang an und in alle Ewgkeit. Er wird bereits in der Fürstenwürde geboren und zugleich kommt ihm die Priesterwürde - ausgedrückt durch die liturgische Gewandung - vom Mutterschoß an zu.
Welche Art von Geburt gemeint ist, bleibt im Zwielicht eines besonderen göttlichen Geheimnisses. Diese geheimnisvolle Geburt wird nun noch in einem hintergründigen Bild verdeutlicht. "Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie der Libanon" (Hos 14,6) Diese und andere prophetische Texte versinnbilden eine Zuwendung Gottes, der neues Leben spendet. In unserem Psalm bedeutet dies: Gott schenkt dem König aus seiner eigenen Lebensphäre Leben, das immer neu wird, wie dem Adler, dem die Jugend erneuert wird (Ps 103,5); so dauert dieses Leben mit "der Sonne und länger als der Mond" (Ps 72,5). Durch einen Gottesspruch wird erhärtet: Wie Melchisedek, der König von Salem, ein Priester des Allerhöchsten Gottes war (vgl. Gen 14,18), soll der Heilskönig von Psalm 110 beide Ämter in sich vereinigen.
Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes. Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden. Er trinkt aus dem Bach am Weg; so kann er (von neuem) das Haupt erheben.
Der Vers 5 bringt eine neue Szenerie: Gott tritt zur Rechten des Königs, um ihm in der Auseinandersetzung mit den Königen der Erde die offene Flanke zu schützen, ja selber - freilich in Aktionseinheit mit dem König - den Kampf zu führen. Der "Zorntag Gottes" ist nach Zef 2,2f der kommende Gerichtstag Gottes, der allgemein an den Heidenvölkern vollzogen wird. Vers 7 spricht nur mehr vom König. Das Haupt erheben ist Gebärde des Sieges. Der "Bach" ist eine endzeitliche Erwartung:"Wasser brechen in der Wüste hervor und Bäche in der Steppe" (Jes 35,6). Damit ist jedenfalls eine dem König geschenkte Lebens- und Siegesmacht gemeint, die dem König im Endkampf geschenkt wird.
Der Psalm ist ursprünglich als politischer Text konzipiert. Die Vorstellung von einem gewalttätigen Gott muss in den Zusammenhang der altorientalischen Welt eingeordnet werden: Es ist die Sprache der Ohnmacht, die sich an solchen "Machtbildern" festhält. Der Psalm ist ja wahrscheinlich nach dem Exil entstanden.
"Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen (vgl. Lk 24,44;Joh 5,39; 1 Petr 1,10) und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen."
In einer vom Glauben geleiteten Tiefensicht hat die Urkirche diesen Psalm also auf den Messias Jesus gedeutet. In seinen Dämonbannungen und vor allem durch seinen Tod am Kreuz hat er ja "den Feind", Satan, überwunden und in seiner Auferstehung den Tod bezwungen. Gerade der Hebräerbrief hat das Hohepriestertum Hesu herausgestellt.
"Der Psalm ist damit auch für das neubundliche Gottesvolk zu einem wahrhaft ehrwürdigen Text geworden. Er eröffnet dabei nicht nur eine ´Rückschau´auf den in Jesus Christus kulminierenden Heilsplan Gottes, auch nicht nur eine Aufschau zum erhöhten Herrn, sondern bleibt immer noch endzeitliches Königslied auf den ,König der Könige und Herrn der Herren´(Offb 19,16), dessen ...Offenbarung der ganzen Welt gegenüber noch aussteht." (Deissler)
P.Benno Mikocki
Margaret Clitherow
Sie wurden zersägt, zerstückelt, gehängt, verbrannt, vergiftet, ertränkt, erstochen, erschossen: Heilige. Margaret Clitherow aus York an der Ostküste Englands erlitt im Jahr 1586 - erst 30-jährig - den Tod durch Zerquetschen. Papst Pius XI. sprach die Märtyrerin 1929 selig, von Papst Paul IV. wurde sie 1970 heilig gesprochen.
Margaret heiratete 1571 den Fleischhauer John Clitherow. Dre Jahre nach der Hochzeit konvertierte sie von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus und öffnete ihr Haus für katholische Priester und Messfeiern. Seit 1585 gab es jedoch ein Gesetz gegen Jesuiten, Priester und "ungehorsame Personen". Es galt als "Landesverrat", wenn sich ein Priester innerhalb des Herrschaftsgebietes der Queen aufhielt.
Margaret Clitherow ließ sich davon jedoch nicht abschrecken, weiterhin in ihrem Haus in einem geheimen Raum Priestergewänder und Gerätschaften für die Heilige Messe aufzubewahren. Sie vertraute auf das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes und besprach sich mit ihrem Seelenführer, ob sie dazu die Genehmigung ihres Mannes benötigte. Um Gott gegenüber ihre Pflicht zu erfüllen, sagte Pfarrer Mush, sei eine Rückfrage nicht nötig. Es diene auch dem Schutz ihres Mannes, wenn er davon gar nichts wüsste. Dieser war nach wie vor Anglikaner und konvertierte nicht - Margaret Clitherow respektierte das, Sohn Henry besuchte das Priesterseminar auf dem Kontinent.
In der Dachkammer des Hauses von Margaret Clitherow wurden Kinder unterrichtet. Bei einer neuerlichen Hausdurchsuchung rissen die Schergen einem Buben die Kleider vom Leib und befragten ihn unter Androhung von Schlägen. Da verriet das zu Tode verängstigte Kind den geheimen Raum. Triumphierend entdeckten die Suchmannschaften das versteck von Messgewändern. Margaret, die Bediensteten und die Kinder wurden gefangen genommen - insgesamt 35 Personen.
Aus Rücksicht auf ihre Familie verzichtete Margaret Clitherow auf eine weitere Gerichtsverhandlung: "Es wäre für mich schlimmer gewesen als tausend Tode, wenn ich gesehen hätte, wie sie einen von ihnen weggebracht hätten, um gegen mich auszusagen."
Am Karfreitag 1586 wurde das Urteil verlesen: Tod "peine forte et dure" (durch Zerquetschen).
Richter Clench verlas den Text: "Sie werden ... im tiefsten Teil des Gefängnisses nackt auf den Rücken gelegt, und es werden so viele Gewichte auf sie gelegt, wie sie ertragen können. So sollen sie drei Tage ohne Essen und Trinken bis auf etwas Brot und Wasser liegen und am dritten Tag bis zum Tod zerdrückt werden, mit den Händen und Füssen an Pfosten gebunden und mit einem spitzen Stein unter dem Rücken."
Margaret Clitherow erwiderte freundlich: "Wenn dieses Urteil Ihrem Gewissen entspricht, bete ich dafür, dass Gott ein besseres Urteil für Sie bereithält. Ich danke Gott von Herzen dafür."
Noch versuchten Freunde, sie zu retten. Vier Nachbarsfrauen war aufgetragen worden, sie zu untersuchen, ob sie schwanger sei. Auch Ratsmitglieder befragten Margaret direkt, sie wusste es aber "nicht sicher" und wollte ihr Gewissen nicht damit belasten, ob sie ein Kind in sich trug oder nicht.
Dann versuchten anglikanische Geistliche, sie zu einer Abkehr vom katholischen Glauben zu bewegen, freilich vergebens.
Als der Todestag festgesetzt wurde, erlitt Margaret Clitherow einen Schock: "Nun fühle ich die Schwäche meines eigenen Fleisches, das bei dieser Nachricht zittert, obwohl mein Geist sich so sehr freut."
Ihre Strümpfe und Schuhe erhielt die älteste Tochter Anne, um ihr anzudeuten, dass sie in die Fußspuren ihrer Mutter treten und ihr Leben in den Dienst Gottes stellen sollte.
Zuletzt hatten Behörden die Hinrichtung auf einen Tag verkürzt. In der letzten Nacht betete sie im Gefängnis Tyburn - heute Teil des Stadtbezirks West End in London - kniend bis drei Uhr früh in einer selbst genähten Kutte.
Am Freitag, den 25. März 1586, Fest Mariä Verkündigung, kamen die Vögte um acht Uhr morgens und sahen, dass Margaret Clitherow als verheiratete Frau nicht die übliche Haube trug, sondern ihr Haar mit Bändern gebunden hatte - wie eine Braut vor der Hochzeit.
Einige Landstreicher waren angeheuert worden, um die Hinrichtung auszuführen. Zuvor jedoch unternahm der anglikanische Pastor Frost noch einen Rettungsversuch. Er schlug vor, sie sollten zusammen beten - dies wäre ein Beweis dafür gewesen, dass die Delinquentin in letzter Minute aufgegeben und sich der Staatskirche zugewandt hätte. Aber auch den Vorschlag, für die Königin zu beten (das hätte Margaret Clitherow ebensfalls gerettet), lehnte sie ab. Stattdessen kniete Margaret nieder und betete für die katholische Kirche, den Papst, die Kardinäle und alle Geistlichen, für alle christlichen Fürsten "und speziell für Queen Elizabeth, die Königin von England, dass Gott sie zum katholischen Glauben bekehre".
Der für die Hinirchtung verantwortliche Vogt Gibson stand überwältigt und weinend an der Tür. Sein Stellvertreter Fawcett unternahm einen letzten Versuch: "Sie müssen sich besinnen und gestehen, dass sie wegen Landesverrats sterben werden." Darazf Margaret Clitherow: "Nein, nein, mein Herr, ich sterbe für die Liebe meines Herrn Jesus."
Dann halfen ihr Frauen, das Gewand auszuziehen und die Kutte anzulegen.
Margaret Clitherow lag auf dem Boden, mit einem Tuch über dem Gesicht und einem spitzen Stein unter dem Rücken. Die gedungenen Landstreicher wuchteten eine schwere Tür auf sie. Margaret umklammerte sie und faltete die Hände zum Gebet, aber die Wachen banden ihre Arme an zwei Pfosten. Jetzt legten die Schergen Gewichte auf die Tür. Margaret schrie: "Jesus! Jesus! Hab' Erbarmen mit mir!"
Nach 15 Minuten war sie erstickt.
Die Gewichte wurden just in der Todesstunde des Herrn entfernt: 15 Uhr.
Gegen Mitternacht schlichen Wachen mit ihrem Körper hinaus und vergruben den Leichnam heimlich unter einem Abfallhaufen. Doch Pfarrer Mush und dessen Freunde suchten das Grab und fanden es nach sechs Wochen. Margaret Clitherow wurde außerhalb von York beigesetzt - an einem bis heute unbekannten Ort.
Margarets Söhne Henry und William wurden katholische Priester, ihre Tochter Anne trat in einen Frauenorden ein.
Der Gedenktag der heiligen Margaret Clitherow, der "Perle von York", ist am 26.März.
Georg Spiegelhofer
„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 236/2008/4

"Mutti, heute haben wir im Religionsunterricht von einem ,ungepflegten Gefängnis´gehört." Nach einigem Nachfragen bekommt die Mutter heraus, was ihre Tochter eigentlich meinte: Sie hatte von der "Unbefleckten Empfängnis" gelernt, diesen Ausdruck aber absolut nicht verstanden.
Nicht nur unsere kleine Theologin, auch so manche erwachsene Christen missverstehen diesen Ausdruck oder können damit nichts anfangen.
Und doch: Am 25.März 1858 hatte sich Maria Bernadette in Lourdes als die "Unbefleckte Empfängnis" geoffenbart.
Versuchen wir, den tiefen Sinn dieser Offenbarung zu erfassen. Maria, ohne Erbsünde empfangen. Was bedeutet denn zunächst Erbsünde? Das Leben des Menschen ist vielfach bestimmt von verschiedenen Verhaltensweisen, die ihm von der Natur mitgegeben wurden. Da ist zum Beispiel das Selbstbehauptungsstreben, das Besitzstreben, das Streben zum anderen Geschlecht (oder: Geschlechtsstreben) etc. Diese Bestrebungen sind zunächst nicht schlecht, nur erwächst dem Menschen eine ungemein schwere Aufgabe: diesen Bestrebungen eine vernünftige Grenze zu setzen, da sie sonst zu Süchten ausarten. Dann wird aus dem Selbstbehauptungsstreben der Stolz, aus dem Besitzstreben die Habsucht usw.
In dieser gefährlichen Situation wollte Gott den Menschen nicht ohne Hilfe lassen. Es ist hier nicht möglich, diese Hilfe Gottes in der langen Menschheitsgeschichte darzustellen. Nur eines lehrt uns die Bibel: Der Mensch lehnte diese Hilfe in wachsendem Maß ab, bis es zu einem totalen Bruch kam. Wir wissen aus der Geschichte, wie viel Unheil ein einzelner Mensch in die Welt bringen kann. Durch die Abwendung von Gott breitete sich die Sünde immer mehr aus.
Dem Anwachsen der Sünde unter den Völkern setzt Gott eine Rettungsaktion entgegen: Das auserwählte Volk Israel sollte zeigen, dass es zum Segen wird, wenn man mit Gott und seiner Weisung lebt. Doch Israel lief lieber den Götzen nach, als Gott zu gehorchen: "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht" (Jes 1,3).
Doch gab es im auserwählten Volk einen heiligen Rest, der Gott die Treue hielt: Denken wir an die Propheten, die Psalmdichter, Elisabet, Zacharias, Simeon und Hanna. Unter diesen Gerechten ragt aber eine heraus, die Gott von Anfang ihres Daseins an mit dem Heiligen Geist beschenkt hatte - und doch war sie vorbereitet durch die lange Geschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk. Konkret: Haben nicht auch die Eltern Mariens durch ihre religiöse Erziehung dazu beigetragen, dass Maria ihr großes "Ja" zum Plan Gottes sprechen konnte? Denn die Erbsündefreiheit Mariens hob ihren freien Willen nicht auf, auch Maria war nicht frei von Versuchungen - wie Jesus; sonst wäre ihr "Ich bin die Magd des Herrn" ja nicht freiwillig und ohne ihr Verdienst.
Was bedeutet aber die Erbsündefreiheit Mariens - die Unbefleckte Empfängnis - für uns? Sünde bedeutet, sich dem Angebot Gottes, im letzten Jesus, dem Retter der Welt, zu verschließen. Als Folge davon können wir mit unseren Bestrebungen nicht fertig werden - werden zum "Trottel unserer Instinkte", wie es ein Naturforscher ausgedrückt hat. Maria möchte uns helfen, möglichst radikal (aber nicht unvernünftig) zu Jesus und dem Wort der Bibel "ja" zu sagen. Das Mittel dazu ist das Beten des Rosenkranzes, der aber zunächst unser eigenes Leben ändern soll. Freilich will die Unbefleckte Empfängnis durch den Rosenkranz auch die Liebe zur Bibel in uns wecken.
Mit herzlichen Grüssen
- im Gebet verbunden -
bleibe ich mit Segen Ihr
P. Benno Mikocki
Der Rosenkranz - Zusammensein mit Gott (3)
Betrachtungen zum freudenreichen Rosenkranz
1. Jesus, den du o Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen hast
Am Anfang unserer Erlösung steht ein großes Erschrecken: Maria erschrickt, als sie der Engel Gabriel besucht. Maria hat nicht damit gerechnet, sie hat sich diesen Augenblick nicht herbeimeditiert. Vielleicht war sie bei der Hausarbeit oder hat sie in der Heiligen Schrift gelesen, wir wissen es nicht. Gewiss ist nur, dass sie zutiefst erschrak, als der Engel Gottes bei ihr eintrat. Das Erschrecken Mariens ist etwas Heiliges, denn es sagt uns, dass Gott selbst in diesem Augenblick in die Geschichte eintritt. Gott ist nicht eine Phantasievorstelung; nein, der allmächtige Gott ist eine Wirklichkeit. Er wirkt in unsere Welt hinein, indem er uns erlösen möchte.
Der Engel fragt Maria, ob sie Mutter des Sohnes Gottes sein möchte. Dies ist die schönste Frage, die Gott je an einen Menschen gestellt hat. Gott sehnt sich danach, Mensch zu werden, um uns zu erlösen. Doch er respektiert unsere Freiheit; er umwirbt uns, aber niemals zwingt er uns. Deshalb darf Maria völlig frei zurückfragen: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" (Lk 1,34). Auch wir dürfen Gott Fragen stellen; freilich müssen wir dann auch die Ohren spitzen, um seine Antwort zu hören und zu verstehen. Gott antwortet immer. Maria hört wie der Engel sagt: "Für Gott ist nichts unmöglich!" Und dann beantwortet sie die schönste Frage, die Gott einem Menschen stellen konnte, mit der schönsten Antwort, die ein Mensch geben konnte: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!" In diesem Augenblick, wo die werbende Liebe Gottes die richtige Antwort in der hinschenkenden Liebe Mariens gefunden hat, öffnet sich der Himmel: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14).
2. Jesus, den du o Jungfrau zu Elisabet getragen hast
Seit ihrem "Fiat - Mir geschehe" trägt Maria in ihrem Leib den Heiland und Retter aller Menschen. Jesus heißt "Gott rettet". Und Maria ist seine Mutter. Doch bei all dieser Ehre versinkt Maria gerade nicht in faule Selbstzufriedenheit. Sie hat begriffen, dass diese rettende Liebe in ihrem Schoß zu allen Menschen gelangen möchte. Maria spürt, dass es unserer Mitarbeit bedarf. Im Evangelium heißt es daher, dass Maria sich danach bald aufmachte und in das Bergland von Judäa eilte (Lk 1,39). Warum? Weil sie vom Engel gehört hat, dass ihre Verwandte imsechsten Monat schwanger ist und Hilfe braucht! Wer wirklich die Liebe in sich trägt, der möchte sie zu anderen tragen.
Kaum hat Maria Jesus in ihrem Leib empfangen, da gibt sie uns ein Beispiel des Apostolates: Maria eilt davon, den anstrengenden Weg in das bergland hinauf, weil sie weiß: ihre Verwandte Elisabet braucht Hilfe. Wer Jesus in sich trägt, der darf nicht faul und träge sein, sondern der muss hinaus eilen in die Welt, um seine Liebe hinauszutragen. Als Maria bei Elisabet ankommt, grüßen sich die beiden Frauen, die beide schwanger sind. Wo Jesus hinkommt, dort entsteht Freude. Daher hüpft der kleine Johannes im Leib der Elisabet. Und Elisabet preist Maria als "Mutter meines Herrn". Das Geheimnis der Heimsuchung Mariens mahnt uns, dass auch wir eilen sollen, um Jesus in die Welt zu tragen.
3. Jesus, den du o Jungfrau zu Betlehem geboren hast
Jesus wird in Betlehem in die brutale Kälte hineingeboren, um derentwillen er neun Monate vorher im Leib seiner Mutter Maria Mensch geworden ist: Obwohl Maria hochschwanger ist, wird sie mit Josef eiskalt abgewiesen. In keiner Herberge ist Platz für das heilige Paar, harte Herzen sind verschlossen gegenüber dem Leben und der Liebe. Und gerade darin beginnt das Geheimnis der Umwandlung: Eine finstere Höhle, die für das Vieh bestimmt ist, wird zum Geburtsort des Sohnes Gottes. Über dem dunklen Stall beginnt der Himmel zu strahlen, als Gottes Engel der Welt "eine große Freude" (Lk 2,10) verkündet: Das Licht der Welt, das alle Menschen erleuchtet, ist sichtbar erschienen.
Jesus ist ganz klein. Der ewige Sohn des Vaters, den die Himmel nicht fassen können, passt in eine Krippe. Der allmächtige Gott hat sich so menschlich gemacht, dass er in Windeln gewickelt werden muss. Der erhabene Gott hat sich so armselig gemacht, dass Ochs und Esel, lumpige Hirten und Schafe seine Gesellschaft sind. Mit Maria und Josef, den Hirten und Engeln beten wir seither in der Kleinheit und Armseligkeit des Christus-Kindes in der Krippe die unfassliche Größe Gottes an. Mit der Geburt zu Betlehem beginnt auch schon der Leidensweg dieses Kindes, der Jesus schließlich an das Kreuz führen wird. Das Geheimnis von Weihnachten lehrt uns, dass wir die unfassliche Größe der Liebe Gottes nur in seinem Kleinwerden für uns erfassen können.
4. Jesus, den du o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast
Am vierzigsten Tag nach der Geburt erfüllen Maria und Josef, was im Gesetz des Mose jedem Juden geboten ist: eine männliche Erstgeburt Gott im Tempel zu weihen. Der Tempel ist für die Juden der Ort, wo Gott wohnt. In den Tempelhallen der Heiden standen Götzenstatuen der Götter, doch das Allerheiligste im Tempel von Jerusalem war leer. Denn Gott ist unsichtbar, er wohnt nicht auf Erden sondern thront über den Himmeln. Doch was Maria und Josef jetzt in den Tempel bringen, das ist der menschgewordene Sohn Gottes, in diesem Kind ist die Fülle Gottes herabgestiegen auf die Erde und Mensch geworden.
Bei der Aufopferung Jesu im Tempel geschehen heilige Zeichen: Der gerechte Simeon nimmt das Kind in seine Arme und preist Jesus als das "Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel" (Lk 2,32). Weil Maria und Josef arme Leute sind, können sie nicht ein Schaf opfern, sondern nur ein paar Tauben (Lev 12,8). Und doch ist dieses kleine Opfer bereits ein Bild für das große und größte Opfer: Das Opfer, das dieses jetzt noch so kleine Kind dreiunddreißig Jahre später in Jerusalem darbringen wird, das Opfer des menschgewordenen Gottessohnes am Kreuz. Wir bewundern die Gesinnung Mariens: sie ist opferbereit und hält ihr Kind ganz Gott hin. Und Simeon prophezeit ihr , dass noch größere Opfer auf sie warten: ein Schwert wird ihre Seele durchdringen (Lk 2,35)! Jetzt trägt Maria noch das kleine Jesuskind in den Armen, unter dem Kreuz aber wird sie sich mit dem noch größeren Opfer ihres Sohnes mütterlich verbinden. Das Geheimnis der Aufopferung Christi bezeugt uns, dass Gott aus unserer Haltung der Opferbereitschaft Großes zu wirken vermag.
5. Jesus, den du o Jungfrau im Tempel wiedergefunden hast
Ein Sprichwort sagt: "Solange dein Kind klein ist, gib ihm Wurzeln; wenn es groß wird, gib ihm Flügel." Jesus ist nicht ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Sohn Gottes. Er ist Gott, der in allem uns gleich sein wollte, deshalb wurde er in die Geborgenheit eines mütterlichen Leibes hinein Mensch. Und er wurde Mensch inmitten einer menschlichen Familie: Maria ist wirklich seine Mutter, und Josef sorgt wirklich wie ein Vater für ihn. Bei der Rückkehr von der Wallfahrt nach Jerusalem erschrecken beide, als sie merken, dass der heranwachsende Jesus verschwunden ist.
Maria und Josef sind gute Eltern. Sie machen sich große Sorgen um ihr verlorenes Kind. Sie druchleiden die Ängste aller Eltern der Welt, die um ihre Kinder bangen, als sie Jesus drei Tage lang verzweifelt suchen. Schließlich finden sie den jungen Jesus, wie er mitten im Tempel die Schriftgelehrten mit seinen klugen Antworten in Staunen versetzt. Jesus ist kein gewöhnlicher Mensch, er ist Gottes Sohn in Menschengestalt. Wer ihn findet, der findet Gott. Als Maria und Josef Jesus im Tempel wiederfinden, erteilt er eine Belehrung die uns allen gilt: "Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?" (Lk 2,49). Maria lernt sofort und bereitwillig, denn von ihr heißt es, dass sie all das in ihrem Herzen bewahrt. Vom Geheimnis des wiedergefundenen Jesus lernen wir, dass wir an Jesus Christus als den menschgewordenen Sohn Gottes glauben müssen, um die Nähe Gottes zu finden.
P. Karl Josef Wallner OCist
Prof. für Dogamtik und Dekan der Päpstlichen
Philosophisch-Theologischen Hochschule
in Heiligenkreuz
Der einzige Retter der Welt
Gedanken zum Evangelium der Heiligen Nacht
Nur einmal im Jahr wird die Frohe Botschaft verkündet (Lk 2,1-14). Deshalb wollen wir diese Perle des Evangeliums eingehend betrachten. Da tritt zunächst der mächtigste Mann der damaligen Welt auf die Bühne: Kaiser Augustus. Oktavian hieß der Herrscher des römischen Weltreiches, Augustus (griech.: Sebastos = Verehrungswürdiger) war ursprünglich ein verliehener Ehrentitel. Dem Kaiser wurden ja vor allem im Orient göttliche Ehren erwiesen. Mit der Nennung des Kaisers Augustus will Lukas zu erkennen geben, dass das im folgenden Erzählte von weltgeschichtlicher Bedeutung ist. Jeder Staat braucht Geld; um diese Tatsache kam auch Kaiser Augustus nicht herum. So ordnet er ab dem Jahr 27 vor Christus eine Eintragung der gesamten Bevölkerung in Steuerlisten an, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckte. Diese bürokratische Maßnahme wird von Lukas als Grund dafür angegeben, dass sich Josef mit Maria von Nazaret nach Betlehem begeben musste, weil er aus "dem Haus und Geschlecht Davids" stammte. (Hatte Josef vielleicht Besitz in Betlehem?). Für den Evangelisten ist diese Einschreibung nur der äußere Anlass, dass Jesus in der Stadt Davids geboren wurde. So sollte die Prophezeiung des Propheten Micha in Erfüllung gehen: "Aber du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen" (5,1). Jesus, der in Betlehem geboren wird, ist also in der israelitischen Vergangenheit der Erwartete und prophetische Verheißene. Die Steuereintreibung durch die Römer hat zum Teil zum erbitterten Widerstand in Israel geführt. Josef aber gehorcht der Weisung des Kaisers - so wie es Jesus später sagen wird: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!" (Mk 12,17). Wird die Bedeutung des heiligen Josef nicht vielfach unterschätzt? Auch er musste an die jungfräuliche Empfängnis seiner Verlobten glauben und war Jesus sicher ein vorbildlicher irdischer Vater.
Die Geburt Jesu
"Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war" (Lk 2,6f).
Sehr schlicht wird die Geburt Jesu geschildert. Das Wickeln in Windeln soll andeuten, dass Jesus auch wahrer Mensch war, in allem uns gleich außer der Sünde. Mit der Herberge (Katalyma) ist ein Ort bezeichnet, an dem man sich vorübergehend aufhält, wenn man unterwegs und nicht zu Hause ist. Es könnte an eine Unterkunft gedacht werden, die über eine Höhle erbaut war. Da der Wohnraum überbelegt war, hätte man in den erdgeschossigen Höhlenraum, der normalerweise als Stall diente, ausweichen müssen. Dieser Deutung entspricht auch eine Nachricht beim Kirchenschriftsteller Origenes: "Gezeigt wird die Höhle in Betlehem; dort wurde er geboren und die Futterkrippe dort wurde er gewickelt." Das Kind wird "ihr erstgeborener Sohn" genannt; dies muss theologisch verstanden werden. Nach dem Gesetz des Mose ist jede Erstgeburt Gott geweiht.
Gott offenbart die Größe dieser Geburt
Schlicht wurde die Geburt Jesu erzählt. Nun aber soll ihre wahre Bedeutung ans Licht kommen. Unterhalb Betlehem wüstenwärts ist seit altersher Weideland. In der nächtlichen Wache gegen Räuber und wilde Tiere pflegten sich die Hirten abzuwechseln. Diesen einfachen Menschen wird nun durch einen Engel die große Offenbarung über die wahre Bedeutung des Wickelkindes zuteil. Offenbart sich Gott nicht mit Vorliebe gerade den armen und schlichten Menschen? Himmlischer Lichtglanz umstrahlt den Engel. Große Freude verkündet der himmlische Bote - hier klingt erstmals das "Evangelium" - die "Frohe Botschaft" - auf. "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias der Herr" (Lk 2,11). In welchem Sinn Jesus Retter ist, wird das weitere Evangelium zeigen: Er befreit von Sünde und Tod. Die jüdischen Könige wurden gesalbt, sie waren Gesalbte, hebräisch Messiach, griechisch Christos. Allerdings hatte Israel mit seinen "Messiassen" kein Glück: Die meisten von ihnen entsprachen nicht der hohen Würde, "Gesalbte des Herrn" zu sein. Und nun war zu allem Unglück Israel noch ein besetztes Land; zwar unter der Herrschaft eines Königs von Roms Gnaden, Herodes, der aber kein Gesalbter des Herrn, kein Messias, war. In Teilen der Bevölkerung wurde daher die Sehnsucht nach einem kommenden Messias wach, der in Gerechtigkeit herrschen und Frieden bringen würde.
Das Kind im Futtertrog ist nun dieser Messias, allerdings wird er anders herrschen, als man es erwartete. Es ist der "Messias, der Herr". Kyrios - Herr - ist im Alten Testament eine Bezeichnung für Gott. Der Ausdruck in der Botschaft des Engels soll vielleicht zunächst eine besondere Nähe des Messiaskindes zu Gott ausdrücken.
Gott offenbart sich in Zeichen
Die Hirten erhalten vom Engel den Hinweis auf ein Zeichen, das die Botschaft bestätigen soll. Im vorliegenden Fall vermisst man jedoch das Außergewöhnliche, das Gottes wunderbares Handeln erst sichtbar zu machen vermag. Möglicherweise soll hier deutlich gemacht werden, dass Gott sich auch im Unscheinbaren offenbaren kann: Der Heiland - Messias - Herr kommt als schwaches Kind zur Welt. Handelt Gott nicht immer wieder so? Denken wir zum Beispiel an die heilige Eucharistie.
Noch nie Dagewesenes
Mit der gleichen Plötzlichkeit, die himmlischen Erscheinungen eignet, ist in dem den Engel umstrahlenden Lichtglanz die Fülle des himmlischen Heeres ansichtig. "Lukas beschreibt noch nie Dagewesenes und bringt dadurch die Bedeutung der Geburt Jesu zum Ausdruck: Die Distanz, die Himmel und Erde voneinander trennt, ist für einen Augenblick aufgehoben..." (Wolter).
Was ist der Inhalt des Lobgesangs der Engel? Gott selbst verherrlicht nun seinen Namen, indem er das Heil verwirklicht und die Himmlischen verherrlichen und preisen ihn darob.
Der Friede, der jetzt auf Erden verwirklicht werden soll, meint mehr als die Beseitigung von Krieg und Streit, er meint das volle Heil, das mit der Geburt des Kindes in der Krippe seinen Anfang nimmt.
Ist die Welt anders geworden?
So fragen Menschen zweifelnd, wenn sie das Weihnachtsevangelium hören. Zunächst: Wer sich Jesus und seinem Wort anvertraut, in dessen Leben verändert sich etwas, das können viele Menschen bezeugen.
Es gibt heute etwa 1,5 Milliarden Menschen, die sich Christen nennen. Wie würde die Welt aussehen, wenn sie sich nicht nur Christen nennten, sondern auch nach dem Beispiel und Wort Jesu Christi lebten?
2009 - 20 Jahre Fall der Berliner Mauer, Zusammenbruch des atheistischen Kommunismus. Um die "größte aber unblutige Revolution" (Kardinal Wetter) haben aber Millionen Menschen gebetet und geopfert. Wir könnten auch heute manches nicht nur in der Welt, sondern vor allem in der Kirche zum Guten wenden, wenn wir so wie Maria und Josef sowie die Hirten der Botschaft Glauben schenkten: "Heute ist euch der Retter geboren". Und wie Papst Johannes Paul II. erweiternd sagt: "Der einzige Retter der Welt."
P. Benno Mikocki OFM
Herbergsuche
In einer Zeit, in der es noch kein Fernsehen gab und damit nicht schon Wochen vor dem Advent ständig Werbung für Weihnachtsgeschenke, konnte man noch von der stillsten Zeit im Jahr sprechen. Es war dies auch die Zeit verschiedener Bräuche, die den Menschen einzelne Aspekte des weihnachtliche Geschehens anschaulich machen wollten.
Ein Brauch der vorweihnachtlichen Zeit war das "Herbergsuchen". Dabei soll an die vergebliche Suche nach einer Herberge in Betlehem erinnert werden. Den Brauch gibt es seit dem Mittelalter. Zumeist wird dabei eine bildliche Darstellung von Maria und Josef von Haus zu Haus getragen und jeweils für einen Tag als "Gast" aufgenommen.
Mancherorts wurde der Brauch - auch in Ermangelung von genügend Bildern - verändert. Dann gingen die Mädchen des Ortes in mehreren Gruppen von Haus zu Haus und sangen die Erzählung von der Herbergsuche. So auch in einem Dorf im Burgenland. In den Wochen vor Adventbeginn wurde geprobt. Wer darf heuer die Maria singen? Wer den Josef? Und wer den Wirt? Schaffen wir den Chor mehrstimmig? Für die Sängerinnen waren schon die Proben spannend. Und dann ging es im Advent los. Jede Gruppe war für einen Teil des Dorfes zuständig.
In den meisten Häusern wurden die Sängerinnen schon freudig erwartet. Sie wurden in die gute Stube geführt, in der sich alle versammelt hatten. Manchmal waren kleine Aufmerksamkeiten hergerichtet, ein Teller mit weihnachtlichem Gebäck oder Nüssen.
Wenn auch der bettlägerige Großvater zuhören wollte, konnte es sein, dass die Mädchen in seine Kammer geführt wurden, wo sich dann alle zusammendrängten. Die alte Kathl-Moam ( = Großmutter) war eine besonders fromme Frau. Bei ihr wurde nach dem Lied von der Herbergsuche jedes Jahr auch noch der "Engel des Herrn" gebetet.
Natürlich gab es auch weniger angenehme Erlebnisse. Wenn etwa die Sängerinnen gar nicht ins Haus gelassen wurden, sondern gleich im Hof singen mussten, während daneben der Hofhund an seiner Kette zerrte.
Bei einem alten Bauern hat sich folgendes zugetragen: Als die Mädchen kamen, sahen sie von außen, dass in der hinteren Stube Licht brennt. Die Tür war, wie damals üblich, nicht verschlossen. Also traten die Mädchen ein. Sie tappten durch die Küche und die große Stube auf das Licht zu. Die Tür zur Schlafstube stand einen Spalt offen. Die Mädchen nahmen davor Aufstellung und begannen zu singen. Gerade schmetterte der Wirt sein "Was wollt ihr dann?, da wurde die Tür aufgerissen und der alte Mann stürzte, seinen Stock als Waffe hoch erhoben, aus seiner Kammer. Dabei stieß er unverständliche Worte aus.
Der Schreck fuhr den Mädchen in die Glieder. Die Gestalt im weißen Hemd, nackten Füssen und zerzausten weißen Haaren jagte einem aber auch Angst ein. Die Sängerinnen wandten sich zur Flucht durch die finsteren Räume. Der Alte immer hinter ihnen her. Die Mädchen rannten auch noch, als sie schon aus dem Haus waren. Erst nach einigen Metern blieben sie stehen und blickten zurück. Immer noch konnte man den alten Mann den Stoch drohend erhoben in der Tür stehen sehen. "Jedes Jahr dasselbe!", erklärte eine der Sängerinnen. "Aber wehe wir kommen nicht", meinte eine andere. "Dann wird er erst richtig böse!"
Heute wird der Brauch des "Herbergsuchens" noch in mancher Landgemeinde gepflegt. Aber auch in einigen Stadtpfarren versuchen verschiedene Gruppen durch die Wiederbelebung des Herbergsuchens" das eigentliche Zentrum des weihnachtlichen Geschehens wieder ins Bewusstsein zu rücken. Dabei wird ein Bild von Maria und Josef zu einer Familie gebracht, wo es für einige Tage bleibt. Es erhält meist einen geschmückten Ehrenplatz und soll zu gemeinsamen Gebet und Betrachtung anregen. Schließlich trägt die Familie es zu einer anderen, wo es unter Gebet und Gesängen in Empfang genommen wird. Der Brauch soll so nicht nur das Gebet innerhalb einer Familie unterstützen, sondern auch zu einer kleinen religiösen Feier mit anderen animieren. Gerade heute, wo das Rundherum so überbordend ist, ist es wichtig, die Gedanken auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Der tiefere Gedanke, der sich in der Darstellung von der vergeblichen Suche nach einer Herberge von Josef und Maria auftut, ist ja jenseits von manchmal auch kitschigen Darstellungen einer, der uns immr wieder betroffen machen kann: "Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1,11)
Regina Bauer

„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 235/2008/3

Lourdes, 24.Februar 1858: Die Botschaft der "Dame" lautet: "Buße, Buße, Buße! Beten Sie für die Sünder! Küssen Sie die Erde zur Buße für die Sünder."
Und bei der Erscheinung am 25. Februar wird diese Mahnung zur Buße noch weitergeführt. Bernadette erzählt: "Sie sagte mir, ich solle zur Quelle gehen und daraus trinken. ... Ich fand nur ein wenig schlammiges Wasser. Erst beim vierten Versuch konnte ich davon trinken. Sie forderte mich auch auf, ein Kraut zu essen, das in der Nähe der Quelle wuchs. Dann entschwand die Erscheinung, und ich ging weg." Auf die Frage: "Weißt du, dass man dich für verrückt hält, wenn du so etwas machst?" antwortete sie nur: "Das ist für die Sünder."
Boden küssen, aus einem Tümpel trinken, Gras essen - stößt uns diese Form der Buße nicht ab? Oder zumindest: Wir verstehen sie nicht. Lassen Sie mich einiges - hoffentlich klärendes - dazu sagen.
Zunächst: Das Wichtigste von Lourdes ist doch, dass gleichsam der Himmel sich öffnete und Bernadette die Heilige Maria schauen durfte. Wie sagt die Seherin bei der letzten Vision: "Nie sah ich sie so schön!"
Buße: Das bedeutet zunächst Besserung des eigenen Lebens. Und Lourdes gibt uns hierzu eine Anleitung: Glaubt und hofft doch lebendiger auf den Himmel, euer Ziel!
Schön schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Rundschreiben über dieses Ziel: "Es wäre der Augenblick des Eintauchens in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vorher und Nachher mehr gibt. Wir können nur versuchen zu denken, dass dieser Augenblick Leben in vollem Sinn ist, immer neues Eintauchen in die Weite des Seins, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden."
Muss ich angesichts des schwachen Glaubens an diese Verheißung nicht Buße tun? Aber wie? Dazu einige Tipps: Zunächst verinnern wir alle Texte der Heiligen Schrift, die vom Himmel sprechen, zum Beispiel: "Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll." (Röm 8,18). So schreibt der Apostel Paulus, der ein Stück Himmel schauen durfte.
Weiters: Denken wir daran, dass jede Begegnung mit Jesus (vor allem in der heiligen Eucharistie), mit Gott, den Heiligen ein Aufstieg in den Himmel ist. Bitten wir - vor allem im glorreichen Rosenkranz - innig um Stärkung unserer Hoffnung. Und schließlich: Beachten wir auch kleine Freuden als Vorahnung der endgültigen Freude, in die wir am Ende unseres irdischen Lebens eintauchen dürfen. Ist es nicht einleuchtend, wenn Gott uns einmal so viel schenken will, dass er uns dann hier einiges abverlangt - "die Leiden dieser Zeit..."?
Damit ist freilich noch nicht die eigentliche Aussage der eingangs genannten Erscheinungen getroffen: Gebet und Opfer für die Sünder; und zwar keine leichten Opfer. Dahinter steht die sehr ernste Wahrheit, dass der Mensch sein Ziel verfehlen kann: "...fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann" (Mt 10,28). Der eindringliche Ruf zur Buße galt nicht nur der heiligen Bernadette, er ist heute aktueller den je. Zunächst bedeutet aber Buße (oder Sühne), das Gewöhnliche außergewöhnlich gut zu tun, weiters Unangenehmes, Schweres tapfer zu ertragen und wenn uns die Gnade dazu antreibt, selbstgewählte Opfer zu bringen; alles aber mit Jesus!
Allerdings hat Buße/Sühne auch eine positive Seite: Alles schwere meines Lebens bekam einen Sinn, wenn ich es mit dem Leiden Christi verbinde; ich kann Menschen dadurch retten vor dem Verderben; wenn dies viele tun, werden es viele sein; ja in Fatima werden wir belehrt, kühner zu bitten: "Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen." Allerdings dürfen wir nur dann so beten, wenn wir uns bemühen, Buße zu tun und Sühne zu leisten.
Mit herzlichen Grüßen und Segen bleibe ich Ihr
P. Benno OFM
Der Rosenkranz - Zusammensein mit Gott (3)
Betrachtungen zum lichtreichen Rosenkranz
1.Jesus, der von Johannes getauft worden ist
Jeder von uns hat seine verborgenen Seiten; und jeder von uns hat verschiedene Seiten seines Charakters: Unsere Angehörigen kennen uns, wie wir uns privat verhalten; unsere Schul- oder Arbeitskollegen kennen uns wieder ganz anders... Jesus war schon etwa 30 Jahre alt und der Welt zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt. Ein Verwandter von Jesus war da viel berühmter, alle Welt kannte Johannes den Täufer, der nach einer inneren Vorbereitung in der Wüste jetzt als neuer Prophet in Israel aufgetreten war. Alle Leute waren von seiner Predigt betroffen. Johannes verlangte radikale Unterwerfung unter Gott, alles andere sei Sünde. Johannes predigte sehr deutlich und zog damit die Leute an den Jordan, den lebensspendenden Fluss durch das wüste Land. Die Menschen sollten neu mit Gott zu leben beginnen, indem sie sich im Jordanwasser untertauchen lassen: Zeichen der Reinigung, Zeichen für das Bemühen, ein Leben nach dem Willen Gottes anzufangen. Im Gegensatz dazu ist Jesus noch völlig unbekannt. Jesus hat bisher ganz verborgen in Nazaret gelebt. Er hat dort als Arbeiter mit seinen Händen gearbeitet wie sein Nährvater Josef, umsorgt von seiner Mutter Maria. Und jetzt ist er da, der große Tag der Enthüllung. Johannes der Täufer steht als Prophet am Jordan, und die Menschen lassen sich in das Wasser des Lebens tauchen. Und da steht Jesus demütig da, steigt noch demütiger mit den anderen in das Wasser. Aber es ist nicht die Taufe der Buße, sondern die Taufe der Enthüllung: Über ihm öffnet sich der Himmel, Stimme des Vaters und Herabsteigen des Geistes bezeugen: Er ist selbst das Leben! In Jesus lebt Gott in dieser Welt mitten unter uns Menschen.
Schau mit den Augen deines Herzens auf den offenen Himmel über Jesus: Du siehst einen gewöhnlichen Menschen, - doch der ist er nicht: Der sich da von Johannes zur Taufe niederbeugt, ist der ewige Sohn des ewigen Vaters, er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater von Ewigkeit. Ab jetzt wird Jesus selbst durch Wunder und Zeichen öffentlich machen, wer er wirklich ist. Darum musst du die Nähe Jesu in deinem Leben suchen. Nur dann lebst du unter einem offenen Himmel. Und als Jesus dann nach drei Jahren des öffentlichen Wirkens am Kreuz stirbt, da hat sich der Abgrund der Gottheit endgültig für uns geöffnet: Aus dem durchbohrten Herzen Jesu fließt der neue Jordan hervor: das Wasser der Taufe, das über dich schon geflossen ist, um dir neues Leben zu schenken.
2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat
Jesus wirkt sein erstes Zeichen bei einer Hochzeit. Maria ist die Eingeladene, ihr Sohn Jesus und dessen Jünger begleiten sie. Immer wieder ist Jesus zu Gast bei den Menschen, den einfachen, den reichen, den angesehenen und den verachteteten. Und Jesus liebt das Feiern. Bei diesem Fest ist es wie im Leben: es gibt Pannen und Peinlichkeiten. In dem Fall geht der Wein aus. Wein steht für Lebensfreude, Lebenssinn, Lebensfülle. Eine Hochzeit ohne Wein ist wie die Sonne ohne Strahlen. Es ist Maria, die Jesus auf diesen Mangel aufmerksam macht. Du musst das schon einmal von Maria lernen: Wenn du etwas dringend brauchst, dann geh zu Jesus; vertraue dass er es geben kann. Maria bittet Jesus, weil sie ihm alles zutraut. Freilich: Gott hat seine eigenen Regeln. Er ist kein Dosen Automat, wo man oben eine Bitte einwirft und unten rollt die Getränke-Dose heraus... Obwohl Jesus scheinbar abwesend ist, gibt Maria den Dienern die Weisung: "Was Jesus euch sagt, das tut." Das ist der gute Rat Marias für dich und für alle, die sich Christen nennen: Was er sagt, das müssen wir tun!
Die Diener haben den Sinn des Befehles Jesu sicher nicht verstanden, denn er ordnet an, hunderte Liter Wasser vom entfernt gelegenen Brunnen zu holen. Wer will schon auf einer Hochzeit Wasser trinken? Vielleicht geht es dir auch so mit den Weisungen Jesu: Du denkst: Das ist doch mühselig, das ist doch altmodisch, das macht doch keine Freude. Doch die Diener folgen dem Rat Mariens: Was er euch sagt das tut! Und gerade deshalb kann Jesus ein Mega-Wunder wirken. Wasser wird zu Wein, die Hochzeit ist gerettet. Es ist so einfach: Wo du treu tust, was Jesus von dir will, da verwandelt sich alle Dumpfheit, Frustration und Sinnleere in Lebensfreude. Und damit du erkennst, was Gott von dir will, höre auf Maria.
3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat
Das allererste Wort, das Jesus bei seiner öffentlichen Verkündigung sagt, lautet: "Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe gekommen!" Jesus meint mit "Reich" nicht ein irdisches Reich, er meint nicht ein bestimmtes Gebiet, ein gesellschaftliches Machtgebilde auf Erden. Reiche Kommen und vergehen, Herrscher treten an und treten ab, Regierungen werden gebildet und aufgelöst... Das griechische Wort "basileia" muss man am besten mit "Königsherrschaft" übersetzen. Dort, wo Gott als König in den Herzen der Menschen regiert, hat das Reich Gottes begonnen. Darum sagt Jesus auch beim Verhör vor diesem korrupten Machtmenschen Pontius Pilatus: Meine Königsherrschaft ist nicht von dieser Welt!
Jesus möchte, dass du auf das schaust, was hinter diesem irdischen Leben liegt. Denn die Herrschaft Gottes beginnt erst dort in deinem Leben, wo du aufhörst, bloß weltlich zu denken. Deshalb fordert Jesus bei seinen Predigten viel von dir: dass du deine Feinde lieben sollst, dass du grossherzig geben sollst, dass du schmerzbereit verzeihen sollst, dass du auf keinen Fall an den Dingen dieser Welt hängen sollst...
Wo und wann beginnt das Recih Gottes? Ganz einfach: Schiebe den schweren Vorhang vor den Augen deines Herzens weg. Das Reich Gottes beginn dort in dir, wo du beginnst, wie Jesus zu lieben. Gottes Herrschaft hat noch nicht begonnen, wenn du etwas anderes über dein Leben herrschen lässt: deine Karriere, dein Anerkanntwerden, deinen Erfolg, deine Zufriedenheit, dein Bankkonto... Diesen Götzen hat Jesus den Kampf angesagt, denn sie führen zur Verhärtung deines Herzens und zu einer falschen Orientierung. Liebe Jesus von ganzem Herzen, sage ihm wie Maria, dass du ihm dienen willst, dann kann er seine Königsherrschaft in deinem Leben machtvoll aufrichten.
4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist
Jesus steht weithin sichtbar auf dem hohen Berg. Er hat drei Jahre lang Wunder gewirkt: Lahme sind gesund aufgesprungen, die bösen Geister sind aus den Besessenen ausgefahren, Blinde wurden sehend, Lahme gehend, Taube hörend... Und nun steht er auf dem Berg, während götticher Glanz aus ihm strahlt. In Jesus ist alles in Erfüllung gegangen, was Gott verheißen hat. Darum erscheinen plötzlich Moses und Elias: Denn das Gesetz das Gott durch Mose gegeben hatte, ist durch Jesus erfüllt; und das Heil, das der Prophet Elia verkündet hat, ist durch Jesus leibhaftig anwesend.
Der verklärte Jesus strahlt uns an. In diesen Strahlen seines göttlichen Glanzes fühlen wir uns natürlich wohl. So wohl, wie sich Petrus, Jakobus und Johannes gefühlt haben, die der Herr mit auf den Berg genommen hat. Petrus ruft, was wir gerne rufen würden, wenn wir religiös ergriffen sind, wenn wir uns Gott ganz nahe fühlen: "Es ist gut, dass wir hier sind. So schön soll es immer bleiben. Lasst uns drei Hütten bauen." Dieses schöne Gefühl, wenn es einem innerlich gut geht, kennen wir alle. Aber Jesus bleibt nicht auf dem Berg der Verklärung. Er steigt hinunter, um nach Jerusalem zu gehen und dort zu sterben. Ein anderer Berg erwartet ihn: der Ölberg. Dorthin wird er dieselben drei Jünger mitnehmen. Und dort wird Jesus in der Nacht vor seinem Tod Blut schwitzen: Auf dem Berg der Verklärung zeigt er seine Gottheit; auf dem Ölberg enthüllt sich seine wahre Menschlichkeit. Der vielgeliebte Sohn des göttlichen Vaters leidet Todesangst.
Du musst bereit sein, an der Hand der Muttergottes Jesus auf beide Berge zu folgen. Du wirst grausame Ölberg-Situationen durchleben, wo du dich von Gott und der Welt verlassen fühlst. Und du wirst Verklärungs-Erfahrungen haben, wo es dir göttlich warm ums Herz wird, weil du von den Strahlen ewiger Liebe durchstrahlt wirst. Vor dem einen brauchst du dich nicht wirklich zu fürchten; und das andere kannst du in diesem Leben nicht wirklich festhalten. Am Ende steht die ewige Verklärung, auf die dir das Aufstrahlen Jesu auf dem Tabor nur einen kleinen Vorgeschmack gibt.
5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat
In der Nacht, bevor Jesus verraten wird, nimmt er Brot und deutet es mit den Worten: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird." Danach, wenige Stunden vor der qualvollen Kreuzigung, nimmt Jesus den Kelch mit Wein und deutet ihn als sein Blut: "Das ist das Blut des Neuen Bundes", und nennt sogar ausdrücklich den Zweck des Blutes: Es wird vergossen zur Vergebung der Sünden. Jesus fasst durch diese Worte über das weiße Fladenbrot und den roten Wein im Kelch alles zusammen, was er in den vergangenen drei Jahren getan hat. Sein Leben wird zum Sakrament, zum heiligen Zeichen, denn er wollte ja die Herrschaft der Liebe Gottes in den Herzen der Menschen aufrichten.
Was versteht Jesus unter Liebe? Liebe ist für ihn ganz radikal. Nicht: "Ich will geliebt werden!" Sondern: "Ich will lieben!" Liebe ist für Jesus die Bereitschaft, sich von den Geliebten sogar weh tun zu lassen. Und wirklich: Jesus zeigt es uns, indem er sich von seiner eigenen Liebe zu uns Menschen nicht nur sehr weh tun lässt, sondern sich von ihr sogar töten lässt. Er schenkte Liebe und erntete das Gegenteil: feiger Verrat durch die eigenen Jünger; Verleumdung durch das eigene Volk; brutale Folter und Hinrichtung durch die heidnische Besatzungsmacht.
Am Kreuz vor den Mauern Jerusalems hängt Jesus als sichtbares Mahnmal der unsichtbaren Liebe Gottes. Der menschgewordene Gotessohn stirbt am Tag vor dem Paschafest, genau zu jener Zeit, als man im Tempel tausende Lämmer schlachtet. Darum zeigt der Priester bei jeder Heiligen Messe die gebrochene Hostie: Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Eine größere Liebe, als wir sie in der Eucharistie feiern, gibt es nicht, denn es ist die Liebe des Selbstopfers des Sohnes Gottes an uns Sünder.
Darum hat der ewige Sohn Gottes in der Kammer von Nazaret einen menschlichen Leib aus der Jungfrau Maria angenommen, um diesen seinen Leib und sein Blut jetzt für dich hingeben zu können. Maria, die Jesus dem irdischen Leib nach geboren hat, muss uns lehren, das unendliche Geschenk der Eucharistie zu schätzen. Die Muttergottes, die sich unter dem Kreuz mit dem Opfer ihres Sohnes innerlich verbunden hat, muss uns helfen, die Liebe Jesu so aufzunehmen, dass wir selbst zu radikal liebenden Menschen umgewandelt werden.
P. Karl Josef Wallner OCist
Prof. für Dogamtik und Dekan der Päpstlichen
Philosophisch-Theologischen Hochschule
in Heiligenkreuz

„BETENDES GOTTES VOLK“ Nr. 234/2008/2

Sie war jung und voller Tatendrang. Vielleicht lag eine glänzende Karriere als Schauspielerin vor ihr. Doch dann brach die heimtückische Krankheit aus. Natürlich hoffte sie auf Heilung. Schon länger hatte sie sich mit der heiligen Bernadette Soubirous beschäftigt. Eines Tages stößt sie auf das Wort der Erscheinung an die Heilige: "Ich verspreche dir nicht, dich in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der anderen." Ob diese Worte auch für sie gelten würden?
Vor 150 Jahren hat die heilige Maria die Worte zur 14-jährigen Bernadette gesprochen. Wie das angeführte Beispiel zeigt, haben sie auch heute noch Bedeutung. Betrachten wir sie daher genauer. "Ich verspreche dir." Im Auftrag Gottes darf die Erscheinung so sprechen. Auf Gottes Zusage darf man vertrauen: Er hält sein Wort. "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen"(Mt 24,35).
Aber nun kommt das herbe Wort, in dem Bernadette nicht das Glück dieser Welt versprochen wird. Welchen Sinn hat diese bittere Verheißung? Nehmen wir an, Bernadette hätte in Lourdes einen gut gehenden Souvenirladen eröffnet, eine Familie gegründet... Wäre dann nicht die Vermutung nahe gelegen, dass die Seherin die Erscheinungen erfunden hätte, um ihrem armen Schicksal zu entrinnen? Weiter: Erinnert uns der Zuspruch Mariens nicht an die Worte, die dem Apostel Paulus gesagt werden: "Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen" (2 Kor 12,7). Das harte Klosterleben sollte Bernadette davor bewahren, sich wegen ihrer einzigartigen Begnadung "zu rühmen".
Aber liegt der tiefste Sinn des ernsten Teils der Verheißung nicht in den anderen Worten der Erscheinung, "Bete zu Gott um die Bekehrung der Sünder"? Und zum Gebet sollte Bernadette das Opfer ihres von Krankheit und vielfachem Unverständnis gezeichneten Lebens hinzufügen.
Doch das Wort vom Leid war nur der eine Teil der Zukunftsdeutung der Erscheinung für Bernadette, daruaf folgt die "Frohe Botschaft": Ich werde dich glücklich machen in der anderen Welt." Das ist ja überhaupt das zentrale Thema der Erscheinungen in Lourdes: Es gibt die andere Welt! Viele Menschen - auch Christen - glauben nicht an diese andere Welt. Einen Grund dafür gibt der Papst in seinem Rundschreiben über die Hoffnung an: "Vielleicht wollen viele Menschen den Glauben heute einfach deshalb nicht, weil ihnen das ewige Leben nichts Erstrebenswertes zu sein scheint. Sie wollen gar nicht das ewige Leben, sondern dieses jetzige Leben, und der Glaube an das ewige Leben scheint dafür eher hinderlich zu sein. Ewig - endlos - weiterzuleben scheint eher Verdammnis als ein Geschenk zu sein."
Demgegenüber sagt Maria: Ich werde dich glücklich machen. Wollen wir das nicht alle: Glücklich sein, ohne Furcht das dieses Glück enden könnte? Schön beschreibt der Papst dieses Glück: "Es wäre der Augenblick des Eintauchens in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt. Wir können nur versuchen zu denken, dass dieser Augenblick das Leben im vollen Sinn ist, immr neues Eintauchen in die Weite des Seins, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden."
Bernadette durfte eine Vorahnung dieses Glücks erfahren, das sie in dem schönen Gebet zusammenfasst: "Wie glücklich war meine Seele, o gütige Mutter, als ich dich selig betrachten durfte! Wie gerne erinnere ich mich dieser süßen Momente unter deinem Blick voll Güte und Barmherzigkeit für uns. Ja, zärtliche Mutter, du hast dich bis zur Erde herabgeneigt, du wolltest dich gerne dessen bedienen, was in den Augen der Welt das Demütigste war."
Ich denke, dass die Erscheinungen der Gottesmutter in Lourdes nicht nur dem eingangs erwähnten jungen Menschen sondern vielen Tausenden, ja Millionen Menschen Trost und Mut gegeben haben - weil an diesem Gnadenort die Existenz der "anderen Welt" erfahrbar wird.
Mit herzlichen Grüßen
und Segen Ihr
P. Benno Mikocki OFM
Maria bringt Frieden
Vatikan. Am 1.März 2008 führten kolumbianische Streitkräfte einen Luftangriff gegen die marxistischen Guerillakämpfer der FARC. Die Attacke fand im Grenzbereich oder schon auf dem Staatsgebiet von Ecuador statt.
Der Präsident von Ecuador kündigte darauf die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien. Auch der Präsident von Venezuela, Hugo Chavez, kündigte an, sich an einer Militäroperation gegenKolumbien beteiligen zu wollen.
In dieser Situation sucht der kolumbianische Staatspräsident Alvaro Uribe bei der Gottesmutter Zuflucht.
Das gab sein Hauskaplan am Karsamstag bekannt. Am 5.März beteten alle Angestellten im Präsidentschaftspalast den Rosenkranz. Zwei Tage später schüttelten sich die drei Staatspräsidenten unerwartet die Hände. www.gloria.tv
IRAK zwischen Höllenfahrt
und Hoffnungsschimmer
Abgestumpft lassen die meisten Fernsehzuschauer die Irak-Nachrichten über sich ergehen. Nichts als Schreckensbilder. Doch sie zeigen nur die halbe Wahrheit. Im Irak schöpfen manche Menschen wieder Hoffnung. Die Zahl der Gewaltakte nimmt ab, tausende Flüchtlinge kehren zurück, und zwischen all dem Terror gewinnt der Wiederaufbau neuen Schwung. Was wird früher kommen: Der unvermeidliche US Abzug oder Erfolge beim Versuch das geschundene Land doch noch zu stabilisieren?
1921 aus der Erbmasse der Osmanen und der britischen Kolonialherrschaft entstanden, ist der Irak eine künstliche Mischung von Völkern vieler Konfessionen. Seine immensen Ölvorräte zogen stets Neid und Besitzgier an. Wie kein anderes arabisches Land ist der Irak durch hohe Bildung, Fortschrittsgeist und eine schöpferische Neigung zu Kultur und Kunst geprägt. Doch die 35 Jahre einer brutalen Diktatur haben das Zweistromland vergiftet. "Den USA" - drohte Saddam Hussein - "wird sich im Irak das Tor zur Hölle öffnen". Damit meinte er die Entfesselung der sunnitisch-schiitischen Verfeindung. Heute frisst sie sich immer tiefer in die gesamte nahöstliche Schlüsselregion hinein. Der konfessionelle Hass gerade dort, wo man das Paradies der Schöpfungsgeschichte und den Ort der Sintflut annimmt, ist ein diabolisches Geheimnis. Von Ur in Chaldäa aus hatte Abraham, der Stammvater der drei monotheistischen Religionen, auf Gottes Geheiß seine Wanderung begonnen. Seit fast 2000 Jahren ist der Irak Heimat auch für Christen. Rund 800.000 Irakis gehören einer der christlichen Konfessionen an, von denen die chaldäisch-katholische die stärkste ist. Die christlichen Assyrer verwenden heute noch Aramäisch, die Sprache Jesu, in ihrer Theologie und Liturgie.
Unter Saddam Hussein ging es den Christen vergleichsweise passabel. Nach dessen Sturz gerieten sie zwischen die Mühlsteine. Wohlhabende Christen wurden entführt, Kirchen angezündet, Priester ermordet. An der einstigen "Brückenbauer"-Funktion der Minderheit ist derzeit niemand interessiert.Zehntausende Christen sind außer Landes oder in den kurdischen Norden geflohen. Die Lage der Christen ist so prekär, dass manche Pessimisten für sie keine Zukunft mehr erblicken. "Unsere Christen haben Angst. Sie fühlen sich heute als Fremde im eigenen Land. Die Zurückgebliebenen erhalten Drohbriefe, müssen hohe Geldbeträge zahlen oder zum Islam konvertieren", klagt Erzbischof Louis Sako von Kirkuk. Von den einst 26 Millionen Einwohnern sind seit Kriegsbeginn 2003 mehr als eine Million Menschen der Gewalt zum Opfer gefallen (zumeist bei innerirakischen Konflikten). Vier Millionen mussten flüchten, die Hälfte davon ins Ausland.
Wieso kam es überhaupt zur Invasion? Seit den Al-Kaida-Anschlägen in New York und Washington 2001 hatte sich Amerika in höchster Alarmstimmung befunden. Allzu leichtfertig kam es zur Behauptung Saddam Hussein arbeite mit der islamistischen Terrororganisation zusammen. Dieser Kriegsgrund war ebenso falsch wie die Behauptung irakischer Massenvernichtungswaffen. Mit solchen Unwahrheiten und ohne Zustimmung der UNO stürzte die amerikanisch geführte "Koalition der Willigen" Saddam Hussein in einem Blitzkrieg. Er war zweifellos einer der schlimmsten Diktatoren, dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Doch für Amerika endete das, was mit Lügen begonnen hatte, im Desaster.
In jeglicher Hinsicht wurden die Schwierigkeiten des Wiederaufbaus von den USA falsch eingeschätzt. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung übten die Schiiten (60 Prozent) grausame Rache an der bisherigen Herrscherschicht der sunnitischen Stämme (20 Prozent). Den gequälten Kurden (16 Prozent) gelang es, sich im de facto autonomen Norden einzuigeln. Furchtbar wurde es, als Al Kaida nach der Vertreibung aus Afghanistan die Chance eines neuen Aktionsfeldes erkannte. Hunderte Selbstmordattentäter sickerten aus dem Ausland ein. Die Höllenfahrt begann. Allein die USA zählen heute 4000 Gefallene, 28.000 Verstümmelte und zehntausende traumatisierte Soldaten.
Kann es aus dieser Katastrophe - die die USA täglich 370 Millionen Dollar kostet - einen Ausweg geben? Oder formieren sich in der momentanen Teilberuhigung nur die Bürgerkriegsparteien von morgen? Ein Zerfall des Landes in drei Teilstaaten wäre keine Lösung, weil dies nur die gesamte Region in Aufruhr brächte (mit dem Iran als einzigen Gewinner). Der Schlüssel liegt in Bagdad, das heißt in einer akkordierten Machtteilung der Gruppen per Föderalisierung sowie in einer gerechten Aufteilung der Öleinkünfte.
Es gibt einige Hoffnungszeichen. Nicht nur ist es US-General David Petraeus geglückt, dank einer geänderten Strategie den Terror zurückzudrängen, 70.000 sunnitische Stammeskrieger auf seine Seite zu ziehen und erhebliche Fortschritte beim Aufbau der irakischen Armee und Polizei zu erreichen. Auch dem schwachen (schiitischen) Regierungschef Al Maliki gelang es endlich, ein Gesetz zur Rehabilitierung der meisten (sunnitischen) Baath-Parteimitglieder durchzubringen. Doch vom Beginn einer wirklcihen Versöhnung ist Irak noch weit entfernt.
Zwei von drei Amerikanern wünschen einen möglichst raschen Abzug. Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Clinton und Obama haben sich dazu verpflichtet. Das wird zwar nicht so rasch gehen, wie versprochen. Ein überstürzter Abzug könnte - so Präsident Bush - erst recht mörderische Folgen zeitigen wie einst in Vietnam. Was also tun? Der Westen sucht verzweifelt eine "Exit strategy" und hofft auf eine Wiedereinschaltung der UNO. Manche Verbündete haben mit dem Rückzug schon begonnen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.
Paul Schulmeister
Die Psalmen entdecken
Der Herr, König und Richter aller Welt Psalm 96
"Singt Jahwe ein neues Lied, seinen Ruhm bis ans Ende der Erde! Es brause das Meer und was es füllt, die Gestade und ihre Bewohner.´ ...So fordert das Jesajabuch die Welt zur Feier der bevorstehenden Befreiung des Gottesvolkes aus der Babylonischen Gefangenschaft auf. An diese Stelle knüpft unser Psalmist seinen Aufruf an. Das ,neue Lied´ist ein Lied von Jahwes neuem, unerwartetem Heilswalten an Israel" (Deissler).
Israel soll vor allem den Nachbarvölkern das "Evangelium", die frohe Botschaft von Gottes Wundertaten verkünden.
Hier gleich die Frage an uns: Erzählen auch wir den Menschen von Gott und seinem Wirken, besonders der Großtat Gottes, der Auferweckung Jesu Christi?
In den Versen 4-6 wird Gott als der Gewaltige geschildert, der über allen "Göttern" thront. Gleich wird aber hinzugefügt, dass die "Götter" der Heiden "Nichtse" sind, ohnmächtig von Menschenhand gefertigt. Der Gott Israels hingegen zeigt seine Macht durch die Schaffung des Himmels. Die Schöpfung des Himmels wird als besonders gewaltiges, die Welt überspannendes Machtwerk des Gottes Israels betrachtet. (Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes!)
Darum werden Gott Hoheit und Pracht, Macht und Glanz, die üblichen Königsprädikate, zugesprochen und zwar so, wie wenn sie als Personen im himmlischen und in irdischen Tempel vor ihm ständen.
Denken wir hier an die Berufungsvision des Jesaja: "Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Seraphim standen über ihm. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt" (Jes6,1-3).
Lobt den Herrn alle Völker
Der Lobaufruf beschreibt die kultische Verehrung durch alle Völker. Wenn die "Stämme der Völker" aufgerufen werden, Gaben darzubringen, kann man auch an die Teilnahme am Opferkult denken. Ja die Heiden sollen kultische Gewänder anlegen wie die Sänger im Tempel.
Dürfen wir hier als neubundliche Beter nicht auch den Missionsauftrag "Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern" (Mt 28,19) heraushören? Dass möglichst viele Mesnchen am eucharistischen Opfer teilnehmen können?
"Erbebt vor ihm, alle Länder der Erde." Trotz des Aufrufs zum Gotteslob mag darin doch auch der respektvolle Abstand zwischen Gott und den Völkern ausgedrückt sein.
Noch einmal wird Israel aufgerufen, die Großtaten Gottes zu verkünden. Das Rcihten vollzieht sich einerseits in der richterlichen Lenkung der Geschichte (dürfen wir hier auch an die "größte Revolution" des Jahres 1989 denken?), andererseits im endgültigen, letzten Gericht.
Es jauchze die Flur
Im letzten Teil des Psalms wird die außermenschliche Schöpfung in das Lob Gottes miteinbezogen:"Es jauchze die Flur, jubeln sollen alle Bäume des Waldes." Weshalb? Weil der Herr zum Gericht kommt. Es ist aber beschrieben als "ein der jubelnden Welt zugewandtes Gesicht, also kein Strafgericht" (Hossfeld).
"Unser Psalm will als ,neues Lied´ein besonderes hymnisches Echo auf außerordentliche göttliche Heilstaten sein. Dieses ,Echo´ soll gleichsam über die ganze Welt zur Botschaft dieses Psalms, weil in ihm das vergangene und gegenwärtige Königswalten Jahwes in seine endzeitliche Herrlichkeitsgestalt aufwächst. Diese wird zwar unter der Kategorie des Richtertums Gottes über alle Völker erfasst, aber der Bundeswille tritt dabei als Impuls und Norm dieser richterlichen Herrschaft deutlich hervor. Darum auch die jubelnde Huldigung des ganzen Kosmos, welche der Psalm in einem ,Voraus-Echo´vergegenwärtigen möchte. Wenn schon im Alten Bund - er enthält aber bereits im Keim die künftige Heilszeit und kündigt sie an! - solch ein ,neues Lied´aufklingen konnte, so erst recht im Neuen Bund (vgl. Lk 22,20) selbst. Hat mit Jesus in der Heilsgeschichte doch etwas ganz Neues eingesetzt (vgl. Mk 2,21f). Ja er selbst ist der ,Neue Äon´, sodass 2 Kor 5,17 gilt: ,ist jemand in Christus, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, es wurde neu´(vgl. Gal 6,15)" (Deissler).
Diese Herrschaft Gottes hat also mit dem Kommen Jesu, vor allem seiner Auferstehung aus dem Tod, begonnen und wird herrlich vollendet.
P. Benno Mikocki
Der Rosenkranz - Zusammensein mit Gott (2)
Betrachtungen zum glorreichen Rosenkranz
Foto: Presse Bild Poss
1.Jesus, der von den Toten auferstanden ist
Elender als Jesus konnte man nicht sterben: Unter qualvollen Schmerzen hat er am Kreuz seinen Geist aufgegeben. Er wollte lieben, lieben bis in den Tod. Er starb für die, die ihn ausgeliefert, verraten und zu Tode gequält haben. "Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde" (Joh 15,13). Aber was für einen Sinn soll das haben? War Jesu Schmerzenstod bloß eine edle Tat, eine schöne Geste, - aber im Letzten ohne Sinn? Ist nicht mit dem Tod alles aus und vorbei?
Jeder Mensch hat Angst vor dem Sterben! Der Tod streicht ja alles durch, was man im Leben geschafft hat: Du kannst nichts mitnehmen. Karriere, Erfolg, Geld und Besitz, Titel und Anerkennung, ja selbst die Zuneigung der Menschen, die einem nahe gestanden sind, kannst du nicht zusammenraffen und über die Schwelle des Todes hinübertragen. Du kommst nackt in die Welt und Du gehst nackt aus dieser Welt davon. Darum haben wir Angst vor dem Tod, weil wir nicht loslassen wollen. Jesus aber hat ganz losgelassen! Ganz und gar! Noch in seinem Sterben verschenkt er sich ganz: Er übergibt seine geliebte Mutter dem Jünger, er haucht seinen Geist in die Welt hinein, er lässt aus seinem Herzen Blut und Wasser als Symbol für Erlösung und Taufe ausströmen... Und seine letzten Worte in den Todesqualen waren unvorstellbare Barmherzigkeit: "Vater, vergib ihnen..." (Lk 23,34). Wer ganz gibt, dem wird auch ganz gegeben. Darum hat Gott der Vater Jesus auferweckt. Die Auferstehung ist der Beweis dafür, dass die totale Liebe immer total siegt. Lieben hat immer einen Sinn, auch dort, wo sie sinnlos erscheint.
In allen Religionen haben die Menschen Phantasievortsellungen entwickelt, wie es nach dem Tod weitergehen könnte. Uns Christen interessiert weniger das "wie", sondern wir wissen um das "dass". Jawohl: Weil Christus auferstanden ist, weil das Grab leer war, darum lehrt mich der Glaube: Auch ich werde auferstehen; der Herr Jesus Christus ist der Erstgeborene der Toten, er wird mir eine ewige Gemeinschaft herrlicher Liebe bereiten. Halleluja!
2. Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist
Die Auferstehung Christi war der Triumph der kreuzesbereiten Liebe. Als man am Ostermorgen meldete: "Das Grab ist leer, der Herr ist auferstanden, er ist uns erschienen...", da waren die Jünger nicht naiv und leichtgläubig. Im Gegenteil. Gerade die Apostel waren die größten Zweifler, nicht nur jener Thomas, der den Beinamen "der ungläubige Thomas" erhalten hat. Die Auferstehung Christi war nicht ein Wunder unter vielen Wundern, die Christus gewirkt hatte, sondern sie war das "Wunder aller Wunder". Sie übersteigt jede Vorstellungskraft völlig. Wie sollten wir Sterblichen mit unserem begrenzten Verstand auch jene andere Dimension uns vorstellen können, die den Namen "Ewigkeit", "ewiges Leben" oder "Himmel" trägt?
Nach der Auferstehung war Christus den Jüngern vierzig Tage lang erschienen. Die armen Apostel, die nach dem Karfreitag alle frustriert und zu Tode verängstigt waren, brauchten ganz einfach eine vierzig-tägige Schulung. Jesus erschien ihnen mit verklärten Wunden und lässt ihnen die Augen aufgehen. Erst jetzt können sie alles begreifen, was Jesus in den drei Jahren ihrer Wanderschaft geredet und getan hatte. Sie erkennen ihn als den Sohn Gottes, den der Vater zur Rettung aller gesandt hat. Und Jesus schult seine Jünger auf eine tröstliche Zukunft ein: Er verheißt den Geist, der alles vollenden wird. Und weil er selbst durch den Geist in den Herzen der Getauften weiterwirken wird, darum ist es gut, dass er endgültig zum Vater heimgeht.
Die Himmelfahrt Christi darf man sich nicht wie einen Raketenstart vorstellen. Der "Himmel" ist hier nicht das blaue Firmament über uns, sondern die ewige Gemeinschaft mit Gott: Auf dem Ölberg steht Jesus, es ist vierzig Tage nach Ostern. Es ist derselbe Ölberg, wo Jesus in der Nacht vor seinem Tod Blut geschwitzt hatte. Doch jetzt ist hier nur göttlicher Glanz: eine Wolke verhüllt den auferstandenen Herrn: Jetzt kehrt Jesus endgültig aus dieser Welt zum Vater heim. Doch er nimmt etwas mit in den Himmel: seine Menschlichkeit. Jesus kehrt nicht als reiner göttlicher Geist in die Ewigkeit zurück, sondern mit seinem verklärten Leib, - also mit einem Stück von unserer menschlichen Wirklichkeit. Die Grenze zwischen hier und dort ist durchlässig geworden! Denn wohin der Herr Jesus Christus gegangen ist, dorthin sollen auch wir alle gehen: in die ewige Gemeinschaft mit dem Vater im Heiligen Geist.
3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat
Wo Maria ist, da weht der Heilige Geist! Bei seiner Himmelfahrt hatte Jesus den Jüngern noch einige konkrete Weisungen gegeben. Denn der Herr hinterlässt eine Gemeinschaft auf Erden, die seinen Namen tragen wird, weil sie ganz dem Herrn gehört. Das Wort Kirche kommt von "Kýrios", "Herr". Und diese Kirche ist nichts für Faule und Nichtstuer, denn Jesus gibt ihr eine Mission, eine Sendung: "Geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern..." (Mt 28,19).
Jesus spricht bei seiner Himmelfahrt zu einer winzig kleinen Gruppe. Es war nie und nimmer vorstellbar, dass dieser kleine Haufen innerhalb weniger Jahrhunderte die ganze Welt erobern sollte. Heute ist das Christentum die größte Religion der Erde. Der Grund dafür liegt darin, dass Gott selbst in der Kirche wirkt, und zwar mächtig! Diese Macht des Wirkens Gottes ist der Heilige Geist.
Nach der Himmelfahrt hatten die Jünger neun Tage lang bei verschlossenen Türen im Abendmahlsaal gebetet. Ohne Gebet, ohne Konzentration, ohne innere Verbindung mit Gott geht gar nichts. Es war ein Gebet in Gemeinschaft: die Apostel, andere Christen, Männer und Frauen, vor allem aber Maria, die Mutter Jesu, war dabei. Maria ist in ihrer Reinheit und Heiligkeit Lehrmeisterin der Hingabe an Gott. In der Kammer von Nazaret hat sie Gott gleichsam auf die Erde gezogen, als sie die Einladung zur Gottesmutterschaft mit den Worten annahm: "Siehe ich bin die Magd des Herrn!" Wo man sich so klein vor Gott macht, da kann Gott Großes tun. Damals war der Heilige Geist auf sie hearbgekommen, und jetzt, zu Pfingsten, geschieht dies nochmals: Am Pfingsttag öffnet sich der Himmel. Jesus hatte dieses Geschenk verheißen: "Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!" "Einen anderen Beistand werde ich euch schenken, den Heiligen Geist..." Wir müssen uns mit Maria ganz innig verbinden, damit auch auf uns der Heilige Geist mächtig ausgegossen wird und damit wir die Sendung Jesu bis in den letzten Winkel der Erde tragen können.
4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat
Am Rand einer Galaxie von Milliarden anderen Galaxien im Umkreis um einen Stern namens Sonne zwischen Abermilliarden von anderen Sternen befindet sich unser kleiner blauer Planet namens Erde. Der geschaffene Kosmos ist unvorstellbar groß! Gott hat alles wunderbar geschaffen, das größte Wunder aber ist, dass wir Menschen auf der Erde seine vielgeliebten Geschöpfe sind. In all der Unendlichkeit der Schöpfung liebt Gott jeden Menschen. Von einem Menschen geliebt zu werden, ist wunderbar; aber von Gott geliebt zu werden, ist unvorstellbar wunderbar! Gott hat sich gleichsam in uns Menschen "verliebt". Darum ist er einer von uns geworden: der unendliche Gott als ein Mensch unter vielen Menschen. Zu dieser Tat der Liebe wollte er ganz demütig die Zustimmung des Menschen erbitten, genauer: die Zustimmung einer Frau. Gott wollte das "Jawort" Mariens, um seine Liebe zu uns zu verwirklichen. Und Maria hat Ja gesagt. Alle Generationen preisen sie mit Recht selig, denn ihr "Fiat" ist der Grund unseres Heiles. Gott wollte es so.
Und weil Maria genau so Mensch ist, wie Gott sich den Menschen immer vorgestellt hat, wie er sein ursprüngliches Konzept im Menschen angelegt hat, darum ist es auch logisch, dass Maria als Erste voll und ganz an der Erlösung Anteil haben soll. Jesus ist mit Leib und Seele von den Toten erstanden und er hat auch seine Mutter, nach Vollendung ihres irdischen Lebens, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Wir, die wir Kinder Gottes sind durch Jesus Christus, haben in Maria eine menschliche Mutter im Himmel!
Wenn wir auf Maria schauen, dann schauen wir in den Himmel. Und dann begreifen wir auch, dass wir als winzige Pünktchen im großen Universum nicht verloren sind, sondern dass wir für Gott etwas bedeuten. Er will jeden von uns, wie Maria, mit Leib und Seele bei sich in seiner ewigen Liebe haben.
5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat
Wir sind hier auf Erden so voll und satt mit all den schönen Dingen, die wir uns leisten können, dass wir oft darauf vergessen, dass das Leben kurz ist. Der Tod kommt unasuweichlich. Man kann den Gedanken an die Vergänglichkeit wegschieben, man kann sich betäuben mit Genuss. Dennoch kommt das Ende des Lebens hundertprozentig sicher.
Maria war auch ein Mensch, sie war auch sterblich - und sie ist auch wirklich gestorben. Aber sie ist der erste Mensch, an dem sich das Wunder auswirkt, das jesus Christus uns geschenkt hat: Er, der von den Toten auferstanden ist, will uns alle in die Ewigkeit hinüberretten. Nicht 70,80,90 oder wie viel auch immer Jahre währt unser Leben, sondern ewig! Wer Gott und die Menschen liebt, wie Christus dies uns vorgezeigt und in Gnade eröffnet hat, dem gilt die Verheißung eines unendlichen Glückes. Und an Maria ist dies vollkommen verwirklicht. Gott hat ihr die Krone aufgesetzt, weil sie ganz so war, wie Gott jeden Menschen haben will. Maria ist Königin im Himmel. Nicht fern und abgehoben, sondern so ganz mit jedem von uns verbunden. Ihr Königtum ist die Liebe, ihre Würde ist die Fürsorge, ihr Ruhm ist die Barmherzigkeit. Kann die Mutter im Himmel vollends zufrieden sein, solange noch viele ihrer Kinder auf Erden noch fern sind von Gott? Kann die Königin der Liebe vollends glücklich sein, solange das Reich ihres Sohnes auf Erden noch nicht endgültig aufgerichtet ist und so viele Menschen "in Finsternis und Todesschatten" der Gottferne sind? Wir dürfen damit rechnen, dass diese Königin alles tun wird, was in ihrer Macht steht, damit wir Menschen auf Erden "tun, was Jesus uns sagt". Du darfst auch persoenlich in deinem Leben damit rechnen, dass sie, die Mutter und Koenigin, dich an der Hand nimmt. Hab keine Angst davor. Lass dich fuehren. Sie leitet dich gut, denn sie weiss, wohin der Weg geht: zu Gott, in das ewige Reich der Liebe.
P. Karl Josef Wallner OCist
Prof. für Dogamtik und Dekan der Päpstlichen
Philosophisch-Theologischen Hochschule
in Heiligenkreuz
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